Über Grenzen und Rituale einigen

Unterschiedliche Erziehungsstile sind ok, solange Einigkeit über Grenzen und Rituale besteht. Was unerschiedliche von uneigen Erziehungstilen unterscheidet.

Einigkeit über Grenzen und Rituale schaffen

Distanz führt manchmal zu mehr Gelassenheit und Großzügigkeit. Eine distanzierte Beziehung sieht manches lockerer, während ein zu naher Kontakt oft den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen lässt. Und hier liegt die Chance väterlicher Beziehung zu den Kindern, sind es doch die Väter, die aufgrund des (noch immer meist den Männern/Vätern vorbehaltenen) Vollzeitjobs die eher distanzierte Beziehung zu Kindern aufweisen. Distanz meint nicht die Abwesenheit von Emotionalität und Tiefe. Aber eine distanzierte Beziehung muss gepflegt werden – sie kann in Ritualen aufgehoben sein. Der Hinweis mancher Väter, sie seien zeitlich eingebunden und könnten deshalb keine Beziehung zu ihren Kindern aufbauen, zieht nicht. Viele Kinder sehen gerade darin eine Chance: Während die Mutter häufig alles und jedes sieht, sich in Details verhakt, kann der Vater mütterliche Macht relativieren, aber nicht: infrage stellen.
Unterschiedliche Erziehungsstile zu haben, bedeutet: Man ist sich einig, dass Grenzen, Regeln, Rituale und Traditionen notwendig sind, aber auch, dass man sie unterschiedlich auslegen kann. Die Kinder müssen freilich wissen, woran sie bei Vater und Mutter, Großvater und Großmutter sind.
 

Unterschiedliche und uneinge Erziehungsstile

Von den unterschiedlichen Erziehungsstilen zu unterscheiden sind uneinige Erziehungsstile. Sie sind nicht kompatibel, haben keinen gemeinsamen Nenner. Im uneinigen Erziehungsstil geht es niemals um das Wohl des Kindes. Der uneinige Erziehungsstil zerrt vielmehr am Kind. Vater und Mutter, aber auch Eltern und Großeltern treten in ein Konkurrenzverhältnis. Jeder will dem anderen beweisen, wer der oder die Beste ist. Die Bedürfnisse des Kindes, sein Wohlergehen sind nur vorgeschoben.
Hinter uneinigen Erziehungsstilen stehen häufig ungeklärte Partnerschafts- und Beziehungskonflikte. Vater und Mutter, Eltern und Großeltern buhlen um die Gunst des Kindes, übertreffen sich in materiellen Höchstleistungen, ohne zu bemerken, dass das Kind damit in Loyalitätskonflikte getrieben wird.


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