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Babyschwimmen: Expertinnentipps für den ersten Schwimmkurs eures Babys

Babyschwimmen: Expertinnentipps für den ersten Schwimmkurs eures Babys

Ab ins Wasser!

Das Babyschwimmen zählt unter frischgebackenen Eltern zu den beliebtesten Babykursen. Planschen im Wasser macht vielen Kleinen Spaß und sie trainieren dabei ganz spielerisch ihre Motorik und ihre Muskeln. Wir haben mit einer Babyschwimmkursleiterin gesprochen, warum man früh mit der Gewöhnung ans Wasser beginnen sollte und wie Eltern einen passenden Schwimmkurs auswählen.

Wann mit dem Baby schwimmen gehen?

Sabrina Golitz gibt als Koordinatorin beim Bäderland Hamburg selbst Babyschwimmkurse und sagt: "Es gibt keine feste Regel, in welchem Alter man mit dem Babyschwimmen beginnen sollte. Wichtig ist, dass Eltern und Baby sich wohlfühlen und Spaß an der gemeinsamen Bewegung im Wasser haben. Das ist bei dem einen früher der Fall und bei dem anderen später, manchmal auch mit einer Pause dazwischen. Generell kann man sagen, wenn Mama (oder Papa) und Baby fit und gesund sind, kann man ab dem 3. Lebensmonat mit dem Babyschwimmen anfangen."

Ob das Baby generell gern im Wasser ist, merken Eltern bereits zu Hause beim Baden. Die Wassergewöhnung fängt, laut Kursleiterin Sabrina Golitz, schon beim ersten Duschen und Abwaschen des Babys und dem ersten Bad in der Babybadewanne an. Eine erste Regel ist, dass man das Babyschwimmen beginnt, wenn das Baby den Kopf selbst heben kann. Also ca. ab einem Alter von 12 Wochen. Kinderarzt Dr. Karsten Theiß empfiehlt jedoch einen Einstieg mit etwa einem halben Jahr, weil dann die Eltern-Kind-Bindung noch enger ist.

Wie sinnvoll ist Babyschwimmen?

Neben der Wassergewöhnung stehen bei Babyschwimmkursen vor allem der Spaß und die Bewegung im Mittelpunkt. Der Auftrieb im Wasser sorgt dafür, dass sich Babys dort viel leichter bewegen können, als auf dem Trockenen, wo die noch schwachen Muskeln mit der Schwerkraft zu kämpfen haben. Vielen Säuglingen macht das Freude und sie entdecken sich und ihren Körper, wie es ihnen an Land nicht möglich wäre. Das stärkt die Selbstwahrnehmung und das Körpergefühl.

Gleichzeitig wirkt das Treten und Planschen im Wasser wie ein kleines Fitnesstraining. Die Übungen, die der Kursleiter vorgibt, trainieren dabei gezielt bestimmte Reflexe und Bewegungen und schulen die Koordination. Kein Wunder also, dass die kleinen Schwimmer nach dem Baden meist besonders gut schlafen – schließlich haben sie ein richtiges Workout hinter sich! Doch keine Angst, unter fachkundiger Anleitung wird euer Kleines bei der Wassergymnastik zwar gefordert, aber nicht überfordert.

Das Babyschwimmen an sich ist keine unverzichtbare Frühförderung. Sondern eher eine Gelegenheit für euch und eure Wasserratte, Zeit miteinander zu verbringen, engen Körperkontakt zu genießen und Spaß zu haben. Eine Studie der Universität Köln gibt zwar Hinweise darauf, dass kleine Schwimmer in den ersten sechs Lebensmonaten eine bessere Körperkoordination als gleichaltrige Nicht-Schwimmer haben. Jedoch holen die Nicht-Schwimmer diesen Vorsprung vermutlich spätestens mit Beginn des Krabbelns ruckzuck wieder auf.

Kann ein Neugeborenes schwimmen?

Säuglinge haben einen angeborenen Atemanhalte-Reflex, sodass sie, wie der Name schon sagt, automatisch die Luft anhalten, wenn ihr Gesicht mit Wasser in Berührung kommt. Jedoch verschwindet dieser Reflex innerhalb der ersten Lebenswochen oder -monate. Wann genau, das ist von Baby zu Baby unterschiedlich.

Ist es okay, das Baby tauchen zu lassen?

In manchen Babyschwimmkursen werden Säuglinge wegen dieses Luftanhaltereflexes untergetaucht. Doch die Meinungen dazu sind zwiegespalten. Ärzte und Ärztinnen raten von solchen Tauchübungen eher ab, da es dadurch zu Unfällen kommen kann. Kursleiterin Sabrina Golitz merkt zudem an, dass erzwungenes Luftanhalten auch zu einer Stressreaktion beim Baby kommen kann. Daher hat sie eine eindeutige Meinung zum Thema Untertauchen:

In unseren Schwimmkursen wird kein Baby gegen seinen oder den Willen der Eltern unter Wasser getaucht. Wir halten das eher für eine Spielerei, eventuell für tolle Fotos. (...) Das Hauptziel des Babyschwimmens ist die Freude am Wasser sowie die behutsame Gewöhnung an das Element. Und damit ist es schon der erste wichtige Einstieg ins spätere Schwimmenlernen. Je nach Kind - und nach Eltern - kann Tauchen ein Teil davon sein, niemals ein Muss.

Sabrina Golitz, Bäderland Hamburg

Wie warm muss das Schwimmbadwasser für Babys sein?

Die Wassertemperatur sollte zwischen 31 und 33 Grad liegen. Überhaupt ganz wichtig: Wärme. Euer Baby darf nicht frieren. Blaue Lippen, marmorierte Haut, Zittern oder Quengeln sind eindeutige Zeichen dafür, dass es eurem Schatz für heute reicht. Nach dem Baden und anschließendem Abduschen sollten ihr die Wassermaus gut abtrocknen (vor allem die Haare!) und dick einpacken, wenn ihr das Schwimmbad verlasst. Mützchen nicht vergessen!

Was macht einen guten Kurs für Babyschwimmen aus?

Hier weist die Babyschwimmkursleiterin Eltern darauf hin, dass der Anbieter solcher Kurse auch entsprechend vorbereitet sein sollte: "Das fängt bei der Luft- und Wassertemperatur an und bezieht auch eine gewisse Infrastruktur mit ein. Das bedeutet z.B., dass ausreichend Fläche vorhanden ist, damit Eltern und Kinder sich bequem „ausbreiten“ können. Auch hilfreich sind ausreichend Ablageflächen (Stühle, Liegen, Matten…), Wickelmöglichkeiten, Hochstühle in der Dusche etc. Ein weiteres Kriterium bei der Wahl des passenden Anbieters ist, dass den Teilnehmer*innen rund um den Kurs genug Zeit gegeben wird, zum Ankommen, Gewöhnen, Umziehen."

Der Zeitplan sollte also nicht zu straff getaktet sein, damit die Babys sich auf die neue Umgebung und Situation einstellen können. Ein guter Anbieter weiß das, so Frau Golitz, und stellt sich darauf ein. Außerdem gibt sie den Tipp, dass man auch schaut, ob der Kurs von speziell auf Babyschwimmen ausgebildete Kursleiter durchgeführt wird und die Gruppe nicht zu groß ist.

Erfahrene Kursleiter*innen werden immer auf jedes einzelne Baby und seine Bedürfnisse eingehen. Vielleicht möchte ein Baby lieber nur am Rand "zuschauen" oder braucht etwas mehr Zeit als andere. Und wenn Leitung und Eltern nach ein paar Stunden den Eindruck haben, dass das Baby keine Freude an der Wassergewöhnung hat, ist es sicher ratsam, die Kursteilnahme zu verschieben.

Sabrina Golitz, Bäderland Hamburg

Babyschwimmen: Infos und Tipps im Überblick

  • Babyschwimmkurse finden bestenfalls in kleinen Gruppen und unter fachkundiger Leitung statt. Im Idealfall hat der Kursleiter eine Ausbildung bei der DLRG oder dem DSV absolviert.
  • Kinderarzt Dr. Theiß empfiehlt, dass Babys vor den Schwimmstunden die Rotaviren-Impfung abgeschlossen haben sollten und zwischen Impfung und erstem Badebesuch mindestens 14 Tage Zeit vergangen sind.
  • Je jünger euer Kleines ist, desto kürzer sollten die Schwimmstunden ausfallen. Für Säuglinge reichen beispielsweise 15 bis 20 Minuten. Ältere Babys halten in der Regel schon 30 Minuten schwimmen aus.
  • Baden macht hungrig! Plant nach der Schwimmstunde eine Stillpause ein bzw. Fläschchenzeit ein.
  • Kranke oder müde Babys sollten nicht zum Babyschwimmen.
  • Verwendet vor dem Baden keine Hautcremes oder Lotionen und duscht euer Baby vorher kurz ab, damit keine Chemie ins Wasser gerät und das Kleine euch nicht aus den Händen glitscht.

Chemie im Schwimmbad: Wie schädlich ist Chlor fürs Baby?

Chlor ist in Schwimmbädern das Standard-Desinfektionsmittel, doch bei seiner Reaktion mit Harnstoffen aus Urin, Kosmetika, Schweiß und Hautschuppen entsteht unter anderem Trichloramin. Dieses ist nicht nur verantwortlich für den typischen Chlorgeruch in Hallenbädern, es steht auch in Verdacht, Atemwegsreizungen und Asthma bronchiale zu verursachen.

Das Umweltbundesamt veröffentliche eine Meldung zum Thema Babyschwimmen und Asthma:

Die Unbedenklichkeit des Babyschwimmens hinsichtlich eines erhöhten Asthmarisikos kann weitgehend gesichert werden, wenn der Trichloramingehalt der Hallenbadluft unterhalb von 0,2 mg/m3 liegt. Solange dieser Grenzwert noch nicht flächendeckend eingehalten wird, sollen Kinder- und Jugendärzte im Rahmen der U4 - U7 individuell Familien mit Hochrisiko- bzw. mit bereits allergisch erkrankten Kindern zur Zurückhaltung beim Babyschwimmen beraten.

Dr. Thomas Lob-Corzilius, Sprecher der WAG Umweltmedizin

Als unbedenklich gilt also ein Grenzwert von 0,2 mg Trichlormin pro Kubikmeter Raumluft im Hallenbad – diesen Wert halten moderne Badeanstalten durch genügend Frischwasserzufuhr und gute Belüftung in der Regel ein. Gerade in älteren und kleinen Bädern könnte der Wert jedoch überschritten werden. Eure Nase wird die Dosis schnell bemerken: Je stärker der typische Schwimmbad-Chlorgeruch, desto höher die Trichloramin-Belastung.

Um die Trichloramin-Belastung gering zu halten, kann jeder Badegast im Schwimmbad seinen Teil beitragen und saubere badegerechte Kleidung und Schwimmwindeln tragen sowie sich und das Baby vorher gut abduschen.

Können Kinder mit Allergien auch zum Babyschwimmen?

Eltern gefährdeter Kinder sollten das Baden nicht per se für tabu erklären, sondern sich dazu konkret den Rat ihres Kinderarztes einholen. Alle anderen können sich bei den technischen und hygienischen Vorschriften für Badeanstalten ruhigen Gewissens ins Nass wagen – besonders dann, wenn das Babyschwimmen in abgetrennten, ruhigen Lernschwimmbecken stattfindet, bei denen das Wasser vor dem Kurs frisch eingelassen und nur wenig chloriert wird.

Babyschwimmkurse in Zeiten von Corona: Wie ist die Ansteckungsgefahr?

Im letzten Jahr waren Hallenbäder im Lockdown komplett geschlossen und später wieder geöffnet. Aktuell gilt in vielen Bädern die 3G- oder 2G-Regel. Über die Sicherheit informiert die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen e.V. so:

Derzeitiger wissenschaftlicher Erkenntnisstand ist, dass das Chlor im Wasser Viren allgemein und auch das Coronavirus zuverlässig inaktiviert. Die Gefahr einer Ansteckung über Kontakte von Mensch zu Mensch sowie über Kontakte an Türgriffen, Türen der Umkleideschränke, Beckenränder und über die Luft durch infizierte Aerosole in der Ausatemluft lässt sich mit der Situation in anderen Bereichen vergleichen. Bei entsprechendem Verhalten, was Hygiene und Abstand halten betrifft, sind die Gefahren durch infizierte Aerosole in der Atemluft oder durch Kontaktübertragung nicht größer als in anderen Bereichen – das ist zumindest unser derzeitiger Kenntnisstand.

www.baederportal.com

Auch Sabrina Golitz betont, dass die Ansteckungsgefahr in einem Schwimmbad deutlich geringer ist als anderswo, weil das Chlor zudem "zuverlässig Viren und Keime ab(tötet) - auch Coronaviren. Dazu kommt, dass Schwimmbäder schon immer mit sehr guten Lüftungsanlagen ausgestattet sind, um das Gebäude vor Feuchtigkeitschäden zu schützen. Entsprechend ist bis heute in ganz Deutschland kein aktives Infektionsgeschehen bekannt, das auf den Besuch eines Schwimmbads zurückzuführen ist."

In den Bäderland Bädern gilt aktuell die 3G-Regel. Entsprechend gelten Gäste- und Zutrittslimitierungen, die sich aus den bekannten Maßnahmen wie Abstandsgebote, Maskenpflicht in den Eingangs- und Umkleidesituationen, Einbahnstraßenregelungen und reduzierte Nutzungsmöglichkeiten der sanitären Anlagen ergeben. In der Regel - und unabhängig von Corona - finden die Babyschwimmkurse zudem in einem separaten wärmeren Kursbecken statt, das sich oftmals sogar in einer abgetrennten Kurshalle befindet.

Sabrina Golitz, Bäderland Hamburg

Ob es einen Babyschwimmkurs in euer Nähe gibt, könnt ihr bei städtischen Bädern oder privaten Anbietern nachfragen. Lasst euch rechtzeitig in die Kurslisten eintragen, die immer sehr beliebt sind und aktuell wegen der Coronaregeln vermutlich nur in begrenzter Personenzahl stattfinden dürfen.

Wie ihr euer Baby jetzt im Winter am passendsten anzieht, erfahrt ihr in diesem Video:

Windel-Wissen-Quiz: Was weißt du über Pampers und Co.?

Bildquelle: AzmanL/Getty Images

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