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Tagesmutter werden: Aus Liebe zu Kindern

Kinderbetreuung

Tagesmutter werden: Aus Liebe zu Kindern

Tagesmutter: Ein Job mit großer Verantwortung, aber auch jeder Menge Spaß! Wenn ihr Kinder liebt und nach einer (neuen) beruflichen Herausforderung sucht, ist die Arbeit als Tagesmutter vielleicht ideal für euch. 

Tagesmutter: Was ist das überhaupt?

Eine Tagesmutter bietet in ihren eignen vier Wänden Kinderbetreuung an. Meist kommen hier mehrere Kinder (ggf. auch die eigenen) zusammen und verbringen gemeinsam den Tag. Neben Tagesmüttern gibt es natürlich auch Tagesväter.

Eine Tagesmutter betreut die Kinder, bietet ihnen einen strukturierten Tagesablauf, kocht und isst mit ihnen und fördert sie durch ein angemessenes Spielangebot. Das Angebot ist als Alternative zur Kita oder dem Kindergarten zu sehen. Spätestens durch das Tagesbetreuungsgesetz von 2004 ist diese Form der Kinderbetreuung auch rechtlich mit anderen Formen der Kinderbetreuung gleichzusetzen. Das bedeutet aber auch, dass eine Tagesmutter gewisse Qualifikationen vorweisen muss.

Wie kann ich Tagesmutter werden?

Bevor die Entscheidung, Tagesmutter zu werden, steht, solltet ihr euch folgende Fragen stellen:

  • Sind meine Räumlichkeiten geeignet, um ein oder mehrere Kinder zu betreuen? (Dazu später mehr)
  • Unterstützt mich mein Umfeld?
  • Wie viele Kinder kann ich betreuen?
  • Wie viele Wochenstunden kann ich eine Betreuung anbieten?
  • Welches Konzept möchte ich umsetzen? Welche Werte sind mir wichtig?
  • Habe ich passendes (Spiel-)Material zu Hause?

Tagesmutter werden: Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Eine Tagesmutter absolviert keine Ausbildung im klassischen Sinne, dennoch muss sie einige Nachweise erbringen, bevor es losgehen kann. Um Tagesmutter werden zu können, müsst ihr "Qualifizierte Kindertagespflegeperson" sein.

Hierzu müsst ihr 160 Unterrichtseinheiten besuchen und ein Kolloquium mit anschließender Prüfung absolvieren. Hier lernt ihr alles Wichtige rund um die kindliche Entwicklung sowie die Förderung und Erziehung von Kindern und welchen Bildungsauftrag im Rahmen der Kinderbetreuung ihr erfüllen müsst.

Auch ein Erste-Hilfe-Kurs am Baby bzw. Kleinkind ist obligatorisch und sowieso immer eine gute Idee.

Tagesmutter werden: Welche Kosten entstehen im Vorfeld?

Wie viel diese Fortbildung kostet, hängt vom Träger ab. Ihr könnt mit rund 1.000 € rechnen, wobei das Jugendamt einen Teil übernimmt. Sprecht daher schon frühzeitig mit dem Jugendamt über euer Vorhaben.

Jugendamt erteilt Pflegeerlaubnis für die Tagesmutter

Seit Oktober 2005 gilt die sogenannte Erlaubnispflicht. Jede Tagesmutter benötigt demnach bereits ab dem ersten Tageskind eine Pflegeerlaubnis des Jugendamts.

Bedingungen:

  • Die Kinderbetreuung wird vergütet,
  • sie umfasst mehr als 15 Stunden wöchentlich
  • und dauert länger als drei Monate und
  • findet außerhalb der elterlichen Wohnung statt.

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Welche Kriterien für die Pflegeerlaubnis erfüllt werden müssen, legt das zuständige Jugendamt fest. Die Erlaubnis ist übrigens auf fünf Jahre sowie fünf Kinder beschränkt.

In aller Regel verlangt das Jugendamt neben dem Nachweis, dass ihr eine "Qualifizierte Kindertagespflegeperson" seid, auch noch weitere Unterlagen, wie:

  • Führungszeugnis
  • Nachweis zur gesundheitlichen Eignung vom Hausarzt

Tagesmutter werden: Worauf ist noch zu achten?

Eine Tagesmutter ist in der Regel selbstständig, benötigt also verschiedene Versicherungen und eine Krankenversicherung. Im Speziellen sind das:

  • Krankenversicherung: Bei Verheirateten ist die Familienversicherung des berufstätigen Ehemanns nur dann ausreichend, wenn das Einkommen der selbstständigen Tagesmutter monatlich 395 € nicht übersteigt. Ansonsten ist wahrscheinliche eine sogenannte "freiwillige Versicherung" das Richtige.
  • Rentenversicherung, wenn das zu versteuernde monatliche Einkommen mehr als 450 € beträgt. Der zurzeit geltende Mindestbeitragssatz zur gesetzlichen Alterssicherung beträgt ca. 84 € im Monat.
  • Unfallversicherung: Selbstständig tätige Tagesmütter müssen sich in der gesetzlichen Unfallversicherung versichern. Zuständig ist die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege.
  • Haftpflichtversicherung: Der Abschluss einer zusätzlichen oder die Erweiterung der bestehenden Police ist sehr empfehlenswert. Tagesmüttervereine bieten Sammelhaftpflichtversicherungen. Auch über das Jugendamt ist der Abschluss einer Tagesmutter-Haftpflicht möglich.

Das Bundesfamilienministerium hat eine ausführliche Broschüre für werdende Tagesmütter mit wertvollen Tipps herausgegeben. Schaut doch mal rein!

Tagesmutter: Wie viele Kinder darf ich gleichzeitig betreuen?

Im Bundesdurchschnitt sind etwa drei Kinder gleichzeitig pro Tagesmutter normal. Rechtlich gesehen, sind bis zu fünf Kinder gleichzeitig okay.

Wie sehen die Räumlichkeiten einer Tagesmutter aus?

Neben den ganzen genannten Unterlagen, achtet das Jugendamt, bevor es die Erlaubnis erteilt, auch auf eure Räumlichkeiten. Laut § 23 Abs. 3 Sozialgesetzbuch muss eine Tagesmutter über "kindgerechte Räumlichkeiten" verfügen. Im Klartext bedeutet das:

  • ausreichend Platz,
  • Anregungen und Materialien zum Spielen und Beschäftigen,
  • unfallverhütende und gute hygienische Verhältnisse sowie
  • eine Schlafgelegenheit – vor allem für Kleinkinder.

Viele Jugendämter inspizieren vor Erteilung der Pflegeerlaubnis die Räume und das Umfeld (Garten/Spielplatznähe). Vor allem Tagesmütter älterer Kinder (ab drei Jahren) sollten in der Nähe der Eltern wohnen, damit das Kind in sein Wohnumfeld "hineinwachsen" kann. Kinder unter drei Jahren brauchen einen überschaubaren, familiären Rahmen mit Tagesmutter als "fester Größe".

Als Tagesmutter ist die Zusammenarbeit mit den Eltern elementar

Tagesmutter sein, das hat heute nicht mehr viel zu tun mit Babysitting in den eigenen vier Wänden, sondern bedeutet aktive Erziehungsarbeit – in engem Zusammenspiel mit den Eltern. Das gilt für den Erziehungsstil ebenso wie für Zeiten und Umfang der Kinderbetreuung. Da muss zwischen Eltern und Tagesmutter ganz einfach die "Chemie" stimmen, denn gegenseitige Sympathie ist in der Tagespflege das A und O!

Die folgenden mündlichen Absprachen mit den Eltern des Tageskindes könnt ihr weitgehend schon im ersten Kennenlerngespräch festlegen:

  • Fragt die Eltern nach den Vorstellungen und Werten ihrer Erziehung.
    Eure eigenen Erziehungsvorstellungen sollten sich im Grundsatz damit decken.
  • Vereinbart einen ständigen, kooperativen Austausch mit den Eltern –
    in möglichst freundlicher, offener Gesprächsatmosphäre.
  • Ganz wichtig für beide Seiten: Liegt Sympathie vor?
  • Stellt euch auch auf kritische Elternfragen ein: Wie verhaltet ihr euch,
    wenn z. B. ein Kind aggressiv wird, nicht essen oder schlafen will, weint
    oder sich zwei Kinder streiten?

Alle schriftlichen Absprachen werden im sogenannten "Vertrag zur Kinderbetreuung" getroffen, der die Grundlage der gesamten Kinderbetreuung darstellt:

  • Festgelegt werden darin u. a. Ort und Zeiten der Kinderbetreuung, der Beginn
    der Kinderbetreuung und Kündigungsfristen sowie das Betreuungshonorar und
    die Art der Bezahlung.
  • Ebenfalls vertraglich geregelt werden Urlaubs-, Ferien- und Ausfallzeiten, das
    Verhalten bei Notfällen und Arztbesuchen sowie die Haftung bei Schäden im
    Haushalt der Tagesmutter.
  • Weitere Vereinbarungen betreffen u. a. Pünktlichkeit, Schweigepflicht,
    Mitnahme-Erlaubnis mit Pkw/Fahrrad, Haustiere im Haushalt der
    Tagesmutter, Rauchverbot bzw. rauchfreie Zonen

Was verdient eine Tagesmutter?

Als Tagesmutter hängt der Verdienst von vielen Faktoren ab. Grundsätzlich gilt aber: Selbstständige können ihren Verdienst frei entscheiden. Der Bundesverband für Kindertagespflege hält einen Stundenlohn von 5,50 € pro Kind für ideal. Der durchschnittliche Stundenlohn liegt bei 4 und 8 €. Es kommt aber auf die Region, die Qualifikation und die Erfahrung als Tagesmutter an.

Legt im Betreuungsvertrag fest, wann das Geld gezahlt werden soll. Beispielsweise ist eine Bezahlung täglich, wöchentlich oder auch monatlich denkbar.

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Tagesmutter: Wer bezahlt mich?

Die Kosten für eine Tagesmutter übernimmt entweder das Jugendamt oder die Eltern des Tageskindes. Übernimmt das Jugendamt die Kosten für die Betreuung, hat das für die Tagesmutter einige Vorteile:

  • geregelte und regelmäßige Bezahlung
  • mögliche Förderleistungen werden beachtet
  • teilweise wird die Unfallversicherung und Altersvorsorge übernommen

Ich bin Tagesmutter: Was bleibt am Ende übrig?

Seit dem 1.1.2009 müssen alle Tagesmütter die Einkünfte aus der Tagespflegetätigkeit versteuern, egal wie viele Kinder sie betreuen und ob die Einnahmen öffentlich oder privat gezahlt wurden. Vor dem 1.1.2009 waren nur private Einkünfte steuerpflichtig. Die Vergütung durch das Jugendamt musste nicht versteuert werden.

Außerdem hat das Bundesfinanzministerium die steuerfreie Betriebskostenpauschale (BKP) von 246 € auf 300 € bei Ganztagsbetreuung erhöht. Diese Pauschale bezieht sich auf eine Vollzeitbetreuung pro Kind von 8 Stunden an 5 Tagen in 4 Wochen. Für jede Betreuungsstunde kann demnach ein Betrag von 1,87 € geltend gemacht werden. Weicht die Betreuungszeit von diesem Berechnungszeitraum ab, muss die Betriebsausgabenpauschale zeitanteilig gekürzt werden.

Wie viel ihr am Ende des Monats im Portemonnaie habt, hängt nicht nur von eurem Verdienst ab, sondern auch beispielsweise davon, ob ihr verheiratet seid, ob ihr eigene Kinder habt und wie hoch eure Ausgaben für Versicherungen oder die Wohnung sind. Besprecht dies am besten im Vorfeld mit einem Steuerberater, er kann euch genau ausrechnen, was am Ende übrig bleibt.

 

Bildquelle: Gettyimages/Niyaz_Tavkaev

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