Kinder allein zuhause lassen: Wann darf man das?

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Kinder allein zuhause lassen: Wann darf man das?

Irgendwann gibt es die Situation, dass man die Kinder mal allein lassen muss und will. Ab wann kann man das machen und wann verletzt man die elterliche Aufsichtspflicht?

In den ersten Jahren will man seinen Nachwuchs nicht aus den Augen lassen oder zumindest so sicher wie möglich untergebracht wisse, dass nichts passieren kann. Aber irgendwann kommt er, der Moment, in dem man die Milch vergessen hat oder ein Termin ansteht, der nicht aufzuschieben ist. Oder der Babysitter hat abgesagt und man möchte das Essen, Kino oder Theater nicht verpassen. Nun ist jedes Kind anders, aber gibt es eine gesetzliche Angabe, nach der man sich nicht strafbar macht, wenn man seine Tochter oder seinen Sohn alleine lässt?

Wenn das Kind allein zuhause ist, sollte man alle Gefahrenherde beseitigen.

Kind allein zuhause lassen: Was sagt das Gesetz?

Der Gesetzgeber sagt erstmal nichts, denn es gibt keine gesetzliche Regelung, wann man das Kind allein lassen darf. Ja, es gibt es die Aufsichtspflicht und elterliche Fürsorge, die verhindern soll, dass dem Kind Schaden zugefügt wird oder dass das Kind selber Schaden zufügt. Der Gesetzgeber weiß aber auch, dass sich Kinder entwickeln müssen. Da gibt es also einen Interpretationsrahmen. Man kann sich dann an richterliche Beschlüsse halten, die besagen:

  • Nicht allein lassen: Kinder unter drei Jahren

  • Kontrolle alle 15 Minuten: drei- bis fünfjährige Kinder

  • Eine Stunde allein: Sechsjährige Kinder

  • Zwei Stunden allein: Siebenjährige Kinder

  • Über zwei Stunden und länger: Zehnjährige und ältere Kinder

Diese Beschlüsse des Bundesgerichtshofes aus dem Jahr 2009 bezogen sich aber auf Situationen, in denen man Kinder draußen ohne Aufsicht spielen ließ und die lieben Kleinen dann Schaden anrichteten.

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Individuelle Reife des Kindes ist entscheidend

Sowieso sollte man die individuelle Situation berücksichtigen: Ein Kind, das gern Quatsch macht und bekannt dafür ist, sich zu verletzen oder Sachen kaputt zu machen, lässt man besser nicht allein und wartet noch, bis es reifer ist. Die individuelle Reife des Kindes ist entscheidend. Dann ist es auch noch situationsabhängig. Kinder am Nachmittag kurz allein zu lassen ist etwas anderes als am Abend. Um in den Abendstunden allein gelassen zu werden, sollte das Kind schon älter sein, also spätes Grundschulalter oder noch älter. Auch die Jüngeren in die Obhut von älteren Geschwistern zu geben, sollte wohl überlegt sein und nur wenn klar ist, dass sie sich nicht gegenseitig aufstacheln. Ist das nicht gegeben, spricht nichts dagegen.

Vorsichtsmaßnahmen für Kinder ohne Aufsicht

Grundsätzlich gilt, dass man für ein paar Sicherheitsmaßnahmen sorgen sollte bevor man den Nachwuchs allein in der Wohnung oder im Haus lässt.

Das Kind weiß:

  • Wo Mama oder Papa ist: Es wird eine Zeit verabredet, wann man wieder da ist und die wird auch eingehalten.

  • Dass es sich in einer sicheren Umgebung befindet: Kein Herd ist angeschaltet, keine Kerze brennt, Fenster oder Balkontür stehen nicht sperrangelweit offen, keine Gegenstände liegen herum, mit denen es sich verletzen kann – angeschaltete Bügeleisen etc.

  • Wo es im Notfall anrufen oder hingehen kann: Die Telefonnummer liegt bereit (ist auf Kurzwahl) oder der Nachbar oder die Nachbarin weiß auch Bescheid und ist da.

  • Was es nicht machen darf: Fremden die Tür öffnen, die Herdplatte anmachen oder Sachen im Fernsehen schauen, für die es noch zu jung ist.

Übrigens: Ist der Nachwuchs zu nah an eine Kerze gekommen und seine Kleidung steht in Flammen, gibt dieses Video Auskunft, wie man allgemein Verbrennungen sofort behandelt:

Für Eltern gelten aber ebenso Regeln - und zwar sollten sie das Alleinsein mit den Kindern üben – vielleicht probeweise mal klingeln und sehen, ob die Kinder auch wirklich nicht die Tür aufmachen. Was man auf keinen Fall machen soll: Kindern nicht zu sagen, wenn man weggeht. Damit traumatisiert man sie für eine lange Zeit, denn wenn sie aufwachen und niemand ist da, sorgt dies für Panik. Auch sollte man Kinder nie einschließen, denn im schlimmsten Fall brennt es und die Kinder können nicht aus der Wohnung.

Es gibt also einiges zu beachten, aber vieles regelt man mit dem gesunden Menschenverstand. Eltern wissen meistens, was sie ihren Kindern zutrauen können und was nicht. Der Nachwuchs braucht natürlich auch Herausforderungen und Meilensteine – allein zur Schule, allein einkaufen und eben allein zu Hause bleiben. Wenn Kinder zu ängstlich sind und auch nicht wollen, dass ihre Eltern, Mama oder Papa sie alleinlassen, sollte man das schon hinterfragen, um den wahren Grund dieser Trennungsängste zu erfahren.

Es geht hier um Vertrauen: Traut man dem Kind zu, für eine Zeitlang allein zu bleiben, ohne auf Dauer traumatisiert zu sein oder zu Schaden zu kommen oder eben Schaden anzurichten? Auf der anderen Seite gibt es dann aber auch das Vertrauen der Kinder – rechnen sie damit, dass die Eltern ihr Versprechen, um die verabredete Zeit wieder da zu sein, einhalten werden? Bei einem vertrauensvollen Verhältnis kann man – mit den nötigen Vorsichtsmaßnahmen – das Kind Schritt für Schritt zu mehr Selbstständigkeit erziehen.

Bildquelle:

Getty Images

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