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Was die Pubertät bei Mädchen macht und wie ihr trotzdem gelassen bleibt

Mädchen in der Pubertät
© Gettyimages/Antonio_Diaz

Zwischen dem achten und dreizehnten Lebensjahr geht's los mit der Pubertät, bei Mädchen ein bisschen früher als bei Jungen. Viele Eltern erkennen ihr Kind dann ganz plötzlich nicht mehr wieder. Wie ihr damit umgehen könnt, wenn aus dem fröhlichen Sonnenschein, der eben noch mit Lego gespielt hat, plötzlich ein launischer Teenager wird, der dauerhaft die Augen rollt.

War das Familienleben bislang noch voller guter Laune und fröhlicher Ausflüge, so kann von heute auf morgen plötzlich alles zu Ende sein: Mit der Pubertät beginnt die Phase, in der sich eben alles verändert. Eure Tochter entwickelt neue Interessen, testet Grenzen aus und ist auf der Suche nach der eigenen Identität.

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Freund*innen sind auf einmal die wichtigsten Bezugspersonen, das Aussehen gewinnt immer mehr an Bedeutung und das meiste ist sowieso einfach nur peinlich. Vor allem ihr. Das löst bei vielen Eltern Ratlosigkeit und Sorge aus. Was passiert mit unserem Mädchen? Und wie gehen wir am besten damit um?

7 Tipps für Eltern, wenn die Tochter in die Pubertät kommt

Pubertät: Was passiert und wie Eltern es überleben Abonniere uns
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#1 Bleibt gelassen: Es ist nur eine Phase, die vorbeigeht

Das klingt im ersten Moment vielleicht wie ein ziemlich schwacher Trost, aber versucht, die Pubertät einigermaßen entspannt zu sehen. Auch wenn die plötzliche Ablehnung durch eure Tochter erst einmal wehtut, letztlich ist und bleibt die Pubertät eine Phase, die wir alle durchmachen mussten und die auch wieder endet.

#2 Die Pubertät normalisieren

Die Pubertät ist die Zeit des Ausprobierens und der Suche nach der eigenen Identität. Dabei durchläuft eure Tochter viele Höhen und Tiefen. Macht euch trotz aller Tiefen bewusst, wie normal (!) diese Achterbahnfahrt ist und es bei euch damals vermutlich auch nicht so anders lief. Auch wenn es lange her ist... Bis ihr zu den Personen wurdet, die ihr heute seid, war es ein langer Weg. Euren Platz in der Welt musstet ihr euch hart erarbeiten und viele Konflikte austragen.

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Kommuniziert offen in der Familie und verwendet auch das Wort Pubertät dabei. Auch wenn das für eure Tochter wieder peinlich ist, für sie ist es wichtig zu wissen, dass diese Phase völlig normal ist und jede*r sie durchläuft.

#3 Bloß nicht klammern

Es ist wichtig, dass ihr nicht klammert und mit Verboten um euch schmeißt: Gebt eurer Tochter zwar Grenzen mit, aber auch viel Raum, um sich zu entfalten. Klammern kann dazu führen, dass sie sich noch eher von euch abwendet oder starke Ängste entwickelt. Natürlich hängt euer Herz an der engen Eltern-Kind-Beziehung aus den ersten Kindheitsjahren. Die bleibt auch während der Pubertät bestehen, nur entwickelt sie eine neue Dynamik, die nicht schlechter sein muss. Entwicklung könnt ihr so oder so nicht aufhalten.

#4 Seid der Fels in der Brandung

Auch wenn eure Tochter über Probleme jetzt vielleicht lieber mit der besten Freundin redet, seid ihr nach wie vor der Fels in der Brandung, ihr gebt Orientierung und Kontinuität. Vor allem dann, wenn ihr eure Tochter wie eine Jugendliche behandelt und nicht mehr wie ein Kind. Gebt ihr Rückendeckung und Bestätigung, damit sie weiß, dass sie in schwierigen Situationen immer eure Unterstützung und bedingungslose Liebe hat.

#5 Lebt Offenheit und Toleranz vor

Vor allem wenn eure Tochter merkt, dass sie sich in gesellschaftlich vorgegebenen Frauenrollen nicht wiederfindet, solltet ihr für sie da sein. Macht ihr deutlich, dass jeder Mensch sein darf, wie er möchte und niemand sich in Rollen pressen muss, in die er nicht reinpasst. Zeigt ihr Vorbilder, die nicht den typischen Geschlechterklischees entsprechen.

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#6 Seid stolz auf eure Tochter

Die Pubertät kann so nervenraubend sein, dass ihr das Gefühl haben werdet, diese Phase nimmt niemals ein Ende. Aber wenn mit Ende der Teenagerzeit aus dem kleinen Mädchen eine starke, selbstbewusste Frau geworden ist, werdet ihr die wilde Zeit auch (in Teilen) schnell wieder vergessen und stolz darauf sein, wie ihr sie gemeinsam gemeistert habt. Und vor allem stolz auf eure Tochter sein (,was auch mal laut gesagt werden darf!).

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#7 Lest Ratgeber

Diese Phase, durch die ihr da gerade durch müsst, die haben schon viele andere Eltern durch- und überlebt. Es schadet also nicht, sich von diesen Eltern beratschlagen zu lassen und ein paar Ratgeber mit weiteren hilfreichen Tipps zu lesen. Wir empfehlen euch:

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Und in der Galerie findet ihr richtig gute Aufklärungsbücher, die ihr eurem Teenie ruhig unauffällig aufs Nachtschränkchen legen dürft (was natürlich kein offenes Gespräch über Aufklärung ersetzt, aber vielleicht wagen sie ja einen Blick):

Aufklärungsbücher für Kinder und Jugendliche: 17 Bücher über Liebe, Sex & Pubertät

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Das passiert mit dem Körper während der Pubertät bei Mädchen

Die Veränderungen von Mädchen in der Pubertät spielen sich auf verschiedenen Ebenen ab, vor allem der Körper verändert sich sehr: Schon ab dem neunten Lebensjahr kann es so weit sein. Durch die Hormone Östrogen und Gestagen, die in den Eierstöcken produziert werden, verändert sich so einiges und das hat Auswirkungen:

Wachstum und Veränderung der Körperform

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Mädchen machen in der Pubertät einen Wachstumsschub, der teilweise schmerzhaft sein kann. Manchmal macht er sich durch ein Ziehen im Schienbein bemerkbar. Doch Mädchen wachsen nicht nur in die Länge, der eben noch kindliche Körper bekommt weibliche Rundungen. Die früher knochigen Hüften werden breiter und runden sich und die Brust beginnt zu wachsen.

Körperbehaarung

Unter den Achseln, an den Beinen und im Intimbereich wachsen erste Haare und der Schweiß beginnt zu riechen.

Entwicklung der Geschlechtsorgane

Die Vagina wächst und die Form der Gebärmutter verändert sich. Dazu kommt die erste Periode, meist setzt sie zwischen 11 und 14 Jahren ein. Besonders die ersten Blutungen können ganz schön unangenehm sein: Der Zyklus ist unregelmäßig und muss sich erst mal einpendeln, die gefühlt riesige Menge an Blut macht Angst und das Ziehen im Unterleib ist ein neuer, bisher unbekannter Schmerz. Außerdem können Stimmungsschwankungen auftreten.

Gehirn

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Man sagt, die Pubertät beginnt im Kopf und dort verändert sich während der Pubertät tatsächlich ziemlich viel: Zellen und Verbindungen ändern und erneuern sich, kognitive Fähigkeiten prägen sich aus und das abstrakte Denken verbessert sich. Das kann manchmal zu Verwirrung führen. Auch die Steuerung des Schlafrhythmus wird im Gehirn verändert. Deshalb geht deine Tochter oft gerne spät schlafen und kommt dafür morgens kaum aus dem Bett. Schlaf ist ungemein wichtig für die Entwicklung des Gehirns, deshalb müssen Teenager viel Schlaf bekommen.

Pubertät bei Mädchen: Das Chaos der Gefühle

Neben den inneren und äußeren körperlichen Veränderungen spielt sich auch im Seelenleben eurer Tochter mit Beginn der Pubertät so einiges ab. Auch hier sind Hormone dafür verantwortlich, dass sich die Psyche des Teenagers verändert – in vielen verschiedenen Punkten:

Beziehungen

Im Jugendalter möchten sich Kinder oft von ihrer Familie abgrenzen, um eigenständig zu sein und sich selbst zu finden. Freund*innen und erste Liebesbeziehungen sind jetzt die wichtigsten Sozialkontakte. Die Beziehungen zu Freunden spielen sich auf einem neuen Level ab: Im Gegensatz zu Kindern setzen sich Jugendliche mit Wertvorstellungen auseinander und haben Erwartungen an anderen Menschen. Das eigene Verhalten und das der anderen wird auf einmal reflektiert. Deshalb enden in der Pubertät viele Freundschaften, neue werden geknüpft.

Individualisierung

Früher wart ihr die großen Held*innen, jetzt ist auf einmal alles, was ihr macht, superpeinlich. Zumindest offiziell. Jugendliche möchten in der Pubertät zum Ausdruck bringen, dass sie eigene Wesen sind und nicht einfach die Nachkommen ihrer Eltern. Keine Sorge – das legt sich am Ende der Pubertät meist wieder. Sich selbst in einer Welt der nahezu unendlichen Möglichkeiten zu finden, ist die wohl schwierigste Aufgabe, die auch oft noch über die Pubertätsjahre hinausgeht.

Selbstreflexion

Früher hat eure Tochter noch ganz befreit und unbekümmert gespielt, geredet, gelacht. Damit ist jetzt erstmal Schluss: Durch Veränderungen im Gehirn, ändert sich auch das Denken. Reflexion setzt ein – das eigene Verhalten und das der anderen wird jetzt gründlich überdacht und bewertet. Klingt erstmal gut, kann aber Probleme mit sich führen. Eure Tochter denkt jetzt viel darüber nach, wie andere Menschen auf sie wirken und geht davon aus, dass auch andere ihr Verhalten und ihr Äußeres ständig überdenken und bewerten. Durch das Gefühl, dauerhaft beurteilt zu werden, entsteht ein ungemeiner Druck.

Zickenalarm: Ein Geschlechterklischee?

Dass Mädchen in der Pubertät vor allem zu dramatisierenden Zicken werden, ist ein weitverbreiteter Glaube. Doch kann man dies wirklich so pauschal sagen oder ist es vielmehr ein alter geschlechterstereotypischer Irrglaube?

Jedes Mädchen ist anders, deshalb wird natürlich auch nicht jedes Mädchen gleich zur aufsässigen Zicke, wenn sie in die Pubertät kommt. Allerdings führen die vielen körperlichen und seelischen Veränderungen zu großem Stress: Alles ist auf einmal anders, die Hormone spielen verrückt und die Gefühle fahren Achterbahn. Deine Tochter plagt eine innerliche Zerrissenheit zwischen schönen, behüteten Kindheitserinnerungen und den großen Verlockungen des Erwachsenenlebens. Kein Wunder, dass das ordentlich aufs Gemüt schlägt!

Dass viele Mädchen diese Emotionen nun stark nach außen zeigen, liegt nicht etwa in der Natur, sondern an unseren alten Geschlechterrollen, die auch heute noch meist unbewusst in die Erziehung von Kindern mit einfließen. Mädchen dürfen schon von klein auf Gefühle zeigen, für Jungs gilt auch heute noch oft: Ein Indianer kennt keinen Schmerz! Schon in den frühesten Kinderjahren werden Jungen dazu angehalten, ihre Gefühle zu kontrollieren und Mädchen dazu ermutigt, sich emotional auszuleben.

Selbst wenn ihr versucht, solche Geschlechterklischees aus eurer Erziehung fernzuhalten, so bekommen Mädchen und Jungs diese verschiedenen Verhaltensweisen überall nahegelegt, in der Kita, in der Schule, in Büchern und im Fernsehen. Deshalb fällt es Mädchen auch in der Pubertät leichter, ihren Emotionen freie Bahn zu lassen. Das kann nervig sein, ist aber für sie ein großer Vorteil: Frust und Verunsicherung stauen sich so nicht an, sondern werden gleich herausgelassen.

Neue Vorbilder in der Pubertät

Wo früher noch Tierposter oder selbstgemalte Bilder hingen, prangen plötzlich halbnackte Sänger*innen, Rapper mit Goldzähnen oder düstere Bilder mit Totenköpfen. Auch wenn ihr sie am liebsten von der Wand reißen und zurück zu den bunten Bastelarbeiten aus der Grundschule kehren möchtet, solltet ihr euch klarmachen, dass euer Kind sich jetzt neue Vorbilder sucht.

Die Werte ihrer jungen Generation werden relevant – und da kann es kaum cool, sexy oder provokant genug sein. Gerade der letzte Punkt ist entscheidend: Mit neuen Sprachritualen, neuen Hobbys, neuer Lieblingsmusik und vielen anderen Dingen möchten Jugendliche provozieren und austesten, wo die Grenzen liegen.

Social Media: Das Diktat der Körperoptimierung

Für viele Mädchen steht während der Pubertät das Aussehen stark im Fokus. Kein Wunder: Durch ihre Vorbilder und vor allem die sozialen Medien bekommen sie ganz stark vermittelt, dass das Aussehen für eine Frau das Wichtigste ist. Auf YouTube, Instagram und TikTok dominieren Photoshop und Fake. Mädchen wird das Gefühl gegeben, dass sie zwar alles erreichen können, aber eben nur mit dem entsprechenden Aussehen. Das kann in Minderwertigkeitsgefühlen und seelischen Problemen mit krankhaften Folgen wie beispielsweise Magersucht oder Depressionen enden.

Hinweis: Wenn ihr oder euer Kind gefährdet ist und ihr nicht weiter wisst, steht euch das Info-Telefon der Deutschen Depressionshilfe zur Verfügung. Ihr erreicht es unter 0800 / 33 44 533. In Notfällen, z. B. bei drängenden und konkreten Suizidgedanken zögert nicht, euch an die nächste psychiatrische Klinik oder den Notarzt unter der Telefonnummer 112.

Manche Mädchen spüren, dass sie in die medial vermittelten Rollen nicht reinpassen und versuchen sich durch betont gegenteiliges Verhalten abzugrenzen: Sie distanzieren sich von anderen Mädchen, um sich selbst und anderen zu zeigen, dass sie die typischen Klischees nicht erfüllen. Sie wollen nicht als “schwach” und “emotional” gelten, was nach wie vor ein weit verbreitetes Mädchenbild ist.

Das bedeutet nicht gleich, dass eure Tochter im falschen Körper steckt – die meisten Mädchen möchten sich zur Frau entwickeln, können nur unseren vorherrschenden Rollenstereotypen nichts abgewinnen. Das kann zeitweise zu einer Identitätskrise führen. Habt unbedingt ein offenes Ohr für die Sorgen eurer Tochter und nehmt ihre Bedenken ernst. Nur so meistert ihr diese Entwicklungsphase gemeinsam.

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