Tagesmutter werden leicht gemacht

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Tagesmutter werden leicht gemacht

Tagesmutter: Ein Job mit großer Verantwortung, aber auch jeder Menge Spaß! Wenn Sie Kinder lieben und nach einer (neuen) beruflichen Herausforderung suchen, ist die Arbeit als Tagesmutter vielleicht ideal für Sie. Hier erfahren Sie, wie Sie Tagesmutter werden können.

Tagesmutter: ein Vollzeitjob

Seit Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für unter Dreijährige haben, ist der Notstand in der Kinderbetreuung noch größer geworden. Eine tolle Alternative ist für viele Eltern eine Tagesmutter, die auf ihr Kind aufpasst. Und wer sich andererseits vorstellen kann, Kinder bei sich zu Hause zu betreuen, hat momentan gute Chancen auf einen beruflichen Neuanfang, das gilt auch für Quereinsteiger.

Tageskinder können die eigene Familie sinnvoll ergänzen - zum Vorteil aller Beteiligten. Aber wie wird man eigentlich Tagesmutter und was muss man beachten? Ein entscheidender Punkt - und zwar noch vor der Kontaktaufnahme mit dem Jugendamt als zuständiger Anlaufstelle - ist, dass beide Partner beim Thema Tagesmutter werden an einem Strang ziehen. Bei der Klärung der Motivation ist es ganz wichtig auszuloten, ob die Familie das Vorhaben unterstützt.

Auch die Anzahl der Tageskinder und der Stunden der Kinderbetreuung in der Woche muss bedacht werden - was traut man sich zu? Und: Lieber erst mal "klein", also mit nur einem Tageskind anfangen. Denn auch dieses eine Kind braucht schon die volle Aufmerksamkeit und darf keinesfalls nur so "nebenher laufen" oder lediglich als Spielkamerad für die eigenen Kinder betrachtet werden. Denn eines ist ganz klar: Tagesmutter zu sein ist ein Vollzeitjob!
Wichtig ist daher auch, zu klären, ob Ehemann, Mutter oder Schwiegermutter im Gegenzug im Haushalt helfen können. Ebenfalls hilfreich ist ein Interesse an Weiterbildung und Qualifizierung.

Jugendamt erteilt Pflegerlaubnis für die Tagesmutter

Seit Oktober 2005 gilt die so genannte Erlaubnispflicht. Jede Tagesmutter benötigt demnach bereits ab dem 1. Tageskind eine Pflegeerlaubnis des Jugendamts. Bedingungen:
• Die Kinderbetreuung wird vergütet,
• umfasst mehr als 15 Stunden wöchentlich,
• dauert länger als drei Monate und
• findet außerhalb der elterlichen Wohnung statt.
Welche Kriterien für die Pflegeerlaubnis erfüllt werden müssen, legt das zuständige Jugendamt fest. Die Erlaubnis ist übrigens auf fünf Jahre sowie fünf Kinder beschränkt. Im Jugendamt finden sich auch Ansprechpartner für
• die fachliche Beratung,
• die Vermittlung interessierter Eltern sowie
• für Fragen zur Kinderbetreuung und Qualifizierung.

So sollte die Wohnung der Tagesmutter aussehen

Eine 2-Zimmer-Wohnung reicht nicht - zentrale Anforderungen an jede Tagesmutter: Laut Sozialgesetzbuch §23 Abs. 3 muss eine Tagesmutter über "kindgerechte Räumlichkeiten" verfügen. Im Klartext bedeutet das:
• ausreichend Platz,
• Anregungen und Materialien zum Spielen und Beschäftigen,
• unfallverhütende und gute hygienische Verhältnisse sowie
• eine Schlafgelegenheit - vor allem für Kleinkinder.

Viele Jugendämter inspizieren vor Erteilung der Pflegeerlaubnis die Räume und das Umfeld (Garten/Spielplatznähe)! Vor allem Tagesmütter älterer Kinder (ab drei Jahren) sollten in der Nähe der Eltern wohnen, damit das Kind in sein Wohnumfeld "hineinwachsen" kann. Kinder unter drei Jahren brauchen einen überschaubaren, familiären Rahmen mit Tagesmutter als "fester Größe".
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Tagesmutter werden durch Qualifikation und Fortbildung

Wie sieht die Qualifizierung zur Tagesmutter aus? Hier gibt es keine bundeseinheitliche Regelung, von Jugendamt zu Jugendamt kann es große Unterschiede geben.

Tagesmutter werden durch Qualifikation und Fortbildung

„Die Tendenz geht eindeutig zur Qualität“, sagt Klaus-Dieter Zühlke, Geschäftsführer des Bundesverbands für Kinderbetreuung in Tagespflege e.V. Das heißt: Pflichtnachweise wie Führungszeugnis und Gesundheitsbescheinigung reichen meist nicht mehr - oft sind Schulungen, Lehrgänge und Seminare erforderlich. Der Bundesverband empfiehlt eine Qualifizierung von mindestens 160 Unterrichtsstunden - inklusive eines Kurses über Erste Hilfe bei Babys. Am Ende eines Lehrgangs steht das Zertifikat „Qualifizierte Tagespflegeperson“.
Und wer bezahlt eine solche Schulung? Auch hier gibt es keine Faustregel. Oft wird sie durchs Jugendamt und den Europäischen Sozialfonds bezuschusst. Auf einen Eigenanteil etwa zwischen 100 und 800 Euro muss man sich allerdings einstellen.

Tagesmutter: Mit Eltern zusammenarbeiten

Tagesmutter sein, das hat heute nicht mehr viel zu tun mit Babysitting in den eigenen vier Wänden, sondern bedeutet aktive Erziehungsarbeit - in engem Zusammenspiel mit den Eltern. Das gilt für den Erziehungsstil ebenso wie für Zeiten Umfang der Kinderbetreuung. Da muss zwischen Eltern und Tagesmutter ganz einfach die "Chemie" stimmen, denn gegenseitige Sympathie ist in der Tagespflege das A und O!
Die folgenden mündlichen Absprachen mit den Eltern des Tageskindes können Sie weitgehend schon im ersten Kennenlerngespräch festlegen:
• Fragen Sie die Eltern nach den Vorstellungen und Werten ihrer Erziehung.
Ihre eigenen Erziehungsvorstellungen sollten sich im Grundsatz damit decken.
• Vereinbaren Sie einen ständigen, kooperativen Austausch mit den Eltern -
in möglichst freundlicher, offener Gesprächsatmosphäre.
• Ganz wichtig für beide Seiten: Liegt Sympathie vor?
• Stellen Sie sich auch auf kritische Elternfragen ein: Wie verhalten Sie sich,
wenn z.B. ein Kind aggressiv wird, nicht essen oder schlafen will, weint
oder sich zwei Kinder streiten?
Alle schriftlichen Absprachen werden im so genannten "Vetrag zur Kinderbetreuung" getroffen, der die Grundlage der gesamten Kinderbetreuung darstellt:
• Festgelegt werden darin u.a. Ort und Zeiten der Kinderbetreuung, der Beginn
der Kinderbetreuung und Kündigungsfristen sowie das Betreuungshonorar und
die Art der Bezahlung.
• Ebenfalls vertraglich geregelt werden Urlaubs-, Ferien- und Ausfallzeiten, das
Verhalten bei Notfällen und Arztbesuchen sowie die Haftung bei Schäden im
Haushalt der Tagesmutter.
• Weitere Vereinbarungen betreffen u.a. Pünktlichkeit, Schweigepflicht,
Mitnahme-Erlaubnis mit Pkw/Fahrrad, Haustiere im Haushalt der
Tagesmutter, Rauchverbot bzw. rauchfreie Zonen

Tagesmutter arbeitet als Selbstständige

Eine Tagesmutter ist auch Unternehmerin: eine Dienstleisterin, die sich mit einem Unternehmenskonzept auf dem Markt platziert und Kunden von diesem Konzept überzeugt.

Tagesmutter arbeitet als Selbstständige oder Angestellte

Unsere Ausführungen hier betreffen ausschließlich die Tätigkeit auf selbstständiger Basis.

Der Tagesmütter Bundesverband hat eigens eine "Konzepthilfe für das Unternehmen Tagespflege" ausgearbeitet. Wichtig darin: rechtzeitig die "Marktlage abzuschätzen", also die Situation der Kinderbetreuung und das bisherige Tagespflege-Angebot vor Ort zu erfassen. Und sich einem Tagesmütter-Verein anzuschließen oder selbst ein Netzwerk zu anderen Tagesmüttern aufzubauen.

Wenn eine Tagesmutter auf selbstständiger Basis arbeitet, hat sie die Pflicht zur
Krankenversicherung: Bei Verheirateten ist die Familienversicherung des berufstätigen Ehemanns nur dann ausreichend, wenn das Einkommen der selbstständigen Tagesmutter monatlich 395 Euro nicht übersteigt
Rentenversicherung, wenn das zu versteuernde monatliche Einkommen mehr als 450 Euro beträgt. Der zurzeit geltende Mindestbeitragssatz zur gesetzlichen Alterssicherung beträgt 85,08 € im Monat (01.01.2014).
Unfallversicherung: Selbstständig tätige Tagesmütter müssen sich in der gesetzlichen Unfallversicherung versichern. Zuständig ist die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege
Haftpflichtversicherung: Der Abschluss einer zusätzlichen oder die Erweiterung der bestehenden Police ist sehr empfehlenswert. Tipp: Tagesmüttervereine bieten Sammelhaftpflichtversicherungen. Auch über das Jugendamt ist der Abschluss einer Tagesmutter-Haftpflicht möglich.
Seit dem 1.1.2009 müssen alle Tagesmütter die Einkünfte aus der Tagespflegetätigkeit versteuern, egal wie viele Kinder sie betreuen und ob die Einnahmen öffentlich oder privat gezahlt wurden. Vor dem 1.1.2009 waren nur private Einkünfte steuerpflichtig. Die Vergütung durch das Jugendamt musste nicht versteuert werden. Außerdem hat das Bundesfinanzministerium die steuerfreie Betriebskostenpauschale (BKP) von 246 Euro auf 300 Euro bei Ganztagsbetreuung erhöht. Diese Pauschale bezieht sich auf eine Vollzeitbetreuung pro Kind von 8 Stunden an 5 Tagen in 4 Wochen. Für jede Betreuungsstunde kann demnach ein Betrag von 1,87 Euro geltend gemacht werden. Weicht die Betreuungszeit von diesem Berechnungszeitraum ab, muss die Betriebsausgabenpauschale zeitanteilig gekürzt werden.

Hinweis: Die Tagesmutter muss kein Gewerbe anmelden.
Fazit: Bei allen wichtigen Kriterien - über allem steht natürlich das Wohl der Kinder und deren Gleichbehandlung. Denn Pflege- und leibliche Kinder haben das gleiche Recht auf Liebe und Toleranz, Ehrlichkeit und Geduld, Ruhe und Gelassenheit und Bewegung und Beschäftigung.

Weiterführende Links zum Thema "Tagesmutter werden":

Kindertagespflege - der Leitfaden für Tagespflegepersonen (herausgegeben vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend)

Kindertagespflege - eine neue berufliche Perspektive (herausgegeben vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend)

www.tagesmutter.com - Ratgeberseite für Eltern und Tagesmütter

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