Für Links auf dieser Seite erhält familie.de ggf. eine Provision vom Händler, z.B. für mit oder grünblauer Unterstreichung gekennzeichnete. Mehr Infos.
Mutter warnt Eltern: Überlegt euch gut, wo und wie ihr Kinderfotos postet

Bodyshaming

Mutter warnt Eltern: Überlegt euch gut, wo und wie ihr Kinderfotos postet

Der Fall einer Mutter, die ein Foto ihrer Tochter online teilte, zeigt: Auch kleine Kinder sind nicht vom Bodyshaming verschont. Darum sollten wir uns gut überlegen, ob und wo wir Fotos unseres Nachwuchses posten.

"Meine Tochter wurde weltweit als fett beschimpft"

Die Tochter von Zoey Semchuk war mit 14 Monaten ein ganz normales Kleinkind. Ihre Mutter teilte vor ein paar Jahren ein Foto von ihr in einem Online-Forum. Sie dachte zunächst, die sei private nur für einige ihrer Kontakte sichtbar, doch auf einmal konnte es die gesamte Öffentlichkeit sehen. Sie rechnete niemals damit, welche Kommentare darauf hin kamen, die das kleine Mädchen bodyshamten und beleidigten.

Ich habe mich in meinem Leben körperlich geschämt, aber ich dachte, meine Tochter hätte mehr Zeit, bevor ihr das passiert.

Zoey Semchuk

Baby-Rekorde: 20 ungewöhnliche Geburten und Rekord-Babys

Baby-Rekorde: 20 ungewöhnliche Geburten und Rekord-Babys
Bilderstrecke starten (21 Bilder)

Plötzlich prasselten ungefragt Beleidigungen über die Mutter herein

Die Öffentlichkeit kritisierte Zoey, die Kleine sei "zu dick" und fragte, wie und womit sie gefüttert werden würde. Von einigen wurde sie sogar als Rabenmutter beschimpft, weil die Kleine "einem Michelin-Männchen ähnliche Arme und Beine hatte". Lauter ungefragte Kommentare zu einem Thema, mit dem die Mutter so überhaupt gar nicht gerechnet hatte. Ihre Ärzte sahen zu diesem Zeitpunkt keinerlei Anlass zur Besorgnis. Sie war ein normales Kleinkind.

Zoey rechtfertigte sich dazu:

Ich hatte Röllchen und ihr Vater auch, also ist es keine Überraschung, dass sie ein Baby war, das dem Michelin-Männchen sehr ähnelte (...) Zum Teufel, sie lebte zu dieser Zeit noch überwiegend von Muttermilch! Aber das spielte keine Rolle.

Zoey Semchuk

 

> Hier könnt ihr das Foto der Kleinen sehen, dass wir aus rechtlichen und persönlichen Gründen hier nicht verwenden können.

Es wurde jedoch noch schlimmer: Das Bild ging viral

Eine Freundin der Mutter entdeckte das Foto des Kindes plötzlich auf einer australischen Nachrichtenseite zum Thema "Kleinkind-Bodyshaming". Darauf hin googelte Zoey das Thema und fand viele weitere Websites, die das Bild verwendeten. Das Foto ihrer Tochter war inzwischen viral und es hagelte zahlreiche weitere negative Kommentare und Anschuldigungen gegenüber der Mutter.

Die Eltern versuchten der Bildveröffentlichung zu widersprechen, doch erreichten nicht viel. Die Nachrichtenseiten verwiesen darauf, dass das Bild öffentlich zugänglich geteilt wurde. Zoey und ihr Mann durchlitten eine schlimme Zeit, bis Gras über das Thema gewachsen war.

Wichtiger Rat an alle Eltern

Zoey entschloss sich das Thema öffentlich zu machen und sich dazu zu positionieren, um alle Eltern zu warnen. Zum einen möchte sie ein Zeichen gegen Bodyshaming setzen, das schon bei Erwachsenen vollkommen unnötig ist und bei kleinen Kindern noch viel schlimmer. Es gehe ihr darum, dass wir alle mehr Respekt voreinander und vor unseren Kindern haben sollten und ihnen Körperpositivität beibringen sollten, anstatt die Kleinsten schon zu beschämen.

Zum anderen sei ihr Beispiel eine Warnung an alle Eltern, genau zu überlegen, welche Fotos sie wo teilen. Vor allem auf Social Media sollte man genau die Privatsspähre-Einstellungen bedenken und in Foren sollte man sich informieren, inwieweit die Beiträge öffentlich zugänglich sind und die Fotos für jeden abrufbar seien.

Ich bin immer noch dabei, mich von der enormen Schuld zu erholen, dieses Foto von ihr versehentlich weitergegeben zu haben, aber ich dachte, wir wären alle besser als das. Bitte versetzt euch in meine Lage und stellt euch vor, wie traurig ihr wärt, wenn euer Baby von Fremden aus der ganzen Welt beschämt und verspottet würde, wie verletzt ihr euch fühlen würdet.

Zoey Semchuk, Scary Mom

Rechtslage in Deutschland: Dürfen Eltern der Verwendung von Fotos widersprechen?

Dass Zoey nicht erreicht, dass die Bilder ihrer Tochter nicht weiter verwendet werden dürfen, liegt an der Rechtslage in ausländischen Medien. Bei uns gilt das Recht am eigenen Bild. Das heißt, wenn ein Bild von uns irgendwo im Web auftaucht, dann gilt unser Persönlichkeitsrecht und wir dürfen der Verwendung widersprechen. Wenn dies ein Bild unserer Kinder betrifft, gilt deren Persönlichkeitsrecht. Wir Eltern dürfen dann für unser Kind der Nutzung widersprechen.

Unsere Medien müssten das Bild dann entfernen und dürfen es nicht weiter veröffentlichen, solange die Kinder bis sieben Jahre alt sind. Ab dem siebten Geburtstag müssen auch die Kinder befragt werden gemäß ihrer "Einsichtfähigkeit". Ab dem 17. Lebensjahr können die Jugendlichen selbst entscheiden, ob sie der Verwendung zustimmen oder nicht.

Quelle: Scary Mom

Katja Nauck
Das sagtKatja Nauck:

Vorsichtig mit Bildveröffentlichungen von Kindern umgehen

An diesem Beispiel sieht man, wie wichtig es ist, dass wir Eltern die Persönlichkeitsrechte unserer Kinder, auch schon der Kleinsten, unbedingt wahren. Nicht immer ist uns klar, ob ein Foto, dass wir eigentlich als "privat" veröffentlichen, auch wirklich nur für bestimmte Kreise zugänglich ist. Fotos sind in den sozialen Netzwerken schnell gepostet und leider ist es so, dass die ungefragten Kommentare anderer nicht lange auf sich warten lassen.

Wenn ihr euch also dafür entscheidet, mit euren Kinderfotos so offen umzugehen, müsst ihr dann auch über die Konsequenzen nachdenken. Die andere Möglichkeit ist, die Privatsshäreeinstellungen genau zu überprüfen. Ansonsten können Journalisten weltweit jederzeit auf eure Bilder zugreifen und könnten diese verwenden. Für euch ist es dann viel Arbeit, jedes einzelne Medium anzuschreiben um der Bildverwendung zu widersprechen. International gilt außerdem kein einheitliches Bildrecht. Daher hilft es schon, sich dessen vor dem Fotoposten bewusst zu sein.

Bildquelle: Getty Images/mmg1design

Galerien

Lies auch

Teste dich