Wie Sie dem Kind Empathie vermitteln


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Wie Sie dem Kind Empathie vermitteln

Das Wichtigste, was Eltern für die Entwicklung von prosozialem Verhalten tun können, ist etwas, was für die allermeisten ohnehin völlig selbstverständlich ist: ein warmherziger, liebevoller und unterstützender Umgang mit ihrem Kind. Nur so entsteht die sichere Bindung zu den Eltern, die ein Kind braucht, um selbst gelingende Beziehungen zu anderen Menschen aufbauen und gestalten zu können. Aus der Sicht der Entwicklungspsychologie können Eltern Mitgefühl und Einfühlungsvermögen noch zusätzlich fördern. Das hilft ihnen dabei: Positives Modellverhalten: Kinder lernen weniger durch Belehrung und Worte, sondern vielmehr durch Erfahrung, Vorbild und Imitation. Sie merken: Papa nimmt mich in den Arm und tröstet mich, wenn mein Legoturm kaputtgegangen ist. Sie beobachten: Was macht Mama, wenn meine Schwester traurig ist und weint. „Wenn die Eltern in solchen Situationen Mitgefühl und Hilfsbereitschaft vorleben und dabei auf die Gefühle der betroffenen Person eingehen, anstatt negative Gefühle wie Angst oder Traurigkeit schnell abzutun oder gar zu ignorieren, ist das für ein Kind ein günstiges Lernmodell“, sagt Silvia Wiedebusch. Entwicklungspsychologen kommen zu dem Schluss: Bedeutsamer als alle bewusste Erziehung ist, wie Kinder ihre Eltern im Alltag erleben. „Wie Eltern für sich und andere sorgen, sich durchsetzen oder zurücknehmen - all dies wird vom Kind als Beispiel dafür genommen, wie es sein eigenes Leben und Verhalten gestalten kann“, so die Augsburger Psychologin Sylvia Huber.
Induktiver Erziehungsstil: Das bedeutet, dass Eltern ihren Kindern immer wieder die Konsequenzen ihrer Verhaltensweisen für andere Personen verdeutlichen und sie anregen, sich in andere hineinzuversetzen. Je nach Alter des Kindes sieht das unterschiedlich aus. Bei einem kleineren Kind beginnt es mit dem Hinweis: „Wenn du deinen kleinen Bruder weiter schubst, wird er hinfallen.“ Bei einem schon etwas größeren Kind könnte sich das so anhören: „Was würdest du empfinden, wenn dein bester Freund dir dein Lieblingsspielzeug weggenommen hätte?“ Oder: „Wie würdest du dich denn fühlen, wenn du traurig wärst und die anderen Kinder dich einfach nicht beachten würden?“
Diese Erziehungspraktik scheint nach aller Erkenntnis langfristig weit mehr Wirkung zu zeigen als alles Strafen und Schimpfen. Und sie trägt auch stärker dazu bei, dass Werte wie Rücksichtnahme, Mitgefühl oder auch Höflichkeit von Kindern verinnerlicht werden - und nicht nur durch Druck erzeugt. Wie erfolgreich Eltern damit sind, hängt aber auch von ihrer eigenen Einfühlsamkeit ab. Gelingt es ihnen, solche Fragen und Hinweise dem Alter und der Situation angemessen „rüberzubringen“, ist ihr Tun wahrscheinlich sehr wirksam. Wer aber einem Dreijährigen während eines Sandkastenstreits schon komplizierte moralische Sachverhalte erklären will - nun, man ahnt, es klappt nicht.
Viel vorlesen: Mitfiebern, sich gruseln, mitlachen und mitweinen! Kinder, die Bücher vorgelesen bekommen, fühlen sich dabei automatisch in das Denken und die Gefühle anderer Menschen ein und hinterfragen deren Tun. Die wunderbaren Geschichten von Astrid Lindgren etwa bieten neben erstklassiger Unterhaltung viele Ansatzpunkte, um über die Wertmaßstäbe und Bedürfnisse anderer nachzudenken und darüber zu sprechen. Und: Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen Sprachkompetenz und Empathie. „In einer Vielzahl von Studien konnten positive Bezüge zwischen sprachlichen Fähigkeiten und emotionalen Fertigkeiten nachgewiesen werden“, sagt die Entwicklungspsychologin Silvia Wiedebusch.
Lob und Anerkennung: Ohne geht es einfach nicht: Wenn Ihr Kind beispielsweise andere tröstet, unterstützt oder sich vielleicht besondere Gedanken über ein Geschenk macht, sollten Sie ihm immer Ihre Freude und Anerkennung darüber zeigen und so sein Verhalten positiv verstärken.