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EM 2024

Die Moderator*innen der Fußball-EM: So macht Public Viewing allen Spaß

Interviews zur EM mit Katrin Müller-Hohenstein, Alexander Bommes und Esther Sedlaczek
Esther Sedlaczek, Katrin Müller-Hohenstein und Alexander Bommes (v.l.n.r.) (© WDR/Sebastian Arlt/Adobe; ZDF/ Felix Schmitt; WDR/Annika Fußwinkel/Adobe)

Endlich gehts los mit der Fußball-EM 2024 in Deutschland. Lange haben wir drauf hingefiebert, nun ist es endlich so weit. Und wer könnte uns besser auf alles einstimmen als die Moderator*innen, die das Großereignis begleiten, kommentieren und analysieren? Deswegen haben wir Katrin Müller-Hohenstein (KMH), Esther Sedlaczek (ES) und Alexander Bommes (AB) zum Interview getroffen.

Worauf freuen Sie sich bei der EM am meisten?

Katrin Müller-Hohenstein (KMH): Auf die Menschen in diesem Land, die eine gute Zeit haben. Das war in den vergangenen Jahren nicht immer der Fall. Ich hoffe darauf, dass die Menschen einen Partysommer haben, dass sie fröhlich sein werden, dass sie nett zueinander sind. Ich würde es uns so sehr gönnen, eine Art Sommermärchen zu erleben. Ich bin da auch ganz zuversichtlich.

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Alexander Bommes (AB): Auf die große Chance, sich für einige Wochen ausschließlich mit dem Schönen zu beschäftigen, nämlich der verbindenden Kraft des Fußballs.

Esther, hattest du eine Traum-Auslosung für Deutschland im Kopf? Bist du mit dem zufrieden, was es jetzt geworden ist?

ES: Es gibt schon Gegner, die ich nicht unbedingt haben wollte. Aber ein Auftaktspiel gegen Schottland, das ist schon sensationell. Ungarn kennen wir noch aus der letzten EM, die können unangenehm sein. Auch die Schweiz, die bei der WM und auch bei der letzten EM stark waren. Wir haben keine leichten Gegner.

34 Spiele der UEFA EURO 2024, darunter alle Spiele der deutschen Nationalmannschaft, könnt ihr in ARD und ZDF schauen. 12 Partien werden bei RTL übertragen. Es wird zu allen Spielen auch Livestreams geben, wenn ihr nicht analog über euer TV-Gerät schauen möchtet.

Wie begeistern wir Menschen für die EM, die mit Fußball eigentlich nichts am Hut haben?

ES: Du kriegst die deutschen Nicht-Fußballfans nur über den Erfolg. Das kann auch nur die deutsche Nationalmannschaft bei dieser EM schaffen. Ich will gar nicht wissen, wie viele Menschen 2006 auf einmal auf den Straßen standen, die sich aber bis zum Start der WM nicht für Fußball interessiert haben. Viele haben sich dann mitreißen lassen von der allgemeinen Euphorie.

AB: Die können wir mit guter Laune anstecken – es hängt natürlich maßgeblich von einem guten Abschneiden der Deutschen Mannschaft ab. Ich persönlich mag es, wenn Mannschaften sich einem Ziel verschreiben und darum kämpfen.

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KMH: Ich hatte immer das Pech, dass die Männer in meinem Leben sich überhaupt nie für Fußball interessiert haben. Der Vater meines Sohnes ist ein Technik- und Zahlen-Nerd – er hat für die Fußball-Bundesliga ein System entwickelt, mit dem er dann hochrechnen konnte, wie die Chancen für den nächsten Bundesliga-Spieltag aussehen. Er hat sich seine eigene Plattform gebastelt und wollte dann unbedingt wissen, ob das, was er sich da so ausgedacht hat, auch funktioniert.

Jetzt kann nicht jeder so ein Programm schreiben, aber es hilft, wenn man vor einem Spiel eine kleine Wette abschließt. Es ist interessanterweise so, dass die, die am wenigsten Ahnung vom Fußball haben, oft am allerbesten tippen.

Was auch hilft, ist eine kleine Party drumherum zu veranstalten. Es geht nämlich gar nicht so sehr um das, was da im Fernsehen läuft, sondern um den Moment, in dem alle beisammen sind. Das ist doch einfach schön.

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Public Viewing mit Kindern: Yay oder nay?

ES: Ich habe das ehrlich gesagt noch nicht gemacht. Vor 5 Jahren habe ich mein erstes Kind bekommen, bei der EM 2021 war meine Tochter also noch sehr klein. Bei der WM in Qatar war ich für die ARD vor Ort und habe gearbeitet. So viel Public Viewing Möglichkeiten hatte ich also noch nicht. Aber an sich finde ich es total schön, wenn man solche Ereignisse mit seinen Kindern teilen kann. Wenn ich meine Kinder irgendwann für Fußball begeistern könnte, dann wäre das für mich das Größte. Sowas gemeinsam zu erleben, ist einfach was Besonderes.

Wieso kennen wir von klein auf Fußball, andere Sportarten aber kaum?

AB: Fußball ist immer noch der Sport Nummer 1, mit dem die meisten Kinder zuerst in Berührung kommen. Familiär veranlagt kann das auch eine andere Sportart sein, aber Fußball wird immer am populärsten und auch einfachsten sein.

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ES: Fußball hat eine wahnsinnig lange Tradition und ist seit jeher einfach die Sportart Nummer 1 in Deutschland. Das gilt auch für auch fürs gemeinsame Schauen. Das hat ebenfalls eine Tradition. Ich bin damit groß geworden, dass Fußballfans und Menschen, die vielleicht nicht so interessiert sind, sich in größerer Runde getroffen haben. Dabei geht es um Gemeinschaft. Ob man da jetzt so genau hingeschaut hat, was da passiert, ob das ein guter Pass war oder die Schiedsrichterentscheidung gerecht, das war dann meist nicht so wichtig. Es ging um das Gemeinschaftsgefühl.

KMH: Weil Fußball so einfach ist. Fußball weckt Emotionen. Gib Kindern einen Ball und sie werden damit Fußball spielen. Fußball kann Grenzen und Sprachbarrieren überwinden. Jetzt wird es vielleicht etwas pathetisch: Fußball kann auch friedensstiftend sein. Weil es etwas ist, worauf sich alle immer einigen können.

Für den Fußball braucht man auch keine Sprache.

KMH: Ja genau! Gib elf Kindern aus unterschiedlichen Ländern, die alle eine andere Sprache sprechen, einen Ball und sie werden zusammenspielen können. Fußball kann wirklich viel.

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Plädoyer für Fußball als Sportart

Das ist ein tolles Plädoyer für Fußball. Es gibt aber so viele unterschiedliche Sportarten, für die Kinder sich begeistern können. Vermutlich entscheiden sich so viele dafür, weil Fußball einfach auch so bekannt ist.

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KMH: Ja, aber es kommt noch ein Punkt hinzu: Fußball ist relativ günstig. Du brauchst dafür eigentlich nur ein Paar Schuhe, mit denen du gut spielen kannst, und einen Ball. Für viele andere Sportarten muss man sich erstmal eine Ausrüstung zulegen.

Und wenn es nicht der materielle Wert ist, dann ist es der Aufwand, der den Zugang zu manchen Sportarten beschränkt. Nehmen wir mal Rudern als Beispiel. Das ist ein super Sport, aber du brauchst ein Boot und einen See oder Fluss in deiner Nähe. Das hat nicht jeder direkt ums Eck.

Einen Fußball, den gibt es aber in fast jedem Haushalt. Es muss ja nicht mal ein Fußball sein, es kann auch eine Dose sein. Dazu noch eine freie Fläche, da legst du dir dann zwei Steine als Torbegrenzung hin – und schon hast du ein Fußballfeld. Es ist so einfach umzusetzen.

Spielerinterviews nach dem Fußballspiel

Diese Interviews nach dem Spiel, da denke ich schon öfter: Warum macht ihr das? Der Erkenntnisgewinn ist ja nicht immer so hoch.

ES: Natürlich denke ich mir auch manchmal: Wenn ich jetzt 90 Minuten auf dem Spielfeld stand, dann würde ich als Spieler ungern noch ein Interview geben. Aber das ist eben das Prinzip der Fußballberichterstattung. Darauf lässt du dich als Profi ein. Es ist die einzige Möglichkeit, Antworten auf unsere Fragen zu bekommen. Dass die Antworten ein paar Stunden später vielleicht ausgereifter wären, weil man ja nicht immer sofort in die Analyse gehen kann, dafür habe ich größtes Verständnis.

Wie begeistern Eltern ihre Kinder für Sport?

ES: Für mich ist es bei meinen Kindern wichtig, dass Sport in ihren Alltag gehört. Wir probieren viel aus, aber langfristig. Ich finde, es sollte nicht jede Woche gewechselt werden, denn es gehört eine gewisse Kontinuität dazu. Wenn ein Kind nach drei Monaten so gar keine Lust mehr hat, dann probieren wir was anderes aus. Aber wir lassen Sport nicht ganz sein.

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Wie man Kinder für Sport begeistert, das funktioniert auch oft über Turniere. Kinder sehen z.B. die deutsche Basketballmannschaft bei der Weltmeisterschaft und sagen sich dann: Das will ich auch erreichen. Es ist wichtig, solche Momente zu haben.

Allgemein finde ich Teamsport super für Kinder. Mir ist es wichtig, dass meine Kinder lernen, dass sie gemeinsam etwas schaffen können, dass sie sich aufeinander verlassen und mit anderen arbeiten können.

AB: Genau so, wie das Wort es impliziert. Durch Begeisterung und Vorleben.

Und warum ist das wichtig?

AB: Weil Kinder durch den Sport nicht nur ein Gefühl für sich, ihren Körper, ihre Möglichkeiten und Grenzen bekommen – sie lernen sich auch, in Gruppen zu integrieren und persönliche Ziele mit denen einer Mannschaft in Einklang zu bringen.

Fußballregeln erklären

Beim Fußball gibts ja Regeln, die auch nicht alle Erwachsene immer so parat haben. Müssen wir Kindern unbedingt alle Fußballregeln erklären?

KMH: Ein Kind muss keine Fußballregeln kennen. Ein Kind sollte erst mal spielerisch an diesen Sport herangeführt werden und Spaß haben, einem Ball hinterherzurennen. Wenn es dann ein Glücksgefühl entwickeln kann, was es heißt, ein Tor zu schießen, ist das gut. Auch mal zu verlieren, gehört ebenso dazu. Das sind Dinge, die ein Kind lernen muss, doch dafür braucht es keine komplizierten Regeln. Dass am Ende der, der mehr Tore geschossen hat, der Sieger ist, das versteht jeder.

Was Abseits ist und Ähnliches mehr, kommt dann erst viel später?

KMH: Ich bin der Meinung, dass wir die Kinder viel zu früh damit überfrachten. Die sollen erst mal diese kindliche Herangehensweise haben dürfen. Lasst Kinder doch einfach einem Ball hinterherrennen. Da wird sich dann jemand durchsetzen, jemand muss mal getröstet werden, aber in der Gemeinschaft funktioniert das eben. Ich habe nie erlebt, dass Fußball am Ende für jemanden nicht schön war. Die Gemeinschaft hat dafür gesorgt, dass man erhobenen Hauptes nach Hause gehen konnte. Das Gefühl, zusammen etwas erlebt und eine tolle Zeit zu haben, das überwiegt doch.

Wie findet man seinen Lieblingsverein?

AB: Leider meistens durch die Prägung seitens der Eltern. Häufig auch durch einen Lieblingsspieler. Schöner ist es, sich selbst mehrere Vereine anzuschauen und den zu wählen, der die eigenen Werte verkörpert.

Im Video lernt ihr eine ganz besondere Suche nach dem Lieblingsfußballverein kennen. Das Anschauen lohnt sich:

Der Cast von Wochenendrebellen im Interview: "Das ist eigentlich nicht der Job von Eltern" Abonniere uns
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Sportmoderator*in als Beruf: Yay oder nay?

Würden Sie Kindern und Jugendlichen Ihren Job empfehlen? Und wenn ja, warum?

AB: Ich empfehle allen Kindern und Jugendlichen, selbst herauszufinden, wo die eigenen Talente und Wünsche liegen. Die zu entdecken, ist ein spannender Weg, auf dem ich gerne unterstütze.

ES: Ich liebe meinen Job. Ich wüsste wenig Gründe, weshalb ich jemanden sage, “mach es nicht”. Das möchte ich meinen Kindern vermitteln, dass es das Schönste überhaupt ist, wenn man seine Leidenschaft zum Beruf machen kann. Wenn man nicht das Gefühl hat, dass man arbeitet. Natürlich gibt es stressige Zeiten, Zeiten, in denen es viel ist. Das gehört alles dazu.

Aber ich muss sagen, dass mir mein Job so unfassbar viel gibt. Wenn jemand mir sagt, sie oder er möchte das ausprobieren, dann sage ich: Ich drücke dir alle Daumen. Bleib dran, denn es gibt so viele schöne und tolle Momente. Ich wollte diesen Job immer, ich habe ihn und es ist das Schönste, was mir passieren konnte.

KMH: Na klar! Ich kann meinen Beruf fast uneingeschränkt empfehlen. Man muss sich allerdings darüber im Klaren sein, dass viele Wochenenden für den Beruf draufgehen. Mein berufliches Leben findet in erster Linie am Wochenende statt. Man muss sich ein Stück weit auch von seinem sozialen Umfeld verabschieden, denn der Beruf bringt auch viele Reisen mit sich.

Ich wollte den Job gerne machen, deshalb habe ich das, was dazugehört, in Kauf genommen. Ich weiß, dass es für viele junge Mädchen ein Traumjob ist, würde aber die Motivation hinterfragen: Warum möchtest du das machen? Denn leider gibt es auch Fälle, bei denen ich den Eindruck habe, dass Menschen, manchmal auch Frauen, diese Bühne, die ihnen da geboten wird, für sich selbst nutzen und nicht für die Sache.

Man muss seine eigene Begabung für die Sache auch erstmal testen. Es gibt viele, die sich nicht vorstellen können, was es heißt, sich vor eine Menge Menschen zu stellen. Wenn ich weiß, da schauen mir gerade 25 Millionen Menschen zu, dann kann ich das rational gar nicht greifen, es darf mich aber auch nicht weiter tangieren.

Ich habe das beim Radio zum Beispiel ganz oft erlebt, dass mich junge Mädchen gefragt haben, wie man Radiomoderatorin wird. Und ich hatte den Eindruck, dass mein Gegenüber eigentlich schüchtern war und sich kaum getraut hat zu sprechen. Ich rate dazu, sich auszuprobieren, ein Praktikum zu machen und zu schauen, ob man sich das alles überhaupt vorstellen kann. Aber der Job als solcher ist super.

Fußball – eine Männerdomäne?

Ich hätte gedacht, Sie sagen: „Ja, mit der Einschränkung, dass man natürlich immer noch in so einer totalen Männerdomäne ist“.

KMH: Überhaupt nicht. Ich mache das jetzt seit 19 Jahren und habe in der Zeit eine große Entwicklung erlebt. 2006 hätten Sie mich nach der Männerdomäne fragen können, doch das ist lange vorbei. Und ich bin so dankbar dafür. Es ist doch nie schön, eine der wenigen zu sein. Da lege ich gar keinen Wert drauf. Ich möchte am liebsten Teil eines Teams sein und nicht irgendwie herausstechen. Es kommen zum Glück coole junge Frauen nach, die es heute schwerer und leicht zugleich haben.

Ich war damals eine von wenigen und hatte einen Chef, der mich unterstützt und gefördert hat. Ich musste mir die Positionen, die ich im Laufe der Jahre hatte, nicht groß erkämpfen. Das ist heute anders – heute hat man da mehr Konkurrenz. Auf der anderen Seite muss man sich als junge Frau aber auch nicht mehr so viel erkämpfen, weil es einfach normaler geworden ist.

Aber das liegt ja genau auch an so tollen Vorreiterinnen wie Ihnen!

KMH: Das Gute ist doch: Wenn ich am Samstag um 23 Uhr im Sportstudio auftauche, fragt sich keiner mehr: „Was will die da?“. Es ist eine Gewohnheit geschaffen worden, die mir heute extrem hilft. Die Menschen fremdeln immer nur mit Dingen, die sie so nicht kennen. Jetzt stand da vor fast 20 Jahren eine Frau – mein Gott, war das eine Aufregung! Heute ist das zum Glück weg – ein großes Geschenk.

Wer diese 15 Fußball-Quizfragen beantworten kann, ist ein echter Experte

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