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Schwimmen lernen: Das richtige Alter, ein guter Schwimmkurs und wie Eltern ihre Kinder begleiten

Schwimmen lernen: Das richtige Alter, ein guter Schwimmkurs und wie Eltern ihre Kinder begleiten

Wasserratten ahoi

Laut einer Forsa-Umfrage von 2017 nehmen leider die Zahlen der Nichtschwimmer unter den Kindern immer mehr zu. Doch was ist das richtige Alter, um schwimmen zu lernen und wie können Eltern ihre Kinder dabei begleiten? Wir haben mit einer Schwimmlehrerin vom Bäderland Hamburg gesprochen, wie Eltern ihre Kinder am besten ans Wasser gewöhnen, wann ein Kind schwimmen lernen sollte und was einen guten Schwimmkurs ausmacht.

In Deutschland können einer Umfrage der DLRG über die Hälfte der zehnjährigen Kinder nicht schwimmen. Über die letzten Jahre hat zudem das Alter, in welchem Kinder schwimmen lernen, immer weiter zugenommen. Das ist für die DLRG eine alarmierende Tatsache, denn bei Badeunfällen ertrinken jedes Jahr viel zu viele Nichtschwimmer. Einer der Gründe, warum Kinder teils mit 10 Jahren heute nicht mehr schwimmen können, ist der häufig fehlende Schwimmunterricht in den Grundschulen. Er wird vielerorts immer weniger angeboten, weil häufig keine Anbindung zu Schwimmbädern vorhanden ist.

Damit euer Kind kein Nichtschwimmer bleibt und ihr beruhigt an den Badesee oder ans Meer fahren könnt, wäre es gut, wenn ihr euren Nachwuchs so früh wie möglich an Wasser gewöhnt. Schwimmlehrerin Luisa von Bäderland Hamburg stand uns Rede und Antwort und gibt nützliche Tipps zu allen wichtigen Punkten beim Thema "Schwimmen lernen".

Das richtige Alter: Wann sollten Kinder schwimmen lernen?

"Vor dem Schwimmenlernen steht immer die Wassergewöhnung. Mit dieser kann schon im Alter von drei Monaten begonnen werden. Und damit ist nicht nur das Babyschwimmen gemeint. Denn Eltern können zu Hause viel machen. Wassergewöhnung ist auch das Reinigungsbaden und Planschen in der Babybadewanne.

Mit etwa fünf Jahren sind Kinder dazu in der Lage, zielgerichtete Schwimmbewegungen umzusetzen. Daher beginnen unsere Seepferdchenkurse in diesem Alter. Für eine Teilnahme ist es neben Kraft und Koordination auch wichtig, dass sich die Kinder von ihren Eltern lösen und den Anweisungen der Schwimmlehrer*innen folgen können."

Luisa bemerkt, dass es auch Kinder gibt, die mit drei Jahren schon schwimmen können und andere sind mit fünf einfach noch nicht soweit. Das sei überhaupt keine Entwicklungsstörung, sondern völlig normal. Sie warnt Eltern daher, zu streng zu sein und Kinder daran zu messen.

Der größte Fehler besteht darin, Druck aufzubauen und dem Kind die Freude am Wasser zu nehmen. Wenn die Wassergewöhnung früh begonnen sowie regelmäßig am und im Wasser geplanscht und gespielt wird, kommt das Interesse am Schwimmenlernen von alleine.

Schwimmlehrerin, Bäderland Hamburg

Babyschwimmen: Der erste Schritt zur Wassergewöhnung

Babyschwimmen kann ein guter Anfang sein, schon den Säugling ans Wasser zu gewöhnen. Luisa betont, dass es dabei vor allem um den Spaß im Wasser und die Eltern-Kind-Beziehung geht. Wenn Eltern keinen Babyschwimmkurs besuchen können oder wollen, heißt das nicht, dass das Kind später größere Hürden hätte. Es ist einfach "ein kleines Fitnesstraining, das die Reflexe trainiert und die Koordination der kleinen Wasserratten".

Doch die Schwimmlehrerin betont, dass die Wassergewöhnung zu Hause in der Badewanne schon startet: Dem Kind Wasser auf den Kopf tröpfeln, es an Wasser gewöhnen und spielerisch durch "Blubbern" das Element Wasser entdecken lassen, gehören dazu. Das Bäderland Hamburg bietet sowohl Babyschwimmkurse als auch Aqua Kita Kurse für Zwei- bis Vierjährige an, die spielerisch die Wassergewöhnung üben und ein Einstieg für die Schwimmschule sein können.

Das könnt ihr zu Hause tun, um eure Kleinkinder aufs Wasser vorzubereiten

Wie schon erwähnt fängt die Wassergewöhnung im Babyalter in der Badewanne an. Wenn Babys (mit ihrer Familie) regelmäßig baden gehen, schauen sie sich das meiste voneinander ab. So könnt ihr ihnen den Spaß am Baden vermitteln und auch schon mal das Ausatmen unter Wasser lernen, indem die Kleinsten nach Herzenslust blubbern dürfen. Haare waschen mögen viele Kinder nicht, es ist jedoch wichtig fürs spätere Schwimmen lernen, dass sie es gewöhnt sind, wenn Wasser über den Kopf rieselt. Das sollte man vorsichtig üben und schauen, wie das Kind reagiert.

Ab einem gewissen Alter sollten Kinder unter Aufsicht der Eltern alleine in der Wanne sitzen und sich frei bewegen können. Eltern können ihre Kinder zum Beispiel dazu motivieren, sich vom Rücken auf den Bauch zu drehen und unter Wasser die Augen zu öffnen. Wenn die Kleinen mit Spaß planschen und mit Wasser spritzen ist das ein sehr gutes Anzeichen dafür, dass es später auch beim Schwimmenlernen klappen wird.

Schwimmlehrerin, Bäderland Hamburg

Warum Schwimmkurse die bessere Alternative für das Schwimmen lernen sind

Laut Luisa spricht nichts dagegen, dass Kinder von ihren Eltern schwimmen lernen. Sie hat jedoch die Erfahrung gemacht, dass einige Eltern dazu neigen ihre Kinder zu überfordern und nicht genügend Geduld aufbringen: "Da sehen wir schon mal Mütter und Väter, die ihr Kind dazu auffordern, vom Einer zu springen. Und das obwohl es sich noch nicht einmal traut, das vom Beckenrand zu tun. Schwimmkurse bauen die Übungen didaktisch aufeinander auf. Denn es gibt Dinge, die Kinder in bestimmten Entwicklungsstadien noch nicht umsetzen können. Mag ein Kind zum Beispiel nicht mit dem Kopf untertauchen, wird es auch noch nicht so einfach schwimmen lernen."

Da für das Kind die Rolle der Eltern auch eher als Spielpartner*in denn als Lernpartner*in definiert ist, hilft es auch wenn die Schwimmlehrer geschulte Experten sind, auf die das Kind eher aufmerksam hört. Das muss jedoch nicht auf jedes Kind zutreffen. Eltern müssen das ausprobieren.

Was macht einen guten Schwimmkurs aus?

Schwimmkurse kann man mitunter bei regionalen Bäderbetrieben, dem DLRG, Schwimmvereinen und privaten Schwimmlehrer*innen oder auch Schwimmlernschulen buchen. Die Angebote unterscheiden sich in der Regel im Preis und in der Gruppengröße. Letztlich kommt es auch auf die Verfügbarkeit von Schwimmbädern in eurer Region an und inwieweit dort Schwimmlernkurse angeboten werden, die ihr auch zeitlich gut besuchen könnt. Eure Entscheidung ist also von persönlichen Faktoren wie eurem Budget und eurer Flexibilität abhängig, aber auch vom Angebot vor Ort. Luisa merkt an, dass es gewisse Vorteile hat, die Schwimmkurse eines öffentlichen Bäderbetriebs wie Bäderland Hamburg zu buchen. Denn diese sind meist deutlich preiswerter als private Schwimmschulen. Außerdem kennen die Kinder die Schwimmlehrer*innen teilweise schon als Bademeister*in und schöpfen eher Vertrauen.

In privaten Schwimmschulen sind die Gruppen in der Regel etwas kleiner und die Trainings auch individueller ausgerichtet. Das spiegelt sich natürlich auch im Preis. Dennoch können diese Angebote für manche Kinder eine gute Alternative sein. In dem meisten Fällen ist dies aber nicht für den Schwimmerfolg erforderlich. Eine gute Möglichkeit ist auch die Anmeldung in Schwimmsportvereinen. Hier können die Kinder regelmäßig üben, trainieren – und ebenfalls die gewünschten Abzeichen absolvieren.

Der perfekte Ort um schwimmen zu lernen

Die Schwimmlehrerin rät, dass Eltern dort mit ihren Kindern schwimmen üben, wo sie die Wassertiefe kennen, der Untergrund ersichtlich ist und es keine Unterwasserpflanzen gibt, in denen die Nichtschwimmer sich verheddern können:

"Mit Kindern, die nicht schwimmen können, sollte am besten immer dort geübt werden, wo es eine professionelle Aufsicht gibt und ideale – sichere und absolut überschaubar-transparente – Bedingungen herrschen. Also wo ein*e Rettungsschwimmer*in oder Bademeister*in für den Notfall zur Stelle ist, wo es keine Wellen gibt und keine Wasserpflanzen, in denen man sich verheddern kann."

Auf gar keinen Fall sollten Eltern mit ihren Kindern Gewässer mit starker Strömung betreten. Zudem sollten sie Orte meiden, an denen der Untergrund plötzlich steil abfällt.

Schwimmlehrerin, Bäderland Hamburg

Warum Schwimmflügel nicht dabei helfen, schwimmen zu lernen

Ich kenne sie noch aus meiner Kindheit: Bunte Schwimmflügel an den Armen, die Nichtschwimmern helfen sollen, sich über Wasser zu halten. Doch auf meine Frage, ob diese sich eigenen um schwimmen zu lernen, erläutert die Schwimmexpertin Luisa, warum das nicht der Fall ist: "Schwimmflügel sind nur bedingt dafür geeignet, Kindern das Schwimmen beizubringen. Denn sie erschweren die Armbewegungen. Außerdem stellen sie ein gewisses Risiko dar. Fällt ein Kind frisch eingecremt ins Wasser, können die Schwimmflügel blitzschnell abrutschen. Auch Schwimmringe sind nicht ungefährlich. Hier können die Kinder nach vorne überkippen und sind danach nicht mehr dazu in der Lage, sich alleine aufzurichten. Wenn es um die Wassergewöhnung und frühes schwimmen lernen geht, geben Schwimmgürtel und Westen die notwendige Armfreiheit."

Die Expertin empfiehlt außerdem Schwimmnudeln oder -bretter. Die meisten kann man sich sogar beim Bademeister ausleihen, wenn man sagt, dass man seinem Kind gerade schwimmen beibringt.

Was Eltern beachten sollten, wenn sie ihren Kindern Schwimmen lernen

Generell sei es wichtig, dass wir als Eltern keinen Druck ausüben, wenn wir merken, dass unser Kind noch nicht so weit ist. Es hilft, wenn man früh regelmäßig mit dem Kind ins Schwimmbad geht und ihm selbst ein gutes Vorbild ist. So fängt die Wassergewöhnung spielerisch an. Wenn das Kind großes Interesse am Wasser hat und sich relativ ausgelassen und frei im Nichtschwimmerbereich bewegt, kann man mit dem Schwimmen lernen anfangen.

Wichtig ist es, dass ein Elternteil gleichzeitig nie mehr als zwei Nichtschwimmer begleitet. Sonst ist die Sicherheit der Kinder nicht mehr gewährleistet und nicht unbedingt gleich in tiefem Wasser übt. Ihr solltet die Wasserflächen kennen und die Becken nutzen, in denen ihr euch sicher fühlt.

Ob das Kind bereit ist, schwimmen zu lernen, zeigen laut Schwimmexpertin ein paar Anzeichen:

  • "Eltern können testen, ob es das Kind zulässt, wenn ihm für etwa 10 bis 15 Sekunden lang Wasser über Gesicht und Haare läuft."
  • "Unsere Schwimmlehrer*innen testen im Vorfeld eines jeden Seepferchenkurses auch immer, ob die Kinder ihr Gleichgewicht auf einer Schwimmnudel halten können, wenn sie nicht mit den Füßen den Boden berühren."
  • "Außerdem machen sie mit ihnen leichte Übungen an der Treppe im Wasser, wobei Kinder die Treppe hochkrabbeln müssen, ohne die Beine zu benutzen."
  • "Nicht zuletzt sollen sich die Kinder mit losgelösten Beinen im Wasser ausstrecken und ihren Kopf an einer Treppenstufe ablegen. Dabei ist spannend zu sehen, ob sie es zulassen, dass die Ohren unter Wasser kommen."

Viele Kinder haben anfangs Angst, den Kopf ins Wasser zu nehmen. Dagegen soll es helfen, früh mit der Wassergewöhnung zu beginnen. Wenn ein Kind Angst vor dem Atmen im Wasser hat, ist die Kopfhaltung meist falsch und der Po sinkt im Wasser automatisch nach unten. Dann hat der Schwimmlehrling nicht mehr die angestrebte stromlinienförmige Haltung. Dadurch wird das Schwimmen erschwert. Die Expertin erwähnt daher, dass es sinnvoll ist, anfangs in der Rückenlage zu trainieren. In Hamburg ist Rückenkraul daher auch die Erstschwimmart, die man in der Schwimmschule lernt. Wenn ihr euren Kindern selber das Schwimmen lernt, könntet ihr daher auch mit dem Rückenschwimmen beginnen.

Mein Kind möchte ein Schwimmabzeichen. Muss es dafür einen Kurs machen?

Beim Bäderland Hamburg und auch anderen Schwimmhallen sei es so, dass man die Bademeister ansprechen kann, was ein Kind für ein Seepferdchen können muss. Das Kind kann seine Schwimmkünste dann einmal unter Aufsicht des Bademeisters vorführen bzw. unter seiner Anleitung und auch dadurch ein erstes Abzeichen wie das Seepferdchen erwerben. Dabei geht es noch nicht darum, dass ein Kind sauber schwimmen kann, sondern dass es sich sicher selbstständig und ohne Hilfe im Wasser bewegen kann. Wenn es darum geht, weitere Schwimmstile sicher zu lernen und zu trainieren, dann ist laut Schwimmlehrerin Luisa ein Kurs eher sinnvoll.

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Über unsere Schwimmexpertin Luisa

Luisa (26) ist Fachangestellte für Bäderbetriebe im Bäderland Hamburg und dort auch als Bademeisterin tätig. Sie führt seit ihrer Jugend Schwimmkurse für Kinder durch und hat ihr Hobby später zum Beruf gemacht. Jährlich lernen bei ihr in Hamburg mehrere hundert Kinder schwimmen.

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Bildquelle: Bäderland Hamburg

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