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Erste Anzeichen

Asperger-Syndrom bei Kindern: Total „normal“ und doch irgendwie anders

Asperger-Syndrom bei Kindern
© Getty/oneblink-cj

Kinder und Erwachsene im Autismus-Spektrum nehmen ihre Umwelt anders wahr als sogenannte neurotypische Menschen. Diese besondere Form der Wahrnehmung ist nicht schlechter oder weniger richtig, aber sie bringt oft enorme Herausforderungen im Alltag mit sich. Welche Symptome des Asperger-Syndroms bei Kindern auftreten können und wie ihr damit umgehen könnt.

Was ist Asperger-Autismus?

Das Asperger-Syndrom zählt zu den Autismus-Spektrum-Störungen (abgekürzt ASS) und zählt nach Internationalen Diagnosekriterien zu den neurologischen Entwicklungsstörungen, die sich in vielen verschiedenen Ausprägungen zeigen können. Typischerweise liegen die Auffälligkeiten von Kindern mit dem Asperger-Syndrom in diesen Bereichen:

  • Sich schwer tun mit sozialer Interaktion
  • Motorische Auffälligkeiten (wie z. B. etwas unbeholfene Feinmotorik oder ständiges Stolpern)
  • Stark ritualisierte Verhaltensmuster
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Wie sich diese Symptome im Alltag konkret äußern seht ihr hier im Video:

Asperger-Syndrom: Was es ist es und welche Symptome sind typisch
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Kommt euch das bekannt vor? Worauf ihr außerdem achten könnt und wo ihr bei Bedarf eine Diagnose bzw. Unterstützung herbekommt, erfahrt ihr hier.

Gesine Engels-Krone

Aufklärung ist wichtig

Ursprünglich benannt nach dem Österreicher Hans Asperger, der in den 1940er Jahren über diese Form von Autismus forschte, wird der Begriff Asperger-Autismus heute immer weniger gebraucht, da die Person höchst umstritten ist. Medizinhistoriker haben nämlich nachgewiesen, dass Hans Asperger seinerzeit auf grausame Weise die Rassenideologie der Nazis unterstützte.

Für Eltern können diese alten Kategorien des Autismus dennoch hilfreich sein, um das Feld der Symptome einzugrenzen. Und auch viele Betroffene nennen sich selbst noch so, wie z. B. der deutschlandweit organisierte Selbsthilfeverein Aspies e.V. Allein aus diesem Grund verwende ich den Begriff in diesem Artikel.

Gesine Engels-Krone

Asperger-Syndrom beim Baby

Autismus kann sich bereits im Babyalter äußern. Wenn euer Baby sehr viel schreit, überaus ängstlich oder übermäßig auf akustische oder visuelle Reize reagiert, oder außergewöhnlich stark auf starre Routinen besteht, ist es möglich, dass es eine ASS hat.

Für eure Beobachtungen und Sorgen ist erst einmal die Kinderärztin euer erste Ansprechpartnerin. Oder ihr wendet euch zusätzlich an eine Schreiambulanz, ein SPZ oder einen Kinderpsychologen in eurer Nähe, wenn ihr dem Verdacht nachgehen wollt.

Asperger-Syndrom beim Kleinkind

Im Kleinkindalter können sich die Merkmale des Asperger-Syndroms weiter vertiefen. Kleinkinder entwickeln oft sehr spezifische, manchmal obsessive Interessen, verfügen meist über eine sehr erwachsene Sprache, vermeiden aber oft Blickkontakt und zeigen repetitive Verhaltensmuster (wie z. B. auch das ständige Wiederholen erlernter Phrasen oder Fragen). Das alles können Hinweise auf Autismus sein.

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Im Unterschied zum frühkindlichen Autismus wird Asperger bei Kindern erst ab dem 3. Lebensjahr diagnostiziert. Oft wird es erst später entdeckt, ab einem Alter von ca. 6 bis 8 Jahren, wenn die Kinder Probleme in der Grundschule bekommen. Dass Jungen öfters betroffen sind, liegt vermutlich nur daran, dass Mädchen leider öfters undiagnostiziert bleiben, weil sie sich stärker anpassen.

Wie erkenne ich das Asperger-Syndrom bei Kindern?

Ihr fragt euch, welche Symptome hat das Asperger-Syndrom? So unterschiedlich Kinder im Autismus-Spektrum mit ihrer besonderen Wahrnehmung umgehen, so treten erste Auffälligkeiten meist in folgenden Bereichen auf:

Erste Anzeichen für das Asperger-Syndrom bei Kindern

  • Probleme mit Reizüberflutung: Flucht ins kontrollierbare Detail, Abschottung bei Lärm oder visueller Überstimulation.
  • Schwierigkeiten in der sozialen Interaktion: Probleme, soziale Signale zu verstehen und so zu reagieren, wie es gemeinhin als „angemessen“ gilt.
  • Probleme bei der Kommunikation: wenig Blickkontakt, weniger Interesse an Gleichaltrigen, Schwierigkeiten bei der Interpretation nonverbaler Gesten.
  • Auffälligkeiten in der Sprache: Schwierigkeiten, Gedanken und Gefühle in Worten auszudrücken, bzw. umständliche, eher erwachsene Ausdrucksweise, ständiges Wiederholen erlernter Phrasen und Fragen.
  • Stereotype Verhaltensmuster: repetitive Verhaltensweisen und Bestehen auf festen Ritualen, z. B. auf dem Schulweg jeden Laternenmast berühren, immer die gleichen Wege gehen.
  • Probleme mit der Flexibilität und Anpassungsfähigkeit: Schwierigkeiten, sich an neue Situationen oder Änderungen im Alltag anzupassen, starkes Festhalten an Routinen und Ritualen, Unwohlsein wenn diese gestört werden.
  • Spezialinteressen: übermäßiges Interesse an einem engen Spektrum von Themen (z. B. Dinosaurier, Eisenbahn, Elektronik), stundenlange Beschäftigung mit dem Spezialgebiet, tiefes Fachwissen.
  • Empfindlichkeit gegenüber sensorischen Reizen: z. B. bei lauten oder unbekannten Geräuschen, Licht, Gerüchen oder Berührungen.
  • Motorische Koordinationsschwierigkeiten: ungeschickte Bewegungen, Schwierigkeiten beim Erlernen neuer motorischer Fähigkeiten, z. B. bei der Stifthaltung.
  • Probleme bei der Emotionsregulation: geringe Frustrationstoleranz, Probleme, Emotionen angemessen auszudrücken und zu regulieren, Überempfindlichkeit.

Hat mein Kind das Asperger-Syndrom? Test

Jedes Kind mit Asperger-Syndrom entwickelt sich anders. Es gibt auf autismus-kultur.de einen Online-Test, der zwar keine echte Diagnose ersetzt, aber Eltern eine erste Ahnung vermitteln kann.

Wichtig: Wir recherchieren mit großer Sorgfalt und nutzen nur vertrauenswürdige Quellen. Die Ratschläge und Informationen in diesem Artikel ersetzen aber keine medizinische Betreuung durch entsprechendes Fachpersonal. Bitte wendet euch bei gesundheitlichen Fragen und Beschwerden an eure Ärztinnen oder Psychologen, damit sie euch individuell weiterhelfen können.

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Sind Kinder mit Asperger aggressiv?

Nein, Kinder mit Asperger-Syndrom sind nicht zwangsläufig aggressiv. Allerdings können sie aufgrund von Kommunikationsschwierigkeiten und Überforderung Verhaltensweisen zeigen, die als aggressiv interpretiert werden könnten. Wenn sie z. B. einen Wutausbruch bekommen, weil sie oder ihre Mitmenschen Dinge nicht verstehen und sich darüber ärgern. Es ist wichtig, solche Verhaltensweisen bei seinem Kind mit Autismus zu verstehen und angemessen darauf zu reagieren. Das kann man üben.

Kinder im Autismus-Spektrum verstehen und unterstützen

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Hilfe für Eltern von Kindern mit der Diagnose Asperger-Syndrom

Die Autismus-Diagnose bekommt ihr von einer Kinderpsychologin oder einem Neurologen, im SPZ oder Autismus-Zentrum. Dafür müsst ihr mit eurem Kind in einer Sprechstunde vorstellig werden, es werden mehrere Gespräche geführt und es müssen viele Fragebögen von euch ausgefüllt werden.

Dort können dann auch andere Diagnosen ausgeschlossen werden, wie z. B.:

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Was brauchen Kinder mit Asperger-Syndrom?

Kinder mit Asperger-Syndrom benötigen individuelle Unterstützung, die auf ihre Bedürfnisse abgestimmt ist. Es ist wichtig, ihre Stärken zu fördern und ihnen klarzumachen, dass jede*r Stärken mitbringt und ihr Autismus kein Problem darstellt! Ja, es ist für Familien im Alltag oft eine Herausforderung. Klare Familienregeln und eine feste Struktur, wie z. B. mit einem Tagesplan oder Wochenplan mit Bildkartensystem, hilft Betroffenen dabei, einen funktionierenden Tagesrhythmus zu finden.

Was kommt zuerst? Bildkarten für mehr Struktur im Alltag

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Beim Erlernen sozialer Fähigkeiten können kooperative Rollenspiele oder Bildkarten mit Gefühlen den Kindern enorm helfen. Grundsätzlich sind ein unterstützendes Umfeld und Verständnis seitens der Eltern entscheidend für eine gute Entwicklung.

Gesine Engels-Krone

Die Diagnose annehmen

Auch wenn es im ersten Moment vielleicht schwierig ist, eine medizinische Diagnose zu akzeptieren, nehmt diese an. Sie ist die Voraussetzung für Unterstützungsangebote, die euch jetzt zustehen: Nicht nur in Form von Therapie und Begleitung für euer Kind, sondern auch finanzielle Leistungen von eurer Krankenkasse und eventuelle Vergünstigungen im Alltag durch einen Schwerbehindertenausweis.

Die Leistungen richten sich immer nach dem Grad der seelischen Beeinträchtigung, der von eurer Pflegekasse ermittelt wird.

Gesine Engels-Krone

Was ist Autismus-Therapie?

Autismus-Therapie für Kinder läuft meistens nach dem Muster der Verhaltenstherapie ab, d.h. bestimmtes Verhalten wird in Spielsituationen mit dem Therapeuten oder der Therapeutin eingeübt. Diese Therapien zielen darauf ab, die individuellen Schwierigkeiten der Kinder anzugehen und ihnen dabei zu helfen, ihre Fähigkeiten und das Verständnis für die Umwelt weiterzuentwickeln.

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Ergänzend dazu kann z. B. auch eine Ergotherapie für Kinder, die sich mit der Feinmotorik noch etwas schwerer tun, oder eine Reittherapie für besonders unruhige Kinder sinnvoll sein. Lasst euch dazu in einem Autismus-Therapiezentrum in eurer Nähe beraten.

1001 Ideen für den Alltag mit autistischen Kindern und Jugendlichen

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Welche Schule ist für Kinder mit Asperger geeignet?

Das lässt sich so einfach gar nicht beantworten. Jedes Kind mit Asperger-Syndrom ist anders – es ist vielleicht überdurchschnittlich intelligent und kann sich Fakten gut merken, hat aber Schwierigkeiten im Klassenverbund, weil es zu abgelenkt oder zu angespannt war, wenn es mit Reizen überflutet wurde.

Grundsätzlich können Kinder mit dem Asperger-Syndrom aber eine Regelschule mit Inklusionsprogramm besuchen. Viele Kinder mit ASS werden dann von einer so genannten Schulbegleitung durch den stressigen Schulalltag navigiert oder es gibt zusätzliche Förderlehrer*innen in den Grundschulklassen, die die Schüler*innen bei Bedarf unterstützen können.

Gut zu wissen: Es gibt Regelschulen mit Inklusionsansatz und Förderschulen für Kinder mit Behinderungen und besonderen Bedürfnissen. Für den Besuch einer Förderschule braucht das Kind einen Förderschwerpunkt, der in gemeinsamer Absprache von den Eltern und dem zuständigen Jugendamt beantragt wird. Eine individuelle Abwägung und Beratung durch Fachleute ist hier ratsam.

Aufklärung muss sein, damit Betroffene nicht ausgeschlossen werden. Andere Kinder sollten wissen, warum ihre Klassenkameraden so reagieren, wie sie es tun, ansonsten kann im schlimmsten Fall Mobbing die Folge sein.

Der Guide für Jugendliche mit Asperger-Syndrom

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Asperger-Autismus: Was sind die Ursachen?

Die genauen Ursachen des Asperger-Syndroms sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass eine Kombination aus genetische Faktoren und Umweltfaktoren eine Rolle bei der Entstehung einer Autismus-Spektrum-Störung spielen, in diesem Bereich wird viel geforscht.

Fakt ist jedenfalls, dass Autismus angeboren ist und nicht wieder weggeht. Es ist eine spezielle Art, die Welt wahrzunehmen, die nicht als Krankheit, sondern als Besonderheit in unserer Gesellschaft wahrgenommen werden sollte und für die es viele hilfreiche Umgangs- und Behandlungsformen gibt.

Quellen: autismus Deutschland e.V. Bundesverband zur Förderung von Menschen mit Autismus, Bundesministerium für Gesundheit, Neurologen und Psychiater im Netz, NZZ

Test: Ist mein Kind hochsensibel?

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