Für Links auf dieser Seite erhält familie.de ggf. eine Provision vom Händler, z.B. für mit oder grünblauer Unterstreichung gekennzeichnete. Mehr Infos.
LGBTIQ: Was versteht man darunter und wohin mit all meinen Fragen?

LGBTIQ: Was versteht man darunter und wohin mit all meinen Fragen?

Für mehr Vielfalt

Menschen, die fröhlich, laut und vielleicht auch fordernd mit Regenbogenflaggen durch die Gegend laufen – an solche oder ähnliche Szenarien denken wohl viele, wenn sie die Abkürzung LGBTIQ hören oder lesen. Aber was ist eigentlich konkret damit gemeint? Das, und wohin du dich wenden kannst, wenn du oder eine Person in deinem Umfeld Diskriminierung erfahrt, zeigen wir dir in diesem Beitrag.

Was ist LGBTIQ?

Vielleicht hast du schon mal von der LGBT- oder LGBTIQ-Bewegung gehört und dich gefragt, was es mit diesen ganzen Buchstaben auf sich hat. LGBTIQ ist eine englische Abkürzung (im Deutschen LSBTIQ) und steht für lesbisch, schwul (gay), bisexuell, trans*/transgeschlechtlich, inter*/intersexuell und/oder queer.

Wichtige Begriffe

Während Begriffe wie schwul, lesbisch und bisexuell den meisten von euch bekannt sein dürften, könnte der ein oder andere eventuell bei den anderen Bezeichnungen ins Straucheln geraten. Vielleicht hilft dir ja diese Auflistung weiter, die zumindest einen kleinen Überblick über einige wichtige Begriffe bieten soll.

Hinweis: Wenn dir die hier gegebenen Definitionen nicht reichen und du dich gerne mit weiteren relevanten Begriffen auseinandersetzen möchtest, dann empfehle ich dir einen Blick in das Glossar des Netzwerks Trans*-Inter*-Sektionalität zu werfen.

Intersexualität/inter*

Intersexuelle Menschen können weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht eindeutig zugeordnet werden. Der Begriff setzt sich aus dem Präfix "inter" (zwischen) und dem Wort "Sexus" (Geschlecht) zusammen und meint somit eine (körperliche) Zwischengeschlechtlichkeit.

Das Netzwerk Trans*-Inter*-Sektionalität schreibt zu dem Begriff "inter*", dass es sich hierbei um eine Bezeichnung handelt, die als "emanzipatorischer und identitärer Überbegriff die Vielfalt intergeschlechtlicher Realitäten und Körperlichkeiten bezeichnet". Weiter erklärt das Netzwerk:

Inter* fungiert damit vermehrt als deutscher Oberbegriff für Intersexuelle, Intersex, Hermaphroditen, Zwitter, Intergender sowie inter- oder zwischengeschlechtliche Menschen, die mit einem Körper geboren sind, der den typischen geschlechtlichen Standards und Normen von Mann und Frau nicht entspricht.

Glossar des Netzwerks Trans*-Inter*-Sektionalität

Transsexualität/trans*

Trans* ist ein in der Trans-Community neutral angesehener Begriff und meint Personen, die sich nicht mit dem Geschlecht, in dem sie bisher gelebt haben, identifizieren. Aus diesem Grund besteht in der Regel der Wunsch, den Körper mithilfe von Operationen und Hormonen entsprechend anzupassen. In dem internationalen Diagnoseklassifikationssystem ICD-10 gilt Transsexualismus (auch Transsexualität) als "Störung der Geschlechtsidentität" und wird somit pathologisiert, was von einigen Betroffenen kritisiert wird.

Der Wunsch, als Angehöriger des anderen Geschlechtes zu leben und anerkannt zu werden. Dieser geht meist mit Unbehagen oder dem Gefühl der Nichtzugehörigkeit zum eigenen anatomischen Geschlecht einher. Es besteht der Wunsch nach chirurgischer und hormoneller Behandlung, um den eigenen Körper dem bevorzugten Geschlecht soweit wie möglich anzugleichen.

ICD-10

Hinweis: Erfahre hier, wie du dein Transgender-Kind unterstützen kannst.

Cis-Identität

Dieser Begriff meint, im Gegensatz zur Transsexualität, dass man sich mit dem Geschlecht identifizieren kann, mit dem man geboren wurde. Die Mehrheit der Gesellschaft besteht aus Cis-Männern und Cis-Frauen.

Queer

Hierbei handelt es sich um einen Sammelbegriff, der sich auf Personen bezieht, die in ihrer sexuellen Orientierung und/oder ihrer geschlechtlichen Identität von der Heteronormativität abweichen. Und schon sind wir beim nächsten vielleicht unbekannten Begriff – der Heteronormativität.

Heteronormativität

Kurz gesagt beschreibt dieser Begriff ein gesellschaftliches Wertesystem, in dem ausschließlich das männliche und weibliche Geschlecht sowie eine heterosexuelle Beziehungsform als normal erachtet wird. Die Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit sind bei uns kulturell und mit einer gewissen Vorstellung, wie Männer und Frauen zu sein haben, verankert. Dieses stereotype Denken gilt es zu durchbrechen – ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu mehr Anerkennung und weniger Diskriminierung.

Die verschiedenen Diskriminierungsebenen

Es ist nach wie vor so, dass viele lesbische, schwule, bisexuelle, trans- oder intergeschlechtliche Personen Diskriminierung erfahren. Das ergab unter anderem eine europaweite Umfrage der EU-Grundrechteagentur FRA.

Diskriminierung kann auf verschiedenen Ebenen stattfinden.

Individuelle Diskriminierung

Von individueller Diskriminierung wird dann gesprochen, wenn ein Mitglied der Gesellschaft gegen Personen einer bestimmten Gruppe diskriminierende Handlungen ausführt. Gründe können beispielsweise das Geschlecht, die sexuelle Ausrichtung, Hautfarbe oder körperliche Beeinträchtigungen sein.

Institutionelle Diskriminierung

Wenn es in Institutionen und Organisationen aufgrund bestehender Regelungen, Normen und Routinen zur Diskriminierung kommt, dann spricht man von einer institutionellen Diskriminierung. Sie haben auch dann diskriminierende Auswirkungen, wenn die Personen, die Teil der Institution sind, keine stereotypen Ideen von bestimmten Gruppierungen haben und auch nicht die Absicht verfolgen, diese zu benachteiligen. Ein Beispiel sind die Probleme, die viele Trans*personen bei der Arbeitssuche erleben müssen/mussten.

Schon die Arbeitssuche wird für viele Trans*Personen durch die individuelle Diskriminierung von Angestellten der Personalabteilung und institutionelle Diskriminierung im Bewerbungsverfahren der Unternehmen erschwert.

Discussion Papers des Harriet Taylor Mill-Instituts für Ökonomie und Geschlechterforschung der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin

Strukturelle Diskriminierung

Diese Form der Diskriminierung kann nicht klar auf eine bestimmte Institution oder Organisation zurückgeführt werden. Sie liegt vielmehr dann vor, "wenn etablierte Strukturen in den gesellschaftlichen Teilsystemen (Recht, Politik, Bildung, Ökonomie) direkt oder indirekt zu gruppenbezogenen Benachteiligungen führen" (bpb). Als Beispiel könnte hier genannt werden, dass Homosexuelle lange Zeit keine Ehe schließen durften.

LGBTIQ: Wohin können sich Betroffene wenden?

Wenn du betroffen bist oder jemanden kennst, der diskriminiert wurde/wird, dann ist es wichtig zu wissen, welche Rechte man hat und wohin man sich mit seinem Problem wenden kann.

In Deutschland gilt das sogenannte Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, das am 18. August 2006 in Kraft trat.

Ziel des Gesetzes ist, Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen.

§ 1 AGG

Wirst du aufgrund deiner sexuellen Orientierung oder/und deiner Geschlechtsidentität diskriminiert – egal, ob im alltäglichen oder Berufsleben –, dann kannst du dich an die Antidiskriminierungsstelle wenden. Außerdem werden dir hier mögliche Fragen beantwortet wie beispielsweise, ab wann man sich auf das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz berufen kann. Um Kontakt aufzunehmen, musst du lediglich den Grund angeben sowie das entsprechende Kontakformular ausfüllen oder an die E-Mail-Adresse beratung@ads.bund.de schreiben. Auch in Gebärdensprache können Anfragen gestellt werden.

Darüber hinaus gibt es in Deutschland viele Beratungsstellen, an die du dich wenden kannst. Das muss nicht notgedrungen zum Thema Diskriminierung sein, kann es aber. Weitere Themen sind beispielsweise Krankheiten, Sex, Liebe oder das Coming-Out.

Welche Beratungsstellen es in deiner Nähe gibt, kannst du unter anderem hier herausfinden:

  • Verband für lesbische, schwule, bisexuelle, trans*, intersexuelle und queere Menschen in der Psychologie (VLSP)

Wie entstand LGBT?

Beschäftigt man sich mit der Geschichte von LGBT, dann stößt man immer wieder auf die sogenannten Stonewall-Proteste, die am 27. Juni 1969 in New York stattfanden. Der Name rührt daher, dass Auslöser für die Proteste eine Polizeirazzia im 'Stonewall Inn' war, einer Bar, in der sich damals vor allem homosexuelle und Trans*personen sowie Dragqueens trafen.

Homosexualität war in den 60er Jahren in den USA illegal und konnte mit einem Gefängnisaufenthalt bestraft werden. Darüber hinaus wurden Betroffene schikaniert, öffentlich bloßgestellt und diskriminiert. Auch körperliche Gewalttaten standen auf der Tagesordnung. Dementsprechend kam es zur damaligen Zeit sehr häufig zu Razzien, die für die Schwulen und Lesben schlimme Konsequenzen nach sich ziehen konnten.

In der Nacht vom 27. auf den 28. Juni 1969 sollte es jedoch anders laufen. Die Gäste des Clubs setzten sich zur Wehr. Sie weigerten sich, ihre Ausweise vorzuzeigen und ließen sich nicht mehr so einfach verhaften. Währenddessen versammelten sich auch außerhalb der Bar immer mehr Menschen, die die Polizisten beleidigten und beschimpften. Das Ganze mündete in sechs Tage andauernden, gewalttätigen Krawallen. Diese Proteste gelten heute für viele als die Geburtsstunde der Schwulen- und Lesbenbewegung. Endlich nahm man öffentlich wahr, wie sehr homosexuelle und Trans*Menschen unter einem Großteil der Gesellschaft, Behörden sowie der Regierung leiden mussten.

Die Bar 'Stonewall Inn' ist heute ein Nationaldenkmal und befindet sich übrigens in der Christopher Street, woher auch der Name für den Christopher Street Day (CSD) kommt.

Meine Meinung

Viele Menschen erfahren, egal ob jung oder alt, aufgrund ihrer Sexualität oder ihrem Geschlecht Diskriminierung auf verschiedenen Ebenen und zum Glück wird inzwischen wesentlich häufiger über das Thema gesprochen, als es lange Zeit der Fall war. Dennoch fehlt an vielen Stellen das Bewusstsein und vor allem das Wissen, wie man Personen aus der LGBTIQ-Community bei Anliegen entgegen treten sollte. Meines Erachtens ist es dringend notwendig, dass sich immer mehr Menschen für Inklusion und Chancengleichheit stark machen und sich gegen die Ansicht stellen, dass man etwas Besseres wäre, wenn man in ein heteronormatives Weltbild passt. Gleichzeitig ist es aber auch wichtig, dass die Menschen offen für Diskussionen sind und dazu imstande, andere Meinungen zu akzeptieren, solange sich diese außerhalb eines diskriminierenden und verachtenden Standpunkts bewegen.

Bildquelle: Getty Images/Alessandro Biascioli

Hat Dir "LGBTIQ: Was versteht man darunter und wohin mit all meinen Fragen?" gefallen? Wir freuen uns, wenn du den Artikel teilst - und natürlich darfst du uns gerne auf Facebook, Pinterest oder Instagram folgen.

Galerien
Lies auch
Teste dich