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Clusterfeeding – Wenn das Baby ständig an die Brust möchte

Clusterfeeding – Wenn das Baby ständig an die Brust möchte

Dauernuckeln

Ich erinnere mich zu gut an eine Phase, wenige Wochen nach der Geburt, in der mein Sohn gefühlt durchgehend stillen wollte. Besonders abends saßen wir da: kurzer Trink-Stopp. Schon fertig? Fünf Minuten später wurde wieder gequengelt, an der Hand gelutscht, gesucht. Das Spiel konnte er den ganzen Tag spielen. Was ist da nur los, fragte ich mich. Wird mein Baby nicht satt? Habe ich nicht genug Milch?
Nein, sein Verhalten war für das Alter total normal. Es gibt sogar einen Namen dafür: Clusterfeeding.

Was bedeutet Clusterfeeding?

Genau wie ich, sind viele Mamas besorgt, wenn ihr Baby plötzlich scheinbar viel häufiger an die Brust möchte. Sie machen sich Sorgen, dass ihr Kind nicht gut genug versorgt ist oder dass sie nicht genug Milch produzieren. Meist ist solches sogenanntes Clusterfeeding aber völlig harmlos und nur eine Phase, die auch wieder vorbeigeht.

Der Begriff "Cluster" kommt übrigens aus dem Englischen und bedeutet "Anhäufung", "feeding" bedeutet "füttern". Clusterfeeding beschreibt also genau das, was es ist: Eine Periode, in der ein Baby besonders häufig und viel gestillt werden möchte.

Warum kommt es zu Clusterfeeding?

Die genauen Gründe für Clusterfeeding sind noch nicht endgültig erforscht. Doch es gibt einige plausible Erklärungen für das Verhalten der kleinen Nimmersatts: Der Magen von Babys ist sehr klein. Nach wenigen Schlücken ist er also bereits voll. Muttermilch ist aber leicht verdaulich und wandert rasch vom Magen in den Darm. Der kleine Magen ist also schnell auch wieder leer – vor allem, in den ersten Wochen, in denen das Kleine so viel und so schnell wächst und dafür jede Menge Energie braucht. Um den Energiebedarf zu decken, benötigen Babys in manchen Phasen also einfach ein bisschen mehr Nahrung und verlangen deswegen häufiger nach der Brust. Experten glauben auch, dass Clusterfeeding der natürliche Weg des Babys ist, Mamas Milchproduktion anzuregen.

Außerdem wird der Hunger von Babys anfangs zum Teil von dem Hormon Cholecystikinin (CCK) gesteuert. Ist das Baby an der Brust und saugt, steigt der Wert an und signalisiert dem Körper nach etwa 20 Minuten, dass er satt ist. Nach zehn bis zwanzig Minuten sinkt der Wert allerdings wieder und das Baby hat wieder Hunger und möchte an die Brust. Dieser Ablauf kann sich auch mehrfach wiederholen, bis dein Baby dann letztendlich gesättigt einschläft. Das macht auch durchaus Sinn:

Denn Muttermilch ist, wie gesagt, sehr schnell verdaulich und passiert Magen und Darm in etwa 90 Minuten. Durch das Clusterfeeding versucht der Säugling also, seinen Bauch auf Vorrat zu füllen, um sich auf eine Schlafpause vorzubereiten. Experten glauben, dass das auch der Grund ist, warum Clusterfeeding vor allem abends vorkommt: Die Kleinen schaffen Vorräte für die Nacht, wenn sie schlafen (auch wenn dein Kind wahrscheinlich noch nicht die ganze Nacht durchschlafen wird – so lange halten die Vorräte dann doch noch nicht an).

Clusterfeeding ist also völlig normal und kommt vor allem bei sehr jungen Babys vor. Aber auch ältere Kinder, die gerade einen Wachstums- oder Entwicklungsschub erleben, können dazu neigen.

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Clusterfeeding heißt nicht, dass du zu wenig Milch produzierst

Viele Mamas denken, der Fehler liegt an ihnen, wenn ihr Baby zum Clusterfeeding neigt. Oft schwebt ihnen die Empfehlung im Kopf herum, dass Babys gleichmäßig über den Tag verteilt alle zwei, drei oder gar vier Stunden am Tag gestillt werden sollten. Sie befürchten, zu wenig Milch zu produzieren. Fühlen sich schlecht und schuldig. Aber diese Sorgen sind in der Regel vollkommen unbegründet.

Wenn man sich die Empfehlung von Stillberaterinnen ansieht, sprechen diese von mindestens acht bis zwölf Mahlzeiten von innerhalb 24 Stunden. Das lässt durchaus Spielraum für mehrere Mahlzeiten gleich nacheinander. Was du nicht tun solltest, wenn du stillst: Aus Angst, dass du nicht genug Milch produzierst, mit Flaschenmilch zufüttern. Denn das hat genau den befürchteten Effekt: dein Körper wird nicht dazu angeregt, mehr Milch zu produzieren und du wirst bald schon tatsächlich zu wenig Milch für dein Baby produzieren. Die Situation wird so zur selbsterfüllenden Prophezeiung.

Wenn du dich aber natürlich selbst dazu entscheidest, zuzufüttern, ist das vollkommen in Ordnung und deine Entscheidung – für die du dich auch nicht schuldig fühlen musst. Denn es gibt natürlich durchaus gute Gründe für die sogenannte Zwiemilch. Sprich dazu aber erst mit einer Stillberaterin.

Außerdem wichtig: Versuche nie, die Muttermilch mit Wasser zu strecken, das kann gefährlich für dein Baby werden. Wenn es eine gute Menge voller Windeln produziert und nicht (aus Hunger) zum Schreibaby wird, solltest du dir über Clusterfeeding keine Gedanken machen. Wenn dein Baby dagegen (mehrfach) über eine Stunde an deiner Brust saugt oder an Gewicht verliert, könnte das ein Zeichen dafür sein, dass es tatsächlich nicht genug Milch bekommt. Sprich in solch einem Fall deinen Kinderarzt, deine Hebamme oder Stillberaterin.

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Tipps, wenn es zum Clusterfeeding kommt

Für Mamas kann Clusterfeeding ganz schön anstrengend sein, sowohl physisch als auch psychisch. Unsere Tipps, um dir die Situation etwas zu erleichtern.

  • Clusterfeeding-Tipp 1: Viel trinken! Clusterfeeding kann bedeuten, dass du dich plötzlich viel durstiger fühlst und mehr Flüssigkeit als sonst brauchst. Vergiss also in diesen Perioden das Trinken nicht! Am besten stellst du dir ein großes Glas Wasser zur Seite, wenn du mit dem Stillen beginnst.
  • Clusterfeeding-Tipp 2: Gut essen! Stillen braucht viel Energie – Clusterfeeding noch mehr. Achte also darauf, dass du ausreichend isst. Am besten viele kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt. Und: Iss am besten bevor du mit dem Stillen anfängst. Denn dem Baby beim Trinken zu zuschauen, während der eigene Magen knurrt, macht jede Mama knatschig.
  • Clusterfeeding-Tipp 3: Mach es dir bequem! Wenn du weißt, dass du für die nächste Zeit mit Stillen beschäftigt sein wirst, dann suche dir dafür am besten ein gemütliches Plätzchen – und stelle etwas bereit, mit dem du dich beschäftigen kannst. Denn nein: Es macht dich nicht zu einer schlechten Mutter, wenn du beim Stillen nicht die ganze Zeit dein Baby bewunderst, sondern in einer Zeitung blätterst, einem Hörbuch lauschst oder die neueste Folge von "Black Mirror" schaust.
  • Clusterfeeding-Tipp 4: Fühle dich nicht schuldig! Denn es gibt keinen Grund, sich schuldig zu fühlen.
  • Clusterfeeding-Tipp 5: Frage nach! Wenn du trotzdem Angst hast, dass du nicht genug Milch produzierst und dass dein Kind zu wenig Nahrung bekommt, dann scheue dich nicht, Hebamme, Stillberaterin oder Kinderarzt aufzusuchen.
Still-Quiz: Was weißt du über Muttermilch, die Quelle des Lebens?

Entspannt bleiben!

Mich hat diese Phase anfangs furchtbar genervt. "Ich kann doch nicht den ganzen Tag mit ihm auf dem Sofa sitzen und stillen", hab ich gejammert. "Warum nicht?", meinte meine Schwester? "Was hast du denn gerade anderes zu tun?" Und sie hatte Recht. Ich war in Elternzeit, er war mein erstes Baby, wir hatten alle Zeit der Welt. Also blieben wir auf dem Sofa oder direkt im Bett und machten es uns gemütlich. Ich glaube, ich habe in dieser Zeit pro Tag ein Kilo Schoko-Kekse genascht und war echt froh über die Erfindung des Smartphones. Und so schnell wie die anstrengende Phase gekommen war, war sie auch wieder vorbei. Und zwei Jahre später saß ich da mit meiner Tochter...

Bildquelle: Getty Images / Fly View Productions
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