Miteinander reden in der Familie

Eltern

Miteinander reden in der Familie

Offen und wertschätzend miteinander reden ist ein Grundpfeiler für eine glückliche Familie. Kommunikationsregel sorgen für einen respektvollen Umgang in der Familie

Miteinander reden für Entwicklung wichtig

Was geschieht, wenn Eltern mit unseren Kindern austauschen, mit ihnen streiten, lachen und diskutieren: Über die vielschichtige verbale und nonverbale Kommunikation entsteht Bindung und Beziehung! Die Art und Weise, wie wir in der Familie miteinander reden, umgehen und sprechen, prägt zutiefst ihr Bild der Eltern - und vor allen Dingen von sich selbst. Spüren sie in Worten oder Gesten Desinteresse oder Missachtung, fühlen Kinder sich weniger wertvoll. Gehen wir anerkennend und liebevoll mit ihnen um, macht sie das stark und selbstbewusst. Der Altmeister der Kommunikationswissenschaften, der austro-amerikanische Psychologe Paul Watzlawick, sagte: „Kommunikation hat immer einen Inhaltsaspekt und einen Beziehungsaspekt.“ Wenn Eltern ihr Kind also ausschimpfen: „Mein Gott, du hast ja schon wieder ein Glas zertrümmert“, dann enthält dieser Satz zum einen die Sachbotschaft: Das Glas ist kaputt. Aber es schwingt auch mit: „Ich halte dich für einen Tölpel.“ Wie mag dieser - bestimmt nicht so böse gemeinte - Satz auf eine Kinderseele wirken? Im Satz: „Wie schade. Mein Lieblingsglas ist dahin“, klingt zwar auch der Ärger der Mutter an, aber kein vernichtendes Urteil. Wie es scheint, ist Kommunikation der entscheidende Faktor der Erziehung: „Ein Lolli mehr oder weniger. Eine Stunde Fernsehen zu viel - all das wirkt sich am Ende kaum auf die Entwicklung von Kindern aus. Dafür aber umso mehr die Art und Weise, wie wir mit ihnen umgehen und sprechen“, sagt die Pädagogin Daniela Liebich.

Miteinander reden löst Konflikte

"Übers Reden reden" - die Sozialpädagogin und Familientherapeutin Daniela Liebich über elterliche Streitkultur und was Kinder daraus lernen können:

Das Thema Erziehung ist in vielen Partnerschaften ein Reizthema. Woran liegt das?

Daniela Liebich: Jeder bringt seine eigene Geschichte mit, und entsprechend haben Eltern häufig unterschiedliche Ziele, Prioritäten und Empfindlichkeiten bei der existenziellen Frage der Kindererziehung. Aber häufig ist Eltern ihre unterschiedliche Haltung gar nicht so bewusst. Und im Alltag können diese unausgesprochenen Vorstellungen zu Konflikten führen, die sich dann in "Kleinigkeiten" entladen.

Was können Eltern tun?

Daniela Liebich: Metakommunikation betreiben! Dieses so theoretisch klingende Wort bedeutet einfach, über die Situation zu sprechen: Was passiert da mit uns? Warum geraten wir an dieser Stelle häufig in Streit? Welche Gefühle haben wir dabei? Und darauf aufbauend versuchen, den anderen und seine Wünsche wirklich zu verstehen sowie sich selbst über seine Werte und Vorstellungen klar zu werden und sie dem Partner mitzuteilen. Das funktioniert besonders gut, wenn man Ich-Botschaften formuliert und damit seine Gefühle transparent macht: „Ich schäme mich einfach, wenn die Kinder im Restaurant schmatzen. Deshalb ist es mir so wichtig, dass wir auf gute Tischmanieren achten.“ Solche Gespräche gelingen in einer ruhigen Minute natürlich besser als in der akuten Situation.

Dürfen Kinder wissen, dass ihre Eltern unterschiedlicher Auffassung sind?

Daniela Liebich: Das können sie gar nicht vor Kindern verbergen. Kinder haben feine Antennen für so etwas. Und das schadet nicht. Im Gegenteil, es bietet die Chance, Kindern vorzuleben, wie man mit Differenzen gut umgehen kann. Sie können dabei zum Beispiel lernen, dass unterschiedliche Meinungen nicht bedeuten, dass man sich nicht mehr lieb hat, sondern dass man in Ruhe darüber sprechen und am Ende einen Kompromiss finden kann.

Unterschätzen wir manchmal, wie sehr Kinder auch das wahrnehmen, was wir gar nicht direkt zu ihnen sagen?

Danielea Liebich: Auf jeden Fall. Die Art und Weise, wie Eltern miteinander sprechen, prägt ganz entscheidend das Kommunikationsverhalten der Kinder. Schweigen die Eltern, wird auch das Kind zum Schweiger. Sind die Eltern diskussionsfreudig, so wird diese Gesprächskultur für die Kinder selbstverständlich werden. Karl Valentin hat einmal gesagt: "Sie brauchen Kinder nicht zu erziehen, sie machen einem sowieso alles nach." Dieser Spruch hat einen wahren Kern.

Miteinander reden leicht gemacht

Miteinander reden leicht gemacht durch „gewaltfreie Kommunikation“

Das Buch „Gewaltfreie Kommunikation“ (GfK) von Marshall B. Rosenberg ist seit Jahren ein Bestseller. Viele Menschen, die es ausprobiert haben, schwärmen davon. Was steckt eigentlich hinter der „GfK“? Wer möchte schon „gewaltsam“ mit anderen kommunzieren? Vermutlich niemand! Aber trotzdem geraten wir immer wieder in Situationen, in denen uns zum Beispiel Sätze wie „Wieso kannst du nie...“ oder „Es ist immer das Gleiche“ rausrutschen. Sätze, die unser Gegenüber verletzen und kränken - und häufig eine Spirale der gegenseitigen Geringschätzungen in Gang setzen. Der amerikanische Psychologe und Konfliktmediator Marshall B. Rosenberg hat ein Konzept entwickelt, wie es gelingen kann, miteinander in Kontakt zu bleiben und rücksichtsvoll und respektvoll miteinander zu sprechen und einander einfühlsam zuzuhören. Das Konzept entstand ursprünglich aus Rosenbergs Auseinandersetzung mit der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung in den frühen 1960er Jahren und wird heute in vielen verschiedenen Zusammenhängen angewandt. Es besteht im Wesentlichen aus vier Komponenten.

„Gewaltfreie Kommunikation“ - die vier Grundregeln

Beobachtungen: Zuerst beobachten wir, was in einer Situation tatsächlich geschieht. Die Kunst besteht darin, die Beobachtung dem anderen ohne Beurteilung oder Bewertung mitzuteilen. Ein Beispiel: Sie betreten das Zimmer Ihres Kindes. Sie können entweder sagen: „Was ist denn das für ein Saustall hier?“, oder Sie können sagen: „Deine Kleidung liegt auf dem Boden. Ich kann nicht bis zum Bett gehen, ohne zu stolpern.“Gefühle: Als Nächstes sprechen wir aus, wie wir uns bei dieser Beobachtung fühlen. Zum Beispiel: „Ich werde ganz kribbelig und ärgerlich, wenn so viele Kleidungsstücke auf dem Boden liegen“, statt: „Das ist ja nicht zu ertragen“.Bedürfnisse: Im drittten Schritt sagen wir, welche unserer Bedürfnisse hinter diesen Gefühlen stehen. „Ich habe viel Zeit damit verbracht, die Wäsche zu machen, und ich wünsche mir, dass das auch wertgeschätzt wird.“ Das kommt anders an als: „In Zukunft kannst du deine Sachen selbst waschen und bügeln.“Bitten: Im vierten Schritt teilen wir unserem Gegenüber klar mit, was wir von ihm wollen, damit beider Leben schöner wird: „Kannst du bitte die saubere Wäsche in den Schrank legen und die schmutzige in den Wäschekorb bringen.“ Die Grundidee der gewaltfreien Kommunikation (GfK) ist, dass wir alle Bedürfnisse haben, nach deren Befriedigung wir streben, um glücklich und ausgeglichen zu sein. Die GfK soll uns anregen, klar und ehrlich auszudrücken, welche Bedürfnisse das sind, und auch denen unseres Gegenübers auf die Spur zu kommen und achtsam damit umzugehen.

Kommunikation mit Kindern verzichtet auf Ironie

Kommunikation mit Kindern verzichtet auf Ironie

Wer mit Kindern spricht, sollte nicht alle Register seines rhetorischen Könnens ziehen. Zum Schein das Gegenteil sagen - das ist witzig, wenn die Beteiligten gleich starke Gesprächspartner sind und alle verstehen, wie es gemeint ist. Im Umgang mit Kindern ist Ironie nicht angebracht. Denn das Schöne ist gleichzeitig auch das Heikle an ihr. Ironie sagt Ja und meint Nein. Oder vielleicht auch Jein. Und weil das so ist, können wir mit Ironie Kritik heiter entschärfen und Probleme humorvoll relativieren. Aber gleichzeitig bleiben Gefühle unausgesprochen, Standpunkte verschwinden im Nebel. Kurz: Ironie ist das Gegenteil von klarer, eindeutiger Kommunikation. Und besonders kleine Kinder verstehen noch nicht, was ernst und was als Witz gemeint ist. Und: Sie können sich noch nicht gegen solche Verbalattacken wehren, selbst wenn sie lustig gemeint sind. Ironie verursacht womöglich sogar: Misstrauen. Das ist der beste Scherz nicht wert!

Kommunikation: Jede Botschaft hat vier Seiten

Kommunikation: Jede Botschaft hat vier Seiten

Aber was ist Kommunikation überhaupt? Als Kommunikation bezeichnet man den Austausch von Nachrichten und Botschaften durch mindestens zwei Personen. Der Hamburger Kommunikationswissenschaftler Friedemann Schulz von Thun hat das so genannte Kommunikations-Quadrat entwickelt, das veranschaulicht, dass ein Satz nicht einfach ein Satz ist, sondern jede Botschaft immer mehrere Seiten hat. Sachaspekt: Wenn wir uns äußern, enthält diese Botschaft immer Daten und Fakten, die wir dem anderen mitteilen wollen. Zum Beispiel: „Deine Jacke hängt am Haken.“Beziehungsaspekt: Je nachdem, wie ich diesen Satz sage, bringe ich zum Ausdruck, was ich von meinem Gegenüber halte. Entsprechend fühlt sich der andere entweder akzeptiert und geschätzt oder aber bevormundet und nicht ernst genommen. Selbstoffenbarungsaspekt: Wenn jemand etwas sagt, gibt er auch etwas von sich preis - dieser Umstand macht jede Nachricht zu einer kleinen Kostprobe der Persönlichkeit. In dem Satz „Deine Jacke hängt am Haken“ schwingt vielleicht mit: „Ich bin genervt, weil ich mich um alles kümmern muss.“Appellaspekt: Wenn jemand etwas sagt, möchte er in der Regel auch etwas bewirken. Zum Beispiel: „Zieh dich jetzt an“ oder aber „Häng die Jacke in Zukunft endlich selbst auf“. Aber nicht nur die Botschaften, die wir senden, enthalten verschiedene Aspekte - wir hören sozusagen auch mit vier Ohren. Und manchmal will einer vielleicht auf der Sachebene „senden“ und wird auf der Beziehungsebene gehört. Ein klassisches Beispiel: Die Mutter sagt zu ihrem Kind, weil sie es eilig hat: „Lass mich das schnell machen.“ Kinder nehmen aber in aller Regel die Beziehungsebene von Gesprochenem stärker wahr als die Sachebene, und so hört dieses Kind: „Sie meint, ich kann das nicht.“ Kommunikation ist eben voller Fallstricke.

Kommunikation ist mehr als nur Worte

Psychologen gehen davon aus, dass 55 Prozent der Kommunikation über Körpersprache, Mimik und Gestik ablaufen, 38 Prozent über Ton oder die Art des Sprechens und lediglich sieben Prozent über Worte. Kommunikation ist etwas sehr Ganzheitliches. „Man kann nicht nicht kommunizieren“, lautet ein bekannter Satz von Paul Watzlawick. Auch Schweigen und Nichthandeln sind eine Mitteilung Kommunikation ist zwar die selbstverständlichste Sache der Welt, aber dabei höchst kompliziert und deshalb auch ziemlich fehleranfällig. Nicht immer kommen die Dinge so an, wie wir es meinen. Und manchmal verstehen wir falsch, was andere zu uns sagen. Viele sehr unterschiedliche Probleme in der Familie (und auch in der Arbeitswelt) haben häufig dieselbe Ursache: Kommunikation, die schiefgelaufen ist.

Miteinander reden: Regeln für Eltern

Miteinander reden: Regeln für Eltern

Das Besondere an der Kommunikation mit Kindern ist, dass sie nicht symmetrisch ist. Die Beziehung wird immer ungleich sein. Das Kind ist auf die Hilfe seiner Eltern angewiesen, die ihm an Wissen, Macht und Können überlegen sind. Insofern sollten wir uns immer wieder bewusst machen: Kinder haben noch nicht die gleichen kommunikativen Kompetenzen wie Erwachsene! Die müssen sie erst lernen. Und je engagierter und liebevoller wir sie dabei unterstützen, desto besser gelingt ihnen das. Geduldig und aktiv zuhören: Kinder lernen erst noch, ihre Wünsche und Meinungen klar zu äußern. Es dauert also häufig etwas, bis sie sich erklärt haben. Deshalb ist es so wichtig, sich Zeit zu nehmen und ihnen wirklich aufmerksam zuzuhören. Liebevoll und zugewandt: Das gelingt gerade in kritischen Momenten besser mit Ich-Botschaften. Denn eine Du-Botschaft enthält oft einen Vorwurf, eine Herabsetzung oder eine Drohung. Ich-Botschaften sind wirksamer, weil Sie so Gefühle, Wünsche und Aufforderungen zum Ausdruck bringen, ohne Ihr Kind zu verletzen. „Ich bin erschöpft und mag jetzt nicht vorlesen“ klingt ganz anders als „Du nervst. Lass mich jetzt in Ruhe“. Ganz entscheidend ist natürlich auch der Tonfall.

Kommunikation mit Kindern sollte authentisch sein

Authentisch: Achten Sie darauf, dass Sie authentisch kommunizieren sowie die sprachlichen und nicht-sprachlichen Anteile Ihrer Botschaft zueinander passen. Nicht übereinstimmende Äußerungen verwirren und beängstigen Kinder. Ein Beispiel: Mama ist aufgewühlt, sagt aber zu ihrem Kind: „Alles in Ordnung, Schatz“. Gut gemeint, aber Kinder erspüren am Tonfall oder an der Mimik, dass da etwas nicht stimmt, und reagieren darauf dann ratlos, ängstlich oder trotzig. Besser: „Ich habe gerade Ärger, aber das hat nichts mit dir zu tun.“ Eindeutig und klar: Der Familien- und Kommunikationsberater Jan-Uwe Rogge nennt es das „Drama der guten Worte“. Ohne sich dessen bewusst zu sein, verhalten wir uns unseren Kindern gegenüber oft unklar: Wir verpacken zum Beipsiel die Aufforderung „Komm jetzt!“ in eine Frage: „Na, wollen wir mal losgehen?“ Kinder kennen aber keine rhetorischen Fragen. Für sie gilt: Wenn man mich fragt, kann ich Ja oder Nein sagen. Der Konflikt ist programmiert. Kurz und bündig: Es gibt den schönen Ausdruck „Muttertaubheit“. Er bezeichnet das Phänomen, dass Kinder auf Durchzug schalten, wenn ein Schwall von Ermahnungen, Vorschlägen und Hinweisen auf sie einprasselt. Gerade in der Kommunikation mit Kindern gilt: Weniger ist mehr! Wichtig ist auch, nicht zu viele Informationen in einen Satz zu packen, denn die können Kinder in aller Regel nicht alle auf einmal verarbeiten.

Miteinder reden in der Familie

Metakommunikation hilft bei Problemen

Schon mit kleinen Kindern kann man in einem ruhigen Moment erstaunlich gut Metakommunikation betreiben, das heißt, darüber zu reden, wie man miteinander spricht. Zum Beispiel: „Was können wir tun, damit wir uns nicht jeden Abend kabbeln, wenn es Zeit zum Zähneputzen ist?“ Ab etwa vier Jahren können Sie damit beginnen. „Sie werden erstaunt sein, wie schnell Kinder es lernen, Situationen zu reflektieren und Lösungen zu finden“, sagt Daniela Liebich. Und noch etwas werden Sie feststellen: Diese Gespräche intensivieren und verbessern Ihre Beziehung zu Ihrem Kind enorm. Denn die Aufforderung zum Gespräch signalisiert auch: „Ich will mit dir gemeinsam das Problem lösen und halte dich für kompetent, etwas dazu beizutragen.“ Und noch eines: Natürlich hilft es, wenn man die Regeln der Kommunikation und der Metakommunikation kennt und einige „Tricks und Kniffe“ beherzigt, die dazu beitragen, Störungen zu vermeiden. Aber mindestens genauso entscheidend ist die innere Haltung, die wir unseren Kindern gegenüber einnehmen. Mit viel Liebe, Zugewandtheit, Offenheit und der festen Überzeugung, dass es nie wirklich böser Wille ist, wenn Kinder mal nicht hören, klappt es einfach besser. Nicht immer, aber immer öfter.

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