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Im Kino: "1 Million Minuten"

Tom Schilling: "Je entspannter die Eltern, desto entspannter die Kinder"

Eine Million Minuten - Trailer Deutsch

Endlich wieder großes deutsches Kino: In "1 Million Minuten" geht Familie Küper, mit und besonders wegen ihrer entwicklungsverzögerten Tochter Nina, 1 Million Minuten, also 694 Tage, auf Weltreise – eine Story, die ganz nah ans Herz geht. Taschentücher einpacken nicht vergessen, denn die deutschen Schauspiel-Stars Karoline Herfurth und Tom Schilling nehmen uns mit auf eine höchst emotionale Reise, in der wir uns alle ein bisschen selber sehen können.

"1 Million" läuft ab dem 01.02.2024 in den deutschen Kinos.

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Worum gehts im Film?

Vera und Wolf Küper strugglen mit ihrem Alltag als Familie. Arbeit, Kinder, Haushalt und die besonderen Bedürfnisse von Tochter Nina wollen einfach nicht unter einen Hut passen – immer wieder fällt etwas raus, meist die Bedürfnisse von Mama Vera. Sie kann nicht mehr und macht dies ihrem Mann auch deutlich. Als Nina ihrem Papa beim ins Bettgehen erzählt, dass sie sich 1 Million Minuten nur für die schönen Dinge im Leben wünscht, scheint das die ungewöhnliche Lösung für ihr Problem: Die Familie lässt ihr altes Leben hinter sich, um 1 Million Minuten, also knapp 2 Jahre, zusammen draußen in der Welt unvergessliche Momente zu sammeln. Ein Jahr in Thailand und eines in Island hat das Nina-Globus-Orakel festgelegt. Aber wird das Leben weg von Zuhause wirklich besser oder nehmen Vera und Wolf ihre Konflikte mit und streiten einfach vor traumhafter Kulisse weiter? 

Filmplakat von "1 Million Minuten" mit Karoline Herfurth und Tom Schilling
Filmplakat von "1 Million Minuten" mit Karoline Herfurth und Tom Schilling (© Warner Bros. Entertainment Inc.)

Interview mit Karoline Herfurth und Tom Schilling

Wir haben die Hauptdarsteller*innen des Films "1 Million Minuten" getroffen und waren neugierig, ob sie persönlich eine Lösung für das Problem von Vereinbarkeit von Familie und Arbeit und deren ungleiche bis ungerechte Verteilung haben. Oder finden wir im Film "1 Million Minuten" die Antwort auf unseren persönlichen Familienalltag-Struggle?

Wie sehr habt ihr euch selbst und eure eigenen familiären Erfahrungen in den Rollen von Wolf und Vera gesehen?  

Tom Schilling: "Ich brauche für Rollen, die ich spiele, immer etwas, wo ich total andocken kann. Ich mag es nicht, wenn man sagt, man spielt immer sich selbst. Ich spiele Figuren durch mich hindurch. Ein solcher Moment ist in "1 Million Minuten" zum Beispiel, wenn der Wolf in der Küche sitzt, mit Vera und Einar. Und da so ein Kopfkino bei ihm losgeht und er denkt irgendwie: Was geht denn hier ab? Was passiert denn da? Und wieso nimmt mich keiner wahr? Was ist denn hier eigentlich mit mir? Diese Unsicherheit, die er da hat, dieses mangelnde Selbstbewusstsein, was er da empfindet, sein Gefühl nicht zu genügen in den Auseinandersetzungen mit dem Vater und so, die kenne ich schon sehr gut. Und die finde ich dann total spannend. Und da habe ich dann voll Lust, mich dort reinzuwerfen."

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Karoline Herfurth: "Also für mich persönlich ist es meistens eine Kombination. Es ist auch total schön, meine eigene Haut zu verlassen für eine Rolle. Ich finde es spannend Gefühle anders zu produzieren, als ich sie vielleicht persönlich in dem Moment empfinden würde."

"Ich würde wahrscheinlich ängstlicher in die Welt gucken als Vera. Es war toll in meiner Rolle aus meiner Haut rausschlüpfen zu können und ihre anzuziehen, ihre selbstsichere und mutige und herzliche Art anzunehmen. Und auch in den Konflikten mit Wolf hatte ich das Gefühl, dass Vera viel wärmer und herzlich reagiert, als ich persönlich reagieren würde. Ich wäre, glaube ich, härter und kälter."

Karoline, hast du die echte Vera getroffen?

Karoline Herfurth: "Ja und es war wirklich wie zwei Magnete, die aufeinandergetroffen sind. Wir haben drei Stunden geredet und ich hatte nach diesem Gespräch das Gefühl, ich bin voll mit Sonne, weil diese Frau einfach so eine Lebensfreude hat, so eine Weltoffenheit, so neugierig ist und so eine positive Herzlichkeit, von der ich mich total angesteckt gefühlt habe."

"Und ich habe Flugangst. Ich bin niemand, der viel gereist ist. Vera liebt es zu reisen. Aber Vera hat vor dem Drehstart gesagt: „Du wirst die Naturgeräusche lieben.“ Ich bin in der Stadt groß geworden, ein absolutes Großstadtkind. So richtig echte Kuhmilch fand ich immer total eklig. Ein Käfer auf meinem Arm und ich habe schon los geschrien. Aber als ich in Thailand in der Hütte im Bett lag, war es genauso, wie die echte Vera es gesagt hat: Ich habe die Geräusche geliebt und jetzt vermisse ich diese Nächte mit den Wellen, die aufschlagen, die Geckogeräusche und die Zikaden und so was alles."

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Also du hast gerade das Stichwort Reisen genannt. Das Reisen mit den Kindern nach Thailand und Island ist im Film extrem entspannt dargestellt. Ich finde Reisen mit Kindern nicht immer so entspannt. Wie sind eure Erfahrungen beim Reisen mit Kindern? Stressig oder alles easy?

Tom Schilling: "Ich weiß, dass Flugreisen natürlich total anstrengend mit Kindern sind. Aber die haben wir im Film gar nicht gezeigt."

Karoline Herfurth: "Die Filmkinder Piet und Pola sind zum Beispiel super gereist und geflogen."

"Wenn ich mich an die Reisen mit meinen Geschwistern erinnere, als wir alle noch Kinder waren, das war ein wahnsinnig chaotisches Unterfangen. Ich weiß noch, sobald der Zug eingefahren ist, bin ich schreiend am Bahnhof herumgerannt. Irgendwas ist immer draußen geblieben: Eltern, Kinder, Gepäck oder Fahrräder. Irgendwas hat es nie in den Zug geschafft. Deswegen habe ich Reisen mit Kindern schon als stressig empfunden."

Tom: "Je entspannter die Eltern, desto entspannter die Kinder. Also ich glaube, es ist selten so, dass die Kinder diese Unruhe und die Anspannung selbst verbreiten. Aber das ist vielleicht auch nur eine Theorie."

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Der Film thematisiert ja diese ungleiche Verteilung von Verantwortung und Familienarbeit. Aber das ist ja ein strukturelles, systemisches Problem. Was glaubt ihr, wie viel kann man da individuell als Familie überhaupt machen?

Karoline: "Tom hat das so schön gesagt. Die Sätze, die sich Vera und Wolf sagen, sagen sich wahrscheinlich Millionen Menschen so, also die Menschen dabei, sind austauschbar. Es ist eine sehr universelle Situation von Lebensumständen und von Strukturen. Aber natürlich ist die Lösung dann eine persönliche und individuelle. Und das zu verhandeln und wie man es verhandelt, ist, glaube ich, das, was man persönlich machen kann. Und sich das ins Bewusstsein zu holen, dass das gerade die Umstände sind und nicht ein persönliches Gefühl oder eine persönliche Konditionierung."

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"Die Frage ist ja immer, welcher Mensch möchte wie leben oder fühlt sich in welchen Umgebungen wohl oder welche Work-Life-Balance funktioniert für wen? Das ist ja sehr individuell verschieden. Darüber so früh wie möglich eine gute Kommunikation miteinander zu schaffen, glaube ich ist wichtig."

Man muss ja sagen, die Familie Küpper ist wahnsinnig privilegiert. Sie haben das Geld, die richtigen Jobs. Also man sieht, sie haben eine große Wohnung, sie haben Erspartes, das gilt ja für viele Familien nicht. Wie sehr hat eine deutsche Durchschnittfamilie überhaupt die Möglichkeit, da wirklich was zu machen?

Tom Schilling: "Ich glaube schon, dass viele Leute, die den Trailer oder den Film sehen, sagen „Aber wir können uns das gar nicht leisten!“. Und ich finde, das ist schon ein wichtiges Thema, weil das Leben unfassbar teuer geworden ist für viele Familien und so eine lange Auszeit ist für viele wirklich eine reine Utopie. Aber im Film wird das nicht so richtig thematisiert, im Buch wird der Aspekt, dass es auch um Verzicht geht, stärker betont. Die Familie gibt die Wohnung auf, sie verkaufen ihr Auto und der Wolf in dem Buch sagt immer wieder „Wenn ich darauf verzichte, dann kann ich mir davon so viel Minuten erkaufen.“ Und da müssen wir uns vielleicht noch mal selber hinterfragen: Was ist mir denn eigentlich wichtig? Wie viel bräuchte ich wirklich um glücklich zu Leben?

Also warum glaubt ihr, dass immer noch die Frau diejenige ist, die mehr Last im Familienalltag trägt?

Tom: "Bei uns zu Hause ist es auf jeden Fall so. Warum das so ist, weiß ich nicht. Gewisse Sachen machen meiner Frau einfach mehr Spaß, sie ist viel sozialer als ich. Sie kümmert sich unglaublich gerne um Geburtstage und all diese eher sozialen Sachen, die mit Zuwendung und Empathie zu tun haben. Die sanften Seiten übernimmt gerne meine Frau. Ich habe natürlich aber auch meine Stärken. Zum Beispiel denke ich, dass ich besser bin, wenn es um irgendwas lernen geht oder so, dann noch mal ein bisschen mehr Ehrgeiz reinzubringen oder zu sagen „Komm, lass uns das noch mal probieren“ oder so. Da habe ich, glaube ich, viel mehr Geduld."

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Karoline: "Und du bist der, der putzt, habe ich gehört."

Tom: "Ich finde, ich putze wahnsinnig sorgfältig. Ich würde es jetzt nicht als Hobby bezeichnen, aber es stört mich auch nicht. Ich kann dabei gut abschalten. Aufräumen ist eine andere Geschichte. Bei uns lassen alle immer alles genau dort liegen, wo sie es nicht mehr brauchen. Das geht mir ein bisschen auf den Sack, muss ich sagen. Aber damit muss ich leben."

Es gab einen wunderschönen Doppel-Wumms zur Verteidigung. Wo ist der für die Kinder?
Karoline Herfurth

Karoline: "Ich denke, dass diese ungleiche Verteilung auch etwas mit Gewohnheit und Rollenbildern zu tun hat. Wir sind es einfach immer noch gewohnt, dass Frauen diese Arbeit, von der wir alle abhängig sind, umsonst und unbemerkt und am besten noch nebenbei verrichten. Und ich glaube nicht, dass das individuell zu lösen ist, sondern dass es eine gesellschaftliche und politische Frage ist. Familien werden damit viel zu sehr alleine gelassen und Hausarbeit und Familienarbeit bleiben immer noch zu unsichtbar und werden nicht angemessen gewertschätzt, weder finanziell noch durch Anerkennung. Es wird immer behauptet, die Familie ist der Kern der Gesellschaft, aber sie wird überhaupt nicht so behandelt. Familien werden total vernachlässigt und unterfinanziert. Ich sage immer, mir fehlt der Doppel-Wumms für die Kinder. Es gab einen wunderschönen Doppel-Wumms zur Verteidigung. Wo ist der für die Kinder?"

Was würdet ihr mit einer Million Minuten machen? Mit oder ohne Kinder.

Karoline Herfurth: "Ich würde mein Studium der Politikwissenschaften und Soziologie an der Humboldt Universität zu Ende machen. Ich fand es wahnsinnig bereichernd und toll, dieses ganze Wissen bekommen zu dürfen und mich mit diesen ganzen Themen auseinanderzusetzen. Das hat mir unglaublichen Spaß gemacht. Und dann kam das Regieführen, was mir auch unglaublichen Spaß gemacht hat. Und ich wusste, beides geht nicht. Ich muss mich für eine Sache entscheiden, weil ich keine Zeit mehr hatte, mich in die Themen einzuarbeiten und wirklich mich darin einzugraben. Ich würde mir diese zwei Jahre dafür nehmen. Das ist ungefähr das, was mir noch fehlen würde, um meinen Bachelor abzuschließen."

Tom Schilling: "Mir kommt es vor, als ob mir mein Leben diese Minuten so gibt – ich sie also gar nicht geschenkt bräuchte. Einfach weil ich meine Zeit doch recht frei einteilen kann und ich dazu auch unheimlich gern arbeite. Manchmal denke ich aber auch ich sollte mich zu einer Auszeit zwingen. Dann würde ich mich endlich mal um den Garten kümmern, ein Baumhaus bauen, einen Kochkurs besuchen, ganz viele Klassiker lesen, einmal die Woche ins Kino gehen, jeden Tag Tennis spielen, Yoga machen, neue Lieder schreiben und Französisch lernen."

So finden wir den Film

Charoline Bauer

Wo sind die Taschentücher?

Ich habe mehr oder minder den ganzen Film über mit den Tränen gekämpft (und um mich herum so viele Taschentuchpackungen rascheln hören wie in keinem anderen Film). Nicht weil die Geschichte so tragisch und traurig ist, sondern weil sie so nah an meinem Leben und Erleben ist. Wie Karoline Herfurth und Tom Schilling im Interview gesagt haben: Die Dialoge, die Vera und Wolf führen, könnten unsere eigenen sein!

Natürlich ist die Lösung, die Familie Küper wählt, der totale Ausstieg aus ihrem Alltag, eine, die nur die wenigsten Familien umsetzen können  – finanziell, organisatorisch und auch mental/emotional.

Der Film vereint ganz wunderbar das Besondere (eine Familie steigt aus) mit dem Gewohnten (Belastung von Familien) und berührt damit von der ersten bis zur letzten Minute.

Das Einzige, was mich im Film als Mama zweier Kinder gestört bzw. irritiert hat: Von den Kindern selbst waren die die Eltern Vera und Wolf nie angestrengt, dabei wissen wir doch alle, dass Reisen mit Kindern so verdammt anstrengend sein kann. Aber nun gut, 1-Jährige sind verschieden – nur weil wir unsere Kinder am Strand nicht eine Minute aus den Augen lassen konnten, geschweige denn mit dem großen Kind schwimmen üben, während das Kleinkind alleine im Sand saß, heißt das ja nicht, dass das auch bei Familie Küper so gewesen sein muss.

Ich habe den Film schon vielen befreundeten Eltern weiterempfohlen und das, obwohl ich sonst nicht die große Guckerin von deutschen Produktionen bin. Aber "1 Million Minuten" ist einfach richtig gut!

Charoline Bauer
Gesine Engels-Krone

Der Mann als Retter der Familie?

Ein berührender Film, der direkt in die Vollen geht: schonungslose Streits, besorgte Minen (sehr cool: ungeschminkt), entwicklungsverzögertes Kind, und dann eine super Idee: 1 Million Minuten für die Familie – es folgen sehr viele schöne Szenen an traumhaften Schauplätzen mit ein bisschen zu viel „Dog Days Are Over“. Aber gut, wir alle wissen: die Probleme kommen mit in den Urlaub. Immerhin zieht der Mann jetzt mit, es geht schließlich um die eigene Tochter.

Und genau das hat mich auch schon beim (ansonsten großartigen!) Film „Wochenendrebellen“ gestört: Der Mann nimmt sich endlich Zeit – und schon sind scheinbar alle Familienprobleme gelöst, die Kinder entwickeln sich toll, lernen Fahrradfahren, feiern endlich Erfolge etc. Was die Frau in den letzten fünf Jahren geleistet hat, spielt gefühlt keine Rolle mehr.

Immerhin kommt das in „1 Million Minuten“ auch zur Sprache. Und da sehe ich die Stärke des Films: Vera Küper drängt ihren Mann nicht, steht aber trotzdem für sich selbst ein. Tolle, glaubhafte Charaktere, die mit den Erwartungen brechen – wie z. B. wenn der süße Isländer Einar plötzlich offenbart, dass trotz Wallemähne und Handwerksgeschick auch in seinem Leben nicht alles easypeasy ist. Oder Wolf, der mit seinem Vater hadert, der auch irgendwie struggelt.

Schilling und Herfurth spielen das fast schon erschreckend authentisch und unaufgeregt. So oft habe ich gedacht: „Ja, genau dieser Streit!“ Das wirkt nicht gespielt, sondern so als wäre das genauso passiert und diese Diskussion gibt es in so vielen Familien. Das trifft ins Herz.

Gesine Engels-Krone

Der Film "1 Million Minuten" beruht auf einer wahren Geschichte und einem Buch, das natürlich noch einmal ganz andere Einblicke liefert als der Film.

Für Fans von ...

Die Stars in "1 Million Minuten"

  • Karoline Herfurth spielt Vera Küper
  • Tom Schilling ist Wolf Küper
  • Tochter Nina Küper wird Pola Friedrichs gespielt
  • Piet Levi Busch übernimmt die Rolle des süßen einjährigen Simon
  • Joachim Król ist Wolfs Papa, der nicht versteht, wie sein Sohn sein Leben lebt
  • Ulrike Kriener spielt Wolfs Mama

Test: Ist mein Kind hochsensibel?

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