Smartphone, Tablet & Co. – wie viel Zeit dürfen Kinder mit digitalen Medien verbringen?

Eine Kindheit ohne digitale Medien? Kaum vorstellbar. Muss auch nicht sein! Aber welche Dosis Smartphone, Tablet, Computer & Co. ist für welches Alter okay?

Eine aktuelle Studie zeigt: jeder zehnte Dreijährige nutzt bereits das Internet. Und immer mehr Apps und Smartphone-Spiele richtet sich explizit an Kinder unter drei Jahren. Gleichzeitig ändert sich aber auch die Mediennutzung von uns Eltern: Auf dem Weg zur Kita organisieren wir schnell noch den Frisörtermin, checken in der U-Bahn die politische Weltlage und mittags auf dem Spielplatz ordern wir via Smartphone neue Matschhosen.

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Digitale Medien: Wie viel Zeit darf mein Kind damit verbringen?

Damit stellen sich völlig neue Fragen: Welche „Portion Digitale Medien“ ist für mein Kind die richtige? Ab wann geben wir unserem Kleinkind das Smartphone in die Hand? Welche Dosis TV ist okay? Darf der Junior schon Fortnite spielen? Und ab wann macht ein eigenes Handy Sinn? Wer Eltern beobachtet, merkt schnell, wieviel Unsicherheit hier im Spiel ist. Auf der einen Seite daddeln schon viele Kleinstkinder selbstvergessen auf dem Smartphone, wenn Mama noch schnell die Waschmaschine ausräumt. Auf der anderen Seite äußert sich genau diese Elterngeneration wiederum teilweise sehr skeptisch und befürchtet, dass der Nachwuchs vor dem Computer vereinsamt und dass die heutige Generation Kinder zu wenige echte Abenteuer in der freien Natur erlebt. Digitale Medien gehören inzwischen zur Lebensrealität dazu. Unsere Kinder wachsen im Gegensatz zu uns mit Apps, Spielen, Online-Shopping – und damit mit dem Suchtpotenzial digitaler Welten - auf. Sie sind „Digital Natives“, wir Eltern nur „Digital Immigrants“ – Zuwanderer in einer neuen, faszinierenden, verstörenden und - egal wie sehr wir uns in die Materie einarbeiten - immer ein bisschen fremden Welt.

Zuhause in der digitalen Welt

Nicht wenige Kinder sind ihren Eltern im Umgang mit PC und Tablet bereits im Grundschulalter einen Schritt voraus. Ganz klar: Zu den vielen Herausforderungen im Erziehungsalltag von Schnuller abgewöhnen über Trotzphase bis Hausaufgaben erledigen ist eine neue, nicht zu kleine, hinzugekommen: Medienerziehung. Diplom-Sozialpädagogin Katia Saalfrank meint dazu: „Damit Kinder lernen, verantwortungsvoll mit digitalen und sozialen Medien umzugehen, ist es entscheidend, dass die Eltern eine klare Haltung hierzu entwickeln: Poste ich Bilder von meinen Kindern im Netz oder nicht? Bin ich permanent online oder nehme ich mir Offline-Zeiten? Viele Eltern sind hier sehr verunsichert.“

Wer hilft uns jetzt aber bei der Frage, ab wann welches Medium in welchem Umfang genutzt werden sollte? Starre Richtlinien machen hier keinen Sinn, da sind sich Experten einig. Schade eigentlich, denn danach sehnen wir uns Eltern. Klar ist: Je mehr wir Eltern versuchen, die Kinder von den digitalen Medien fernzuhalten, umso interessanter werden die kleinen Bildschirme. Entwicklungspsychologe Professor Dr. Malte Mienert ist der Meinung: „Kinder erlernen den Umgang mit der digitalen Welt nur, wenn sie mit den neuen Medien umgehen dürfen. Eltern sollten das zulassen und ihnen vertrauen.“ Auch Sozialpädagogin Katia Saalfrank stimmt dem zu: „Kinder lernen nur über Erfahrung. Wenn sie Kopfschmerzen bekommen, schlecht abschalten und einschlafen können, gehört das zum Lernprozess dazu. Die Aufgabe für uns Eltern ist, immer mit den Kindern in Kontakt zu bleiben und sie zu begleiten.“

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Die American Academy of Periadrics, eine Organisation amerikanischer Kinderärzte, warnt davor, Kinder unter zwei Jahren überhaupt vor den Bildschirm zu setzen, egal um welchen es sich dabei handelt. Und auch Entwicklungspsychologe Professor Dr. Malte Mienert gibt zu bedenken: „Momentan wird in der Forschung viel experimentiert – und wir können heute noch nicht wissen, wie sich die frühkindliche Mediennutzung in einigen Jahren auswirkt“.

Digitale Mediennutzung: In drei Schritten zur richtigen Regelung

Mit ein paar Regeln könnt ihr schon einmal den Rahmen für euer Kind stellen, was die digitale Nutzung betrifft.

  1. Überlegt euch gemeinsam, was ihr eurem Kind erlauben möchtet und was nicht. Klingt zu simpel? Ist es aber nicht. Voraussetzung ist, dass ihr als Eltern wisst, wie eureEinstellung zu digitalen Medien aussieht und dass ihr als Eltern hier einen gemeinsamen Nenner habt und den auch kommunizieren könnt.
  2. Legt Regeln fest. Am besten schriftlich. Was nicht heißt, dass es keine Ausnahmen geben darf. Zum Beispiel, wenn es regnet, wenn euer Kind krank ist – oder einfach mal so sind Ausnahmen völlig in Ordnung. Hier könnt ihr einen Nutzungsvertrag individuell gestalten und ausdrucken: www.mediennutzungsvertrag.de Und: Führt Buch über die Mediennutzungszeiten eures Kindes.
  3. Beschäftigt euch selbst mit digitalen Medien. Nichts ist fataler, als wenn Eltern den Anschluss verlieren und gar keinen Einblick mehr haben, was ihre Kinder am Bildschirm überhaupt machen.

Mögliche Regeln für die Mediennutzung

Wir haben hier ein paar Vorschläge, die euch vielleicht helfen könnt:

  • Tägliche Mediennutzungszeit: Das Kind darf täglich eine bestimmte Zeit mit digitalen Medien oder Fernsehen verbringen. Die Zeit kann dabei nicht „gesammelt“ und aufaddiert werden.
  • Wöchentliche Medienzeit: Das Kind bekommt eine wöchentliche Mediennutzungszeit – die kann es aufbrauchen wie es mag: Entweder jeden Tag ein bisschen – oder am Wochenende einmal ein längerer Zeitraum am Stück. Diese Variante eignet sich eher für Kinder ab neun Jahren, die schon besser planen können.
  • Free Time: Ältere Kinder bekommen täglich eine Stunde Zeit zur freien Verfügung – die dürfen sie nutzen, wie sie möchten – auch mit digitalen Medien. Hintergrund für diesen Ansatz: Durch den enormen Bildungsdruck, die zunehmende Ganztagsbetreuung und die durchgeplanten Nachmittage haben Kinder kaum mehr Zeitfenster, in denen sie machen dürfen, was sie möchten.

Ihr seht, mit ein paar klaren Regeln habt ihr schon ein gutes Fundament geschaffen. Jetzt geht es nur noch darum, dass ihr die Kommunikation offen haltet und wisst, was eure Kinder mit den digitalen Medien veranstalten. Auch da gibt es zumindest einige Softwares, die ebenfalls einen Rahmen stecken und eure Kinder vor erwachsenen Inhalten schützen können. Es liegt in eurer Verantwortung, im Bilde zu bleiben, was den täglichen Medienkonsum eures Nachwuchses betrifft.