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Vaginismus

Scheidenkrampf beim Sex: Wie er entsteht und was du tun kannst

Scheidenkrampf Vaginismus behandeln erkennen
© Getty Images/silverkblack

Wenn sich beim Sex alle Muskeln verkrampfen, ist ein erfülltes Liebesleben nicht mehr möglich. Der sogenannte Vaginismus kann viele Ursachen haben und tritt bei betroffenen Frauen oft schon im Teenie-Alter mit dem ersten Besuch bei der Gynäkologin auf. Eine Betroffene berichtet uns, wie sie zu ihrer Diagnose kam und was ihr dabei geholfen hat.

Scheidenkrampf erkennen lernen: Kein Tabu

Beim sogenannten Vaginismus handelt es sich um unwillkürliche reflexartige Muskelverkrampfungen, die dazu führt, dass sich die Vagina verschließt. Das kann während des Geschlechtsverkehrs beim Eindringen des Penis der Fall sein, oder wenn versucht wird, einen Tampon einzuführen.

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Manche Frauen erleben diese Muskelverkrampfung auch beim Gynäkologen, eine weitere Untersuchung ist dann nicht mehr möglich. Die Muskelkontraktionen lassen sich einfach nicht mehr eigenständig steuern. Beim Sex kann dies sehr große Schmerzen verursachen oder den Geschlechtsverkehr sogar unmöglich machen. Es kann sogar zu Kontaktblutungen kommen.

Mediziner unterscheiden einen primären Vaginismus und eine sekundären. Ersteren entdecken Frauen schon während der Pubertät. Oftmals konnte nie ein wirkliches Sexualleben aufgebaut werden bzw. wird aufgrund der Schmerzen nicht ausgelebt. Beim sekundären Vaginismus ist ein bestimmtes (oft traumatisches) Ereignis der Auslöser. Das kann ein sehr einschneidendes negatives sexuelles Erlebnis, Geburtstrauma oder ein sexueller Missbrauch sein. Manchmal ist die Ursache (wie beim primären Vaginismus) aber auch einfach physischer also körperlicher Natur.

Diagnose Vaginismus: So spricht eine Betroffene darüber

Es leiden zwar nicht wenige Frauen an Scheidenkrämpfen, dennoch erkennen nicht alle Gynäkologen die Krankheit sofort bzw. nehmen diese gleich ernst. Viele Frauen erhalten nicht gleich eine Diagnose, die ihnen weiter hilft, an diesem Problem zu arbeiten.

So ging es auch Franziska Wagner. Sie beschreibt, dass die Krämpfe bei ihr schon immer irgendwie da waren und sie zunächst annahm, es stecke etwas Psychisches dahinter. Ihr Gynäkologe riet ihr "es langsam angehen zu lassen" und "sie solle versuchen, zu entspannen". Doch die Tipps halfen ihr nicht weiter, sondern setzten sie nur noch stärker unter Druck.

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Erst nach Eigenrecherchen kam sie dahinter, dass sie unter Vaginismus leidet. In einer Facebook-Gruppe tauschte sie sich mit anderen betroffenen Frauen aus und rief die Website Vaginismus-Selbsthilfe.de ins Leben. Dort sind jetzt alle Informationen zur Krankheit gebündelt und hilft Frauen auch, den richtigen Ansprechpartner zu finden.

"Wir haben uns Mühe gegeben, unser gesamtes bisher erworbenes Wissen und unsere Erfahrungen mit dem Thema Vaginismus zugänglich zu machen. Betroffene Frauen finden bei uns ausführliche Informationen zu möglichen Ursachen der Krankheit und eine Vielzahl an Übungen und Tipps, die mir und anderen Betroffenen sehr geholfen haben."

Franziska Wagner, Vaginismus-Selbsthilfe.de

Über die weibliche Vagina kursieren auch eine Menge falscher Fakten. Im Video erfährst du, was so gar nicht stimmt:

Viva la Vagina: 3 Mythen über weibliche Geschlechtsorgane, die nicht stimmen
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Welcher Arzt ist der richtige für mich?

Auf der erwähnten Website finden Frauen, die beschriebene Symptome bei sich feststellen, nicht nur Informationen zur Selbsttherapie und Übungen, sondern auch Hilfe, die richtige Ärztin oder den richtigen Arzt zu finden. Gemeinsam mit weiteren Betroffenen hat Franziska Wagner eine deutschlandweite Liste aller Spezialisten, gynäkologischen Fachärzte und Sexualtherapeutinnen zusammengestellt.

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"In aller Regel sollte meiner Meinung nach eine für dieses Thema offene Gynäkologin die erste Ansprechpartnerin sein. Das ist auch sinnvoll, um evt. physiologische Gründe für den Vaginismus abzuklären. Je nachdem was Auslöser der Krankheit ist kann insbesondere bei sekundärem (also durch ein traumatisches äußeres Ereignis ausgelöstem) Vaginismus eine Psychotherapie oder Sexualtherapie mit einem verständnisvollen Therapeuten sehr hilfreich sein."

Franziska Wagner, Vaginismus-Selbsthife.de

Franziska Wagner merkt jedoch an, dass die Krankenkasse sexuelle Funktionsstörungen nicht als Krankheit einstuft, und man für die Kosten häufig selbst aufkommen muss. Je nachdem zu welchem Arzt man geht, kann bei einer Psychotherapie jedoch auch teilweise die Krankenkasse unterstützen. Dies sollte man mit der jeweiligen Ärztin vorher besprechen.

Scheidenkrampf erkennen und behandeln: Ursachen und Gründe

Um zu ergründen, woher die Krämpfe bei dir kommen, ist es wichtig, dass du dich zunächst nicht dafür schämst, dass es dir so geht. Da es in erster Linie eine sogenannte "sexuelle Funktionsstörung" mit psychischen Ursachen ist, heißt das nicht, dass etwas sexuell nicht mit dir stimmt. Es kann viele Ursachen geben, warum du beim Sex verkrampfst. Es kann auch beim ersten Mal vorkommen, dass dein Körper noch nicht bereit ist und verkrampft. Mach dir auf keinen Fall zu viel Druck, sondern lass es langsam angehen, wenn du soweit bist.

Es kann aber auch sein, dass ein bestimmtes negatives Ereignis in deinem Leben dazu geführt hat, dass du Sex nicht genießen kannst und sich daher deine Muskeln schon bei leichter Berührung verkrampfen. Manchmal wurden frühe Erlebnisse verdrängt und es ist gar nicht möglich ein konkretes Ereignis zu benennen.

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Rede daher unbedingt mit deinem Partner oder deiner Partnerin darüber, wie es dir geht und sucht dann vielleicht gemeinsam das Gespräch mit einem Spezialisten. Denn wenn diese Probleme ungeklärt sind, können sie eure Beziehung enorm belasten. Neben unangenehmen sexuellen Erlebnissen gibt es aber auch folgende Gründe, die einen Scheidenkrampf auslösen.

  • Schwierige Geburt: Eine komplizierte Geburt, wie z. B. mittels Saugglocke, kann zu verstärkten Schmerzen in der Vagina führen. Doch auch ein Geburtstrauma kann für das Verkrampfen der Scheidenmuskulatur verantwortlich sein und beim Sex nach der Geburt Blockaden hervorrufen.
  • Erkrankungen im Intimbereich: Es gibt bestimmte Krankheiten im Intimbereich, die einen Scheidenkrampf begünstigen können. Das kann eine Harnwegsinfektion oder auch die Krankheit Endometriose sein. Wenn du darunter leidest, besprich am besten mit deinem behandelnden Arzt die Auswirkungen der Krankheit.
  • Wechseljahre: In den Wechseljahren wird der gesamte weibliche Hormonhaushalt umgestellt. Einige Frauen leiden dann an Scheidentrockenheit und damit einhergehend manchmal an Scheidenkrämpfen, denn die Schleimhäute werden nicht mehr richtig mit Hormonen versorgt. Es kann einige Jahre dauern, bis du das bemerkst. Doch dafür gibt es gute Lösungen wie spezielle Feuchtcremes oder auf Hormonen basierende Gele, die dein Gynäkologe dir verschreiben kann.

Schreidenkrampf verhindern und sich selbst besser kennen lernen

Das Wichtigste ist dabei: Sei offen zu dir selbst und sprich unbedingt mit deinem Partner, deiner Partnerin oder auch einer vertrauten Person. Das ist der erste Schritt in die richtige Richtung. Dann hast du die Chance, dich und deinen Körper besser zu verstehen.

#1 Erkundungstour

Gynäkologen raten, dass man sich viel Zeit für seinen Körper nimmt und einmal auf "Erkundungstour" geht. Manche jüngere Frauen kennen sich einfach "da unten" noch nicht gut genug. Taste dich einmal vorsichtig ab und schau, wie sich die Berührung anfühlt. Nimm dir viel Zeit für dich selbst, das kann z. B. während eines Entspannungsbads passieren.

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#2 Selbstbefriedigung

Selbstbefriedigung kann helfen, dich zu entspannend und Blockaden abzubauen. Auch hierfür solltest du dir Zeit nehmen und einfach mal versuchen, was dir gefällt. Natürlich ist es wichtig, dass du dich dabei wohlfühlst und kein Zwang da ist.

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Manchmal braucht es Zeit, sich zu entspannen und zu verstehen, dass Selbstbefriedigung gut tut und sehr wichtig für ein gesundes Körpergefühl ist. Zudem gibt es auch viele kleine Helferlein, die dir Lust verschaffen können.

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"Sehr hilfreich für mich persönlich war vor allem auch das selbstständige Üben mithilfe von Entspannungstechniken, behutsamem Vaginaltraining mit Dilatoren und Beckenbodenübungen."

Franziska Wagner, Vaginismus-Selbsthilfe.de

#3 Beckenbodentraining

Oftmals ist nicht nur die Vagina sondern auch die Beckenbodenmuskeln verkrampft. Die richtigen Übungen für einen gesunden Beckenboden können helfen, dich zu entspannen, vor allem nach einer oder mehreren Geburten ist hier Training vonnöten. Probier es einfach mal mit einem Beckenbodentrainer, der dir hilft deine gesamte vaginale Muskulatur zu entspannen und entkrampfen.

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#4 Gleitgel & Vaginalcremes

Nicht nur in den Wechseljahren können wir Frauen an Scheidentrockenheit leiden. Wenn es bei euch vor dem Sex einfach nicht richtig flutscht und du daher schnell verkrampfst, ist ein Gleitgel ein gutes Mittel. Das löst zwar nicht immer auch die tiefer liegenden Ursachen, kann aber dazu beitragen, dass sich alles besser anfühlt. Für eine sehr trockene Scheide kann man auch eine vaginale Feuchtcreme versuchen.

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Es gibt bei dem Thema Scheidenkrampf wie bei vielen gynäkologischen Themen nicht DIE eine Lösung. Hier heißt es einfach ausprobieren. Doch dass du dich darüber informierst und versuchst, es zu ergründen, ist der erste Weg Richtung Besserung.

Bist du ein(e) Sexperte(in)? Mach den Sex-Test!

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