Selektiver Mutismus: Keine bloße Schüchternheit!

Wie Greta Thunberg

Selektiver Mutismus: Keine bloße Schüchternheit!

Wenn Kinder fähig sind zu sprechen, sie aber in der Schule oder im Kindergarten nie den Mund aufmachen, liegt in seltenen Fällen selektiver Mutismus, eine mögliche Angststörung, vor.

Die Umweltaktivistin Greta Thunberg hörte mit elf Jahren auf zu sprechen. Ärzte diagnostizierten bei ihr das Asperger Syndrom, aber auch selektiven Mutismus. Diese psychische Störung hat es wahrscheinlich schon immer gegeben, aber man hat früher den Kindern wahrscheinlich gar nicht so große Aufmerksamkeit geschenkt und gedacht, es ist einfach nur extreme Schüchternheit. Denn die Kinder sind in der Lage zu sprechen, aber die Angst hält sie davon ab.

Wie äußert sich selektiver Mutismus?

Selektiver Mutismus ist, wie der Name schon sagt, eine situationsabhängige Stummheit. Manchmal können die Menschen reden, wollen es nicht, aber oft können sie es auch einfach nicht. Zuhause, im vertrauten Kreis, bekommen die Kinder den Mund auf, aber in der Kita, in der Schule oder gegenüber nicht so vertrauten Menschen bringen die Kinder kein Wort mehr über die Lippen. Oft ist es ein schleichender Prozess. Das Kind spricht immer seltener, wirkt ängstlich und gehemmt. Eine Bezugsperson wird auserkoren und mit dieser spricht es dann. Meistens ist es die Mutter, die fortan quasi als Dolmetscherin fungiert. Aber das kann natürlich nur für eine Weile gutgehen. Mama und Papa sind im Kindergarten oder in der Schule nicht ständig dabei. Der selektive Mutismus wird von Forschern als Angststörung gesehen, andere Experten sehen es differenzierter und sagen, dass es auch möglich ist, dass sich der selektive Mutismus zu einer Angststörung entwickeln kann. Zudem kann der selektiver Mutismus gemeinsam mit Asperger Syndrom diagnostiziert werden - wie es im Fall von Greta Thunberg geschah.

Ursachen für den selektiven Mutismus

Warum Kinder in bestimmten Situationen nicht mehr sprechen können, hat verschiedene Ursachen. Sie sind schon früh an sehr ängstliche Kinder, leiden unter Trennungsangst und neben des Verstummen kann man noch andere Symptome der Angst beobachten: Sie nässen oder koten sich ein und haben starke Stimmungsschwankungen.  Die Kinder hatten von Anfang an eine Scheu gegenüber Menschen und für sie bedeutet der Eintritt in den Kindergarten oder der Schule ein Trauma, denn hier werden sie mit vielen anderen Menschen konfrontiert, die vertrauten Bezugspersonen sind aber nicht da. Dadurch reagieren sie mit Rückzug, und dies äußert sich durch den Verlust der Sprache. Sie erstarren regelrecht und vermeiden jegliches Geräusch, sei es Lachen oder Weinen oder sogar Husten. Verstärkt kann dieses Verhalten auch durch das familiäre Umfeld sein - ist ein Elternteil ebenfalls sehr gehemmt und kommuniziert wenig, hinterlässt dies einen Eindruck auf das Kind.

Kinder mit Migrationshintergrund können verstärkt betroffen sein - sie trauen sich die neue Sprache nicht zu und halten lieber den Mund. Hier muss das Umfeld dann genau aufpassen, damit sich aus dieser Art des selektiven Mutismus nicht eine Angststörung entwickelt.

Wie können Eltern unterstützen?

Wenn ihr also seht, dass euer Kind außerhalb des familiären Umfeld Schwierigkeiten hat und nicht sprechen will oder kann, solltet ihr es ganz genau beobachten. Sprecht mit den Erzieherinnen und Lehrerinnen, die euch sagen können, wie euer Nachwuchs reagiert. Wenn sich der Mutismus über Wochen hält, holt euch Hilfe. Geht zum Kinderarzt, damit dieser andere möglichen Ursachen wie Schwerhörigkeit oder Entzündungen ausschließen kann. Eine Überweisung zur Kinder- und Jugendpsychiatrie gibt euch die Möglichkeit zu einer weiterführenden Diagnose. Erste Anlaufstelle kann auch die Sprachambulanz in der Nähe sein.

Nach der Diagnose: Wie geht es weiter?

Ist die Diagnose selektiver Mutismus gestellt worden, wird meistens eine Verhaltenstherapie vorgeschlagen oder eine Familientherapie, damit auch über die familiären Ursachen gesprochen werden kann und Eltern Hilfe bekommen, wie sie am besten mit ihrem Kind umgehen können. Die Betroffenen müssen erstmal vorsichtig lernen, Vertrauen zu fremden Menschen aufzubauen, um immer mehr Zutrauen zu bekommen. Mittlerweile gibt es auch ein Netz von Experten und Expertinnen, das sich auf den selektiven Mutismus spezialisiert hat.

Der selektive Mutismus kann eine vorübergehende Erscheinung sein, aber unter Umständen auch chronisch werden. Aus Kindern werden Teenager und Erwachsene, die Angst vor sozialen Kontakten haben und wenig kommunizieren. Es ist wichtig, sich so früh wie möglich Hilfe zu holen, um das Leben der Kinder zu erleichtern und sie aus der Isolation herauszuholen.

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