Die HPV-Impfung - was dafür spricht

Seit 2007 empfiehlt die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts (STIKO) für junge Mädchen die HPV-Impfung. Jetzt wird die Empfehlung um die Impfung gegen bestimmte HPV-induzierte Krebsarten auch für Jungen erweitert. Lesen Sie hier, was Sie über die HPV-Impfung und die neueste Entscheidung der STIKO wissen müssen.


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Impfung gegen HPV - Ja oder Nein?


© arcyto - stock.adobe.com
Was sind HP-Viren und wie können sie Krebs verursachen?


Die Humanen Papillomviren, kurz HPV, sind Erreger, mit denen die meisten Menschen in ihrem Leben in Kontakt kommen. Sie können über einfachen Hautkontakt, wie die weit verbreiteten Erreger von Warzen, oder durch Sexualkontakte übertragen werden. Sie können Haut und Schleimhäute befallen und harmlose, aber unangenehme Warzen im Genitalbereich verursachen. In den häufigsten Fällen allerdings lösen diese Viren gar keine Symptome aus. Bei 90 Prozent aller Infektionen werden die Viren vom körpereigenen Immunsystem wieder ausgelöscht. Es gibt über 200 verschiedene Typen von Humanen Papillomviren, etwa 40 davon befallen den Genitalbereich.

Zwölf dieser Virentypen stuft die internationale Krebsforschungsagentur (IARC) derzeit als Hochrisikotypen ein. Darunter fallen vor allem HPV 16 und HPV 18. Sie können als eine der Hauptursachen für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs oder auch andere Krebsarten verantwortlich sein. Damit aus einer Infektion mit den Hochrisikotypen von HPV überhaupt Krebs entstehen kann, müssen einige weitere Bedingungen erfüllt werden. Beispielsweise müsste der Virus über längere Zeit im Körper verbleiben und damit eine ständige Infektion am Gebärmutterhals auslösen. Da aber das Immunsystem in den allermeisten Fällen erfolgreich eingreift, bleiben die Viren nicht lange genug im Körper, um wirklichen Schaden anzurichten.

Eine HPV-Infektion muss über Monate oder Jahre bestehen, damit davon eine Gefahr ausgeht. Dann können am Gebärmutterhals Zellveränderungen entstehen, die auch wiederum erst nach Jahren oder Monaten tatsächlich zu Krebs werden. Durch den jährlichen PAP-Test (oft in Kombination mit dem HPV-Test) beim Frauenarzt können solche Zellveränderungen rechtzeitig erkannt und beobachtet oder beseitigt werden. Selbst bei einer auffälligen Zellveränderung bilden sich diese bei einem Großteil der Frauen von allein zurück. Für Männer gibt es noch keinen gängigen Test – sie sollten sich vor allem körperlich untersuchen lassen und mit ihrem Hausarzt oder anderen Fachärzten reden, um sich gezielt über die HPV-Infektion zu informieren. Ansonsten wird eben die prophylaktische Schutzimpfung mit dem HPV-Impfstoff empfohlen.
Neu: Warum sollen jetzt neben Mädchen auch Jungs gegen HPV geimpft werden?
Mit der Erweiterung der Impfempfehlungen auf Jungen können u.a. Genitalwarzen oder auch schlimme Analkarzinome verhindert werden. Denn die Impfung schützt vor einer HPV-Infektion und der daraus resultierenden Vorkrebsstufe. Nach Schätzungen des Zentrums für Krebsregisterdaten im Robert-Koch-Institut gibt es pro Jahr bei Männern insgesamt mindestens 1.600 Penis- und Analkarzinome sowie Karzinome in der Mundhöhle und im Rachen, die auf eine HPV-Infektion zurückgehen. Bei Frauen erkranken jedes Jahr circa 4.600 Frauen an Gebärmutterhalskrebs – fast bei allen sind HPV-Erreger der Grund dafür.

Wann sollen Jungen und Mädchen geimpft werden?


Da HP-Viren hauptsächlich durch Geschlechtsverkehr übertragen werden, empfiehlt die Ständige Impfkommission eine Impfung im Alter zwischen neun und 14 Jahren, also vor dem ersten Sexualkontakt. Das diene dazu, die Effektivität der HPV-Impfung zu erhöhen, so die Begründung der STIKO. Jüngere Mädchen und Jungs könnten die Spritzen dann auch bei den kinder­ärzt­lichen Vorsorgeunter­suchungen U 11 und J 1 erhalten.

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Für Jugendliche gibt es zwei Vorsorgeuntersuchungen: Die J1 findet zwischen 12 und 14 Jahren statt, die J2 zwischen 16 und 17.




In Deutschland gibt es derzeit zwei zugelassene Impfstoffe, Gardasil und Cervarix. Die Impfung soll im Alter von 9 bis 14 Jahren erfolgen und wird in zwei Dosen im Abstand von fünf Monaten verabreicht, wenn die Jungen oder Mädchen unter 14 Jahre alt sind. Ab einem Alter von 15 Jahren oder wenn der Impfabstand kürzer als fünf Monate ist, dann sind drei Impfungen nötig. Der Impfstoff immunisiert sowohl gegen die "harmlosen" HPV-Typen 6 und 11, die Genitalwarzen verursachen können, als auch gegen die HPV-Hochrisikotypen 16 und 18. Wie lange die Wirkung allerdings tatsächlich anhält, ist noch nicht bekannt. Bisherige Studien belegen eine über fünf Jahre andauernde Immunität. Ob danach eine Auffrischungsimpfung nötig ist, ist noch nicht geklärt.

Bis 17 Jahre übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten bei Mädchen für die Impfung. Bei Jungen haben die Impfung die meisten Krankenkassen ebenfalls in ihre Leistungen aufgenommen. Fragen Sie aber auf jeden Fall bei Ihrer Krankenkasse vorher nach.

von Evelyn Hosse




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