Clusterfeeding – Wenn das Baby ständig an die Brust möchte

Viele stillende Mütter kennen es: Der Nachwuchs trinkt und trinkt und trinkt. Macht zehn Minuten Pause – und will wieder an die Brust. Dieses Phänomen nennt sich Clusterfeeding und wir haben die Erklärung dafür.


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Viele Mamas sind besorgt, wenn ihr Baby plötzlich scheinbar viel häufiger an die Brust möchte. Sie machen sich Sorgen, dass ihr Kind nicht gut genug versorgt ist oder dass sie nicht genug Milch produzieren. Meist ist solches sogenanntes Clusterfeeding aber völlig harmlos und nur eine Phase, die auch wieder vorbeigeht. 

Clusterfeeding

Clusterfeeding: Wenn Baby zum Nimmersatt wird


© iStock

Was bedeutet Clusterfeeding?


"Cluster" kommt aus dem Englischen und bedeutet "Anhäufung", "feeding" bedeutet "füttern". Clusterfeeding beschreibt also eine Periode, in der ein Baby besonders häufig und viel gestillt werden möchte.
Warum kommt es zu Clusterfeeding?

Die genauen Gründe für Clusterfeeding sind noch nicht vollkommen erforscht. Doch es gibt einige plausible Erklärungen für das Verhalten der kleinen Nimmersatts: Der Magen von Babys ist sehr klein. Muttermilch ist leicht verdaulich und wandert rasch vom Magen in den Darm. Das Baby hat also schnell wieder Hunger – vor allem, in den ersten Wochen, in denen das Kleine so viel und so schnell wächst und dafür jede Menge Energie braucht. Um den Energiebedarf zu decken, benötigen Babys in manchen Phasen also einfach ein bisschen mehr Nahrung und verlangen deswegen häufiger nach der Brust. Experten glauben auch, dass Clusterfeeding der natürliche Weg des Babys ist, Mamas Milchproduktion anzuregen.

Außerdem wird der Hunger von Babys anfangs zum Teil von dem Hormon Cholecystikinin (CCK) gesteuert. Ist das Baby an der Brust und saugt, steigt der Wert an und signalisiert dem Körper nach ca. 20 Minuten, dass er satt ist. Nach zehn bis zwanzig Minuten sinkt der Wert allerdings wieder und das Baby hat wieder Hunger und möchte an die Brust. Dieser Ablauf kann sich teilweise mehrfach wiederholen, bis Ihr Baby dann letztendlich gesättigt einschläft. Das macht auch durchaus Sinn: Denn Muttermilch ist, wie gesagt, sehr schnell verdaulich und passiert Magen und Darm in etwa 90 Minuten. Durch das Clusterfeeding versucht der Säugling also, seinen Bauch auf Vorrat zu füllen, um sich auf eine Schlafpause vorzubereiten. Experten glauben, dass das auch der Grund ist, warum Clusterfeeding vor allem abends vorkommt: Die Kleinen schaffen Vorräte für die Nacht, wenn sie schlafen (auch wenn Ihr kleiner Racker wahrscheinlich noch nicht die ganze Nacht durchschlafen wird – so lange halten die Vorräte dann doch noch nicht an).

Zusammenfassend lässt sich also sagen: Clusterfeeding ist völlig normal und kommt vor allem bei sehr jungen Babys vor. Aber auch ältere Kinder, die gerade einen Wachstums- oder Entwicklungsschub erleben, können dazu neigen.

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Clusterfeeding heißt nicht, dass Sie zu wenig Milch produzieren

Nochmal: Clusterfeeding heißt nicht, dass Sie zu wenig Milch produzieren. Viele Mamas denken, der Fehler liegt an ihnen, wenn ihr Baby zum Clusterfeeding neigt. Oft schwebt ihnen die Empfehlung im Kopf herum, dass Babys gleichmäßig über den Tag verteilt alle zwei, drei oder gar vier Stunden am Tag gestillt werden sollten. Sie befürchten, zu wenig oder zu wenig nährstoffhaltige Milch zu produzieren. Fühlen sich schlecht und schuldig. Aber diese Sorgen sind in der Regel vollkommen unbegründet.

Wenn man sich die Empfehlung von Stillberaterinnen ansieht, sprechen diese von mindestens acht bis zwölf Mahlzeiten innerhalb 24 Stunden. Das lässt durchaus Spielraum für mehrere Mahlzeiten gleich nacheinander.

Was Sie nicht tun sollten, wenn Sie stillen: Aus Angst, dass Sie nicht genug Milch produzieren, mit Flaschenmilch zufüttern. Denn das hat genau den befürchteten Effekt: Ihr Körper wird nicht dazu angeregt, mehr Milch zu produzieren und Sie werden bald schon tatsächlich zu wenig Milch für Ihr Baby produzieren. Die Situation wird so zur selbsterfüllenden Prophezeiung. Wenn Sie sich aber natürlich selbst dazu entscheiden, zuzufüttern, ist das vollkommen in Ordnung und Ihre Entscheidung – für die Sie sich auch nicht schuldig fühlen müssen.

Außerdem wichtig: Versuchen Sie nie, die Muttermilch mit Wasser zu strecken, das kann gefährlich für Ihr Baby werden.

Wenn Ihr Baby also eine gute Menge voller Windeln produziert und nicht (aus Hunger) zum Schreibaby wird, sollten Sie sich über Clusterfeeding keine Gedanken machen. Wenn Ihr Baby dagegen (mehrfach) über eine Stunde an Ihrer Brust saugt oder an Gewicht verliert, könnte das ein Zeichen dafür sein, dass es tatsächlich nicht genug Milch bekommt. Sprechen Sie in solch einem Fall Ihren Kinderarzt, Ihre Hebamme oder Stillberaterin an.

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Tipps, wenn es zum Clusterfeeding kommt

Für Mamas kann Clusterfeeding ganz schön anstrengend sein, sowohl physisch als auch psychisch. Unsere Tipps, um Ihnen die Situation etwas zu erleichtern.

Clusterfeeding-Tipp 1: Viel trinken!
Clusterfeeding kann bedeuten, dass Sie sich plötzlich viel durstiger fühlen und mehr Flüssigkeit als sonst brauchen. Vergessen Sie also in diesen Perioden das Trinken nicht! Am besten stellen Sie sich ein großes Glas Wasser zur Seite, wenn Sie mit dem Stillen beginnen.

Clusterfeeding-Tipp 2: Gut essen!
Stillen braucht viel Energie – Clusterfeeding noch mehr. Achten Sie also darauf, dass Sie ausreichend essen. Am besten viele kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt. Und: Essen Sie am besten bevor Sie mit dem Stillen anfangen. Denn dem Baby beim Trinken zu zuschauen, während der eigene Magen knurrt, macht jede Mama knatschig.

Clusterfeeding-Tipp 3: Machen Sie es sich bequem!
Wenn Sie wissen, dass Sie für die nächste Zeit mit Stillen beschäftigt sein werden, dann suchen Sie sich dafür am besten ein gemütliches Plätzchen – und stellen Sie etwas bereit, mit dem Sie sich beschäftigen können. Denn nein: Es macht Sie nicht zu schlechten Mutter, wenn Sie beim Stillen nicht die ganze Zeit Ihr Baby bewundern, sondern in einer Zeitung blättern, einem Hörbuch lauschen oder die neueste Folge von "Black Mirror" schauen.

Clusterfeeding-Tipp 4: Fühlen Sie sich nicht schuldig!
Denn es gibt keinen Grund, sich schuldig zu fühlen.

Clusterfeeding-Tipp 5: Fragen Sie nach!
Wenn Sie trotzdem Angst haben, dass Sie nicht genug Milch produzieren und dass Ihr kleiner Spatz zu wenig Nahrung bekommt, dann scheuen Sie sich nicht, Hebamme, Stillberaterin oder Kinderarzt aufzusuchen.

von Nicole Metz




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