Transsexualität bei Kindern: Was tun?

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Transsexualität bei Kindern: Was tun?

Wie reagierst du, wenn deine Tochter kein Mädchen mehr sein will oder dein Sohn kein Junge?

Transsexualität ist ein Thema, das bewegt, auch wenn es nur um eine kleine Minderheit geht, denn die Betroffenen müssen sich gegen Stigmatisierung und Vorurteile wehren. Zum Glück ist die breite Öffentlichkeit mittlerweile besser informiert und toleranter geworden, denn Gallionsfiguren wie der ehemalige Stabhochspringer Balian Buschbaum oder Cathryn Jenner zeigen, dass es völlig ok ist, ein anderes Geschlecht haben zu wollen. Positive Vorbilder sind wichtig. Auch ein besseres Verständnis. Immer mehr Eltern möchten, dass ihre Kinder frei aufwachsen und das bedeutet auch, dass sie sich nicht auf ein Geschlecht festlegen lassen müssen. Es wird unterschieden zwischen Gender und Geschlecht. Das Geschlecht ist biologisch und Gender kommt aus dem Englischen und meint das soziale Geschlecht. Viele Transgender-Menschen möchten deshalb auch lieber Transgender genannt werden als transsexuell, denn das würde den Fokus eher auf die sexuelle Ausrichtung lenken.

Transidendität: Wenn ein Mädchen sich eher als ein Junge sieht oder umgekehrt.

Transsexualität bei Kindern: Die Symptome

Die sexuelle Ausrichtung spielt bei Kindern erst einmal gar keine Rolle, deshalb sprechen die Forschung und Trans-Aktivisten lieber von Transidentität oder Transgender. Wissenschaftler schätzen, dass man so um das siebte Lebensjahr eigentlich weiß, mit welchem Geschlecht man oder frau sich identifiziert. Das kann aber schon viel früher anfangen. Und wenn dies der Fall ist, erkennst du es relativ schnell, denn dein Kind wird sich dazu äußern.

  • Es wird darauf beharren, dass es eigentlich ein Junge oder eben ein Mädchen ist. Vielleicht will es auch schon lieber einen anderen Namen haben.
  • Es spielt lieber mit Jungen, weil es lieber ein Junge sein will oder spielt lieber mit Mädchen, weil es ein Mädchen sein will
  • .Es zieht sich entsprechend an - Röcke gehen gar nicht oder sind im umgekehrten Fall heiß begehrt. Die Haare werden länger getragen oder eben kurz - wie sich das Kind eben das andere Geschlecht vorstellt.

Du hast ein Transgender-Kind - was tun?

Jetzt die Frage: Überfordert dich dies oder kannst du damit leben? Wenn du damit leben kannst, ist das schon einmal gut, denn da ist die erste Hürde für dein Kind übersprungen. Wenn es dich überfordert, wäre es gut, sich beraten zu lassen und andere Eltern in einer ähnlichen Situation zu befragen. Kinderärzte sind gute Ansprechpartner und es gibt Selbsthilfegruppen sowie bundesweite Gruppen, die unterstützen können. Es ist völlig ok, überfordert zu sein und mit der Situation nicht zurechtzukommen, aber dir und deinem Kind zuliebe solltest du deine Nöte und Ängste nicht zu unterdrücken, sondern lernen, damit umzugehen.

Dein Kind besucht aber wahrscheinlich eine Kita, einen Kindergarten oder eine Schule und auch da muss Aufklärungsarbeit getan werden. Die Kinder sind dabei das geringste Problem, sie akzeptieren ziemlich schnell, dass ein Tim jetzt eine Laura ist oder eine Leonie nun ein Alexander. Man muss es ihnen nur erklären, sie dürfen auch Fragen stellen und damit werden sie für das Thema sensibilisiert.

Aber zwingen kann man die Kita- oder Schulverantwortlichen nicht, sein Kind nun mit dem bevorzugten Namen anzureden und dem bevorzugten Geschlecht zuzuordnen. Natürlich wirft das Fragen auf: Wo gehen die Transgender-Kinder auf die Toilette, darf ein Transmädchen mit den anderen Mädchen beim Klassenausflug in einem Zimmer schlafen? All das muss besprochen werden. Die Zentrale für politische Bildung hat für Kita-Fachkräfte auch schon Material gesammelt, das unter anderem über den Umgang mit Themen wie Transgender informiert.

Transgender-Kinder: Soll man Pubertätsblocker nehmen?

Eltern von Transgender-Kindern machen sich häufig Sorgen  und eine der größten Fragen stellt sich, wenn der Nachwuchs in die Pubertät kommt und viel stärker mit dem so ungewünschten Geschlecht konfrontiert wird - Hoden und Brüste wachsen, der Stimmbruch naht, die Periode kommt. Es herrscht Uneinigkeit beim Thema Transgender-Kinder in der Pubertät, denn mittlerweile gibt es die Mittel, um die Pubertät zu unterdrücken. Also einfach eine Zeit lang die Pausentaste zu drücken. Und später in die eine oder andere Richtung zu gehen.

Doktor Johanna Olsen von der Transyouth Klinik in Los Angeles möchte hierzu noch weiterforschen und Transkinder vor einer traumatischen Pubertät bewahren, wie sie in einem Video der Klinikwebseite betont: "Pubertät ist schlimm genug, es ist besser für die Kinder, die sich nicht mit ihrem Geschlecht identifizieren, diese Pubertät vorher zu stoppen und sie dann durch die Pubertät zu ihrem gewünschten Geschlecht gehen zu lassen. 50 Prozent aller Trans-Jugendlichen haben Selbstmordgedanken. Wir sind in der Lage, ihnen diesen Schmerz zu nehmen." In der Praxis bedeutet dies, dass man den Jugendlichen ein Hormongel gibt, dass sie sich auf die Haut streichen - dies lässt Brüste und Bärte sprießen.

Coming-Out wird unterdrückt

Nicht jeder Forscher ist davon überzeugt, dass man die Pubertät anhalten soll -  der Münchner Kinderarzt Alexander Korte von der Uni München möchte, dass den Jugendlichen Zeit gegeben wird, um zu wissen, welches Geschlecht sie denn wirklich wollen. Sie sollen seiner Meinung nach nicht zu früh auf den Weg gebracht werden, denn in diesem Alter würde man noch gar richtig wissen, wer man eigentlich ist. Ein Großteil der Jungen und Mädchen würden mit fortgeschrittenen Alter das Geschlecht, mit dem sie geboren wurden, lieber behalten. Etwa nur ein Viertel würde sich für eine Geschlechtsumwandlung entscheiden. Andere würden in der Pubertät erkennen, dass sie lesbisch oder schwul sind. Trans-Aktivisten argumentieren dagegen, dass die Kinder, die wirklich ihr Geschlecht wechseln wollen, von dem Anhalten der Pubertät profitieren würden und ihnen viel Leid erspart bleibt.

Professor Hartmut Bosinski schreibt in seinem Aufsatz "Geschlechtsidentitätsstörung / Geschlechtsdysphorie im Kindesalter" "Das ethische Dilemma besteht darin, dass gegenwärtig kein prognostisch sicherer Indikator bekannt ist, der die künftigen Persisters (die Minderheit der Kinder mit GIS/GD, die von einer Pubertätsblockade profitieren würde) von den Desisters (die Mehrheit, bei denen die Pubertätsblockade ein schwules oder lesbisches Coming-out verhindern würde) trennt!"

Was also tun, wenn dein Kind diese Pubertätsblocker nehmen möchte? Diese Entscheidung treffen Eltern nie leichtfertig, denn es bedeutet ja auch, dass ihre Kinder unfruchtbar werden, wenn sie sich dann für eine Geschlechtsumwandlung entscheiden. Die Beispiele, die in den Medien und Dokumentationen die Runde machen, scheinen immer ganz klar zu sein - die Kinder sind nach der Entscheidung immer glücklicher.

Das sind aber Fälle, wo schon frühzeitig zweifelsfrei erkennbar war war, dass sich die Kinder in ihrem Körper nicht wohlfühlten. Aber es gibt eben auch Fälle, wo das Ganze nicht so eindeutig ist, wo die Kinder nicht schon lange ein Mädchen oder ein Junge sein wollten. Wo es tatsächlich sein kann, dass es eher um eine sexuelle Orientierung handelt und es dann vielleicht eher akzeptiert wird, dass man dann als Frau einen Mann liebt oder als Mann eine Frau liebt. Jeder Einzelfall ist anders und zum Glück gibt es ja auch Beratungsstellen wie Trans-Ident e.V. oder Trans-Kinder-Netz. Ausgewählte Universitätskliniken in Hamburg, Münster, Berlin, Frankfurt und München bieten auch Sprechstunden an.

Transgender-Kinder: Beratung ist wichtig

Es ist sehr wichtig, dass du dir mit deinem Kind Beratung und Informationen holst, denn der Leidensdruck ist hoch und man möchte in so einer Situation nicht allein sein. Es ist eine schwierige Lebensphase - für Kind und Eltern. Letztere wissen oft gar nicht, wie sie reagieren sollen, und manche trauern auch, dass sie ihre Tochter verlieren und nun einen Sohn bekommen haben oder umgekehrt. Das ist verständlich, erhöht dann wiederum den Druck auf das Kind, das seine Eltern nicht enttäuschen will. Ohne professionelle Hilfe steht man diese Phase nicht so ohne Weiteres durch. Außerdem hilft es, wenn das Umfeld wie Kita und Schule unterstützt.

Transidentität, Transsexualität und Transgender sind nun Themen, die in der Öffentlichkeit diskutiert werden. Das hilft den Betroffenen, denn je mehr Aufklärung passiert, desto mehr trauen sich Kinder, etwas zu sagen und die Familie kann dadurch auf mehr Unterstützung und Solidarität hoffen. Und davon kann man nicht genug haben.

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