Nahrungsmittelunverträglichkeiten bei Kindern

Laktosefreie Milch, glutenfreies Brot, Nudeln ohne Ei: Wie bei Kindern Nahrungsmittelunverträglichkeiten entstehen und was man beachten muss.


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Früher hatte Rosalie nach einem Joghurt oder Kakao Bauchweh oder Durchfall. Nach mehreren Tests beim Arzt stellte sich heraus: Dem Mädchen fehlt das Enzym Laktase im Dünndarm, das den Milchzucker, die Laktose, spalten kann. Der Milchzucker gelangt so in den Dickdarm, wo er von Bakterien zersetzt wird. Die Folge: Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall. Das ist bei zehn bis 15 Prozent der erwachsenen Bevölkerung so - und eigentlich im Großen und Ganzen harmlos. Man muss allerdings auf laktosearme Ernährung achten.

Nahrungsmittelallergien


© Thinkstock

Nahrungsmittelunverträglichkeit oder Nahrungsmittelallergie?
Dass Nahrungsmittel Krankheitssymptome im Körper hervorrufen, ist gar nicht so selten. Am häufigsten sind dabei die so genannten Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder -intoleranzen: zehn bis 20 Prozent der Bevölkerung sind davon betroffen. Weniger häufig sind Nahrungsmittelallergien, die nur ein bis zwei Prozent der Deutschen betreffen. „Das sind immunologisch vermittelte Reaktionen, die meist rasch und heftig nach dem Essen auftauchen, z.B. bei einer Erdnussallergie. Mögliche Reaktionen sind Ausschlag mit Quaddeln, Luftnot, aber auch Blutdruckabfall“, erklärt Dr. Ulf Winkler von der Kinderklinik Bautzen. Wie bei Rosalie fehlt bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit ein Enzym im Darm, das für die Verarbeitung des Lebensmittels nötig ist. „Außerdem zeigen sich die Reaktionen auf das Nahrungsmittel erst Stunden nach dem Genuss und beschränken sich meist auf den Magen-Darm-Trakt. Das Kind bekommt also Bauch- schmerzen, Durchfall oder Blähungen“, sagt der Kinderarzt und -Gastroenterologe (Magen-Darm-Spezialist) Winkler.
Wie kommt es zu Nahrungsmittelunverträglichkeiten?
Dass es heute so viele Fälle von Nahrungsmittelunverträglichkeiten gibt, hängt mit den veränderten Ernährungsgewohnheiten zusammen. Hat der Durchschnittsbürger vor 100 Jahren noch 285 Kilo Kartoffeln pro Jahr verspeist, sind es heute nur noch 35 Kilo, plus 30 Kilo in hochverarbeiteter Form: Pommes Frites, Chips & Co., die Gluten enthalten können. „Aber es sind nicht nur mehr Menschen von Unverträglichkeiten betroffen. Immer mehr Ärzte testen bei Beschwerden auch auf Nahrungsmittelintoleranzen“, erklärt die Ernährungswissenschaftlerin Bianca Isenbort-Mäder. So können Beschwerden unter Umständen ganz schnell beseitigt werden. Aber wie findet man heraus, ob Kinder unter einer Nahrungsmittelunverträglichkeit leiden? Am besten durch den Kinderarzt oder einen Kinder-Gastroenterologen abklären lassen. Hilfreich kann es sein, schon vor dem Arztbesuch ein Tagebuch zu führen: Was hat das Kind wann gegessen? Wann traten welche Symptome auf, wie z.B. das Bauchweh zwei Stunden nach dem Joghurt oder dem Fruchtsalat.
Ernährungstipps bei einer Unverträglichkeit
● Gluten
: „Seit 2005 muss Gluten auf den Nahrungsmitteln deklariert sein“, erklärt Diplom-Ökotrophologin Bianca Isenbort-Mäder. Es gibt das Siegel „ohne Gluten“ der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft (www.dzg-online.de), die auch informiert (Tel. 0711-4599810), und das Internet-portal www.glutenfrei-supermarkt.de
● Laktose: Auch Lebensmittel mit Laktose müssen gekennzeichnet sein. „Wichtig ist bei Kindern, auf eine calciumreiche Ernährung zu achten, wenn man Milchprodukte meidet“, sagt Bianca Isenbort-Mäder. Zum Beispiel mit laktosefreier Milch, Mineralwässern und Gemüsesorten wie Brokkoli und Porree. Übrigens: Auch Tabletten können Laktose enthalten!
● Fruktose: Fruchtzucker muss nicht auf Lebensmitteln deklariert werden. Folgen-de Zutaten sind gut verträglich: die Zuckerarten Maltose/Malzzucker, Maltodextrin, Traubenzucker (Glukose, Dextrose) sowie die Süßstoffe Cyclamat (E952), Aspartam (E951), Saccharin (E954).
● Sorbit: Der Zuckeraustauschstoff mit der E-Nummer 420 ist in den Zutatenlisten der Lebensmittel aufgeführt.

Was ist bei einer Allergie zu beachten?


Manchmal entpuppt sich auch eine Lebensmittel-Unverträglichkeit als Allergie. Worauf sie hier achten müssen Bei einer Allergie spielt die Immunabwehr verrückt: „Der Körper wehrt sich mit Antikörpern gegen nicht-körpereigene Eiweiße“, erklärt Kinder- und Jugendarzt Prof. Hans-Jürgen Nentwich aus Zwickau.

Häufig verzehrte Lebensmittel führen auch besonders häufig zu Allergien. Am häufigsten sind laut Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte Allergien gegen die Eiweiße in Kuhmilch oder Hühnerei, danach gegen die in Weizen, Soja, Nüssen und Fisch.

Um festzustellen, ob das Kind eine Nahrungsmittelallergie hat, muss man auf die Symptome achten. „Kinder haben oft einen Ausschlag“, erklärt Hans-Jürgen Nentwich. Über Tests wie etwa einen Haut- oder Bluttest kann ein Allergologe Genaueres feststellen.Effektivster Check: Bei einem bestimmten Verdacht das Lebensmittel weglassen.

Eine Allergie kann entweder schlimmer werden, die Symptome wechseln, sich z.B. von der Haut auf die Schleimhäute verlagern, oder bis zur Pubertät von selbst verschwinden. Hier hilft z.B. eine Desensibilisierung. Vorbeugend wirken kann eine lange Stillzeit ohne Beikost.

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