Kinderwunschbehandlung: Die Kosten

Die Prozeduren der Reproduktionsmedizin sind aufwendig - und damit auch teuer. Lesen Sie hier, ab wann die Krankenkassen die Kosten übernehmen.


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"Jeder Mann und jede Frau hat ein Menschenrecht auf die Gründung einer Familie", sagt die WHO und definiert Kinderlosigkeit als Krankheit. Die deutschen Krankenkassen sehen das aber anders. Sie argumentieren, man könne ja auch ohne Nachwuchs glücklich leben. Das stimmt wohl. Aber nur, wenn man sich aus freien Stücken dazu entscheidet. Ungewollte Kinderlosigkeit gehört ansonsten zu den stressvollsten Erfahrungen, die ein Mensch machen kann, vergleichbar mit dem Verlust eines Partners, wie amerikanische Studien belegen.

Jedenfalls: Die Prozeduren der Reproduktionsmedizin sind aufwendig - und damit auch teuer. Für die In-vitro-Fertilisation (IVF) verlangen Kinderwunschzentren im Schnitt 3.000 Euro – pro Zyklus. Eine Intrazytoplasmatischer Spermieninjektion (ICSI) ist mit rund 3.600 Euro sogar noch teurer. Hinzu kommen die Kosten für die Hormonbehandlung der Frau und allgemeine Arzt- und Beratungskosten. Die meisten Paare brauchen etwa drei Versuche, bis eine künstliche Befruchtung erfolgreich ist. Ist „nur“ eine Insemination notwendig belaufen sich die Kosten pro Behandlung auf 200 €. Allerdings nehmen die meisten Frauen vorab ebenfalls Hormone ein. Addiert man die Kosten der Hormonbehandlung, sind das pro Insemination-Versuch ebenfalls knapp 1.000 €. Eine Kinderwunschbehandlung bedeutet für Paare also eine immense finanzielle Belastung.


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Wunschkind aus dem Reagenzglas? Diese Methode der künstlichen Befruchtung gilt als das bekannteste Verfahren der Reproduktionsmedizin.



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Die ICSI ist eine Form der künstlichen Befruchtung. Sie kann Paaren trotz Unfruchtbarkeit beim Mann zu leiblichen Kindern verhelfen. So funktioniert sie.


Kostenübernahme für die künstliche Befruchtung


Die gute Nachricht: die Kosten für die Kinderwunschbehandlung tragen die Paare nicht alleine. So werden zum Beispiel die Untersuchungskosten zur Feststellung der Unfruchtbarkeit von den Krankenkassen komplett übernommen. Das gleiche gilt für erste Beratungsgespräche in einer Kinderwunschklinik. Auch an den Kosten einer anschließenden Kinderwunschbehandlung beteiligen sich die Kassen. Eine Hormontherapie der Frau, die nicht auf einen Insemination oder einen künstliche Befruchtung abzielt, wird zu 100% erstattet. Bei allen weiteren Methoden der Kinderwunschbehandlung beteiligen sich die Kassen in der Regel mit 50 Prozent – allerdings mit Einschränkungen.

Die Hälfte der Kosten wird erstattet für:

• max. 3 künstliche Befruchtungen - egal ob IVF oder ICSI
• max. 3 Inseminationen mit begleitender Hormontherapie der Frau
• max. 8 Inseminationen, wenn keine hormonelle Stimulation der Eierstöcke stattfindet

Doch damit sich die Krankenkassen an den Kosten für eine künstliche Befruchtung beteiligen, müssen Paare einige strenge Kriterien erfüllen:

• Das Paar muss verheiratet sein
• Die Frau muss zwischen 25 und 40 Jahre alt sein, der Mann zwischen 25 und 50 Jahre
• Das Paar muss einen detaillierten Behandlungsplan bei der Kasse einreichen (ärztliche Diagnose, geplante Fruchtbarkeitsbehandlung, Dauer und Kosten)


Was zahlen private Krankenkassen?
Für privat versicherte Paare sind diese Kriterien etwas gelockert. So müssen sie nicht verheiratet sein, um einen Teil der Behandlungskosten bzw. alle Behandlungskosten erstattet zu bekommen. Auch übernehmen die Versicherer in der Regel mehr als drei IVF- oder ICSI-Zyklen, zumindest solange ausreichende Erfolgsaussichten bestehen.

Eine künstliche Befruchtung mit Spendersamen wird weder von privaten noch von gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Das Paar muss in diesem Fall die Kosten selbst tragen. Allerdings sollten Sie in diesem Fall dennoch bei der Krankenkassen anfragen, ob zumindest die Kosten für die Voruntersuchungen bzw. die Beratungskostet erstattet werden können.

Bund fördert unverheiratete Paare

Seit 2012 können Paare zudem bei der Bundesinitiative "Hilfe und Unterstützung bei ungewollter Kinderlosigkeit" finanzielle Hilfe für Kinderwunschbehandlungen beantragen. Zwingende Voraussetzung dafür war lange ein Trauschein. Seit Anfang 2016 gilt diese Regelung nicht mehr. Ab sofort erhalten auch unverheiratete Paare (alledings nur heterosexuelle Paare) finanzielle Unterstützung vom Bund. Welche Voraussetzungen Paare dafür erfüllen müssen und welche Kosten erstattet werden, lesen Sie im Deatil in diesem Artikel:

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