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Stottern bei Kindern: Abwarten oder Hilfe suchen?

Kinder stottern
© Getty Images/KatarzynaBialasiewicz

In Deutschland gibt es laut der Bundesvereinigung Stotterer Selbsthilfe e. V. etwa 800.000 Stotterer. Würde man auch stotternde Kinder mitzählen, wären es noch mehr. Aber: Bei vielen Kindern verwächst sich das Stottern tatsächlich noch. Bei welchen Anzeichen ihr euch dennoch Hilfe suchen solltet.

Wie erkennt man Stottern bei Kindern?

Zwischen dem zweiten und fünften Lebensjahr entwickelt sich alles sehr schnell bei Kindern, manchmal aber eben zu schnell. Wenn das Zusammenspiel von Atmung, Stimmgebung und Artikulation im Gehirn nicht richtig funktioniert, kann es zu "Sprachunflüssigkeiten" kommen, wie es die Fachleute nennen. Wenn z. B. Laute, Silben oder Wörter wiederholt werden (w-w-w-wieso) oder verkrampftes Pressen und Dehnen von Lauten (B…..all) passiert, dann nennt man das Stottern.

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Gelassen bleiben: Obwohl etwa 5 % aller Kinder betroffen sind, werden rund 80 % von ihnen bis zur Pubertät wieder flüssig sprechen.

Dennoch besteht Handlungsbedarf, wenn Kinder folgende Anzeichen zeigen:

  • Dein Kind wirkt sehr angestrengt oder verspannt beim Sprechen
  • Es wiederholt oftmals Laute, Silben und Worte
  • Es dehnt Laute sehr stark
  • Das Wort kommt gar nicht heraus oder bleibt stecken
  • Dein Kind bewegt beim Sprechen den Kopf oder Körper mit
  • Dein Kind möchte nicht gerne sprechen oder entwickelt eine Sprechangst

Was hilft gegen das Stottern bei Kindern?

Frühe Hilfe und Gelassenheit. Das sind die zwei Grundpfeiler, wenn es um die "Heilung" des Stotterns bei Kindern geht.

Wenn dein Kind stottert: Bleib gelassen

  • Nicht unterbrechen, korrigieren oder den Satz selbst beenden: Achtet auf das, was gesagt wird, und nicht auf das Wie.
  • Behaltet Blickkontakt: Konzentriert euch auf das Kind.
  • Seid Vorbild: Sprecht selber langsam und gelassen.
  • Sprecht über das Stottern: Wenn dein Kind bemerkt, dass es stottert und es mit Frust und Traurigkeit reagiert, redet darüber. Tröstet es und nehmt Anteil daran, dass der Mund gerade nicht das gemacht hat, was euer Kind gewollt hat. Stottern sollte nicht zum Tabuthema werden.
  • Schafft ein verständnisvolles Umfeld: Informiert Kita, Schule, Familie und Freunde und bittet um Geduld.
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Stottern mit Therapie begegnen

Stottern bei einem Kleinkind, aber auch einem älteren Kind, wird in der Regel von Logopäden, Stimmlehrerinnen oder Sprachheilpädagogen behandelt. Euer Kinderarzt oder die Kinderärztin sind die erste Anlaufadresse und kommen zu einer Einschätzung. Von dort werdet ihr dann überwiesen.

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Die Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe e.V. ist eine gute Anlaufstelle, um sich nach passenden Therapeuten in eurer Nähe zu erkundigen. Auch die Interdisziplinäre Vereinigung der Stottertherapeuten e.V. (IVS) gibt eine Liste mit Experten heraus.

Ansatz einer Stotter-Therapie ist es, beim Kind mit leichten Sprech- und Atemübungen die allgemeine Sprechfreude wiederherzustellen und Vermeideverhalten oder Sprechblockaden abzubauen.

Stottern bei Kindern: Übungen

Neben professioneller Hilfe könnt ihr selbst massiv dazu beitragen, dass sich euer Kind beim Sprechen entspannt. Denn darum geht es ja: Wenn Wörter, die mit Konsonanten anfangen, nicht so flüssig herauskommen wollen, dann macht es die ganze Angelegenheit noch stressiger, wenn jemand dir sagt "jetzt mal langsam". Das baut nur noch mehr Druck auf. Damit das nicht passiert, bleibt gelassen und geduldig.

Auch einfache Konzentrationsübungen für Schulkinder oder diese Tipps zur Sprachförderung für Kleinkinder können euch dabei helfen, dem Thema Sprechen und Sprache wieder mit mehr Gelassenheit und Ruhe zu begegnen.

Das Stottern ist eine motorische Sprechbehinderung, es hat überhaupt nichts mit der Psyche oder Intelligenz eures Kindes zu tun. Es herrschen leider immer noch solche Vorurteile. Deshalb ist es so wichtig, dass ihr ein ruhiges Umfeld schafft und dem Kind vermittelt, dass Stottern nichts Schlimmes ist. Bestärkung und Unterstützung sind sehr wichtig!

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Woher kommt Stottern bei Kindern? Die Ursachen

Warum es die einen trifft und die anderen nicht, kann die Forschung nicht sicher sagen. Man geht allerdings sicher von einer erblichen Veranlagung zum Stottern aus. Die genetische Disposition trifft mehr Jungen als Mädchen, da das Stottern über eine Mutation am männlichen X-Chromosom vererbt wird.

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Als weitere Ursache gelten Veränderungen im Sprechzentrum des Gehirns, die zu Stotter-Symptomen führen und vereinzelt auftreten können.

Was sämtliche Forscher*innen, und auch die Stotterer Selbsthilfe, sagen: Eltern trifft keine Schuld, denn es ist bereits eine Veranlagung vorhanden. Auch psychische Ursachen, Stress oder Traumata wurden als Stotter-Ursachen widerlegt, wirken höchstens als "Verstärker".

Wenn Kinder stottern: Nachteilsausgleich in der Schule

Sollte sich das Stottern bei euren Kindern festgesetzt haben, wird es für sie auch Herausforderungen in der Schule geben. Sie haben ein Recht auf einen Nachteilsausgleich. Die Rechtsgrundlage für einen schulischen Nachteilsausgleich ist in Art. 3 Abs. 3 Satz 2 des GG, im Sozialgesetzbuch IX § 209 sowie in den Landesschulgesetzen bzw. Erlassen der Kultusministerien geregelt.

Vielleicht wollen eure Kinder diesen Ausgleich nicht in Anspruch nehmen, weil sie sich sowieso schon wie Außenseiter fühlen, aber mündliche Prüfungen sind stressig und Stress verschlimmert das Stottern. Deshalb können mündliche Prüfungen oder Referate beim Nachteilsausgleich durch schriftliche Prüfungen ersetzt werden oder man gibt den Jugendlichen mehr Zeit. Sprecht die Lehrer*innen darauf an.

Oft verwächst sich das Stottern bei Kindern tatsächlich bis zur Pubertät. Sollte es das nicht, könnt ihr mit viel Verständnis und Aufmerksamkeit ein Umfeld schaffen, in dem euer Kind sich unterstützt und geliebt fühlt und nicht viel Aufhebens um das Stottern gemacht wird.

Quellen: Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe e.V., Interdisziplinäre Vereinigung der Stottertherapeuten e.V., kasseler-stottertherapie.de

Schulkind-Quiz: Bist du ein Überflieger in Sachkunde?

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