Asperger Syndrom: Was sind die Symptome?

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Asperger Syndrom: Was sind die Symptome?

Das Asperger Syndrom gehört zu den Autismus-Spektrum-Störungen und wird oft erst spät erkannt. Worauf man achten sollte.

Autismus hat viele Gesichter: Obwohl man mittlerweile von einem Autismus-Autismus-Spektrum (ASS) ausgeht, gelten immer noch die verschiedenen Formen von Autismus in der Diagnostik dieser Entwicklungsstörung. Darunter fällt auch das Asperger Syndrom, benannt nach dem österreichischen Wissenschaftler Hans Asperger, der 1943 in seiner Habilitationsschrift über diese Form des Autismus-Spektrum forschte. Wie bei allen Autismusformen haben die Betroffenen Schwierigkeiten in der sozialen Interaktion, der Kommunikation und der Wahrnehmung. Im Unterschied zum frühkindlichen Autismus kann das Asperger Syndrom erst ab dem dritten Lebensjahr festgestellt werden. Oft dauert es aber länger und ein Teil der von Asperger-Syndrom-Betroffenen bekommt die Diagnose erst im Erwachsenenalter oder auch nie. Es gibt deshalb auch keine genauen Zahlen, wie viele Menschen mit Asperger Syndrom in Deutschland leben.

Für Kinder mit Asperger Syndrom können Kopfhörer, die sämtliche Alltagsgeräusche abblocken, eine große Erleichterung bringen.

Asperger Syndrom: Diese Symptome fallen auf

Asperger-Syndrom-Kinder haben im Unterschied zu denen mit frühkindlichem Autismus kaum Sprachprobleme und ihre kognitiven Fähigkeiten entsprechen auch der Norm. Ihre Sprachweise wirkt allerdings eher erwachsen, fast pedantisch. Jedes Kind mit Asperger Syndrom entwickelt sich anders. Es gibt Tests, die zwar keine echte Diagnose ersetzen, aber Eltern eine Ahnung vermitteln. Grundsätzlich sollte man aufmerksam werden, wenn sich die Nachwuchs folgendermaßen verhält:

  • Empfindlichkeit gegenüber Geräuschen, Gerüchen, Geschmack, aber auch Berührungen

  • Ausweichen beim Blickkontakt

  • Schwierigkeiten, die Gefühle zu kontrollieren

  • Motorische Schwierigkeiten - oft sehr tollpatschig

  • Schwierigkeiten, mit anderen Kindern Freundschaften zu schließen, manchmal ist da auch überhaupt kein Interesse an Gleichaltrigen

  • Keine Empathie - sie können sich nicht in die Gefühlswelt anderer hineinversetzen

  • Sehr detailverliebt und diese Detailverliebtheit findet sich auch in ihren Gesprächen, sie können stundenlang über ein Thema sprechen und merken nicht, dass sie andere langweilen.

Kommunikation und soziale Interaktion sind die Grundprobleme für Menschen mit Asperger Syndrom, denn vieles passiert nonverbal. Gerade dieses Nonverbale macht es ihnen so schwer, denn sie können keine Gesichtsausdrücke oder Körpersprache deuten. Ob jetzt Mama oder Papa streng schauen oder alles in Ordnung ist. Ob die Nachbarskinder nun einen Witz reißen, geht auch an ihnen vorbei. Ob etwas peinlich ist, ebenso. Vieles im menschlichen Beisammensein basiert auf Codes. Sagt man zum Beispiel: "Mir ist heiß", erwartet man vielleicht, dass das Fenster geöffnet wird. Ein Mensch mit ASS wird das aber nicht verstehen. Man muss als Gegenüber also immer sehr klar kommunizieren.

Probleme mit Reizüberflutung

Wie andere Menschen mit ASS können Kinder mit dem Asperger Syndrom nicht gut mit Reizüberflutung umgehen, deshalb flüchten sie sich ins Detail, denn das gibt ihnen ein bisschen Kontrolle. Oder sie schotten sich ganz ab. Kopfhörer, die sämtliche Geräusche der Umgebung ausschalten, sind ein Segen für manche mit ASS. Das tägliche Miteinander stellt für Betroffene eine große Herausforderung dar - auch, wenn man es ihnen nicht ansieht. Erwachsene mit Asperger Syndrom haben es meist besser im Griff, aber Kinder reagieren noch ungefiltert und Wutausbrüche sind die Folgen. Was die emotionale Reife betrifft, können sie es mit Gleichaltrigen nicht aufnehmen.

Viele Kinder mögen keine Veränderungen, aber Kinder im autistischen Spektrum haben es noch schwerer, denn jeder neue Schulweg, jede neue Gruppe bedeutet eine große Herausforderung. Um mit diesen Herausforderungen fertig zu werden, benutzen sie Rituale, dann muss zum Beispiel auf dem Schulweg zum Beispiel jeder Laternenmast auf eine bestimmte Weise berührt werden.

Kinder mit Asperger Syndrom, die mit drei Jahren vielleicht mehr an den Rädern als an dem eigentlichen Spielzeugauto interessiert waren, übertragen ihre Detailverliebtheit später auf andere Wissensgebiete. Dann wird alles zu diesem Thema gesammelt. Computer und Elektronik können eine große Faszination ausüben.

Probleme in der Schule

Man muss immer wieder betonen, dass jedes Asperger-Syndrom-Kind anders ist - es kann vielleicht überdurchschnittlich intelligent sein und sich Fakten gut merken. Dann aber versagt es im Klassenverbund, weil es zu abgelenkt oder zu angespannt war, wenn es mit Reizen überflutet wurde. Wichtig ist, dass diese Schwierigkeiten von den Lehrern wahrgenommen werden. Noch sind nicht alle richtig geschult, um mit Kindern im Autismus-Spektrum umzugehen.

Autismus ist nicht heilbar, aber gerade für Kinder mit Asperger Syndrom kann man versuchen, ihre Umgebung so zu gestalten, dass sie mit dem Leben besser klarkommen. Aufklärung muss sein, damit die Betroffenen nicht ausgeschlossen werden. Andere Kinder sollten wissen, warum ihre Kindergartenkumpel oder Klassenkameraden so reagieren, wie sie es tun. Mobbing ist leider eine Erfahrung, die viele autistische Kinder machen. Vor allem weil viele von ihnen keine guten motorischen Fähigkeiten haben - bei Ballspielen und anderen Geschicklichkeitsspielen versagen sie - das bringt sie noch weiter in die Außenseiterposition.

Hilfe beim Asperger Syndrom

Eltern von Kindern mit Asperger Syndrom brauchen Hilfe - psychologische, aber auch finanzielle. Hierfür ist die Eingliederungshilfe  zuständig, die Maßnahmen finanziell unterstützt, um das Kind besser zu integrieren. Sie werden in der Regel vom Jugendamt bezahlt. Die Leistungen richten sich immer nach dem Grad der seelischen Beeinträchtigung. Auch der Schwerbehindertenausweis für Menschen mit Asperger Syndrom richtet sich nach diesem Grad.

Bekommt man die Diagnose, dass das eigene Kind das Asperger Syndrom hat, ist man wahrscheinlich erstmal überwältigt und geschockt. Oft entsteht ein Gefühl der Isolation und hier helfen Selbsthilfegruppen. Die Selbsthilfegruppe Asperger Syndrom hat einen ganz hervorragenden Ratgeber für Eltern erstellt, der ihnen unter anderem eine hilfreiche Checkliste gibt, was nach so einer Diagnose zu tun ist und wo man welche Hilfen beantragen kann.

Mehr Wissen und mehr Toleranz

Noch wird fleißig über die Autismus-Spektrum-Störung und damit auch das Asperger-Syndrom geforscht. Man weiß, dass Jungen eher als Mädchen betroffen sind. Aber auch wenn man weiß, dass mehr Jungen betroffen sind - Mädchen können auch Asperger bekommen, sie sind aber besser darin, es zu verbergen. So kommt es, dass bei ihnen erst viel später oder vielleicht gar nicht eine autistische Störung festgestellt wird.

Dabei ist es für viele eine Erleichterung, eine Diagnose zu bekommen, wenn man ahnt, dass man anders als die anderen ist. Mit einer Diagnose fallen mögliche Schuldgefühle weg. Die Autismusforschung hat noch ein großes Feld zu beackern. Man weiß: Es gibt kein Autismus-Gen, sondern eine Vielzahl von Genen, die es auslösen können. Alle Umweltfaktoren kann man noch nicht kategorisch ausschließen, aber es sind nicht gefühlskalte Mütter, die Kinder zu Autisten machen. Das war eine gängige Meinung in den fünfziger Jahren. Wie gesagt, es gibt noch viel zu forschen, aber für ein gutes Miteinander sollten wir uns über Autismus informieren und den Betroffenen mit größtmöglicher Toleranz und Unterstützung begegnen.

 

Bildquelle: Getty Images

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