Wachstum bei Kindern - was ist normal?

Kleinkind

Wachstum bei Kindern - was ist normal?

Sie recken und strecken sich und plötzlich sind die Kleinen schon ganz groß. Wie sich das Wachstum bei Kindern entwickeln sollte, erklären wir hier. Ist bei meinem Kind alles normal? Unsere Wachstumskurve gibt einen ersten Überblick.

Mensch, bist du groß geworden! Kindern kann man regelrecht beim Wachsen zusehen. Und manchmal kommt es einem so vor, als seien sie über Nacht einen Kopf größer geworden. Ist eine Veränderung so sichtbar, dann fragt man sich: Ist alles normal? Wir geben im Folgenden einen groben Überblick, wie sich das Wachstum von Kindern entwickelt.
Insgesamt gibt es bei Kindern drei wichtige Wachstumsphasen. Am schnellsten wachsen Kinder in den ersten drei Lebensjahren. Sie strecken sich gewaltig, ihre Körpergröße verdoppelt sich nahezu. Aber nicht nur die Größe sondern ihre gesamte Entwicklung macht in dieser Phase einen gewaltigen Schub. Krabbeln, laufen, sprechen: Aus dem Baby wird ein Kleinkind.
Danach, in der zweiten Wachstums-Phase, verlangsamt sich das Wachstum wieder etwas. Aber jedes neue Jahr bringt dennoch gute fünf bis sechs Zentimeter Körpergröße mehr. Mit der Pubertät kommt dann nochmals ein wichtiger Entwicklungsschub. Bis die Pubertät überstanden ist wachsen Kinder bis zu zehn Zentimeter im Jahr. Mädchen haben ihre körperliche Entwicklung und damit auch ihr Wachstum mit etwa 17 Jahren abgeschlossen, Jungen zwei Jahre später.
In jeder dieser Phasen streckt sich der Körper also fast täglich. Deshalb können bei Kindern die sogenannten Wachstumsschmerzen auftreten. Am häufigsten haben Kinder im Vor- und Grundschulalter unter ihnen zu leiden. Woher die stumpfen Schmerzen – vorwiegend in den Beinen – kommen, ist nicht eindeutig geklärt. Die vorherrschende Meinung ist jedoch, dass die Bänder und Sehnen durch das schnelle Wachstum zeitweise überdehnt werden. Mehr Informationen dazu finden Sie auch in unserem Beitrag „Wachstumsschmerzen: Tut größer werden weh?“.

Die Milch macht's

Wenn Ihr Kind Wachstumsschmerzen hat, dann bedeutet das aber nicht, dass es ein Riese wird. Das Entwicklungstempo ist ganz individuell: Manche Kinder wachsen langsam aber stetig, andere machen eben plötzlich diesen großen Satz nach oben. Wie groß Ihr Kind letztendlich wird, ist stark von den Genen abhängig. Ist jeder in Ihrer Familie und in der Ihres Partners groß gewachsen, dann wird auch Ihr Kind einmal zu den Großen gehören. Andersherum gilt dementsprechend das gleiche. Wichtig sind aber auch die allgemeinen Lebensumstände. Das soziale Umfeld, Stress, schädliche Umwelteinflüsse und die Ernährungseise können das Wachstum von Kindern ebenso beeinflussen. "Für die Bildung von stabilen, kräftigen Knochen benötigt der Organismus des Kindes vor allem Kalzium und Phosphor. Die wichtigste Quelle dafür ist die Milch“, erklärt der Münchner Pädiater und Ernährungsexperte Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit.

Die Milch macht’s! Ja, das wusste schon die Omi. Aber entscheidend ist, dass der Körper auch Vitamin D brauchen, um das Kalzium überhaupt aufnehmen zu können. Dieses ist zum Beispiel in Fisch, Eigelb, Leber, Butter oder Margarine enthalten. Doch weil Fisch und Leber eher weniger den Geschmack von Kindern trifft, hilft dieser Trick: Schicken Sie Ihre Kinder öfter raus zum Toben. Die Sonne ist ein guter Vitamin-D-Lieferant.
Überhaupt ist Bewegung, möglichst unter freiem Himmel, zusammen mit der richtigen „Knochenversorgung“ eine wichtige Voraussetzung, damit das Knochengerüst an Masse und Stabilität gewinnt. Zusätzlich wird durch das Toben die Muskulatur gestärkt und der Kreislauf bleibt auf Trapp. Und das ist nicht nur gut für ein gesundes Wachstum sondern kann auch chronischen Krankheiten wie Rückenschmerzen vorbeugen.
Die Körpergröße ist also ein guter Indikator dafür, ob sich Ihr Kind gesund entwickelt. Unsere Wachstumskurve zeigt Ihnen, ob die Größe Ihres Kindes im Normalbereich liegt - hier der farblich unterlegte Bereich.

Wächst mein Kind normal? An den Wachstumskurven können Sie das schnell ablesen. Liegt die Körpergröße Ihres Kindes in den eingefärbten Bereichen, dann verläuft sein Wachstum normal.

Manchmal kann es jedoch passieren, dass Kinder einfach nicht wachsen wollen und ihre Körpergröße in der Wachstumskurve unter dem Normalbereich liegt. Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie Sie Wachstumsstörungen erkennen und welche Therapieformen es gibt.

Wachstumsstörung - wenn Kinder nicht wachsen

Manchmal kommt es vor, dass sich Kinder langsamer entwickeln als gleichaltrige Spielkameraden. Schuld an diesen Wachstumstörungen kann ein Hormonmangel sein. Wann Handlungsbedarf besteht, erfahren Sie hier.

Hilfe, mein Kind wächst nicht!

Wenn Ihr Kind kleiner ist als seine gleichaltrigen Freunde, dann muss das nicht sofort an einer ernsthaften Wachstumsstörung liegen. Das Entwicklungstempo ist ganz individuell und manchmal sind Kinder einfach „Spätzünder“. Überlegen Sie doch einmal, wie das bei Ihnen in der Kindheit war. Denn auch wie schnell Kinder wachsen liegt oft in der Familie. Deshalb kann eine Wachstumsstörung auch niemals durch eine einzelne Messung beurteilt werden. Das Wachstum muss über einen längeren Zeitraum regelmäßig überprüft werden, etwa bei den U-Untersuchungen. Bei jeder Untersuchung trägt der Arzt Gewicht und Körpergröße in eine Tabelle ein, in die sogenannte Perzentilenkurve. An Hand dieser Kurve kann der Arzt ablesen, ob sich Ihr Kind „normal“ entwickelt. Entscheidend ist dabei, wie weit und ob Ihr Kind von einem Durchschnittswert abweicht. Aber wie gesagt, Grund zur Sorge besteht erst, wenn über einen längeren Zeitraum Abweichungen von der Norm erkennbar sind. Dann wird der Arzt weitere Untersuchungen durchführen.

Hormonbehandlung bei Wachstumsstörungen

Mithilfe von Blutuntersuchungen kann er zum Beispiel feststellen, ob ein Mangel an Wachstumshormonen die Ursache für die Wachstumsstörung ist. Von der Diagnose hängt dann selbstverständlich die Therapie ab. Ist die Ursache tatsächlich eine Hormonstörung, dann sorgt man für künstlichen Ersatz. Dabei ist es besonders wichtig, dass die Dosis des Hormons immer den körperlichen Veränderungen, also dem Wachstum und der Gewichtszunahme des Kindes angepasst wird. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind deshalb unerlässlich.

Wir möchten Ihnen damit aber keine Angst machen. In den meisten Fällen entwickeln sich Kinder ganz normal. Es reicht daher völlig aus, Ihr Kind einmal im Monat zu messen, um die aktuelle Entwicklung einschätzen zu können. Auch wenn er für Kinder nur ein schwacher Trost ist, wenn alle anderen Klassenkameraden es überragen, der Spruch „Das verwächst sich noch“ hat durchaus seine Gültigkeit. Vielleicht ist ein altes Schulfoto von Ihnen die bessere Therapie: Ja, der Winzling da, das bin ich, der mit der hässlichen Frise.

Bildquelle:

Thinkstock,vision net ag

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