PCOS: Wie kann man das PCO-Syndrom behandeln?

Zu häufig unerkannt

PCOS: Wie kann man das PCO-Syndrom behandeln?

Die Stoffwechselerkrankung einer der Hauptgründe für Unfruchtbarkeit bei Frauen. Warum sie dennoch häufig unerkannt bleibt, was du über PCOS wissen musst und wie es behandelt werden kann.

Die Symptome vom PCO-Syndrom können im Alltag stark belasten.

Was ist PCOS?

Auch als polyzyklisches Ovarial-Syndrom bekannt, ist PCOS eine Erkrankung, die geschätzt 10 bis 25 % der Frauen betrifft und einer der häufigsten Gründe für Unfruchtbarkeit ist. Sehr eindeutige Symptome können zu einer frühen Diagnose im Teenageralter führen, denn die Erkrankung ist neben unregelmäßigen oder ausbleibenden Perioden für eine hohe Produktion des Hormons Testosteron verantwortlich, die auch Hyperandrogenismus genannt wird. Auch wenn es typischerweise mit Beginn der Pubertät auftritt, kann das Syndrom sehr mild verlaufen, sodass viele Frauen es erst bemerken, wenn sie anfangen ihre Periode zu tracken oder sich ein Kind wünschen. Denn obwohl das PCO-Syndrom bereits in den 70er Jahren entdeckt und seitdem erforscht wurde, gibt es bisher wenige aufschlussreiche Erkenntnisse – und die Aufklärung zu Erkennungsmerkmalen ist erst in den letzten Jahren so richtig vorangeschritten.
Die Ursachen von PCOS sind noch unerforscht, man geht aber davon aus, dass eine Insulinresistenz mitverantwortlich ist: sie tritt bei 70 % der Frauen mit PCOS auf und ist meist mit Übergewicht verbunden.

PCOS-Symptome: Woran erkennt man polyzystische Eierstöcke?

Die Überproduktion des männlichen Geschlechtshormons Testosteron ist dafür verantwortlich, dass sich weibliche Geschlechtsmerkmale nicht oder geringer herausbilden. Eine Konsequenz, die bei den meisten PCO-Erkrankten auftritt, ist die Bildung mehrerer gutartiger Zysten an den Eierstöcken, die aber erst bei einer Ultraschalluntersuchung sichtbar werden. Dabei treten bei geschätzt jeder dritten Frau Bläschen an den Eierstöcken auf, ohne dass PCOS besteht. Weitere Merkmale sind also wichtig für die Diagnose.

  • Akne und fettige Haut
  • Fettige Haare
  • Flaum an Oberlippe und/ oder Gesichtsrändern
  • Starke Schambehaarung, die bis zum Bauchnabel reichen kann
  • Haarausfall und “Geheimratsecken” an den Schläfen
  • Unregelmäßiger Zyklus oder ausbleibende Periode
  • Hoher Blutzuckerspiegel
  • Übergewicht oder Untergewicht

Auffällige Anzeichen für PCOS

Die unregelmäßige Zyklen haben häufig ein Ausbleiben des Eisprungs zur Folge, sodass über 70 Prozent der Frauen mit PCOS von Unfruchtbarkeit betroffen sind. Häufig treten bei PCOS Folgeerkrankungen auf, denn die Stoffwechselstörung ist mit dem Herz-Kreislaufsystem und dem Energiestoffwechsel verbunden. Frauen mit PCOS haben daher ein erhöhtes Risiko für folgende Erkrankungen:

  • Bluthochdruck
  • Hoher Cholesterinspiegel
  • Herzkrankheiten
  • Typ-2-Diabetes
  • Endometriose
  • Fettleber (Folgeerkrankungen Hepatitis und Leberzirrhose)
  • Schlafstörungen

Was genau passiert beim PCO-Syndrom ?

  • PCO-Betroffene haben meist einen erhöhten Androgenspiegel im Blut, der sich u.a. negativ auf die Eizellreifung auswirkt: Die Eibläschen wachsen nur bis zu einer bestimmten Größe heran und platzen nicht, um das Ei zum Eisprung freizugeben. Diese unreifen Eibläschen reihen sich ringförmig als kleine „Zysten“ an der Außenseite im Eierstock an. Im Ultraschall sind sie dann als viele kleine schwarze Punkte sichtbar und geben dem PCO-Syndrom seinen Namen: Vielzystischer Eierstock. Je mehr Zysten es im Eierstock werden, desto weniger Platz bleibt für die vollständige Reifung neuer Eibläschen.
  • Das Übermaß an Androgenen wird im Fettgewebe zu Östrogenen umgewandelt. Daraus resultiert ein hoher Östrogenspiegel. Ein hoher Östrogenspiegel signalisiert im Zyklus, dass ein Ei reif ist und der Eisprung einsetzen kann. Dann wird das eisprungauslösende Hormon (LH) ausgeschüttet. Dies geschieht beim PCO-Syndrom mehrmals pro Zyklus, sodass die Eizellreifung nicht fortschreiten kann. Gleichzeitig wird die Androgenproduktion im Eierstock weiter angekurbelt.
  • Bei den meisten Betroffenen liegt eine Insulinresistenz vor, d.h. ihre Zellen sprechen schlechter auf Insulin an. Es sind höhere Insulinspiegel nötig, damit der Blutzuckerwert stabil bleibt, sodass eine Insulinüberproduktion entsteht, die in direkter Wechselwirkung mit der Androgenproduktion steht. Das heißt, ein hoher Insulinspiegel sorgt für einen hohen Androgenspiegel, der wiederrum die Insulinproduktion anregt. Gleichzeitig wird so die Bildung neuer Fettzellen angeregt, die sich weiter an der Hormon-Überproduktion beteiligen.

PCOS wie feststellen?

Oft wird PCOS bei jungen Frauen erkannt, wenn nach der Pubertät keine Periode einsetzt und sich starker Haarwuchs bemerkbar macht. Je eher PCOS festgestellt werden kann, desto besser. Langfristig kann die Krankheit immer mehr auf den Hormonhaushalt und das Aussehen eingreifen und eine irreversible Unfruchtbarkeit bedeuten. Ärzte können anhand der typischen Symptome auf PCOS schließen und dies mit einer Ultraschalluntersuchung der Eierstöcke bestätigen.

PCOS was hilft?

PCOS ist leider nicht heilbar, aber gut behandelbar. Je nachdem, welche Symptome auftreten, können diese mit einer Ernährungsumstellung, Sport und Medikamenten abgeschwächt werden. Ein gesunder Lebensstil ist sehr wichtig, denn er kann Folgeerkrankungen des Herz-Kreislaufsystems verhindern, die bei fortgeschrittenem PCOS häufiger auftreten.

PCOS: Welche Medikamente helfen?

Um den Insulinspiegel zu regulieren wird neben Sport und gesunder Ernährung meist das Diabetes-Medikament Metformin verschrieben. Östrogenhaltige Antibaby-Pillen wirken dem hohen Testosteronspiegel entgegen und können bei fettiger Haut und Akne und Haarwuchs helfen. Dies ist aber nur sinnvoll, wenn bei PCOS kein Kinderwunsch besteht.

Kinderwunsch bei PCOS: Wie werde ich schwanger?

Bei Kinderwunsch und PCOS kann Clomifen, ein Mittel, dass den Eisprung unterstützen oder auslösen kann, helfen. Wichtig ist auch eine Stressreduktion, die sich sehr positiv auf den Hormonhaushalt auswirken kann, etwa mithilfe von Akupunktur, Meditation oder Yoga. Bei aktivem Kinderwunsch kann es hilfreich sein mit einem Zykluskalender und Ovulationstests deine fruchtbaren Tage zu ermitteln. So kannst du sicher sein, dass es mit dem Eisprung geklappt hat und erhöhst die Chancen auf eine Befruchtung, denn nicht selten berichten Frauen (PCOS oder nicht) von frühen oder späten Eisprüngen, die von der Norm (Zyklustag 11 bis 21) abweichen.

PCOS: Was essen?

Eine gesunde Ernährung ist bei Kinderwunsch immer wichtig, aber besonders bei PCO sinnvoll, da die meisten Medikamente für PCOS hier nicht in Frage kommen. Für einen stabilen Hormonhaushalt benötigt der Körper gesunde Fette und B-Vitamine. Deshalb hat sich eine Ernährung mit Omega-3-reichem kaltgepressten Leinöl, Nüssen und Samen sowie Vitamin-B-reichen Lebensmitteln wie dunklem Blattgemüse, Pilzen und Avocado bewährt.

PCOS und alternative Heilmethoden

Die Behandlung psychischer Auswirkungen von PCOS steht gleichzeitig im Zusammenhang mit der Verminderung der Symptome, denn Stress und Angstzustände können sich negativ auf den Hormonhaushalt und Stoffwechsel auswirken. Viele Patienten finden Hilfe bei Heilpraktikern, die z. B. auf Akupunktur und Pflanzenheilkunde setzen.

Auch wenn PCOS nicht heilbar ist, lassen sich viele Symptome gut abmildern, sodass viele Frauen mit der Erkrankung gut umgehen können – besonders, wenn sie das Gefühl haben, die Kontrolle über ihren Körper zurückzuerlangen. Sport, gesunde Ernährung und medizinische Begleitung ist die Kombination, die sich im Umgang mit PCOS bisher am besten bewährt hat.

Quellen:
Berufsverband der Frauenärzte e. V.
MSD Manual
Kinderwunschzentrum

Bildquelle:

Getty Images

Galerien

Lies auch

Teste dich