Schütteltrauma: Für Babys ist Schütteln lebensgefährlich

Wenn Eltern die Nerven verlieren und ihr Baby in ihrer Verzweiflung schütteln, kann das für das Baby lebensgefährlich werden. Das Schütteln kann schwere bleibende Hirnschäden hinterlassen und im schlimmsten Fall sogar tödlich enden. Was viele Eltern nicht wissen: Auch schon leichtes Schütteln kann dem Gehirn von Babys schwere Schäden zufügen. Deshalb: Informieren Sie sich selbst sowie Freunde, Babysitter, Großeltern etc. über die Gefahren eines Schütteltraumas!


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Babys bitte niemals schütteln!
Bei Babyeltern kommt es immer wieder vor, dass die Nerven blank liegen. Vor allem bei Schreibabys, die mit ihren nicht enden wollenden Schreiattacken die Nerven der Eltern auf eine harte Probe stellen und sich nicht beruhigen lassen, wird die Grenze der Belastbarkeit manches Mal erreicht. Leider passiert es immer wieder, dass sich Eltern, Großeltern oder der Babysitter in einer solchen Situation der totalen Überforderung nicht mehr anders zu helfen wissen und ihr Kind aus schierer Verzweiflung schütteln. Einfach nur aus dem Wunsch heraus, dass das Kind endlich still ist. Diese Affekthandlung, die mit einer Kurzschlussreaktion zu vergleichen ist, kann für Babys schnell lebensgefährlich werden: 10 bis 30 Prozent der geschüttelten Kinder überleben das sogenannte Schütteltrauma nicht, etwa zwei Drittel der überlebenden Babys leiden danach an schweren bleibenden Hirnschäden, die mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung einhergehen (Quelle: www.elternsein.info). Jährlich werden in Deutschland schätzungsweise 200 Kinder so stark geschüttelt, dass sie daran sterben. Die Dunkelziffer ist hier allerdings deutlich größer. 


© iStock
Wie kommt es zu einem Schütteltrauma?

Bei einem Schütteltrauma ("Shaken Baby Syndrom") handelt es sich um schwere Kopfverletzungen wie Blutungen und Hirnschwellungen, die durch ein ruckartiges Schütteln des Kindes ausgelöst wurden.

Die unkontrollierte Schüttelbewegung ist für Babys gefährlich: Ihr Gehirn ist noch sehr weich und empfindlich – und kann entsprechend schnell verletzt werden. Zudem ist die Nackenmuskulatur bei Babys kaum ausgebildet und der Kopf im Verhältnis relativ schwer. Ruckartige Bewegungen können das Gehirn verschieben, Venen können reißen. Dadurch kann es zu Blutungen oder Ödemen kommen, die das zarte Zellgewebe zerstören und die sogar tödlich enden können.
 
Bei einem Schütteltrauma besteht auch die Gefahr, dass Nervenfasern im Nacken geschädigt werden. Dadurch steigt der Druck im Schädel und das Gehirn schwillt an. Die Folge können irreparable Verletzungen im Gehirn sein. Wenn ein Kind ein Schütteltrauma überlebt, leidet es häufig unter schweren Behinderungen, die es sein ganzes Leben begleiten.
 
Juristisch gilt das Schütteln eines Babys eindeutig als Kindesmisshandlung und damit als schwere Form der Kindeswohlverletzung. Es ist ein Straftatbestand, der strafrechtlich verfolgt wird. Wenn der Verdacht besteht, dass ein Kind geschüttelt wurde, wird automatisch die Jugendhilfe hinzugezogen.


Was sind die Symptome eines Schütteltraumas bei Säuglingen?

Die meisten Anzeichen für ein Schütteltrauma sind unspezifisch, sie können fatalerweise auch auf einen ganz normalen Infekt hinweisen:
 
● Schläfrigkeit (bis hin zur Teilnahmslosigkeit)
● Unruhe
● Trinkschwäche
● Erbrechen
● Atemstörungen
● Krampfanfälle bis hin zu epileptischen Anfällen
● Netzhautblutungen
● Herzrhythmusstörungen
 
Auch spätere Entwicklungsstörungen oder Lernschwächen können auf ein nicht behandeltes oder erkanntes Schütteltrauma im Babyalter hinweisen.
Kampagne #schüttelntötet

Plakat der aktuellen Kampagne #schüttelntötet


© API Kinder- und Jugendstiftung
Die clevere und gut gemachte Aufklärungskampagne der API Kinder- und Jugendstiftung #schüttelntötet will jetzt darauf aufmerksam machen, wie gefährlich es ist, ein Kind zu schütteln.

Hier finden Sie weitere Infos: www.schuettelntoetet.de
Was tun, wenn Sie Ihr Baby versehentlich geschüttelt haben?
Die Diagnose "Schütteltrauma" wird in vielen Fällen leider erst sehr spät gestellt, da die Eltern oder Betreuungspersonen beim Arzt das Schütteln aus Angst oder Scham verschweigen und die neurologischen Symptome oft unspezifisch sind und auch auf einen gewöhnlichen Infekt hinweisen können. Vielen Eltern ist nicht bewusst, wie gefährlich das Schütteln ist. Sie bringen die gesundheitlichen Probleme ihres Kindes gar nicht mit dem Schütteln, das vielleicht schon ein paar Tage zurückliegt, in Verbindung.
 
Auch wenn es Sie immense Überwindung kostet: Wenn Sie wissen oder den Verdacht haben, dass Ihr Baby geschüttelt wurde, sollten Sie Ihr Kind so schnell wie möglich in die Notaufnahme des nächsten Krankenhauses bringen. Sprechen Sie nicht von Fallenlassen oder ähnlichen Unfällen, sondern informieren Sie den Arzt über das, was tatsächlich passiert ist. Je schneller ein Kind nach einem Schütteltrauma behandelt wird, umso größer ist die Chance, dass ihm geholfen werden kann.
 
Im Krankenhaus wird bei Verdacht auf ein Schütteltrauma mit Hilfe einer Computer-Tomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) nach Veränderungen im Gehirn geschaut. Das Baby wird stationär für mindestens 24 Stunden beobachtet und prophylaktisch mit Sauerstoff versorgt, ein eventueller Schock wird behandelt und bei Hirnblutungen wird es intensivmedizinisch versorgt.
Babys bitte NIEMALS schütteln!
Dass Babys schreien, ist völlig normal. Schreien ist für sie der einzige Weg zu zeigen, dass ihnen etwas fehlt - und auch gesunde Babys können durchaus zwei bis drei Stunden am Tag schreien. Im zweiten und dritten Lebensmonat ist das Schreien meist am exzessivsten, die Anpassung an die ungewohnte Umwelt ist für die Kleinen in dieser Phase besonders anstrengend.
 
Hier erfahren Sie, wie Sie Ihr Kind beruhigen können:

➤ Auch wenn Ihr Baby noch so bitterlich weint und nicht zu beruhigen ist: Es weint niemals, um Sie zu ärgern. Es kann nichts für sein Verhalten, noch hat es nicht gelernt, seine Bedürfnisse anders zum Ausdruck zu bringen.
 
➤ Egal, wie schlimm die Situation ist: Bitte versuchen Sie in keiner Situation, Ihr Kind durch Schütteln zur Ruhe zu bringen! Das kann schwere Verletzungen zur Folge haben und sogar im schlimmsten Fall mit dem Tod Ihres Babys enden.
 
➤ Versuchen Sie Ihr Kind durch leises Reden, Singen und viel Körperkontakt zu beruhigen und dabei selbst ruhig zu bleiben – auch wenn es schwer fällt.
 
➤ Manchmal hilft auch ein Umgebungswechsel: Packen Sie Ihr Kind in den Kinderwagen und gehen Sie eine Runde an die frische Luft. Das tut im besten Fall Ihnen beiden gut.

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Kümmern Sie sich abwechselnd mit Ihrem Partner um das schreiende Baby – so kann jeder zwischendrin mal durchatmen.
 
Sollten Sie mit Ihrem schreienden Baby alleine sein und Ihre Nerven sind aufs Äußerste strapaziert: Legen Sie Ihr Kind in sein Bettchen und verlassen Sie den Raum. Machen Sie sich einen heißen Tee, hören Sie ein paar Minuten laut Ihre Lieblingsmusik – das wird Ihnen helfen, die Nerven ein bisschen zu beruhigen. Wenn Ihr Baby für kurze Zeit alleine ist, wird es garantiert keine bleibenden Schäden davon tragen – wenn Sie es in einem unüberlegten Moment aber aus lauter Verzweiflung schütteln, kann das tödlich enden!
 
➤ Scheuen Sie sich nicht, Freunde oder Bekannte anzurufen und sie zu bitten, kurz vorbei zu kommen. Es ist niemals eine Schande, um Hilfe zu bitten! Und alles ist besser als das Baby zu schütteln!
 
➤ Auch wenn Sie die Situation mit einem Baby, das sich nicht beruhigen lässt und in einem fort schreit, nicht kennen: Spielen Sie die Situation gedanklich durch und überlegen Sie sich Strategien, um in einer eventuellen Notsituation nicht die Nerven zu verlieren. Das hilft, im Ernstfall richtig zu reagieren.
 
➤ Wenn Sie Eltern eines Babys sind, das auffällig viel schreit, sollten sich unbedingt rechtzeitig an eine Schreiambulanz oder einen Kinderarzt wenden.
 
➤ Informieren Sie auch Freunde, Paten, Großeltern und Babysitter über das Risiko eines Schütteltraumas. Es ist wichtig, dass alle, die mit Kindern zu tun haben, die Gefahr kennen.

Ein kleiner Trost zum Schluss:
Allermeist geht die Schreiphase mit dem vierten Lebensmonat vorbei und es kehrt wieder mehr Ruhe in den Familienalltag ein!

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