Für Links auf dieser Seite erhält familie.de ggf. eine Provision vom Händler, z.B. für mit oder grünblauer Unterstreichung gekennzeichnete. Mehr Infos.
Verena Pausder im Interview: "Unsere Schlüsselressource in Deutschland ist Bildung"

Verena Pausder im Interview: "Unsere Schlüsselressource in Deutschland ist Bildung"

#wirfürschule Interview

In wenigen Tagen startet #wirfürschule zum zweiten Mal durch. Noch bis zum 10. Juni könnt ihr euch anmelden und mitmachen. Es geht um nichts Geringeres als die Schule der Zukunft. Und die geht uns alle an! Wir haben Mit-Initiatorin und Bestseller-Autorin Verena Pausder zum Interview gebeten und wollten von ihr wissen, wie ein Bildungs-Hackathon funktioniert, wieso jede*r daran teilnehmen sollte und worauf die Schule von morgen unsere Kinder vorbereiten muss.

Vom 14.- 18. Juni 2021 findet der zweite #wirfürschule-Hackathon statt. Unter dem Motto “Lasst uns Zukunft in die Schule bringen” können alle Beteiligten (Lehrer*innen, Eltern, Politiker*innen, Rektor*innen, Schüler*innen etc.) gemeinsam den drängenden Fragen der Bildung auf den Grund gehen – denn die letzten Monate haben uns allen gezeigt, dass eine Neuausrichtung der Institution ‘Schule’ zwingend notwendig ist, um unsere Kinder adäquat auf die Welt von morgen vorzubereiten. Verena Pausder zählt zu den bekanntesten Gründer*innen Deutschlands, sie ist Unternehmerin, Bestsellerautorin, Mutter und Mit-Initiatorin von #wirfürschule. Im familie.de-Interview spricht sie über ihre Motivation, ihre Wünsche und über ihre eigene Schulzeit.

Verena, Schule ist ein ziemlich starres Konstrukt und durch das föderale System außerdem ein sehr kleinteiliges. Die meisten Eltern nehmen die Gegebenheiten hin, wie sie sind. Was treibt dich an, das Thema trotzdem anzugehen?

65% aller heutigen Grundschulkinder werden später in Jobs arbeiten, die wir jetzt noch nicht kennen. Ich setze mich dafür ein, dass Kinder in der Schule mit den Fähigkeiten ausgestattet werden, die sie morgen brauchen. Das ist mir nicht nur als Mutter wichtig, sondern vor allem auch als Bürgerin und Unternehmerin. Wenn unsere Schlüsselressource in Deutschland Bildung ist, dann müssen wir auch darein investieren – mit Geld und Ideen –, um die Zukunftsfähigkeit unseres Landes zu sichern.

65% aller heutigen Grundschulkinder werden später in Jobs arbeiten, die wir jetzt noch nicht kennen.

Verena Pausder im familie.de-Interview

Wieso habt ihr für #wirfürschule gerade das Format des Hackathons gewählt, das man ja sonst eher aus dem Bereich der Softwareentwicklung kennt?

Hackathons sind inklusiv, schnell und fördern das “Machen”. Wir können dort alle Bildungsenthusiasten einbinden, egal ob Lehrerin, Schüler, Eltern, Bildungsexpertin oder Schulleiter. Bei #wirfürschule denken wir in Projekten, die schnell getestet und bei Erfolg ausgebaut werden. Wir haben im Bildungssystem kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem, und ein Hackathon zahlt genau auf dieses “Umsetzen” ein.

Wer sollte bei #wirfürschule mitmachen?

Warum ist #wirfürschule eine gute Möglichkeit, sich für Schule und Bildung zu engagieren? Und warum sollten ALLE Eltern, Lehrer*innen, Rektor*innen, Lehramtsstudierenden etc. pp. bei #wirfürschule mitmachen?

  • Erstens ist die Herausforderung, die Schule von morgen zu bauen, so groß, dass wir einfach alle brauchen.
  • Zweitens bietet #wirfürschule den Sandkasten, um die eigene Idee mit anderen klugen Menschen weiterzuentwickeln und zu testen.
  • Und drittens macht es einfach unglaublich viel Spaß, Leute kennenzulernen, die für das gleiche Thema brennen wie man selbst.

Der erste #wirfürschule-Hackathon

2020 fand der erste #wirfürschule-Hackathon statt. Welche Ergebnisse, welche Resultate oder welche Projekte machen dich dabei besonders stolz?

Natürlich macht mich der Andrang stolz: Dass wir im ersten Jahr gemeinsam mit 6.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern das Bildungssystem der Zukunft gestalten, hätte ich nicht erwartet. Außerdem freut mich, wie gut die Resonanz in der Politik war.

Die Gewinnerprojekte wurden bei der Kultusministerkonferenz vorgestellt und überregional ausgerollt. Besonders beeindruckend fand ich das Projekt Digital Sparks, was im Nachgang des Hackathon vom Deutschen Kinderhilfswerk, Rossmann und Procter & Gamble mit 250.000 € unterstützt wurde.

Digitalisierung als Top-Priorität

Was haben die letzten eineinhalb Jahre im Bezug auf das Bildungssystem Deiner Einschätzung nach an die Oberfläche gespült?

Wir wussten schon lange, dass es großen Nachholbedarf in der digitalen Infrastruktur der Schulen gibt, aber im letzten Jahr haben wir schmerzhaft gespürt, welche Probleme damit einhergehen. Das ist auch eine Chance, weil das Thema damit zur Top-Priorität geworden ist. Dieses Momentum müssen wir nutzen, damit Schulen flächendeckend digital fit gemacht werden und digitale Bildung nicht mehr von einzelnen Lehrkräften abhängt, die bisher vieles auf eigene Faust organisiert haben.

Wie Lehrende und Eltern nach dem Homeschooling wieder zusammenkommen

Für uns Eltern waren die letzten Monate oft frustrierend. Oftmals fühlten wir uns – obwohl wir v.a. im Grundschulbereich einen nicht zu unterschätzenden Teil der Lehrtätigkeit übernehmen mussten – teilweise nicht als echte Stakeholder in den Prozess eingebunden. Wie können Eltern und Schule näher zusammenrücken, um zum Wohl aller besser voneinander zu profitieren?

Für mich ist die schnelle und einfache Kommunikation entscheidend. Ich sehe
das bei meinen Kindern, dass in manchen Klassen sehr einfacher Kontakt
zwischen Eltern und Lehrkräften besteht, zum Beispiel über sichere Messenger-Gruppen wie Sdui oder Signal.

In anderen Klassen gibt es hingegen nach wie vor langwierige Telefonketten und lückenhafte Kommunikation. Ich wünsche mir, dass man sich mehr als gemeinsames Team versteht. Dazu gehört für mich auch, dass Eltern anerkennen, und das auch mal sagen, was Lehrerinnen und Lehrer im Alltag alles leisten.

Spätestens nach einem Jahr Homeschooling – in dem wir alle gesehen haben, wie schwierig das Lernen schon mit ein oder zwei Kindern zuhause ist – sollte der Respekt vor dem Lehrer-Job in unserer Gesellschaft gestiegen sein.

Das neue Land und eine neue Schule

Dein Buch “Das neue Land” dreht sich ja nicht nur um Bildung. Besonders einprägsam war für uns das Kapitel, in dem es um Chancengerechtigkeit geht, die ja schon mit der Geburt beginnt. Wie bekommen wir das denn hin? Kinder werden ja in die Familien und Umstände hineingeboren, in die sie geboren werden.

Ein zentraler Punkt für Chancengerechtigkeit ist, dass digitale Bildung in den Schulen stattfindet. Heute ist es doch so, dass wohlhabendere Familien privat kompensieren können, was die Schule im Bereich digitale Bildung nicht leistet. Das geht bei der Anschaffung von Geräten los und hört bei privaten Programmierkursen am Nachmittag auf. Wenn digitale Bildung Teil des regulären Schulunterrichts ist, verringern wir die Lücke zwischen Schülerinnen und Schülern, die zuhause unterstützt werden können und denen, wo das nicht geht. Außerdem braucht es Freiräume für individuelle Förderung, sodass jede und jeder in seinem eigenen Tempo lernen kann. Hier sind Software-basierte Lernprogramme, die Kindern individuelle Lernpläne zusammenstellen können, eine große Chance.

Das Neue Land
Das Neue Land

Wenn alles geht: Was sollte sich ändern?

Welche 5 Dinge würdest Du am deutschen Bildungssystem ad hoc ändern, wenn Mittel und Möglichkeiten keine Rolle spielten?

  1. Positivlisten:
    Simple Listen, auf denen steht, welche Soft- und Hardware im Unterricht eingesetzt werden darf und den Datenschutz- und Sicherheitsstandards entspricht. Damit Lehrkräfte sich aufs Unterrichten konzentrieren können, statt IT-Richtlinien zu studieren.
  2. Lehrerfortbildung:
    Modulare Online-Lehrerfortbildung, wie z.B. bei fobizz, verpflichtend und kostenlos verfügbar für alle Lehrerinnen und Lehrer. Damit wir nicht auf die nächste Generation Lehramtsstudierende warten, bis die digitalen Kompetenzen in die Schulen kommen.
  3. FREI-Day:
    Ein Tag die Woche widmet man sich lokalen Projekten, die im Zusammenhang mit den UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung stehen. Damit Kinder selbstständiges Arbeiten lernen und Lehrkräfte Freiräume für neue Lehrmethoden haben.
  4. System-Administratoren-Allianz:
    Ein lokales Unternehmen leiht seinen IT-Administrator für einen Tag im Monat an die örtliche Schule aus. Damit die Schule einen Ansprechpartner für technische Fragen hat und wir die Zeit überbrücken, bis jede Schule einen technischen Hausmeister hat.
  5. Ein zentraler Schul-Store:
    Im Idealfall könnten sich die Schulen mit einem einzigen Login hier andocken und wie bei Spotify mit einer Schullizenz auf zertifizierte digitale Programme und Inhalte zugreifen, die sie brauchen.

The Sky is the limit: Wenn alles möglich wäre, wie würde deine ideale Schule aussehen?

Flexibilität ist das wichtigste Stichwort. Wenn wir heute noch nicht wissen, welche Fähigkeiten unsere Kinder für die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt von morgen genau brauchen, dann ist die ideale Schule eine, die sich schnell anpassen kann. Das fängt mit örtlicher Flexibilität an (man lernt draußen, in der Turnhalle, im Flur, in der Aula, im Kiez), geht mit Freiräumen im Curriculum weiter, und hört bei flexiblen, individuellen Lernplänen für jedes Kind auf.

Natürlich müssen wir uns auf Standards einigen und einen gemeinsamen Lehrplanrahmen einhalten, aber ich würde mir wünschen, dass man nur vorgibt WAS gelehrt wird und viel mehr Freiraum beim WIE gibt.

Bitte vervollständige folgende Sätze!

Bildung ist ...
... die Schlüsselressource für unser Land.

Als ich in der Schule war ...
... hat digitale Bildung noch keine Rolle gespielt.

Mein Highlight zu Schulzeiten war ...
... wenn im Sportunterricht Fußball auf dem Lehrplan stand.

Mein Lieblingslehrer/meine Lieblingslehrerin hat/war ...
.... mein Lateinlehrer Herr Ihde. Er hat diese tote Sprache in einer Weise zum Leben erweckt, dass ich sogar großes Latinum gemacht habe.

Im Neuen Land darf jedes Kind ...
.... jederzeit den Status Quo in Frage stellen, weil es gelernt hat, wie schnell sich die Welt verändert, und dass wir deshalb auch unsere Art zu lernen, leben und arbeiten ständig überdenken müssen.

Eltern im Neuen Land ...
.... wechseln von der Seitenlinie aufs Spielfeld und bilden zusammen mit Lehrkräften und Schulleitung ein starkes Team für die Schule von morgen.

Vielen Dank für deine Zeit und deine Ideen, liebe Verena! Wir sehen uns am 14. Juni bei #wirfürschule!

Verena Pausder freut sich über unsere Video-Kampagne mit #wirfürschule

Bei #wirfürschule mitmachen: So einfach gehts!

Um bei #wirfürschule dabei zu sein, könnt ihr euch noch kostenfrei anmelden. Die einzigen Bedingungen: Ihr müsst mindestens 16 Jahre alt sein, einen Internetzugang und Lust aufs Thema haben. Wenn ihr unter 16 Jahren alt seid, dann dürft ihr, so der Hinweis vom Veranstalter, ausdrücklich auch teilnehmen, braucht aber eine Einverständniserklärung eurer Eltern. Ob ihr Lehrer*innen, Erzieher*innen, Eltern, Großeltern oder Schüler*innen seid, spielt keine Rolle. Es sind alle willkommen, die Lust auf Veränderungen haben.

Jede Idee wird gebraucht

Ihr müsst nicht die gesamte Woche vom 14.06 bis 18.06. aktiv sein, nehmt euch soviel Zeit, wie ihr eben habt. Jede Unterstützung, jede Idee hilft bei #wirfürschule. Schaut einfach, wie es am besten in euren Zeitplan passt. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, beim #wirfürschule Hackathon teilzunehmen.

Es gibt drei Handlungsfelder, an denen ihr euch beteiligen könnt:

  1. Good Practice von Schulen sammeln, die heute die Zukunft leben
  2. Feedback und neue Ideen sammeln für die Weiterentwicklung des Zielbildes der Schule von Morgen
  3. Neue Lösungsansätze entwickeln für die Bildungstransformation

Anmelden für den Hackathon könnt ihr euch über das Formular. Wenn ihr noch mehr wissen wollt, schaut gern auch auf der #wirfürschule- Website vorbei.

Meine Meinung

Ich gestehe, ich habe im letzten Jahr nicht am Hackathon teilgenommen, weil ich mir darunter überhaupt nichts vorstellen konnte. Und, weil ich damals noch kein schulpflichtiges Kind hatte.

Jetzt bin ich seit einem Jahr ja auch in diesem System Schule und merke, wie es an so so vielen Enden knirscht und frustriert. Und gerade das monatelange Homeschooling hat für noch mehr ungleiche Bedingungen gesorgt. Dass #wirfürschule das Kleine zu einem großen Ganzen verbindet, ist so wichtig. Und deswegen bin ich dieses Jahr auf jeden Fall auch dabei. Ihr auch?

Bildquelle: Patrycia Lukas

Na, hat dir "Verena Pausder im Interview: "Unsere Schlüsselressource in Deutschland ist Bildung"" gefallen, weitergeholfen, dich zum Lachen oder Weinen gebracht? Dann hinterlasse uns doch ein Like oder teile den Artikel mit anderen netten Leuten. Wir freuen uns sehr über dein Feedback – und noch mehr, wenn du uns auf Pinterest, Facebook, Instagram, Flipboard und Google News folgst.

Galerien
Lies auch
Teste dich