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Eingewöhnung Krippe: Warum Tränen dazu gehören und Durchhalten lohnt

Guten Kitastart!

Eingewöhnung Krippe: Warum Tränen dazu gehören und Durchhalten lohnt

Die Elternzeit ist vorbei, nun winkt für viele Kinder im Alter zwischen drei Monaten und drei Jahren die Krippen- bzw. Kitaeingewöhnung – ein aufregender und emotionaler Neuanfang. Oft ist aller Anfang schwer und Loslassen will gelernt sein. Nur in den seltensten Fällen klappt die Eingewöhnung in der Krippe ohne Tränen. Und das ist auch absolut okay so…

Laut Statistischem Bundesamt besuchen rund 98 % der null- bis sechsjährigen Kinder in Deutschland Krippe, Kita und Co. Bei den unter drei Jährigen sind es etwa 30 %. Jedes dritte Kleinkind in der Bundesrepublik hat die Eingewöhnung in der Krippe also bereits erfolgreich gemeistert. Doch wenn plötzlich „1. Tag Eingewöhnung Krippe“ im eigenen Familienkalender steht, ist die Unsicherheit bei uns Eltern oft groß. Mit diesem besonderen Tag beginnt immerhin nicht nur für das Krippenkind in spe ein komplett neuer Lebensabschnitt, sondern für sämtliche Familienmitglieder. Wo eben noch Mama, Papa, Oma und Opa dauerbespaßt haben, wird von nun an eine „fremde“ Person viel Zeit mit dem wichtigsten Menschen in unserem Leben verbringen. Wie soll das gelingen?

Wie läuft die Eingewöhnung in der Krippe ab?

Zuallererst findet das Eingewöhnungsgespräch statt. Hier werden Vorlieben, Gewohnheiten, Familiensituation und eventuelle Besonderheiten besprochen: Hat das Kind Geschwister? Allergien? Was spielt es am liebsten und wie schläft das Kind? Wichtige Infos, damit das Kitapersonal sich auf die ganz individuellen Bedürfnisse des Kindes einstellen kann. In den ersten Tagen dürfen Bezugsperson und Kind die Einrichtung gemeinsam kennenlernen, das vermittelt beiden Seiten Sicherheit. In dieser Zeit findet kein Trennungsversuch statt, stattdessen wird das Kind von seiner Bezugsperson begleitet, bis es Spiel- und Interaktionsangebote der Bezugserzieherin von sich aus annimmt. Eltern sollten sich in dieser ersten Phase der Eingewöhnung zurückhalten, aber dem Kind stets signalisieren: Ich bin da.

Was ist das Berliner Modell?

Die meisten Krippen in Deutschland praktizieren die Eingewöhnung nach dem Berliner Modell, einem Konzept der elternbegleiteten, sanften Eingewöhnung. Ziel des Modells ist eine behutsame und schrittweise Gewöhnung der Kinder an die Erzieher und die fremde Umgebung. Alles Wissenswerte zum Berliner Modell erfährst du hier.

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Wie lange dauert die Eingewöhnung in der Krippe?

Etwa zwei bis vier Wochen sollten für die Eingewöhnung eingeplant werden. Manche Kinder sind schon nach zwei Wochen eingewöhnt, andere brauchen deutlich länger. Die Krippeneingewöhnung meiner 15 Monate alten Tochter dauerte ganze drei Monate! War ich froh, dass ich noch keinen Wiedereinstiegstermin im Nacken hatte, wie die meisten Eltern, die ihre Kleinkinder in der Krippe anmelden.

Etwa 80 % der Kinder sind nach ca. zwei Wochen soweit eingewöhnt, dass sie alleine dortbleiben. Dennoch werden in den meisten Kitas etwa vier bis sechs Wochen eingeplant, in denen die Bezugsperson ständig auf Abruf sein muss. Rückschritte oder Weinanfälle sind nicht selten, da kann es sein, dass man doch zum Trösten oder Abholen vorbeikommen muss. Wichtig ist: Genügend Zeit einplanen und den Arbeitgeber über die Eingewöhnung informieren. Vielleicht kannst du flexibler oder im Homeoffice arbeiten, wenn dein Kind länger braucht als geplant.

Wann kommt es zum ersten Abschied?

Der erste Trennungsversuch steht meist nach vier bis sechs Tagen auf dem Plan. Wenn deinem Kleinkind jetzt die Tränen kommen, ist das eine völlig normale und gesunde Reaktion. Tränen sind nun einmal das stärkste Ausdrucksmittel vieler Kleinkinder, die sagen wollen: „Ich bin nicht ganz einverstanden und fühle mich unwohl!“ Ganz klar, wenn Mama oder Papa plötzlich weg sind. Wichtig ist, sich dennoch bewusst von seinem Kind zu verabschieden.

Kinderpsychologen sind sich einig, dass die Kleinen viel mehr darunter leiden, schleicht sich die Bezugsperson in einem unbeobachteten Moment heimlich weg. Auch wenn das vermeintliche tränenfreie Zurücklassen für die Eltern oft einfacher ist, versteht das Kind die Welt nicht mehr und fühlt sich tatsächlich zurückgelassen. Kullern beim Abschied keine Tränen, auch gut. Nichtsdestotrotz muss die Bezugsperson anfangs in der Nähe bleiben, um jederzeit in die Gruppe zurückkehren zu können und dem Kind zu signalisieren: „Ich bin immer noch für dich da und hole dich wieder ab.“ Je nachdem, wie gut das Kind mit der Trennung zurechtkommt, wird die Betreuungszeit in den kommenden Wochen schrittweise ausgedehnt.

Wie gelingt die Eingewöhnung in der Krippe?

Keine Panik, falls eure Eingewöhnung in der Krippe bisher eher tränenreich statt tränenfrei abläuft. Vielleicht helfen euch diese 7 Tipps beim Durchhalten:

  • #1 Loslassen ist alles: Fällt es Mama und Papa schwer, loszulassen, spürt das auch euer Kind und kommt evtl. schlechter mit der neuen Situation zurecht. Ja, Loslassen fällt schwer, aber vielleicht lassen sich Trennungssituationen ja bereits vor Krippeneintritt einüben. Wenn Kinder öfters von Oma, Opa, Tante, Onkel oder Babysitter betreut werden, kommen sie erfahrungsgemäß mit der Eingewöhnung in der Krippe besser klar.
  • #2 Vertraue den Erziehern und deinem Kind: Die Erzieher haben Erfahrung mit Eingewöhnungssituationen und wissen genau, was sie zu tun haben, um dem Kind den Übergang so leicht wie möglich zu gestalten. Sie vertrauen auf dein Kind, es wird sich entwickeln und an den neuen Alltag anpassen. Vertraue auch du auf dein Kind und seine Fähigkeiten!
  • #3 Klare Bezugspersonen: Mama ODER Papa – wer soll die Eingewöhnung mitmachen? Übernimmt eine Einzelperson konstant, ist es für das Kind leichter, mit den vielen Neuerungen klarzukommen. Das gilt übrigens auch für den Bezugserzieher: Dieser sollte definitiv während der gesamten Eingewöhnungszeit anwesend sein (Krankheit ist nicht planbar, aber Urlaub und Fortbildungen schon).
  • #4 Lasst euch Zeit! Und wenn es mal nicht so gut läuft? Rückschritte sind normal! Gib deinem Kind die Zeit, die es braucht, um sich zu lösen. Druck und Hektik sind bei der Eingewöhnung fehl am Platz, Gelassenheit und Ruhe hingegen erwünscht! Neigst du dazu, nervös und angespannt zu reagieren? Besprich deine Sorgen mit einer Vertrauensperson, das hilft.
  • #5 Mitmachen: Nicht nur mitreden ist bei der Krippeneingewöhnung erwünscht, auch mitmachen. Gibt es Angebote wie Kitafeier oder Elterncafé? Nutze sie, um mit anderen Eltern ins Gespräch zu kommen, die vielleicht ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Sobald du dich in der Einrichtung wohl und angekommen fühlst, tut dies bestimmt auch dein Kind.
  • #6 Tränen sind erlaubt: Kinder haben es doch so gut! Sie dürfen ihren Tränen freien Lauf lassen, wenn ihnen danach ist. Sie haben noch nicht gelernt, Kummer herunterzuschlucken oder zu verdrängen, wie wir Erwachsene es (leider) oft tun. Kummer und Tränen sind bei der Eingewöhnung erlaubt, denn danach geht es meistens besser.
  • #7 Timing ist (nicht) alles! Ja, es gibt definitiv gutes und schlechtes Timing. Aber manchmal ist es eben so, wie es ist. Meine Tochter, ein extremes Mamakind, wurde kurz vor der Krippeneingewöhnung abgestillt, die Backenzähne waren im Anmarsch, wir waren gerade umgezogen. Ja, es war viel auf einmal, aber wir haben trotz bitterlicher Tränen (auf beiden Seiten) durchgehalten und es geschafft. Rückblickend habe ich mir viel zu viele Gedanken über das Timing der Eingewöhnung gemacht. Experten empfehlen jedoch, während der Eingewöhnungszeit keinen Urlaub oder Umzug zu planen, auch die Geburt eines Geschwisterchens birgt die Gefahr, dass die Eingewöhnung schwierig wird.
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Hilfe, mein Kind weint! Wann die Eingewöhnung abbrechen?

Glattgebügelte Blogposts über kitafreie Erziehung oder tränenfreie Krippeneingewöhnungen können schnell verunsichern. Auch Berichte von Eltern, die die Eingewöhnung nach ein paar Tagen abgebrochen haben, weil Erzieher das Kind angeblich haben „weinen lassen“, sind in den meisten Fällen eher irre- als zielführend. Konzentriere dich auf DEIN Kind und DEINE Situation!

Okay, du hast dir die Eingewöhnung in der Krippe anders vorgestellt oder dein Bauchgefühl sagt dir, dass dieser Weg nicht der richtige ist? Dann sprich mit den zuständigen Fachkräften. Oft hilft ein weiterer Gesprächstermin, eigene Unsicherheiten aus dem Weg zu schaffen, um der Eingewöhnung wieder positiver gegenüber zu stehen und (d)eine positive Einstellung überträgt sich aufs Kind.

Dein Sprössling weint dennoch wochenlang und wehrt sich gegen den Kitastart? Ja, das zerrt an den Nerven und muss daher unbedingt ernst genommen werden. Gute Kitas betrachten das Verhältnis zu den Eltern als eine sogenannte „Erziehungspartnerschaft“, in der alle an einem Strang ziehen – zum Wohl des Kindes. Wenn Zweifel und ungute Gefühle dennoch bleiben, hast du die Möglichkeit, die Eingewöhnung abzubrechen oder vielleicht deren Start zu verschieben. Mögliche Alternativen sind Tagespflege oder eine privat organisierte Kinderbetreuung.

Mein Kind wird noch gestillt! Ist das ein Problem?

In den meisten Fällen ist es kein Problem. Entweder die Mama kommt zum Stillen in die Krippe oder gibt abgepumpte Milch im Fläschchen mit. Solche Vereinbarungen können bereits im Erstgespräch festgehalten werden. Aus dem eigenen Bekanntenkreis weiß ich, dass das Stillen oft nach ein paar Tagen kein Thema mehr für Kitakids ist. Das heißt natürlich nicht, dass abgestillt werden muss. Die meisten Kinder sind damit zufrieden, wenn sie dann nach ihrer Rückkehr ins Nest ausgiebig bei Mama „auftanken“ dürfen.

Checkliste Krippe: Was brauchen wir für den Anfang?

Ein niedlicher Mini-Rucksack kann die Vorfreude auf die Eingewöhnung in Krippe und Kita steigern. Diese Modelle machen sich auf dem Rücken deines Schatzes bestimmt super!

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Und das braucht ihr außerdem für den Krippenstart:

  • Windeln und Feuchttücher
  • Zahnbürste (bei uns in der Krippe wird nicht geputzt)
  • Weiche Hausschuhe oder Stoppersocken
  • Matschhose, Gummistiefel (für Laufbeginner eigenen sich auch bei Regen besser feste Schuhe, weil Gummistiefel dem kleinen Kinderfuß oft nicht ausreichend Halt bieten)
  • Trinkflasche oder Trinkbecher
  • Bei Bedarf: Milchmahlzeiten oder abgepumpte Milch mit bevorzugtem Fläschchen/Sauger
  • Gefüllte Brotdose mit gesundem Frühstück oder Snacks (Vorschriften der jeweiligen Einrichtung beachten)
  • Schmusetier
  • Schnuller
  • Passende Wechselkleidung, je nach Saison
  • Im Sommer: Sonnenhut, im Winter: Mütze, Schal, Handschuhe
  • Alle nötigen Dokumente wie z. Bsp. Betreuungsvertrag, Impfbescheinigungen (seit dem 1.3.2020 gilt die Masern-Impfpflicht), Liste mit allen wichtigen Notfall-Telefonnummern

Entsprechende Listen werden meist beim Erstgespräch verteilt, können aber auch vorab bei der Krippenleitung erfragt werden. Jetzt kann es losgehen mit der Eingewöhnung. familie.de wünscht einen guten Krippenstart!

Gesine Engels-Krone
Das sagtGesine Engels-Krone:

Krippenkinder, starke Kinder!

Eins steht mal fest: Betreuungsdebatte hin oder her, Krippe und Kita sind nicht per se schlecht. Punkt. Unsere Erzieherinnen leisten eine so tolle, wertvolle (und vor allem anstrengende!) Arbeit und meiner Meinung nach haben Krippenkinder einen genauso starken Charakter und Möglichkeiten zur Entfaltung wie Kinder, die nicht „fremdbetreut“ werden. Was heißt eigentlich „fremd“betreut? Uns sind unsere Erzieherinnen alles andere als fremd – durch unsere Kinder fühlen wir uns ihnen sehr verbunden, immerhin kümmern sie sich um unsere größten Schätze.

Und meine Tochter? Seitdem sie die Krippe besucht, ist sie viel durchsetzungsfähiger und temperamentvoller geworden. Sie hat endlich den Mut, ihrem großen Bruder auch mal Contra zu geben und ist eine genauso starke Persönlichkeit wie er, der zu Hause betreut wurde, bis er dreieinhalb war. Sie spielt so gerne mit den anderen Kids und hat gelernt, dass Teil einer Gruppe zu sein Spaß macht. Also nur Mut! Auch wenn während der Eingewöhnung in der Krippe nicht immer alles tränenfrei abläuft, lautet mein Rat: dabeibleiben, es lohnt sich! Und jeder Neuanfang ist doch manchmal zum Heulen und braucht (Ein-)Gewöhnung – auch bei uns Erwachsenen, oder?

Bildquelle: Gettyimages/Rawpixel

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