Leihmutterschaft - Der gemietete Bauch

Kinderwunsch

Leihmutterschaft - Der gemietete Bauch

Nicht alle Eltern können sich ihren Kinderwunsch selbst erfüllen. Was solltest du über die Option der Leihmutterschaft wissen?

Bleibt eine Partnerschaft kinderlos, kann das eine große Belastung für die Beziehung sein. Adoption ist eine Möglichkeit, bietet aber nicht die genetische Verwandtschaft mit dem Wunschnachwuchs. Zudem ist die Nachfrage größer als das Angebot und die Bedingungen sind schwer zu erfüllen. Eine Alternative: die Leihmutterschaft.

Leihmutterschaft – was genau ist das?

In der medizinischen Theorie besteht eine Leihmutterschaft dann, wenn eine Frau ein mit ihr nicht genetisch verwandtes Kind austrägt, das heißt, wenn ihr eine bereits befruchtete Eizelle eingepflanzt wurde. Praktisch allerdings gibt es mehrere Arten der Leihmutterschaft: Bei einseitig unfruchtbaren Wunscheltern wird bei der Befruchtung im Reagenzglas nur der Samen des genetischen Vaters verwendet, oder nur die Eizelle der genetischen Mutter. Eizelle oder Samen können damit sogar von einem dritten genetischen Elternteil stammen. Oder die Leihmutter selbst empfängt das Kind mit einer eigenen Eizelle. Davon ist allerdings aufgrund der engeren Bindung der Leihmutter zum Baby abzuraten und das wird auch von den meisten Leihmütter-Vermittlungsagenturen nicht praktiziert.

Vermittlungs-Agenturen, gesetzliche Grundlagen und Kosten

In Deutschland ist die Vermittlung und medizinische Behandlung, sprich eine künstliche Befruchtung mit der Folge einer Leihmutterschaft, zwar verboten, doch in einigen anderen europäischen Ländern, in den USA und in Indien ist diese Praxis legal. Nicht nur das, mit beispielsweise 336 Millionen Euro Jahresumsatz 2009 in Indien ist die Leihmutterschaft, deren Vermittlung und medizinische Betreuung ein sehr lukratives Geschäftsfeld.

Leihmütter-Vermittlungsagenturen stehen den biologischen Eltern und den Leihmüttern vom ersten Gespräch bis zur Ausreise des Kindes zusammen mit den Wunscheltern in sein Heimatland zur Seite. In den USA verlangen die Vermittlungsagenturen für ihre Dienste bis zu 60.000 US-Dollar, dazu kommen zwischen 20.000 und 40.000 US-Dollar für die Leihmutter, Notar- , Anwalts- und Flugkosten. Wird zusätzlich noch eine Eizellen- oder Samenspende benötigt, sind nochmal bis zu 20.000 Dollar fällig.

Leihmütter-Agenturen stellen zunächst den Kontakt zwischen den zukünftigen Eltern und der möglichen Leihmutter her. Die Wunscheltern können und sollten den persönlichen Kontakt zur Leihmutter aufbauen, wichtig sind ein Kennenlernen und ein gutes Verhältnis schon vor Beginn der Schwangerschaft. Die Sprachbarriere ist bei einer englischsprachigen Leihmutter dabei nicht ganz so unüberwindbar wie beispielsweise bei einer indischen Leihmutter. Erst wenn beide Parteien ihr Einverständnis geben, wird der Vertrag geschlossen und der Embryo eingepflanzt. Auch während der Schwangerschaft sollte ein enges Verhältnis aufrecht erhalten werden. Viele Paare fliegen nicht erst zur Geburt ihres Babys in die USA, sondern auch zu wichtigen Untersuchungen, oder sogar um die Leihmutter in der fortgeschrittenen Schwangerschaft zu unterstützen.

Anders als bei Adoptionen sind die Voraussetzungen, die die Wunscheltern für das rechtlich gültige Zustandekommen einer Leihmutterschaft mitbringen müssen, eher gering. Selbstverständlich werden sie, zumindest bei seriösen Leihmutter-Vermittlungsagenturen, psychologischen Tests unterzogen. Sie sollten verheiratet sein und selbst keine Kinder kriegen können. Die biologischen Eltern müssen allerdings die hohen Kosten für das Austragen ihres Babys bezahlen können. Die Leihmutter muss als Voraussetzung volljährig sein und bereits mindestens ein gesundes Kind haben.

In den USA werden die Leihmütter über die Agenturen intensiv medizinisch und psychologisch betreut. Für deutsche Paare ist eine Leihmutter in den USA zwar die kostspieligere, aber oft auch die sichere Variante. Einige Bundesstaaten, wie zum Beispiel Kalifornien, haben die Leihmutterschaft auf solide rechtliche Grundlagen gestellt und überwachen diese auch. Seit 2009 muss zum Beispiel eine Bescheinigung vorgelegt werden, dass mindestens ein Wunschelternteil eine genetische Verwandtschaft mit dem Neugeborenen nachweisen kann.

Wunschbaby per Leihmutter - nicht ohne Nebenwirkungen

Wer sind eigentlich die "echten" Eltern eines Leihmutter-Babys und welche psychologischen Nebenwirkungen sollte man nicht vergessen?

Wer sind denn eigentlich die Eltern eines Babys, das von einer Leihmutter geboren wird? In Deutschland gilt nach § 1591 BGB: Die Mutter eines Kindes ist die Frau, die es geboren hat. Also ist hierzulande nach dem Gesetz die Leihmutter die leibliche Mutter und nicht die genetische Mutter beziehungsweise die sogenannte "Sorgemutter", die das Austragen des Babys in Auftrag gegeben hat und es großzieht. Diese rechtliche Lage kann weder angefochten werden, noch durch Verträge wirksam geändert werden. Sogar wenn die "Sorgemutter" in einer ausländischen Geburtsurkunde als leibliche Mutter angegeben ist, ist ihre Mutterschaft nach deutschem Recht nicht begründet.

Die „Sorgemutter“ ist daher rein rechtlich nicht mit ihrem Kind verwandt. Gleiches gilt auch für den "Sorgevater". Dieser kann jedoch rechtlich die Abstammung des Kindes von sich herstellen, indem er, mit Zustimmung der Leihmutter, formwirksam nach § 1594 BGB die Vaterschaft anerkennt. Das funktioniert natürlich nur, wenn eine tatsächliche genetische Verwandtschaft zwischen Vater und Kind gegeben ist, und vor allem, wenn nicht bereits die Vaterschaft eines anderen Mannes besteht (§1594 Abs.2 BGB). Denn ist die Leihmutter verheiratet, ist nach §1592 Abs.1 BGB ihr Ehemann der rechtliche Vater des Kindes.

Geburtsurkunde und Staatsangehörigkeit des Wunschbabys

Da die ausländische Leihmutter und ihr Ehemann nach deutschem Recht die Eltern des Wunschbabys sind, hat das Kind auch nicht die deutsche Staatsangehörigkeit. Eine Einreise des Kindes nach Deutschland ist ohne gültige Passpapiere aber nicht möglich. Die Adoption eines Wunschkindes ist wiederum kompliziert. Bei einer Leihmutterschaft in den USA werden die zukünftigen Eltern als leibliche Eltern in die Geburtsurkunde eingetragen. Auch dann erhält das Kind nicht sofort die deutsche Staatsangehörigkeit, da es in den USA geboren wurde. Doch bei der Einbürgerung des Kindes in sein zukünftiges Heimatland helfen in den USA die Leihmutter-Vermittlungsagenturen weiter.

Psychologische Nebenwirkungen

Es kommt durchaus immer wieder vor, dass die Leihmutter sich von dem Kind nach der Geburt nicht trennen kann. Interessierte Wunscheltern sollten daher die Auswahl der Leihmutter gründlich am besten vor Ort und persönlich treffen. Um solche Konflikte zu vermeiden, in den USA werden von seriösen Agenturen vermittelte Leihmutterschaften alle medizinischen Untersuchungen auch von psychologischer Seite betreut. Anzuraten ist außerdem, auch nach der Geburt den Kontakt zur Leihmutter zu halten, um den Kindern später Probleme aufgrund ihrer Herkunft zu ersparen. Das gilt auch, wenn aufgrund einer zusätzlichen Eizellenspende drei "Mütter" im Spiel sind. Denn letztlich sind die psychischen Konsequenzen einer Leihmutterschaft für den Menschen noch nicht erforscht, da diese Möglichkeit noch zu den neueren Formen der Familienplanung gehört.

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