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Triple P: Wie euch Positive Parenting helfen kann

Triple P: Wie euch Positive Parenting helfen kann

nicht streiten!

Kinder in der Trotz- und Autonomiephase testen ihre Grenzen aus und bringen uns Eltern damit häufig an den Rand des Wahnsinns. Mit Triple P, dem Positive Parenting Program, sollt ihr lernen, in solchen Momenten kurz innezuhalten und Raum für euch und eure Kinder zu lassen, damit Konflikte erst gar nicht entstehen.

Nein! Mit einem lauten Knall fliegt die Saftflasche im hohen Bogen auf den Fußboden. Nun reicht es! Ich merke, wie mir innerlich und äußerlich der Kragen platzt. „Warum kannst du denn nicht einmal mitmachen?“, schreie ich meine Tochter an. „Jetzt muss ich das alles wieder aufwischen! So eine Sauerei!“ Meine Tochter schaut mich entsetzt an, fängt an zu weinen und läuft weg. Ich atme schwer. Warum kann sie nicht einfach mal kooperieren?

Was ist denn plötzlich mit Papa los? Gerde eben haben wir noch so schön zusammengesessen und gemalt. Ich hab mich so auf meinen Saft gefreut. Vorher habe ich ein paar Gemüsesticks gegessen, obwohl ich die nicht so mag. Zum Spaziergang vorhin hab ich mich auch anziehen lassen, obwohl ich viel lieber drinnen spielen wollte. Jetzt war ich so aufgeregt, dass ich mir schnell die Hände frei machen musste für die Stifte, und ups, da fliegt der Saft. Hat er mich etwa nicht lieb?

Was ist Triple P?

So oder so ähnlich sieht eine alltägliche Konfliktsituation aus. Da ihr während eines Streits oder eines Wutanfalls nicht in die Köpfe eurer Kids schauen könnt, und es während Entwicklungsphasen immer Momente absoluter Überforderung gibt, kann es helfen, sich mit Konzepten auseinanderzusetzen, die euch genau dabei helfen sollen. Eines davon ist Triple P. Triple P, zu Deutsch das dreifache P, leitet sich ab vom englischen Positive Parenting Program, einem Erziehungsprogramm, welches auf klinisch-psychologischer Grundlage in den 80er-Jahren entwickelt wurde. Es dient dazu, emotionale Probleme genauso wie Verhaltensprobleme zu lösen.

Wie funktioniert Triple P für Eltern?

Triple P hat es sich zum Ziel gesetzt, Streits zu vermeiden, indem es liebevolle Familienbeziehungen fördert. Im Vordergrund steht nicht nur der Austausch auf Augenhöhe mit dem Kind, sondern auch das Bewusstmachung und Lernen über die eigenen Schwächen. So bleibt mehr Raum für authentische Kommunikation, die es euch Eltern erleichtert, Werte und Wissen zu vermitteln. Am Ende steht die Stärkung der Selbstregulation des Kindes. Enttäuschung, notwendige Begrenzung des Kindes und die damit einhergehende Frustration sollen so trainiert, begleitet und letztlich entschärft werden.

Wie Triple P Eltern helfen kann

Es gibt eine ganze Reihe einfacher Schritte im Triple P Programm, die in Krisensituationen nicht nur den Druck aus Konflikten nehmen sollen, sondern die auch helfen, wenn ihr euch getriggert fühlt. So sind unter anderem gemeinsame Qualitätszeit, vorbildhaftes Verhalten der Eltern, klare Regeln bei Streit und Ermutigung des Kindes Bestandteil des Positive Parentings. Grundlegend ist dabei vor allem das Wissen, dass unsere Kinder mit uns zusammenarbeiten  wollen. Kein Streit entsteht ohne Grund. Ob es nun daran liegt, dass unsere Bedürfnisse oder die unserer Kinder nicht erfüllt waren, oder daran, dass unsere Kids schon seit frühmorgens kooperieren und am späten Nachmittag einfach mal keine Energie mehr da ist für elterliche Pläne, ist letztlich für den Verlauf des Streits nicht entscheidend. Viel wichtiger ist das gegenseitige Verständnis dafür, wie eine Streitsituation entstanden ist und was sich beim nächsten Mal besser machen lässt.

Kritik an Triple P

Während eine Reihe von Pädagogen das Positive Parenting Program für seine Ausgereiftheit loben, gibt es andere Experten, die insbesondere die Konditionierung von gewünschtem Verhalten durch Loben und die in Krisensituationen empfohlene „Auszeit“ kritisieren. Eine Trennung des Kindes von den Eltern verstärke harte Erziehungsansätze. So entstehe das Gegenteil einer vertrauensvollen Bindung, die ihre Belastbarkeit gerade in Stresssituationen unter Beweis stellen könne. Funktionales Festhalten an Regeln helfe ebenfalls nicht, die vertrauensvolle Eltern-Kind-Bindung gerade in emotionalen Ausnahmephasen zu stärken.

Mein Fazit

Auch in der Trotzphase und bei jedem Saft-Streit gilt: mein Kind will mit mir zusammenarbeiten, denn es ist letztlich abhängig von mir und meinem Wohlwollen als Elternteil. Wenn ich mir als Papa bewusst mache, wie viel Macht ich über mein Kind habe, rückt für mich das Verständnis wieder in den Vordergrund. Auf keinen Fall möchte meine Tochter mir auf der Nase rumtanzen oder mich ärgern – wie mir das diese kleine, verärgerte, verletzte Stimme in mir drin einreden will. Hier liegt mein innerer Schulmeister nämlich falsch: Mein Kind ist kein Automat, in den ich einfach Erziehungsprogramme stecke und dann kommt hinten nur Wohlgefallen heraus. Programme wie Triple P können – bei aller Kritik – dabei helfen, dass wir unseren Kindern mit mehr Geduld, Liebe und Verständnis begegnen. Gerade dann, wenn es emotional hart auf hart kommt. So nehmen wir Spannung aus einer Situation, die sonst sowohl mich als auch meine Tochter emotional verletzt zurückgelassen hätte.

Bildquelle: Getty Images / SolStock
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