Ratgeber: Kinderbetreuung durch ein Au-pair

Ein Au-pair ist eine wertvolle Hilfe bei der Kinderbetreuung - und eine Bereicherung für die Familie. Wir zeigen Ihnen, was Au-pair und Gastfamilie beachten müssen und wie Sie den gemeinsamen Alltag spannend und harmonisch gestalten.


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Au-pair und Gastfamilie


© Thinkstock

„Pass auf mit das Messer!“ Iryna zeigt Steffi, sieben Jahre, und ihrem dreijährigen Bruder Jonas, wie man Gemüse schnippelt. „Mit dem Messer“, korrigieren die Geschwister im Chor. Die drei kochen Borschtsch, das ukrainische National- und neue Lieblingsgericht der beiden Kinder. „Die Schäfers sind meine zweite Familie“, sagt das 21-jährige Au-pair aus Kiew und lacht. Und auch Renate Schäfer, Irynas Gastmutter, ist froh, dass sich in der jungen Ukrainerin und ihrer Familie die „Richtigen“ gefunden haben: „Ich kann jetzt wirklich mit gutem Gewissen ins Büro.“

Au-pair: Hilfe für Familien

Sie kommen aus China, Mexiko oder Australien: Wie Iryna nutzen jährlich mindestens 10.000 junge Menschen aus der ganzen Welt die Chance, als Au-pair nach Deutschland zu gehen. Sechs bis zwölf Monate leben sie bei einer Gastfamilie, verbessern ihre Deutschkenntnisse und lernen hautnah die hiesige Kultur kennen. Im Gegenzug helfen sie im Haushalt und bei der Kinderbetreuung. Für viele von ihnen ist es das erste Abenteuer fernab der Heimat und ohne den Schutz der Eltern. Neue Eindrücke, Verantwortung, das Austesten eigener Grenzen: Vorausgesetzt, das Au-pair hat es mit seiner Gastfamilie gut getroffen, liegt sein persönlicher Gewinn auf der Hand. Doch der Begriff „Au-pair“ kommt aus dem Französischen und bedeutet „auf Gegenseitigkeit“. Wie also profitieren die Gastfamilien von ihrem Au-pair?

Ein Au-pair schließt Lücken

Vor allem ermöglicht ein Au-pair den Müttern häufig die Rückkehr in den Job: Nicht jede Familie kann auf die tägliche Unterstützung einer Großmutter hoffen, und außerfamiliäre Betreuungsplätze für kleine Kinder sind rar. „Au-pairs schließen nicht selten die Lücke, die Kindergarten und Schule nicht abdecken können“, sagt Heike Welzel, Pressesprecherin des Au-pair Society e.V., dem Bundesverband der Au-pair Vermittler, Gastfamilien und Au-pairs. Einer der großen Pluspunkte von einem Au-pair ist ihre Flexibilität. Auch wenn sie natürlich nicht rund um die Uhr verfügbar sind: Anders als bei Krippeneinrichtungen oder Tagesmüttern können Stundenpläne unkompliziert abgeändert werden - zum Beispiel wenn ein Kind krank wird. So auch die Erfahrung von Daniela Bergdolt und Katharina Högel, Autorinnen eines  Au-pair Ratgebers: „Wenn Sie ein gutes Verhältnis zu Ihrem Au-pair haben, wird es im Notfall gerne helfend einspringen, auch wenn es den geplanten Disco-Besuch absagen muss.“


  • 1 / 7
    Typische Aufgaben eines Au-Pairs

    Kinder vom Kindergarten oder Schule abholen

  • 2 / 7

    Mit den Kindern spielen

  • 3 / 7

    Bei den Hausaufgaben helfen

  • 4 / 7

    Den Kindern vorlesen

  • 5 / 7

    Kleinere Mahlzeiten zubereiten

  • 6 / 7

    Leichte Hausarbeiten erledigen

  • 7 / 7

    Babysitten an zwei bis drei Abenden in der Woche



Was müssen Gastfamilien beachten?

Neben den sehr persönlichen Kriterien für oder gegen ein Au-pair gibt es auch noch ein paar harte Fakten:
• Ein Kind unter 18 Jahren muss im Haushalt
• Die Familiensprache muss Deutsch sein, damit das Au-pair seine Deutschkenntnisse verbessern kann.
• Das Au-pair darf nicht mit der Gastfamilie verwandt sein.
Wer ein Au-pair bei sich aufnehmen will, muss in der eigenen Wohnung bzw. dem eigenen Haus ein Zimmer von mindestens acht Quadratmetern und mit Tageslicht zur Verfügung stellen.

Die Kosten für ein Au-pair Und was ist mit den Kosten? Ein Au-pair aufnehmen ist kein Privileg von Großverdienern mehr. Trotzdem, so Heike Welzel, „sollte man pro Jahr mit Ausgaben in Höhe von 5.000 bis 7.000 Euro rechnen. Darin enthalten sind das Au-pair-Taschengeld von monatlich 260 Euro, die gesetzlich vorgeschriebenen Versicherungen, die Fahrkarte für den öffentlichen Nahverkehr sowie Kost und Logis.“ Zu diesem Betrag können außerdem noch Vermittlungsgebühren für eine Au-pair Agentur und Visagebühren hinzukommen. Gute Nachricht für Familien: Durch neue Steuerregelungen sind Au-pair Kosten für viele künftig noch besser absetzbar als bisher. Bis zu 4000 Euro pro Kind und Jahr können Gastfamilien dann geltend machen.


Die Gastfamilie muss sich auf das Au-pair gut vorbereiten

Je besser die Auswahl vorbereitet wurde, desto eher werden Gastfamilie und Au-pair miteinander glücklich. Überlegen Sie frühzeitig, welche Aufgaben Sie delegieren wollen.
• Muss dass Au-pair vor allem im Umgang mit Kindern vertraut sein?
• Sollte es kochen können?
• Ist es zuständig für den Einkauf und benötigt deswegen einen Führerschein?

In ihrem „Au-pair Ratgeber für Gastfamilien“ empfiehlt Katja Schneidt: „Wenn Sie kleinere Kinder haben, die gerade sprechen lernen, dann achten Sie bei der Auswahl Ihres Au-pairs auf ausreichende Sprachkenntnisse.“ Auch über das Alter sollten sich Gasteltern Gedanken machen. Die Bewerber sind meist zwischen 18 und 25 Jahren alt. Für die Betreuung von sehr kleinen Kindern sollte man eher älteren - und somit vermutlich umsichtigeren - Kandidaten den Vorzug geben. Zunehmend interessieren sich übrigens auch junge Männer für eine Au-pair Stelle. Warum nicht mal den Jungs eine Chance geben? Gerade für Gastfamilien mit Söhnen oder schon größeren Kindern eine interessante Alternative zum klassischen Au-pair Mädchen.

Aus welchem Land soll das Au-pair kommen Vielleicht die schwerste Entscheidung: Aus welchem Land soll unser Au-pair sein? „Die Anzahl der Bewerber aus den klassischen Au-pair Ländern wie den USA, England, Frankreich nehmen drastisch ab“, beobachtet Heike Welzel. „Die Interessenten kommen jetzt vor allem aus Ländern der ehemaligen UDSSR, Südamerika oder Afrika und auch aus weiter entfernten Ländern wie China oder Thailand. “Wenn das Au-pair zur Einreise nach Deutschland ein Visum benötigt, müssen sich Gastfamilien mindestens drei bis vier Monate vor dem gewünschten Einreisetermin mit einer Agentur in Verbindung setzen. Ein Au-pair aus EU- beziehungsweise EWR-Staaten benötigt kein Visum.

Au-pair Agenturen übernehmen die Formalitäten Keine Angst vor dem Papierkrieg! Eine gute Agentur steht den Gastfamilien bei allen Formalitäten zur Seite. Unzählige Internetseiten ermöglichen zwar ebenfalls den direkten Kontakt zu Bewerbern in der ganzen Welt. Doch immer wieder kommt es auf diesem Weg zum Missbrauch der guten Au-pair Idee. Zum Schutz aller Beteiligten ist es deshalb ratsam, eine Agentur einzuschalten, die einem der großen Dachverbände angeschlossen ist oder das RAL-Gütezeichen trägt. Diese Vermittlungsstellen garantieren, dass die jeweils andere Seite alle wichtigen Bedingungen erfüllt. Ein Service, der Gastfamilien vor bösen Überraschungen bewahrt, so Heike Welzel: „Diese Agenturen kooperieren oft mit Universitäten und Sprachschulen im Ausland. Die Partner vor Ort führen Interviews mit den Bewerbern und treffen eine Vorauswahl. Dort werden auch die Nachweise über praktische Erfahrungen mit Kindern und Deutschkenntnisse überprüft.“ Natürlich ist keine zwischenmenschliche Beziehung zu 100 Prozent planbar: Ist das Au-pair erst mal da, kann sich trotz bestem Willen zeigen, dass die Chemie einfach nicht stimmt. Auch in so einem Fall ist auf der sicheren Seite, wer frühzeitig eine gute Agentur gewählt hat: Sie wird in so einem Fall das Au-pair zügig in eine neue Stelle vermitteln und der Gastfamilie auf Wunsch einen „Ersatz“ suchen.

Au-pair mit Qualitätssiegel

Inzwischen gibt es ein Gütezeichen, das beinhaltet, dass die Agenturen anerkannte Qualitätsstandards einhalten. Das RAL-Gütezeichen „Au pair Outgoing“
Weitere Infos finden Sie hier: www.guetegemeinschaft-aupair.de




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