Pseudokrupp: Wie man ihn erkennt und was Eltern tun können

Gesundheit

Pseudokrupp: Wie man ihn erkennt und was Eltern tun können

Kaum etwas macht soviel Angst wie der erste Pseudokrupp-Anfall unserer Kinder. Das Gute: So schlimm, wie er sich auch anhört, Pseudokrupp ist nur sehr selten wirklich gefährlich. Es gibt dennoch Einiges, was ihr im Fall der Fälle beachten solltet. Wir verraten euch, woher der bellende Husten kommt und was ihr als Erste-Hilfe-Maßnahme bei einem Anfall tun könnt.

Bellender Husten in der Nacht: Pseudokrupp?

Meist beginnt es abends oder in der Nacht: Eben war euer Kind noch gesund und auf einmal beginnt es zu röcheln und hustet auf sehr markante Weise. Der Husten erinnert entfernt an das Gebell von Seelöwen und lässt euch ganz sicher aufhorchen. Denn er ist das Charakteristische am Pseudokrupp, wenn ihr das einmal gehört habt, dann werdet ihr das nie wieder vergessen. Leider, möchte man hinzusetzen, denn diese Erkrankung ist vor allem eins: anstrengend.

Erste Hilfe bei Pseudokrupp

  1. Selbst Ruhe bewahren und euer Kind beruhigen
  2. Setzt das Kind aufrecht hin und nehmt es in den Arm.
  3. Jetzt tief ein- und ausatmen und dem Kind beruhigend zureden. Eventuell hilft das schon, um den Hustenanfall zu stoppen.
  4. Kühle, feuchte Luft erleichtert das Atmen (feuchtwarme Luft als Tipp ist überholt): Im Winter könnt ihr euch warm anziehen und  einfach das Fenster öffnen und euch mit eurem Kind davor setzen und die kalte Luft einatmen.
    Alternativ: Lasst in der Dusche oder in der Badewanne kaltes (!) Wasser laufen und setzt euch mit dem Kind direkt daneben.(Die geöffnete Kühlschranktür hilft im Zweifelsfall auch)
  5. Öffnet ein Fenster, um auch nach dem Abklingen des Hustenanfalls für genug Sauerstoff zu sorgen.
  6. Cortison-Zäpfchen als Notfallmedikament zu Hause zu haben.
  7. Bei schwerer Atemnot: den Notarzt rufen!

Pseudokrupp kann Angst machen

Der Husten und auch die Atemnot klingen gefährlich und sorgen verständlicherweise für Angst und Panik. Dabei ist es gerade jetzt wichtig Ruhe zu bewahren und besonnen zu reagieren. In der Tat ist es so, dass eure Kinder schlecht Luft bekommen, die Atemwege können sich verengen, was für ein rasselndes Geräusch beim Einatmen sorgt. Das beunruhigt Kinder natürlich, umso älter sie sind, umso stärker. Ihr als Eltern seid jetzt die wichtigste Medizin, gerade wenn es der erste Pseudokruppanfall ist und ihr noch kein Notfallmedikament Zuhause habt. Denn solange ihr Eltern Ruhe bewahrt und eurem Nachwuchs signalisiert, dass ihr da seid und eure Kinder durch den Husten und die Atemnot begleitet, können diese sich fallen lassen und aufs Atmen konzentrieren.

In der Regel tritt der Pseudokrupp bei Säuglingen ab sechs Monaten auf. Es gibt aber auch Fälle, bei denen der erste Anfall erst mit zwei oder drei Jahren passiert. Normalerweise ist der Pseudokrupp für alle Zeiten überstanden, wenn eure Kinder ins Schulalter kommen.
Unsere Jüngsten sind deswegen vom Pseudokrupp betroffen, weil ihre Atemwege noch sehr eng sind. Das verwächst sich naturgemäß mit der Zeit, weshalb der bellende Husten so ungefähr ab dem sechsten Lebensjahr aufhört.

Der Name sagt es übrigens schon, Pseudokrupp hat nichts mit dem echten Krupphusten (Diphterie) oder einer Kehldeckelentzündung zu tun. Diese beiden sind lebensgefährliche Erkrankung, weswegen es eine Impfung gegen Diphterie gibt.

Was tun bei einem Pseudokrupp-Anfall?

Ihr hört den bellenden Husten und euer Kind atmet hörbar schwerer? Dann atmet selbst einmal tief durch und widmet euch dann eurem Kind. Es braucht jetzt Nähe und Zuspruch. Denn wenn ihr unruhig werdet, kann sich die Panik eures Kindes noch verstärken.

Bringt euer Kind in eine aufrechte Position und sorgt für kühle, feuchte Luft. Diese erleichtert das Atmen. Ihr könnt euch im Winter mit eurem Nachwuchs auf dem Schoß vor das geöffnete Fenster setzen, vergesst aber nicht, euch in eine Decke einzumummeln, damit ihr nicht friert. Alternativ könnt ihr euch vor den geöffneten Kühlschrank setzen oder im Badezimmer kaltes Wasser laufen lassen. Setzt euch mit eurem Kind daneben und erklärt ihm, dass die Atemnot am besten vergeht, wenn es tief und ruhig ein- und ausatmet. Denkt an den Geburtsvorbereitungskurs und atmet zusammen. Das wird sicher auch eure Nerven ein wenig beruhigen.

Ist dies nicht der erste Pseudokrupp-Anfall, habt ihr von eurer Kinderärztin sicher ein Zäpfchen mit Cortison bekommen. Alternativ dazu gibt es auch einen Saft, der aber weniger häufig verschrieben wird. Diese Medizin solltet ihr geben, wenn der Anfall mit Erstickungsangst einhergeht. Die kurzfristige Einnahme von Cortison hat keine Nebenwirkungen und sorgt im akuten Fall dafür, dass es eurem Kind schnell wieder besser geht.

Wenn ihr euch unsicher fühlt, solltet ihr immer den Notarzt anrufen! Ein Pseudokrupp-Anfall muss niemand auf die leichte Schulter nehmen.

Pseudokrupp: Wann zum Arzt?

Die Antwort auf die Frage, wann und ob ihr nach einem Pseudokrupp-Anfall zur Kinderärztin müsst ist simpel: Ja, geht hin! Am besten am nächsten Morgen. Zum Einen, damit euer Kind untersucht wird und um herauszufinden, was der Auslöser für den bellenden Husten war. Zum Anderen aber natürlich, damit ihr für zukünftige Anfälle ein Notfallmedikament Zuhause habt. Die Kinderärztin kann außerdem auch ein Medikament gegen den trockenen Husten verschreiben, der oft noch ein paar Tage anhält.

Habt ihr den Notarzt gerufen, weil ihr Angst hattet, dass euer Kind erstickt, dann solltet ihr ebenfalls nach der Entlassung aus dem Krankenhaus zur Kinderärztin gehen. Hier kann die Notfallmedizin verschrieben werden, außerdem wird der Pseudokrupp in die Krankenakte eingetragen.

Was bei einem schweren Pseudokrupp-Anfall zu tun ist im Video

Vorbeugung von Pseudokrupp-Anfällen

Die schlechte Nachricht ist: Leider lässt sich Pseudokrupp nicht verhindern. Es trifft manche Kinder und manche nicht. Ihr könnt aber trotzdem einiges tun um die Anzahl der Anfälle zu minimieren. Wenn man so will sind diese Ratschläge die Hausmittel gegen Pseudokrupp:  Neben guter Lüftung solltet ihr darauf achten, dass die Luftfeuchtigkeit in der Wohnung nicht zu niedrig ist. Hängt im Schlafzimmer feuchte Tücher auf und achtet darauf, dass die Raumtemperatur beim Schlafen kühl ist.

  • nicht jedes Kind erkrankt an Pseudokrupp
  • Kinder sollten keinen Zigarettenrauch einatmen, raucht bitte nicht in ihrer Nähe
  • gute Lüftung ist wichtig, besonders wenn ihr in eurem Zuhause raucht
  • achtet auf die Luftfeuchtigkeit im Schlafzimmer des Kindes
  • eine kühle Raumtemperatur (16 bis 18°C sind optimal) kann helfen einen Pseudokrupp-Anfall zu verhindern
  • feuchte Tücher senken die Raumtemperatur

Pseudokrupp Behandlung, Therapie, Heilmittel

Die beste Behandlung für Pseudokrupp ist Ruhe. Ihr wisst nun, dass beruhigendes Einreden auf euer Kind und frische, kalte Luft die beste Behandlungsmöglichkeiten sind, die ihr habt. Geht ihr mit eurem Kind am nächsten Tag zum Arzt, wird der euch vermutlich ein Cortison-Zäpfchen für den Notfall verschreiben. Nutzt das, wenn es wieder zu einem Anfall kommt. Ihr habt die Medizin nicht dafür, dass sie im Kühlschrank (denn ja, diese Medizin muss gekühlt werden) darauf wartet, dass das Haltbarkeitsdatum abläuft.

Weil der bellende Husten und auch die Atemluft immer anfallartig auftreten gibt es bei Pseudokrupp keine Therapie im klassischen Sinne. Ihr könnt euch nicht auf die Anfälle vorbereiten und sie nicht im Vorfeld verhindern.

Auch Heilmittel für Pseudokrupp gibt es nicht. Ihr gebt das Cortision-Zäpfchen, was den akuten Anfall abmildert, aber ein klassisches Heilmittel gibt es nicht. Allenfalls die Zeit, die heilt hier tatsächlich. Eure Kinder wachsen und die Atemwege werden weiter, so dass Pseudokrupp um das sechste Lebensjahr herum kein Thema mehr ist.

Auslöser für Pseudokrupp-Anfälle

In der kalten Jahreszeit häufen sich die Fälle von Pseudokrupp. Auslöser ist meist eine Virusinfektion. Dabei kommt es zu einem Anschwellen der Schleimhaut unterhalb der Stimmbänder. Der kindliche Kehlkopf ist nämlich in den ersten Lebensjahren noch sehr klein. So kommt es, dass der sich bildende Schleim und die anschwellende Schleimhaut unterhalb des Kehlkopfs die Atemwege einengen oder sogar komplett verschließen. Atemnot ist die Folge.

  • Virusinfektion der oberen Atemwege (in den meisten Fällen), häufig durch Parainfluenza-Viren
  • Bakterielle Infektion (selten)
  • Allergische Reaktion (selten)
  • Rauch / hohe Schadstoffbelastung

Eine hohe Schadstoffbelastung oder Zigarettenrauch in den Räumen, in denen euer Kind schläft, können ein Auslöser für Pseudokrupp sein. Daher müssen wir dringend dazu raten, nicht in der Nähe eurer Kinder zu rauchen. Wenn sich das nicht vermeiden lässt, dann lüftet anschließend gut durch, so dass sich der Rauch nicht in den Wänden festsetzen kann.

Ist Pseudokrupp ansteckend?

Häufig kommt der bellende Husten wie aus dem Nichts. Vor dem Abendessen hat der Nachwuchs noch friedlich gespielt und kurz nach dem Einschlafen kommt es zu Husten oder Atemnot. Manchmal geht Pseudokrupp mit mäßigem Fieber einher, aber das muss nicht sein. Häufig gab es eine Virusinfektion der oberen Atemwege, die ihr vielleicht gar nicht bemerkt habt. Selten können bakterielle Infektionen oder allergische Reaktionen der Grund sein. Während die Infektion selbst natürlich ansteckend ist, Pseudokrupp ist es nicht. Euer Nachwuchs kann sich nicht beim Spielen mit einem anderen Kind mit Pseudokrupp anstecken. Und auch innerhalb der Familie ist eine Ansteckung ausgeschlossen. Natürlich kann es aber sein, dass die Disposition für Pseudokrupp familiär erhöht ist, wenn ihr selbst oder Geschwisterkinder früher an Pseudokrupp litten.

Gut zu wissen

Pseudokrupp-Anfälle sind, auch wenn sie furchterregend klingen, meist harmlos – im Unterschied zum echten Krupphusten (Diphterie) und einer Kehldeckelentzündung, die beide eine lebensgefährliche Erkrankung darstellen. Da die meisten Kinder gegen Diphterie geimpft sind, kommt der echte Krupphusten heute kaum noch vor. Auch eine Kehldeckelentzündung ist selten. Nichtsdestotrotz ist es wichtig, ärztlich abzuklären, um welches Krankheitsbild es sich handelt.

Alles über Pseudokrupp in Kürze

  • Pseudokrupp (lat. Fachbegriff Stenosierende Laryngitis) ist eine Atemwegserkrankung, bei der die Schleimhaut im Bereich des Kehlkopfes und der Stimmbänder entzündet und angeschwollen ist. Die Atemwege sind verengt und es kommt zu Husten und Atemnot.
  • Unter Pseudokrupp-Anfällen leiden hauptsächlich Säuglinge und Kinder bis sechs Jahren.
  • "Hauptsaison" für Pseudokrupp ist die kalte Jahreszeit, in der auch andere Atemwegserkrankungen auftreten.
  • Die Hustenanfälle treten meist plötzlich und häufig in den Abendstunden auf.
  • Die meisten Kinder leiden nur unter anfallartigem bellendem Husten, einige aber auch unter aktuter Atemnot und Erstickungsangst.
  • Tagsüber sind die Kinder vielfach munter und ohne größere Beschwerden.
  • Pseudokrupp- Anfälle treten oft nach einer gewöhnlichen Atemwegsinfektion auf.
Andrea Zschocher
Das sagtAndrea Zschocher:

Pseudokrupp kann scheußliche Angst machen

Ich weiß das aus eigener Erfahrung. Bevor meine Kinder den ersten Anfall hatten, hatte ich noch nie davon gehört. Aber das charakteristische bellende Husten vergesse ich wohl nie wieder. Und auch die Stärke, die wir Eltern in diesem Moment entwickeln. Denn obwohl ich mir natürlich gewünscht habe, dass der Pseudokrupp-Anfall schnell vorbei ist, manchmal dauerte es die ganze Nacht.

Und so saß ich mit meinem Kind nächtelang beim geöffnetem Fenster, murmelte beruhigende Worte während das Kind wegdöste und ich selbst kein Auge zutun konnte. Am nächsten Morgen sprang mein Kind wieder fröhlich durch die Gegend während ich nach der durchwachten Nacht auf dem Zahnfleisch ging.

Wir Eltern sollten uns nach einem Pseudokrupp-Anfall also auch immer selbst auf die Schulter klopfen, weil wir unsere Kinder da so gut, besonnen und liebevoll hindurchbegleitet haben!

Bildquelle: iStock,vision net ag Getty Images / Golfcuk Getty Images / Prostock-Studio

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