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Kleine Kinder müssen spielen: Interview mit Mathe-Guru Daniel Jung

Von Kindergarten bis KI

Kleine Kinder müssen spielen: Interview mit Mathe-Guru Daniel Jung

Wir haben YouTuber und Unternehmer Daniel Jung getroffen, der mit seinen Erklärvideos auf YouTube und in Schulen für Furore sorgt. Von wegen, Mathe ist langweilig: Wir schlagen einen Bogen von Kleinkindern zur aktuellen PISA-Studie bis hin zu künstlicher Intelligenz.

Wenn es um die Entwicklung und Bildung unserer Kinder geht, machen wir Eltern uns schnell Sorgen. Gerade jetzt, wo unsere zum ersten Mal als Digital Natives aufwachsen und ihre Zukunft zunehmend von künstlicher Intelligenz beherrscht werden wird, fragen wir uns oft: Setzen wir auf analoge Oldschool-Methoden oder sind diese im wahrsten Sinne veraltet? Ist der häufige und sichere Umgang mit Smartphone, Tablet und Co. von klein auf wichtig oder bringt er mehr Probleme als Nutzen? Alles dreht sich am Ende um die Frage, wie wir unsere Kids beim Lernen unterstützen können.

Rund 1,2 Millionen Kinder in Deutschland nehmen Nachhilfe in Anspruch und Mathe ist laut Lernportal ProntoPro dabei bei Weitem am gefragtesten: Jede zweite Suche nach Nachhilfe ist für Mathematik. Wen also besser löchern, als einen Mathe-Geek, der sich seit einer Dekade passioniert für neue Bildungswege in allen Feldern einsetzt? Spoiler Alert: Es wird interessant!

Was macht Daniel Jung?

Daniel Jung, bei vielen Schülern und Studenten als Mathe-Guru bekannt, gibt auf seinem YouTube Channel “Mathe by Daniel Jung”  kurze, knappe und verständliche Nachhilfe zu Mathe-Themen. Schülern hilft er durch Prüfungen, aber auch immer mehr Eltern durch Hausaufgaben-Probleme mit ihren Kids. Dazu ist Daniel Jung Gründer von Bildungsunternehmen, schreibt Mathe-Bücher und spricht sich deutschlandweit für ein besseres Bildungssystem aus. Alles über Daniel findet ihr hier auf seiner Seite.

Kostprobe gefällig? Hier erklärt euch Daniel die Grundlagen der Stochastik:

Du bist das perfekte Beispiel dafür, dass Mathe Spaß machen kann – und dass es sehr kreative Wege gibt, es im späteren beruflichen Leben auch anzuwenden. Warst du schon immer ein Mathe-Fan?

Ich war schon immer Mathe-Fan und habe auch schon immer gerne Menschen geholfen.  Also habe ich mich schon in frühen Jahren dabei erwischt, anderen in der Schule bei den Mathematik-Hausaufgaben zu helfen, bin dann nach der Schule ins Mathestudium und habe parallel ein Unternehmen gegründet, was sich um Mathe Nachhilfe klassischerweise gekümmert hat.

Wie bist du auf YouTube als Lernmittel gekommen?

Ich habe 2010/2011 YouTube entdeckt und war völlig fasziniert, wie aus Amerika große, renommierte Universitäten ihre Vorlesungen aufgezeichnet und bereitgestellt hatten und dass ich selber dadurch so viel gelernt habe von diesen Professoren. Da dachte ich mir: Das ist eine Riesenchance, YouTube als Plattform zu nutzen, um in so etwas wie Mathe das Wissen weiterzugeben und andere Menschen zu inspirieren, einen Weg zu so etwas wie Mathe zu finden. Das hat jetzt seit 2011 ein paar Jahre gedauert, bis es wirklich in der breiten Masse angekommen ist. Und jetzt entdecken wirklich viele diese Plattform für Mathe, Physik, Chemie – also wirklich Dinge wie: Ich werde in einem gewissen Bereich wirklich besser und finde Spaß an so etwas! Das ist wirklich wichtig für die Zukunft.

Warum glaubst du, dass so viele Kinder Probleme mit Mathe haben?

Ich glaube, die Frage ist schnell beantwortet, wenn man sich die Presse der letzten Jahre anguckt. Der Matheunterricht passiert halt noch auf sehr alten Methoden, wo es noch keine Computertechnologie gab.

In welchem Ausmaß finden unsere Kids mit neuen Medien Inspiration zum Lernen?

Also da sind wirklich jetzt Content Creator, die einfach sagen: Ich bin Doktor der Physik und das macht total viel Spaß! Hier habe ich heute ein Experiment gemacht. Und auf einmal gehen auch Schüler zu ihren Lehrern und dann machen die auf einmal gemeinsam ein Projekt und du hast auf einmal die Chance, intrinsisch motiviert zu sein. Und so sehe ich auch die Chancen von sozialen Netzwerken: Eben nicht nur zu teilen, welche Klamotten man sich heute Abend anzieht oder was für ein Spiel man spielt, sondern wie viel Spaß das Erlernen neuer Sachen machen kann.

Das heißt, soziale Medien helfen wirklich beim Lernen?

Im Moment ist das Video toll, weil: Ich kann es noch mal neu abspulen, ich kann es so oft gucken, wie ich möchte und jetzt kombiniert man es noch mit anderen Sachen, z. B. wenn ich eine spezielle Frage habe, dann habe ich halt eine Plattform wo ich spezielle Fragen stellen kann an andere Menschen.

Die neueste PISA-Studie hat uns gezeigt, wie im Bereich Lesenlernen bereits in der Grundschule der Grundstein gelegt wird. Wie wichtig findest du positive Erlebnisse mit Mathe von klein auf und was können wir Eltern tun?

Grundschule ist eigentlich die Verlängerung im Kindergarten. Im Kindergarten war ich neugierig, ich habe einen Fehler gemacht, ich bin hingefallen, ich bin wieder aufgestanden, der Kindergärtner war immer mit dabei, wir hatten Spaß, wir haben die Welt entdeckt. Wir haben Mathematik gelernt, indem wir räumlich Dinge angefasst haben, abgeschätzt haben.

Irgendwann kommt dann Grundschule und Schule und das ist doch sehr starr, immer gleich, immer getaktet. Jetzt überlegt man händeringend, wie man irgendwelche digitalen Endgeräte da mit einbeziehen kann, dabei kann das ganz einfach sein. Und da steht der Lehrer dann wiederum im Mittelpunkt. Man könnte z. B. viel mehr Geld ausgeben in die Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften und mit denen mal durchgehen: Wie hole ich Kids in jungen Jahren ab und wie begeistere ich sie?

Was ist beim frühkindlichen Lernen, auch im Bezug auf Technologie, anders?

Da brauche ich nicht unbedingt Smartphones und Tablets. Mein Neffe ist zwei und wenn ich mit dem Verstecken Spiele, dann haben wir ein super Raumerlebnis, auch im Dunkeln. Und wenn es zum Thema Lesen geht: Ab einem gewissen Zeitpunkt kann ich dann natürlich schauen: Welches Buch habe ich da gerade mit ihm aufgeklappt? Ob das jetzt auf dem Tablet ist oder anfassbar, sei jetzt mal dahingestellt. Aber was wird dort erzählt, welche Geschichte? Ich habe im Moment ein bisschen die Befürchtung, dass es zu sehr um das Nutzen von Tablets für Spiele geht und vielleicht könnte das eine negative Auswirkung auf das Leseverhalten haben.

Das, was seit Jahrhunderten eigentlich schon gut gegangen ist von Elternseite her: Wir setzen uns jetzt mit unserem Piepmatz hin und lesen die Hasengeschichte und der Piepmatz sagt Hase, Hase! und dann zeigst du darauf. Das sind ganz normale Sachen, die dürfen wir jetzt nicht vergessen.

Ich glaube fundamental müssen wir darüber nachdenken: Wie sieht jetzt eigentlich die Zukunft unserer Bildung aus, wann machen wir was? Das ist eigentlich das große Missverständnis warum wir jetzt von Grund auf neu denken müssen und das ist auch der Grund, warum viele Eltern sich zurecht Sorgen machen: Was wird aus meinem Kind? Und ich möchte dann immer ein bisschen die Panik nehmen und sagen: So viel wie möglich in jungen Jahren spielen. Weil wenn ich spiele, bereite ich mich auf die Zukunft vor. Ich bin empathisch, ich hinterfrage viele Dinge, ich bin kreativ unterwegs.

Wie kann man mit Kids denn digitale Medien zum aktiven Lernen nutzen?

Den größten Lerneffekt habe ich, wenn ich etwas selber nicht nur aktiv mache, sondern einem anderen etwas simpel erkläre. Und da kann man jetzt wunderbar auch z. B. YouTube nutzen. Jetzt diese Inspiration zu bekommen und nicht abhängig zu sein von dem einen Lehrer, der mir vielleicht nicht passt und aufgrund dessen ich vielleicht meine Mathe Karriere canceln will. Jetzt kann ich auf YouTube gehen und gebe ein “Mathe” und dann suche ich mir meinen Tutor aus, der mich einfach inspiriert. Und das ist die große Chance jetzt: Dass das gar nicht das Böse nebenbei ist, sondern eine tolle Symbiose sein kann.

Du beschäftigst dich sehr viel mit KI bzw. künstliche Intelligenz. Welche Rolle glaubst du, spielt sie für das Lernen unserer Kinder?

Künstliche Intelligenz spielt die größte Rolle für uns, sie ist nur zu vergleichen mit der Elektrizität. KI hat komplette Industrien verändert, viele wird es nicht mehr geben, neue werden kommen und vor allem die Arbeits- und die Lernwelt wird komplett auf den Kopf gestellt in den nächsten zehn Jahren. Und dafür musst du die Kids eben vorbereiten und dafür brauchst du neue Lerntechniken: Wie stelle ich mich darauf ein, dass ich nicht mehr einen Job haben werde, sondern permanent einen neuen Job? Und das interessiert auch Eltern, besonders, wenn die Kids jetzt noch unter zehn sind. Wenn man bei denen zehn Jahre weitergeht: Welche Abschlüsse brauche ich dann, wie kommt mein Kind in der Jobwelt zurecht, welche Fähigkeiten braucht es?

KI ist also nichts, wovor wir Eltern Angst haben müssen, sondern etwas wo wir jetzt selbst schon aktiv werden können und sollten?

Ja! Das ist eine völlig fantastische Zukunft für die Kreativität. Wenn man leider Gottes neben dem üblichen Bildungssystem sich dann ein bisschen darum kümmert und dann die richtigen Mittel mit an die Hand gibt. Und dafür braucht es eben noch mehr Content Creator, damit Eltern auch Anhaltspunkte haben. Das sage ich auch immer vor der Politik: Ich würde auch gerne nicht immer nur hören KI, KI, KI, sondern ich würde als Elternteil jetzt gerne wissen: Und jetzt? Was mache ich denn jetzt meinem Kind? Ich sage immer, sie sollen einfach lernen vorzutragen. Das ist etwas ganz Banales. Stellt euch einfach vor eine Gruppe und redet: Das ist eine tolle Zukunftsfähigkeit.

Ihr möchtet mehr erfahren, was Daniel Jung alles vorhat? Im Video findet ihr seinen Jahresrückblick 2019:

Künstliche Intelligenz – toll oder beängstigend? Wie lernt ihr mit euren Kids und wie zufrieden seid ihr mit unserem Bildungssystem? Schreibt uns auf Facebook!

Bildquelle: Getty Images/goodmoments

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