Unfruchtbar? Drei Erfahrungsberichte, die Mut machen können

Du bist nicht allein

Unfruchtbar? Drei Erfahrungsberichte, die Mut machen können

Der Kinderwunsch ist bei euch noch nicht in Erfüllung gegangen? Hier lest ihr Erfahrungsberichte von drei Paaren, denen es lange genauso ging. Wie die Kinderwunsch-Medizin ihnen helfen konnte.

Tanja und Karsten - Mit IVF zum Babyglück

Als Tanja Riems* ihre Tochter zum ersten Mal in den Armen hielt, rollten ihr Tränen der Rührung über die Wange. Über zehn Jahre hatte sie auf dieses Kind gehofft, wurde aber einfach nicht schwanger. „Zum Schluss habe ich selbst kaum noch daran geglaubt, dass ich jemals Mutter werden würde“, erzählt die 44-Jährige heute, während ihre vierjährige Marie im Garten schaukelt. Fast acht Jahre lang waren Tanja und ihr Mann Karsten Patienten in einer Fruchtbarkeitspraxis gewesen, bis es mit dem schwanger werden endlich klappte. Das waren schwere Zeiten, sagen beide. „Aber es hat sich gelohnt. Wir haben Marie, und als Paar kann uns nichts mehr aus der Bahn werfen. Wenn wir das schaffen konnten, schaffen wir alles.“

Familiengründung ist nicht planbar wie ein Autokauf
Tanja und Karsten hatten immer Kinder gewollt. Irgendwann. Zuerst aber war da das Studium, dann die ersten Jobs in verschiedenen Städten. Als sich die beiden bereit fühlten, war Tanja 31. Sie setzte die Pille ab. Es passierte: nichts. „Dabei war ich mir so sicher, dass es ganz schnell geht“, erinnert sich Tanja.
Das glauben viele Frauen, sagt der Berliner Gynäkologe und Psychotherapeut Heribert Kentenich. „Sie achten so darauf, immer zu verhüten, dass sie meinen, sie würden sofort schwanger werden, wenn sie es mal unterlassen.“ Dabei sei es ganz normal, dass es eine Weile dauert bis zur Schwangerschaft. „Familiengründung ist eben nicht so planbar wie zum Beispiel ein Autokauf“, sagt der Mitbegründer und Leiter des Fertility Centers Berlin.
Nach zwei Jahren das erste Mal zum Arzt
Tanja und Karsten Riems haben jedenfalls zwei Jahre gewartet, ehe sie zum Arzt gingen. „Das hätten wir viel eher machen sollen“, sagt Tanja. „Fazit der Diagnose war nämlich, dass es auf natürlichem Weg nie geklappt hätte.“

Das Paar entschied sich, es mit In-vitro-Fertilisation (IVF) zu versuchen. Bei diesem Verfahren werden befruchtete Eizellen in die Gebärmutter der Frau eingesetzt. Das klingt einfach, ist es aber nicht. Tanja jagte sich wochenlang Hormonspritzen in den Oberschenkel. Und das nicht ohne Nebenwirkungen: „Ich fühlte mich wie ein Wassertank. Und wusste nie, ob ich jemanden erwürgen möchte oder einfach nur losheulen.“
Die Eier, die ihre überstimulierten Eierstöcke produzierten, wurden unter Narkose abgesaugt, drei davon im IVF-Verfahren befruchtet und die zwei fittesten in ihre Gebärmutter eingesetzt. „Die 14 Tage danach, in denen ich nur warten konnte, ob es mit dem Schwangerwerden geklappt hat, die waren immer die schlimmsten“, erinnert sich Tanja. „Mein Arzt war super, solange es um die reine Biologie ging, aber von ihm kam nie ein tröstendes oder aufmunterndes Wort, wenn wieder ein Versuch gescheitert war.“
Zwar nicht beim ersten Mal, aber irgendwann klappte es

Trotzdem setzte die heute 43-Jährige sich der Prozedur immer wieder aus, acht Jahre lang, bis endlich ihre Tochter Marie auf die Welt kam. „Wir mussten einige Pausen machen, weil wir das Geld für die Behandlungen zusammenbringen mussten. Vier übernahm damals noch die Krankenkasse. Jeder weitere kostete um die 4.500 Euro." Trotzdem dachten die beiden nie daran, aufzuhören. „Klar haben wir uns gefragt, warum wir uns das antun", sagt Karsten. „Aber was hätten wir sonst tun können?“
Die Wahrscheinlichkeit, nach einer In-vitro-Fertilisation schwanger zu werden, liegt bei weniger als 40 Prozent. Die, ein Kleinkind adoptieren zu dürfen, ist noch schlechter. Auf jedes freigegebene Kind kommen zehn bis 15 Bewerber; die meisten werden von Verwandten angenommen.
*Die Namen aller genannten Personen sind geändert

Zehn Fruchtbarkeits-Mythen: Wie viel Wahrheit steckt drin?

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Falsches Timing: Birgits und Sörens Geschichte

Sex nach Plan verspricht hohe Chancen auf die gewünschte Schwangerschaft - aber nur, wenn das Timing auch stimmt. Lesen Sie dazu Birgits und Sörens Geschichte.

Wenn sich keine Schwangerschaft einstellt, obwohl medizinisch nichts dagegen spräche, haben die Paare oft ein Timing-Problem, sagt der Psychoanalytiker Tewes Wischmann, Leiter der Heidelberger Kinderwunsch-Sprechstunde. „Viele Paare, die sich Kinder wünschen, versuchen, ihr Sexleben genau auf die fruchtbaren Tage der Frau abzustimmen - ohne aber zu wissen, wann genau der beste Zeitpunkt ist um schwanger zu werden. "Bis zu 50 Prozent der Paare lägen daneben, sagt Wischmann. „Wenn es keine medizinischen Gründe gibt, die dagegen sprechen, ist immer noch die klassische Methode nach Martin Luther am sinnvollsten: Zweimal die Woche, dann ist die Chance auf eine Schwangerschaft.“Auch bei Birgit* und Sören Feldmann stimmte das Timing nicht. „Wir hatten schon zwei Jahre lang Sex nach Terminkalender, bis wir endlich begriffen, dass wir in unseren Berechnungen genau falsch lagen“, gesteht Birgit. „Aber auch als wir umgestellt haben, dauerte es immer noch zwei lange Jahre, bis ich endlich schwanger wurde.“ Sex nach Terminkalender kann zur Belastung werden
In Behandlung begeben wollte sich das Paar nicht. „Das wäre richtig teuer gewesen und hätte unsere Chancen auf ein Kind, statistisch gesehen, kaum verbessert“, sagt die 44-Jährige. Als ihr Sohn Frido dann auf die Welt kam, schworen sich die beiden, nie wieder einen Kalender im Schlafzimmer haben zu wollen. „Sex sollte etwas Schönes sein, nicht Mittel zum Zweck, so wie es bei uns während dieser Zeit war“, sagt Sören Feldmann. „Für Nummer zwei versprachen wir uns: Entweder es klappt noch einmal oder halt nicht. Leider klappte es nicht. Trotzdem hat der heute achtjährige Frido vor knapp einem Jahr einen kleinen Bruder bekommen: Dauerpflegekind Matthias, vier Jahre alt. Heute können sich die Feldmanns das Leben ohne ihn gar nicht mehr vorstellen. „Natürlich ist es nicht immer einfach, aber wir überlegen, ob wir nicht noch ein Mädchen dazu nehmen können“, sagt Birgit.
Linktipp:
Auf ➤www.freuden-traene.de teilen Frauen ihre Erfahrungen zur Kinderwunschzeit. Die Zahl der Geschichten wächst stetig - und sie machen Mut. Denn bei vielen Paare dauert es von der Entscheidung zum Kind bis zur Geburt viel länger als nur neun Monate!
*Die Namen aller genannten Personen sind geändert

Zu alt zum schwanger werden? Marissas und Bernds Geschichte

Marissa und Bernd haben sich Zeit gelassen mit dem Kinderkriegen. Zu viel Zeit? Plötzlich hörte Marissa die biologische Uhr ticken. Doch es gab ein Happy End.

Marissa und Bernd: Mit Insemination nachgeholfen

Auch Marissa* und Bernd Ortega hatten es sich einfacher vorgestellt, Eltern zu werden. „Irgendwann klappt's bei Ihnen bestimmt“, hatten die Ärzte gesagt, als das Paar nach zwei Jahren vergeblichen Probierens in eine Kinderwunsch-Praxis kam. Nur für irgendwann seien sie langsam zu alt, hieß es weiter. Da war Marissa 37 und Bernd 40. Marissa fiel in ein Loch. „Ich machte mir Vorwürfe, dass ich so lange gewartet hatte. Bald war ich auf jede schwangere Frau neidisch.“ Und als Bernd anfing zu überlegen, wie ein Leben ohne Kinder aussähe, reagierte sie wütend. „Ich dachte, wenn wir nicht fest genug daran glauben, klappt es nie“, sagt sie. „Dabei hatte er völlig Recht. Der Wunsch, ein Kind zu haben, bestimmte damals unser ganzes Leben. Gesund war das nicht.“

Schwanger werden klappt nicht bei allen Frauen ohne Probleme
Der Weg zum Wunschkind ist mitunter kompliziert. Mehr als 200.000 Paare suchen nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums jedes Jahr Hilfe, damit es endlich klappt mit der Schwangerschaft. Obwohl, statistisch gesehen, nur zwischen sechs und neun Prozent aller Frauen trotz Kinderwunsch nicht schwanger werden, wartet inzwischen jede dritte Frau länger als ein Jahr auf die Wunschschwangerschaft.

Je älter die Frau oder der Mann, desto schwieriger wird es
Das liegt u.a. daran, dass viele Paare erst an die Familiengründung denken, wenn ihr Körper eigentlich schon nicht mehr auf eine Schwangerschaft eingestellt ist. Biologisch gesehen sei es für Frauen am besten, vor dem 25. Lebensjahr Kinder zu bekommen, so Gynäkologe Heribert Kentenich. Je älter die Frau, desto größer die Chance, dass Entzündungen einen Eileiter verkleben lassen oder sich Myome in der Gebärmutter einnisten.Aber das heißt natürlich nicht, dass Frauen jenseits der 25 nicht mehr schwanger werden können. Sondern nur, dass es, rein biologisch gesehen, mit zunehmenden Alter aufgrund der Abnahme der Fruchtbarkeit der Eltern schwieriger wird. Dass auch die Qualität der männlichen Spermien mit der Zeit nicht besser wird, wissen die Wenigsten. Dabei liegt es in weit mehr als einem Drittel aller Fälle am Mann, wenn's nicht klappt. Viele bleiben zwar grundsätzlich zeugungsfähig, aber ab 30 wird die „Trefferquote“ geringer.

Insemination: Mit künstlicher Befruchtung nachgeholfen
Marissa und Bernd half schließlich eine Insemination. Dabei wird der Samen des Partners mit einem Schlauch direkt zur Eizelle in die Gebärmutter gespült. Es hat sechs Behandlungen gebraucht, bis es endlich mit dem schwanger werden klappte. "Es war unser letzter Versuch“, sagt Marissa. Und Luca, der so entstandene Sohn, blieb auch so nicht lange allein. Seine beiden Schwestern Luise und Henriette wurden einfach so gezeugt, ruck, zuck hintereinander. „Es war, als hätte mein Körper endlich kapiert, wie das geht mit dem schwanger werden“, sagt Marissa.
Es gibt viele solche Geschichten, dass es dann plötzlich doch noch auf natürlichem Wege klappt. „Zufall“, sagt Heribert Kentenich. „Solange es Spermien gibt, Eizellen und eine gesunde Gebärmutter, klappt es auch. Die Frage ist nur, wann.“
* Die Namen aller genannten Personen sind geändert

Bildquelle: Getty Images

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