Nur die Liebe fehlt. Von Depression nach der Geburt und Müttern, die ihr Glück erst finden mussten

Ein Buch, das ohne Beschönigung und manchmal krass die unterschiedlichen Gesichter der postpartalen Depression zeigt. Aber auch ein Buch, das Mut macht und aufrüttelt.


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Weil nicht sein kann, was nicht sein darf



„Doch allmählich wird jeder Tag ein Kampf. Zunächst merkt niemand etwas. Weil es niemand merken kann. Die Angst und die Beklemmung in ihr. Und ihre Familie soll das nicht erfahren....”

von Petra Wiegers in "Nur die Liebe fehlt"

10 Monate Schwangerschaft und danach eine rosarote Wolke des Glücks. So hat es zu sein. Kaum liest, sieht und hört man Geschichten von Müttern, denen es nicht so ging. Die statt Glück – Leere, Überlastung, Traurigkeit gefühlt haben. Denn was nicht sein darf, das kann nicht sein. Dabei erkranken zehn bis 20 Prozent der Mütter nach der Geburt an einer postpartalen Depression. Aufklärung über die Ursachen und Hilfsmöglichkeiten ist ein Weg, dieses Thema zu enttabuisieren. 

Einen anderen Ansatz verfolgt das Buch „Nur die Liebe fehlt“ von Petra Wiegers. Es packt den Leser an der empfindlichsten Stelle – den Gefühlen. Statt Fakten aneinander zu reihen und einzuordnen, erzählt die Autorin vier Geschichten aus Sicht betroffener Frauen. Diese Geschichten sind so in Wirklichkeit nicht passiert, sondern aus Einzelaspekten realer Erlebnisse zusammengesetzt. Dennoch können sie sich exakt so abgespielt haben. Ergänzend wird jede Geschichte auf sehr verständliche Weise von einer Psychiaterin kommentiert und in einen größeren Zusammenhang gesetzt.

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Eindringlich gegen ein großes Tabuthema

Die Einzelfälle zeigen, wie unterschiedlich sich eine postpartale Depression äußern kann. Dass sie keine gesellschaftliche Schicht auslässt. Dass sie jeden treffen kann. Ob wie bei Mavi erst beim dritten Kind als Folge von Überlastung und dem Druck, die perfekte Mutter sein zu müssen. Oder wie bei der beruflich erfolgreichen Isabel, die keine Bindung aufbauen kann - obwohl ihr erstes Kind ein absolutes Wunschkind ist.


Sehr persönlich, eindringlich und an manchen Stellen schockierend schreibt Sandra Wiegers aus dem Leben dieser fiktiven Mütter. Man möchte ihnen als Leser zurufen: „Vertrau dich jemandem an. Such dir Hilfe.“ Im gleichen Sinn fühlt man jedoch die Scham und Ambivalenz, die die Frauen zunächst genau davon abhält. Ob aus dem Gefühl heraus, versagt zu haben bis hin zu einem überhöhten Anspruch an sich selbst. Jede der Mütter findet letztendlich Hilfe: Von der Selbsthilfegruppe bis zur stationären Betreuung werden viele Wege aufgezeigt. Und doch steht vorher ein langer Leidensweg.

Das Leiden und der Druck - sie betreffen nicht nur die Mutter, sondern die gesamte Familie. Der Partner, die Geschwisterkinder; auch sie werden in diesem Buch nicht ausgeklammert. Welche Auswirkungen die Krankheit auf das System „Familie“ als Ganzes hat und wie wichtig für alle Beteiligten ist, Unterstützung und Hilfe zu erfahren, das wird mehr als deutlich.

„Dieses Buch soll zwar auch Antworten geben. Aber in erster Linie soll es wachrütteln. Es soll den Frauen Mut machen, die sich bisher nicht getraut haben, über ihre Krankheit zu sprechen. (…) Dieses Buch soll jungen Müttern helfen, sich zu öffnen, Angehörigen helfen, die richtigen Schlüsse zu ziehen und Mitmenschen helfen, genauer hinzusehen.“, schreibt Petra Wiegers in der Einleitung. Wir finden: Dieses Ziel hat sie erreicht. Zumindest bei uns.


Cover nur die Liebe Fehlt Patmos Verlag



Nur die Liebe fehlt Von Depression und Müttern, die ihr Glück erst finden mussten
von Petra Wiegers

• erschienen im Patmos Verlag
• ca. 17 Euro
"Nur die Liebe fehlt" direkt bei Amazon bestellen
• Mehr Infos zur Autorin unter petrawiegers.de


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