Für Links auf dieser Seite erhält familie.de ggf. eine Provision vom Händler, z.B. für mit oder grünblauer Unterstreichung gekennzeichnete. Mehr Infos.
Kolumne: Endlich Urlaub? Nicht für uns vergessene Familien

Plant ihr noch?

Kolumne: Endlich Urlaub? Nicht für uns vergessene Familien

Sommer, Sonne, Urlaubszeit - klingt gut, oder? Und wie dringend brauchen wir alle jetzt unbeschwerte Familienzeit. In der Praxis sieht es mit Urlaub für die meisten Familien aber eher düster aus.

Urlaub ist so vielfältig, wie die Familien, die ihn unternehmen. Einige reisen in die Ferne, andere innerhalb von Deutschland. Manche Familien lieben Urlaub zuhause, weil sie endlich in Ruhe die eigene Umgebung erkunden können, andere wollen sich an unbekannten Orten verlaufen.

Urlaub: Die Zeit zum Durchatmen

Urlaub ist die Zeit des Jahres, in der wir alle Luft holen und zur Ruhe kommen können, eine kleine Flucht aus dem Alltag. Es ist die Pause, die wir brauchen, die Zeit, in der wir ohne Stress und mit Ruhe in unserer Familie zusammensein können. Denn sind wir mal ehrlich, oft genug knirscht es im Alltag mit all seinen Anforderungen doch auch manchmal im Familiengetriebe.

Wir brauchen den Urlaub um uns zu erholen und uns auch wieder neu zu begegnen, wie auch immer jede Familie diese Erholungszeit nun individuell gestaltet. Allerdings sieht es dieses Jahr nicht gerade rosig aus mit Familienauszeit.

Große Vorfreude auf Japan

In meiner Familie herrschte große Vorfreude auf den letzten großen Urlaub vor der Einschulung! Wir haben lange drauf hin gespart, Glück bei der Flugbuchung gehabt, Unterkünfte gesichert. Nach Japan sollte es gehen, um den Kindern eine neue Kultur und mein ehemaliges Zuhause auf Zeit zu zeigen. Ende April wollten wir starten, vier Wochen mit dem Rucksack durchs Land reisen, eintauchen in diese wunderbar kontrastreiche Welt. Ein Lebenstraum.

Dann kam Corona. Erst wurden die Flüge gestrichen, dann mussten die Unterkünfte abgesagt werden. Ich habe immer bedauert, dass wir diese Reise nun vermutlich nie antreten werden. Was ich nicht bedachte: Ich werde auch kein Geld für einen Alternativurlaub haben. Denn unser Geld für den nicht angetretenen Urlaub haben wir (noch) nicht wiederbekommen.

Gutschein statt Geld zurück

Statt meine Ausgaben zurückzubekommen, schickt mir der Anbieter, über den wir den Flug gebucht haben, zweimal pro Woche eine Mail. Die macht mich aggressiv, denn in ihr werde ich aufgefordert, einen Gutschein zu akzeptieren, statt die Rückzahlung des Reisepreises zu bekommen. Mich macht das in mehrfacher Hinsicht wütend. Nicht nur, dass es per Gesetz nicht erlaubt ist, Reisende mit Gutscheinen abzuspeisen, ich habe auch keine Möglichkeit, den Anbieter zu kontaktieren. Und die Bedingungen für den Gutschein, den ich akzeptieren soll, die werden mir auch nicht mitgeteilt.

Es geht uns allen gleich

Es gibt viele Geschichten wie meine, ich erzähle hier davon, damit ihr wisst: Es geht uns allen gleich. Wir alle brauchen dringend Erholung, wie auch immer die für jede einzelne Familie aussieht. Viele haben lang gehegte Urlaubspläne, nicht alle werden in Erfüllung gehen.

Die letzten drei Monate haben wir Familien Unglaubliches geleistet. Wir haben Homeoffice, Betreuung und Förderung des Nachwuches gestemmt. Wir sind systemrelevanten Berufen nachgegangen, haben uns aufgerieben zwischen all den Anforderungen und viele von uns sind erschöpft. Da braucht es dringend eine Auszeit.

Urlaub: Ratlosigkeit macht sich breit

Die Sommerferien stehen für die ersten Bundesländer vor der Tür und eine gewisse Ratlosigkeit macht sich breit. Lieber ins europäische Ausland reisen, sodass es denn geht, und riskieren, dass man im Fall einer zweiten Corona-Welle nicht mehr nach Hause kommt? In der Heimat bleiben und hoffen, dass es überhaupt noch irgendwo eine freie Unterkunft gibt?

Deutschland hat richtig tolle Ecken, natürlich. Aber Urlaub im eigenen Land ist deswegen nicht unbedingt preiswerter als eine Fernreise, das weiß ich aus jahrelanger Erfahrung. Die Ostsee ist, zurecht, ein super beliebtes Ziel bei Familien. Bei unserer Umfrage auf Facebook war die See das beliebteste Urlaubsziel für dieses Jahr.

Urlaub in Deutschland

Hier ist es im Sommer immer voll, das wird in diesem Jahr vermutlich noch stärker zu beobachten sein. Und die Preise explodieren an manchen Orten. Eine Woche Urlaub an der See geht ganz schön ins Geld und auch das können sich viele Familien einfach nicht leisten. Viele von euch haben bereits letztes Jahr gebucht. Das hilft bei der finanziellen Komponente, aber die Frage ist: Wie ist Urlaub in Zeiten von Corona eigentlich?

Wie erholsam ist es, wenn Abstand halten am Strand zum Gebot der Stunde wird? Natürlich sind all die Hygienemaßnahmen richtig und wichtig, das möchte ich weder anzweifeln, noch überhaupt zur Diskussion stellen. Aber Urlaub ist ja auch immer ein bisschen Flucht aus dem Alltag. Wie funktioniert das, wenn Corona so allgegenwärtig ist?

Urlaub zuhause

Andere Leserinnen berichten, dass sie überhaupt nicht in den Urlaub fahren, und es sich zuhause schön machen. Vielleicht wird das auch unsere Variante für dieses Mal, auch wenn ich, schon immer, eine große Sehnsucht nach dem Reisen habe. Und Berlin jetzt auch nicht sooo attraktiv im Hochsommer ist.

Ich bin mir durchaus bewusst, dass auch diese Kolumne wieder für Gesprächsstoff sorgen wird, weil nicht jede Familie sich Urlaub leisten kann. Und doch ist es wichtig, dass wir genau darüber reden. Denn eine Pause, eine Auszeit, wie immer sie aussieht, die brauchen wir Familien nach den letzten Monaten alle.

Wir brauchen Zeit zum Verarbeiten

Wir brauchen Zeit zum Verarbeiten, Zeit als Familie und Zeit zur Vorbereitung auf die zweite Jahreshälfte. Wenn ab August der Regelbetrieb in Kitas und Schulen deutschlandweit wieder aufgenommen wird, dann brauchen wir im Vorfeld noch mal Familienzeit. Die gibt es im Urlaub, wie auch immer jede Familie den gestaltet.

Erzählt uns gern von euren Urlaubsplänen! Schickt uns dafür eine Mail oder diskutiert auf Facebook.

Andrea Zschocher
Das sagtAndrea Zschocher:

Mein Fazit

Ich gestehe: Ich trauere dem Japan-Urlaub immer noch hinterher. Weil klar ist, dass wir den so nie wieder machen werden können. Denn weil der Kleinste noch unter zwei ist, hatten wir für ihn keinen extra Sitz buchen müssen und schon da Geld gespart. Ab diesem Sommer sind auch wir auf die Sommerferien angewiesen, und reisen, wenn alle reisen geht einfach mehr ins Geld.

Was den Anbieter angeht, der uns mit einem Gutschein abspeisen will: Das macht mich richtig wütend. Es ist nicht mal ein Dialog möglich, es kommt nur zweimal die Woche die immer gleiche Mail. Ich verstehe, dass es der Reisebranche seit Corona schlecht geht. Aber wenn kein Dialog möglich ist, dann verprellt das Kund*innen für immer.

Bildquelle: getty images / amriphoto

Galerien

Lies auch

Teste dich