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Auf Augenhöhe

Demokratischer Erziehungsstil: Darum ist er so gut für die Entwicklung von Kindern

© Getty Images/ JLco - Julia Amaral
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Ein demokratischer Erziehungsstil räumt Kindern beim Zusammenleben in der Familie so viel Mitbestimmungsrecht wie möglich ein. Welche Ziele der demokratische Erziehungsstil damit verfolgt und welche Vor- und Nachteile sich ergeben können, wenn ihr eure Kids so erzieht.

Demokratischer Erziehungsstil: Definition & Merkmale

Der Psychologe Kurt Lewin prägte in den 1940er Jahren den Begriff des demokratischen Erziehungsstils. Er liegt in der "Goldenen Mitte" zwischen der autokratischen und der Laissez-faire Erziehung. Zu den wichtigsten Merkmalen gehören:

  • Das Kind hat ein Mitbestimmungsrecht: Entscheidungen werden in der Familie gemeinsam gefällt.
  • Die Bedürfnisse und Emotionen von Kindern und Eltern sind gleich wichtig und werden ernstgenommen. 
  • Die Eltern geben Regeln vor und kommunizieren sie gegenüber dem Kind sehr klar. Sie erklären auch, wozu die Regeln dienen.
  • Die Regeln sind grundsätzlich verhandelbar, wenn es gute Argumente dafür gibt. Ausnahme: Wenn die Sicherheit des Kindes oder anderer Menschen in Gefahr ist.
  • Bei Regelverstößen hat das Kind keine harten Strafen zu erwarten, aber (stets nachvollziehbare) Konsequenzen zu tragen. Darin unterscheidet sich demokratische Erziehungsstil von der antiautoritären Erziehung
  • Kritik wird in der Familie respektvoll und konstruktiv formuliert.
  • Kinder dürfen jederzeit offen ihre Meinung und Wünsche äußern. Die finalen Entscheidungen treffen aber die Eltern.

Welche Ziele verfolgt der demokratische Erziehungsstil?

  • Kinder sollen sich möglichst frei entwickeln, sich dabei aber auf gewisse Normen und die Eltern als sicheren Hafen verlassen können.
  • Die (Eigen-)Verantwortung der Kinder soll gestärkt werden. 
  • Kinder werden in ihrer Selbstständigkeit und Unabhängigkeit gefördert.
  • Die Kinder sollen ein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln.

Wie es gelingen kann, Regeln und Normen harmonisch in der Familie zu etablieren, seht ihr in unserem Video:

Vom Kleinkind zum Teenager: So funktioniert harmonisches Einführen von Regeln
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Beispiele für den demokratischen Erziehungsstil

Da beim demokratischen Erziehungsstil über das ganze Familienleben gemeinsam entschieden wird, gibt es unzählige denkbare Beispiele für die Mitbestimmung von Kindern.

Ein Bereich ist z. B. das Familienessen: Kinder sollen mitbestimmen dürfen, was es zu essen gibt. Ein "Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt", hat in der demokratischen Erziehung keinen Platz. Täglichen Fischstäbchen mit Pommes werden die Eltern aber auch nicht zustimmen. Vielmehr bekommen Eltern durch die gemeinsamen Entscheidungen und Diskussionen die Möglichkeit, bei den Kindern das Bewusstsein für ausgewogene, gesunde Ernährung zu fördern. Als Kompromiss könnte in diesem Beispiel Pellkartoffeln und Fischfilet mit Gemüse herauskommen. Aber auch die typischen Kinderlieblingsspeisen bekommen ihren gelegentlichen Platz im Speiseplan, z. B. am Wochenende.

Ein anderer Bereich können die Hausaufgaben sein: In den meisten Familien gehört es zu den festen Regeln, dass Kinder ihre Hausaufgaben erledigen. Im Rahmen der demokratischen Erziehung ist es aber z. B. möglich, dass das Kind mitbestimmt, wann es die Hausaufgaben erledigt. Beispielsweise benötigt das eine Kind nach dem Heimkommen erst noch eine Spielpause und legt die Aufgaben lieber auf den späten Nachmittag, das andere legt nach dem Mittagessen sofort los und hat danach Freizeit.

Vorteile des demokratischen Erziehungsstils

  • Förderung der Sprachentwicklung: Beim demokratischen Erziehungsstil steht die Kommunikation zwischen Eltern und Kindern im Vordergrund. Das Kind verhandelt viel mit den Eltern, wodurch Wortgewandtheit und Wortschatz gefördert werden.
  • Gegenseitiges Vertrauen: Durch die transparente, gleichberechtigte Erziehung entsteht zwischen Eltern und Kindern eine sichere Vertrauensbasis und gegenseitige Wertschätzung.
  • Stärkende Wirkung: Der demokratische Erziehungsstil zeichnet sich durch einen liebevollen Umgang miteinander aus, der Kindern Halt und Unterstützung bietet. So wird die Bindung zu den Eltern gestärkt, gleichzeitig erhalten die Kids aber auch das nötige Selbstvertrauen, um selbstständig in der Welt zurecht zu kommen.
  • Kritikfähigkeit: Kinder lernen, mit Feedback umzugehen und Kritik selbst sachlich zu formulieren.
  • Kompromissbereitschaft: Durch die Verhandlungen werden Lösungen gefunden, die für beide Seiten tragbar sind. Die Familienmitglieder bewegen sich aufeinander zu, jeder gibt ein bisschen nach.
  • Eigenverantwortung: Die Kinder tragen Verantwortung für ihr Tun.
  • Förderung von Kreativität und Konstruktivität: Kinder werden durch den demokratischen Erziehungsstil ermutigt, eigene Lösungsmöglichkeiten zu finden. 
  • Teamfähigkeit: Durch die gemeinsamen Entscheidungen lernen die Kinder, sich mit verschiedenen Meinungen und Herangehensweisen auseinander zu setzen und kommen dadurch später gut in Teams zurecht.

Nachteile des demokratischen Erziehungsstils

Die vielen Vorteile zeigen, dass der demokratische Erziehungsstil sich sehr positiv auf die Entwicklung von Kindern auswirkt. Ein paar wenige Nachteile sind aber denkbar:

  • Aufwändige Diskussionen: Für die Eltern kann es anstrengend sein, mit den Kindern ständig diskutieren zu müssen. Viel Zeit und Geduld sind gefragt.
  • Nicht akzeptieren von Regeln: Da demokratisch erzogene Kinder es gewohnt sind, Regeln hinterfragen zu dürfen, ist es möglich, dass sie manche von außen aufgezwungene Bestimmungen nicht akzeptieren. Das kann z. B. in der Schule zu Problemen führen.

Demokratische Erziehung heute

Demokratie ist das Leitbild unserer Gesellschaft. Der demokratische Erziehungsstil liegt da nahe und wird heute in vielen Kindergärten, Schulen und Familien – hier bestimmt auch oft unbewusst – angewandt. Kennzeichnend ist, dass die Kinder, unter Berücksichtigung ihres Alters, viel mitbestimmen dürfen und ihnen mit Respekt und Wertschätzung begegnet wird. Gleichzeitig gibt es Regeln, an die sich alle zu halten haben – die Kinder aber auch die Eltern bzw. die Erzieher*innen und Lehrer*innen. Strenge Bestrafungen gibt es bei Verstößen nicht, stattdessen wird mit dem Kind offen gesprochen, wenn sein Verhalten falsch war. So lernt es, für sein Tun einzustehen und die Konsequenzen daraus zu tragen.

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