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Er kann immer!

5 Sexmythen über Männer, die nur ein Klischee sind

Männer sind dauergeil und brauchen die Penetration, um Lust zu empfinden? Solche und ähnliche Sexmythen kursieren seit Jahren immer noch über das männliche Geschlecht. Dabei handelt es sich jedoch um historisch bedingte Vorurteile, die nie bewiesen, aber immer wieder reproduziert worden sind. Wir möchten mit solchen Mythen aufräumen, denn sie hemmen sowohl Männer als auch Frauen ihre Lust frei auszuleben und neu zu entdecken.

#1 Männer sind häufiger sexuell erregt als Frauen

Das Klischee, Männer seien "dauergeil", setzt viele Menschen unter Druck, wenn sie kürzere oder längere Phasen haben, wo die Lust mal nicht da ist. Dabei ist das ganz normal und auch nicht gleich "krankhaft". Der Sexualtrieb ist ein Mythos: Keine Frau und kein Mann hat ständig Lust und muss auch nicht ständig erregbar sein. Denn dies wandelt sich im Laufe unseres Lebens und hängt von sehr vielen körperlichen, psychischen und sozialen Faktoren ab. Bei beiden Geschlechtern ist die Lust hormonell gesteuert und kann sich daher verändern, wenn es ein hormonelles Ungleichgewicht gibt. Dieses wird wiederum auch durch sehr viele äußere Bedingungen beeinflusst.

Generell kursiert auch diese Annahme, dass Männer häufiger an Sex denken, weil zum Mannsein ebenfalls seit Jahrhunderten die Potenz als "männliche Eigenschaft" anhaftet. Ein Mann will immer und kann immer. Wer diesem Klischee nicht entspricht, ist "kein richtiger Mann". Dabei haben Studien schon gezeigt, dass auch Frauen sehr häufig an Sex denken. Sie reden nur seltener darüber oder geben es nicht zu. Denn es galt lange nicht als "schicklich", dass eine Frau zugibt, ob und wann sie sexuell erregt ist. Zum Glück ändert sich das und wir können selbstbewusst auch als Frauen zu unserer Lust stehen.

#2 Männer haben IMMER einen Orgasmus, wenn sie ejakulieren

Ein weiterer Mythos ist der Orgasmus des Mannes: Ein Mann hat nicht immer automatisch einen Orgasmus, sobald er ejakuliert. Das ist häufig der Fall, es kann aber auch vorkommen, dass eine Ejakulation ohne Höhepunkt passiert. Denn die sexuelle Erregung passiert im Gehirn und nicht im Genital. Anders herum kann ein Mann auch einen sexuellen Höhepunkt empfinden, ohne dass er ejakuliert. Das nennt die Medizin einen "trockenen Orgasmus". Die Samenflüssigkeit kann sich dann in die Harnblase entleeren oder es erfolgt gar kein Samenerguss, weil die Samenwege oder Nervenbahnen beschädigt sind. Zumal das Erregungsplateau auch erreicht werden kann, ohne dass der Mann ejakuliert.

Der Orgasmus ist beim Sex häufig das Ziel, jedoch wird das Liebesspiel viel intensiver, wenn man jeden Schritt bis dahin auch genießt. Es ist nicht so, dass ihr keinen guten Sex habt, wenn am Ende eine*r von beiden keinen Orgasmus hatte. Das sind alles nur Klischees und Sexmythen, die wir erlernt haben und reproduzieren. Dabei sollten Männer und Frauen diese immer wieder hinterfragen und sich von dem Druck, den diese machen, befreien.

#3 Der Mann muss ejakulieren, sonst bekommt er einen Samenstau

Dieser Mythos ist ein historisch gewachsenes Klischee. Bis ins 19. Jahrhundert noch wurde der Orgasmus der Frau angezweifelt und es galt die Annahme, dass Männer einen natürlichen Sexualtrieb hätten, den sie ausleben müssten. Damit wurde gerechtfertigt, dass der Mann sich der Frau jederzeit bedienen dürfe, um diesen sogenannten Trieb auszuleben. Dabei ist beides völliger Quatsch, wie die systemische Sexualtherapeutin Julia Henchen in ihrem Buch "Lustfaktor" aufklärt: "Das Ejakulat wird vom Körper abgebaut oder mit dem Urin hinausgespült, da kann sich nichts stauen."

"Tatsächlich wird die Idee des "Samenstaus" leider noch viel zu häufig verwendet, um den Sexualtrieb von Männern zu rechtfertigen."

Sexualtherapeutin Julia Henchen

#4 Männer empfinden nur bei der Penetration richtige Lust

Auch so ein Mythos, der sich immer noch aufrecht erhält. Dabei wissen wir doch mittlerweile, dass der menschliche Körper und auch der männliche Körper so viel mehr erogene Zonen hat, die höchst erregbar sind. Natürlich ist dieses Empfinden sehr individuell. Viele Männer sind an der Penisspitze am empfindlichsten und mögen penetrativen Sex, doch gesteigerte Lust bis hin zum Orgasmus kann auch durch Stimulation anderer Körperstellen entstehen.

Die Prostata ist z.B. auch ein sehr erogener Bereich und kann bei manchen Männern durch Massage von außen oder innen zu einem Höhepunkt führen. Wichtig ist, dass wir miteinander reden, was uns gefällt und offen sind, neue Dinge auszuprobieren. Und nur weil es andere gut finden, heißt das noch lange nicht, dass ihr das auch gut finden müsst.

#5 Männern ist es egal, ob ihr Partner/ihre Partnerin Lust empfindet

Ich wünsche niemanden, dass dem Sexualpartner egal ist, was man selbst beim Sex empfindet. Sex sollte zum einen einvernehmlich sein und zum anderen sollten beide Partner*innen befriedigt sein und ihre Bedürfnisse ausleben können. Dazu ist Kommunikation extrem wichtig, sowohl verbale wie auch körperliche. Es ist eine Unterstellung, dass es den meisten Männern nur um ihre Befriedigung gehen würde. Laut einer Studie ist es drei Vierteln der Männer wichtig, dass ihr*e Partner*in Lust empfindet.

Wenn ihr schon mal an einen Partner geraten seid, der beim Sex wirklich nur an sich denkt, ist das sehr schlimm. Dann war es hoffentlich nur ein One-Night-Stand und man geht danach getrennte Wege. In einer erfüllten sexuellen Zweierbeziehung sollten doch beide zeigen dürfen, was ihnen Lust bereitet und auch ernst genommen werden, wenn sie Praktiken ablehnen. Wenn in eurer aktuellen Beziehung einer von beiden sexuell nicht erfüllt ist, kann nur ein Gespräch helfen. Habt Mut, eure intimen Wünsche zu äußern und schmeißt alle Klischees und Sexmythen über Bord!

Um zu verstehen, wie sexuelle Lust entsteht (bei Männern und Frauen), empfehle ich euch zur weiteren Lektüre das neue Buch von der bereits erwähnten Sexualtherapeutin Julia Henchen. Darin räumt sie ebenfalls mit vielen Sexvorurteilen und Mythen auf und geht insbesondere aufs Thema Selbstbefriedigung für Frauen ein:

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Bildquelle: Getty Images/Prostock-Studio

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