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Terrible Two oder wie aus dem Baby ein "Wutzwerg" wird

Trotzphase

Terrible Two oder wie aus dem Baby ein "Wutzwerg" wird

Terrible Two, welcome! Gerade noch war Jakob das süßeste Kleinkind überhaupt und dann schnitt Mama ihm das Brötchen "falsch" auf. Jakob ist nicht wieder zu erkennen: Er schreit und tobt. Keiner weiß, was los ist, alle schauen sich ratlos an.

Terrible Two: Wann beginnt der Spuck und wie lange hält er an?

Ja, die Szene oben ist nicht etwa aus einem schlechten Film geklaut, sondern passiert Wochenende für Wochenende in tausenden Familien. Wir Eltern raufen uns die Haare und fragen uns, ob es jetzt nur an dem Brötchen liegt, dass es zu solchen Gefühlsausbrüchen kommt.

Die Trotz- oder auch Anatomiephase beginnt um den zweiten Geburtstag rum und hält unterschiedlich lang an. Aber das Gute ist: Es ist nur ne Phase und wir haben auch ganz sicher nichts in den ersten zwei Jahren falsch gemacht.

Was passiert in der Phase der Terrible Two?

So schwer es manchmal fällt, den Wutzwerg ernst zu nehmen, ist das tatsächlich das oberste Gebot. Die Kleinen begreifen um den zweiten Geburtstag rum, dass sie eine eigenständige Person sind, mit eigenen Gefühlen, Wünschen und Vorstellungen.

Das ist also der erste Schritt, Autonomie zu erlangen, sich von den Eltern loszusagen. Keine Sorge, ausziehen wollen sie noch nicht. Wobei wir uns das wahrscheinlich während eines Gefühlsausbruchs wünschen.

Das Gehirn unserer Kinder programmiert sich also in dieser Zeit um, die Kinder sind teilweise ihren Gefühlen ausgeliefert. Klingt fast ein bisschen nach Pubertät oder? Aber gute Nachrichten: Vorher kommt noch die Wackelzahnpubertät. Ihr bleibt also dran.

Die Terrible Two erarbeiten sich also ihre Autonomie und stoßen dabei an Grenzen, an eigene, an naturgegebene und natürlich an die Grenzen des Familienalltags. Und das macht sie einfach wütend.

Bleiben wir mal bei Jakob: Wie wir Großen auch, hatte er eine klare Vorstellung, was er mit seinem Brötchen machen möchte, und warum es so und nicht anders aufgeschnitten werden soll. Er möchte mitreden und eigene Entscheidungen treffen.

Das könnte uns genauso passieren, nur dass wir zwischenzeitlich gelernt haben damit umzugehen und uns eben nicht auf den Boden zu werfen und alles rauszulassen. Wir haben gelernt, unsere Vorstellungen vorher zu kommunizieren oder eben einfach in den sauren Apfel zu beißen und es hinzunehmen. Und genau das hat Jakob noch nicht gelernt.

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Terrible Two: Was tun wir Eltern am Besten?

Die Autonomiephase ist also super wichtig für die Kinder und wir Eltern können auch noch etwas lernen. Denn wir sollten auch manchmal genauso hemmungslos alles rauslassen, aber das ist ein anderes Thema.

Also wie kriegen wir nun unsere Terrible Two in den Griff? Mit ganz viel Verständnis und Liebe und mit Atemübungen für uns Eltern... Auf ein eh schon wütendes Kind einzureden und es zur Ruhe zu bringen, zeigt keine Wirkung. Haben wir eh schon gemerkt.

Also was machen wir am Besten? Es ist eigentlich ganz einfach: Sich daneben setzen, warten, aushalten und immer wieder Körperkontakt anbieten. Das geht übrigens auch im Supermarkt, wenn es auch beim ersten Mal etwas merkwürdig ist. Dieser Papa zeigt es euch. Und wie viel Liebe ist trotz vieler Tränen zu sehen!!

Und wenn der Spuk vorbei ist, dann können wir ruhig noch mal ins Gespräch gehen: Was war da gerade los, welche Gefühle lagen da im Argen, wie hat sich das für uns und für das Kind angefühlt. Was kann beim nächsten Mal helfen? Entwickelt zusammen Strategien, die brauchen die Kinder immer wieder. Schließlich lernen sich jetzt, mit unterschiedlichen Gefühlen umzugehen.

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Terrible Two: Bringen Strafen das Familiengefüge wieder in Ordnung?

Auch wenn uns manchmal danach ist, das ganze einfach mit einer Strafe abzuhaken, ist der Erfolg nur von kurzer Dauer. Denn der nächste Gefühlsausbruch wird kommen. Und wir wissen dank der Forschung mittlerweile auch: Strafen blockieren das Lernzentrum. Sie sind also kontraproduktiv.

Das bedeutet jetzt übrigens nicht, dass ihr eurer Kind walten lassen könnt, wie es will. Trotzdem ist eine klare und konsequente Haltung wichtig. Es gibt den Kleinen Orientierung, die sich gerade dann so sehr brauchen.

Jakob will sich nicht die Schuhe anziehen lassen? Dann werdet zusammen kreativ. Im Winter ohne Schuhe vor die Tür zu gehen, ist keine Option. Wir Eltern tragen die Verantwortung dafür, dass unsere Kinder gesund bleiben. Diese Konsequenz können sie selbst noch nicht einschätzen, auch wenn es natürlich der leichtere Weg wäre, ihn ohne Schuhe ziehen zu lassen.

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Anatomiephase statt Trotzphase

Wie ihr vielleicht gemerkt habt, bin ich Fan des Begriffs "Anatomiephase". Ja, es ist nur ein Wort, aber ich finde es vermittelt eine andere Haltung gegenüber unseren Kindern. Gleiches gilt übrigens für den Begriff "Gefühlsausbruch" statt "Wutanfall".

Wie auch immer wir die Phase nennen, sie ist kräftezehrend und anstrengend, aber so wichtig. Wenn Kinder in dieser Zeit lernen, dass sie immer ernst genommen werden, entwickeln sie ein starkes Selbstbild. Und genau das wünschen wir uns doch für unsere Kinder oder?

Bildquelle: Gettyimages/Bicho_raro

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