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Keine festen Rollen

Genderneutrale Erziehung: 5 Tipps, die uns helfen Geschlechter­klischees zu umgehen

© Getty Images/ yaruta; iStock/vision net ag
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Geschlechtsneutrale Erziehung und Gendermainstream. Diese Schlagworte begegnen uns mittlerweile überall. Wir haben 5 Tipps für euch, mit denen ihr bei eurem Nachwuchs nicht in die Falle namens "Rollenklischees" tappt, aber auch nicht zum Gender-Extremisten werdet.

Raus aus den Rollenklischees?!

Wer wie ich eine Tochter und einen Sohn hat, bekommt die Stereotypen von beiden Seiten serviert. Hier das sensible Mädchen mit dem Hang zu pinken Kleidchen und allem was glitzert, das von anderen gerne mal als „zickig“ bezeichnet wird, wenn es mal nicht gut drauf ist. Dort der wilde, ungestüme Junge mit dem Fußballer-Gen, noch in den Windeln, aber schon voller Testosteron, ein Indianer, der keine Tränen kennt.

Meist sind es Werbung und schlechtes Marketing, die mir diese Klischees unterjubeln – nicht nur mir, vor allem meinen Kindern. Da werden sie schon in Schubladen gepresst, bevor sie überhaupt selbst herausgefunden haben, was sie sind und wer sie sein wollen. Ich will das nicht – aber ich will meiner Tochter auch nicht ihre rosa Klamotten verbieten müssen, nur damit sie sich nicht von solchen Stereotypen vereinnahmen lässt. So einfach ist es nämlich nicht. Fünf Anregungen für Eltern, die eben nicht nach den Rollenklischees erziehen wollen.

1. Rosa und Hellblau nicht verdammen

Es sind nur Farben! Ja, sie werden für bestimmte Geschlechterrollen benutzt. Ja, das nimmt überhand und ja, mich nervt es auch, dass es bei Kinderklamotten so wenig Auswahl jenseits von rosa und hellblau, Prinzessinnen- und Armee-Look gibt. Die Farben rosa oder pink deshalb komplett zu verbannen ist genauso übertrieben, wie ein Mädchen nur rosa anzuziehen.

Es macht die Tochter nicht automatisch zur Bundeskanzlerin, wenn sie als Kind nur klischeefreie Farben getragen hat. Umgekehrt bleibt ihr dieser Beruf sicher nicht verwehrt, wenn sie die ersten Lebensjahre in rosa Vollausstattung verbracht hat. Lasst eure Kinder anziehen, was sie wollen und findet euch damit ab, dass ihre Wahl vielleicht schon recht früh nicht eurem Geschmack entspricht. Denkt daran, dass nicht ihr den ganzen Tag so rumlaufen müsst – und sie später als Bundeskanzlerin wahrscheinlich nicht mehr so freie Hand bei der Kleiderwahl hat.

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2. Der Junge im rosa Pulli ist cool!

Der Wille, geschlechtsneutral zu erziehen und mehr zuzulassen als rosa und hellblau stoppt meist urplötzlich, wenn ein Junge rosa trägt. Mädchen im Bagger-Pulli oder Fußballtrikot sind cool. Trägt mein Sohn ein rosa Einhorn-Shirt, sind uns blöde Sprüche sicher. Vom ungläubigen "Hat er sich das selbst ausgesucht?!" über "Und das lässt du zu?!" bis zu "Hast du denn keine Angst, dass er...hihi" war schon alles dabei. Nein, ich habe keine Angst, dass er mal schwul wird – auf die sexuelle Orientierung meines Kindes habe ich keinen Einfluss und es geht mich auch nichts an. Glücklich soll er sein. Und im Moment ist er es, wenn er ein rosa Einhorn-Shirt trägt.

3. Mädchen sind NICHT zickig

Egal, ob das Kind mit dem falschen Fuß aufgestanden ist, gerade vom Nachbarsjungen geärgert wurde, sich weh getan hat oder selbst nicht weiß, warum es weint: Schwierige Mädchen sind „zickig“ – schwierige Jungs halt einfach „wild“. Der Spruch „heute lässt sie aber die Zicke raushängen“ oder „die zickt schon wieder“ kann von der fremden Frau auf der Straße kommen, von der Nachbarin oder von der eigenen Mutter – immer trifft er Mädchen, nie Jungs. „Zicke“ ist ein Schimpfwort, es ist frauenfeindlich und herabwürdigend. Streicht es aus eurem Wortschatz, nennt niemanden so, schon gar nicht ein Kind.

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4. Kindern keine Rollenklischees einreden

Eines Tages kam meine Tochter aus der Kita und erklärte, die Jungs hätten sie aus der „Drachenbande“ ausgeschlossen, weil sie ein Mädchen sei. Der P. habe verkündet, Mädchen könnten keine Drachen fangen, die seien nicht stark genug. Außerdem habe der P. erklärt, das habe ihm sein Papa so gesagt. Nun hat der P. eine kleine Schwester bekommen und ich würde seinen Papa gerne fragen, ob er das seiner Tochter genauso erklärt: Jungs sind stark, Mädchen sind Salat?

Weil die Geschlechterklischees überall lauern und wir manche so stark verinnerlicht haben, ist es uns oft gar nicht bewusst, wenn wir in die Falle tappen. Aber ich finde, wer Kinder hat, hat hier eine Verantwortung und sollte nachdenken, bevor er den Mund aufmacht. Redet den Mädchen nicht ein, sie seien zu schwach, zu langsam oder sowieso schlecht in Mathe. Und sorgt dafür, dass das auch eure Söhne verstehen.

5. Aushalten, dass Kinder Klischees manchmal klasse finden

Kinder machen ja selten das, was von man ihnen will. Meistens wollen sie einfach nur spielen und manchmal sind diese Spiele auch ziemlich stereotyp: Prinzessin/Eiskönigin/Mutter-Vater-Kind die Mädchen, Ritter/Spiderman/Fußball die Jungs. Dann ist das eben so. Aber es wird nicht so bleiben – einen Teil löst die Entwicklung: Die hingebungsvolle Prinzessin wird nicht als Heimchen am Herd enden, wahrscheinlicher ist, dass sie mit 20 nur noch schwarz trägt und Physik studiert. Den anderen Teil habt ihr in der Hand: Zeigt euren Kindern, was jenseits von Prinzessinnen- und Ritterspielen alles möglich ist.

Es ist nicht immer leicht, den Mittelweg zwischen den Rollenklischees zu finden. Doch wie in jedem Bereich der Erziehung gibt es nie ein richtig oder falsch. Gerade deshalb ist es am besten, wenn ihr eurem Nachwuchs dabei so offen wie möglich begegnet. Macht den Mädchen klar, dass sie stark sind und erlaubt den Jungs, auch mal Salat zu sein. Lebt nicht selbst das Klischee – dann ergibt sich der Rest von selbst.

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