Hochbegabung beim Kind: Wie entdeckst du sie?

Viele hochbegabte Kinder leben ein normales Leben, nur wenn die Hochbegabung nicht erkannt wird, ist das ein Problem. Gehört dein Kind zu diese unentdeckten Gruppe?

Eine immer noch andauernde Langzeitstudie der Universität Marburg unter der Leitung von Detlef Rost kam zu dem Schluss, dass die meisten hochbegabten Kinder ein zufriedenes Leben führen. Hochbegabt sind Menschen, die einen IQ von 130 und höher haben. In Deutschland betrifft dies um die zwei Prozent der Gesellschaft.

Professor Rost untersucht seit den 80er Jahren mit dem Marburger Hochbegabtenprojekt Kinder mit überdurchschnittlicher Begabung und vergleicht sie mit den durchschnittlich intelligenten Kindern. Nur ein Sechstel der Überflieger hat Probleme in der Schule und mit seiner Umgebung. Das äußert sich vor allem in Langeweile in der Schule, provozierendem Verhalten und Aggression. Für diese Minderheit unter den hochbegabten Kindern ist es deshalb sehr wichtig, eine Diagnose zu bekommen. Und das ist gar nicht so einfach - manchmal werden die Betroffenen mit ADHS diagnostiziert, dabei würde ein passender Test Aufklärung bringen.

Hochbegabung beim Kind: Wie entdeckst du sie?

Du solltest deinem hochbegabten Kind so viele Möglichkeiten bieten, seinen Wissensdurst zu stillen.


Hochbegabung: Wie stellt man sie beim Kind fest?

Es gibt nicht das eine Anzeichen, aber grundsätzlich kann man hochbegabten Kindern bestimmte Kriterien zuordnen:

  • eine schnelle Auffassungsgabe
  • ein enormes Sprachverständnis
  • große Neugierde auf die Welt und wie sie funktioniert
  • einen wesentlich größeren Wortschatz als ihre Altersgenossen

Auf den ersten Blick sieht dies toll aus und wie gesagt - für die anderen fünf Sechstel der hochbegabten Kinder ist das auch kein Problem - sie sind integriert, haben einen Weg gefunden, ihren Wissensdurst zu stillen. Sorgen macht dann das andere Sechstel, das in der Schule und generell im Leben nicht richtig zurechtkommt, da es mit den üblichen schulischen Mitteln nicht aufgefangen wurde. Und das auch seine Eltern überfordert, die sich nicht erklären können, was da los ist, da ihr Kind in ganz anderen Mustern denken als die anderen seiner Altersklasse. Wenn dein Kind sich im Unterricht langweilt und sich isoliert, solltest du näher hinschauen.

IQ-Test für hochbegabte Kinder: Wer übernimmt die Kosten?

Ein Intelligenztest kann dann Aufklärung bringen. Aber auch so ein IQ-Test wird nie haargenau sein, denn dein Kind entwickelt sich noch. Grundsätzlich sollte ein solcher Test auf das Kindesalter zugeschnitten sein. Die Tests fangen ab einem Alter von fünf Jahren an und sie sollten alle Begabungsfelder abdecken, sei es Kreativität oder Zahlenverständnis. Die Kosten von bis zu 100 Euro für diesen Test musst du allerdings selbst bezahlen, denn die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht. Die Universität Erlangen bietet einen ersten Test an, der noch keine richtige Diagnose bringt, der dir einen Hinweis gibt, ob du in dieser Richtung weiterforschen solltest.   

Wie förderst du ein Kind mit Hochbegabung?

Hast du nun die Diagnose, dass dein Kind hochbegabt ist, fragst du dich sicherlich, wie du diese Gabe fördern kannst. Du machst es wahrscheinlich schon instinktiv, da dein Nachwuchs Wissen einfordert - Besuche in Museen sind besonders attraktiv, Bücher, Filme - alles, was den Wissensdurst deinen Kindes stillen könnte. Versuche so gut du es kannst, alle Fragen zu beantworten. Wenn du etwas nicht weißt, ist das auch nicht schlimm - wozu gibt es Bücher und das Internet? Du kannst deinem Kind ruhig sagen, wenn du etwas nicht weißt.

Sprich mit deinem Kind über die Hochbegabung, mach ihm klar, dass es eine Gabe ist und keine Behinderung. Einige Kinder fühlen sich deshalb als Außenseiter oder werden als Streber beschimpft. Rede darüber. Lenke auch das Interesse deines Kindes auf andere Themen. Lass es Sprachen lernen oder Computersprachen entdecken. Animiere es zu Bewegung, Sport kann auch helfen, dein Kind zu einem besseren Teamplayer zu machen. Rede mit den Lehrern, wie sie deinen Nachwuchs mehr fördern können. Gerade in der Grundschule kann man deinem Kind noch ein paar Zusatzaufgaben geben, wenn die anderen noch rechnen. Im Glücksfall arbeiten alle zusammen, dass deinem Kind die bestmögliche Förderung zukommt.

Schulen für hochbegabte Kinder

Es gibt mittlerweile auch Privatschulen, die sich auf hochbegabte Kinder spezialisiert haben. Oder spezielle Klassen und AGs an Regelschulen, die sich der intellektuellen Überflieger annehmen. Eine Lösung könnte auch sein, dein Grundschulkind bestimmte Fächer wie Mathe und Physik auf dem Gymnasium besuchen zu lassen. Da muss aber auch die Schulbehörde mitspielen. Befinden sich solche Möglichkeiten nicht in deiner Nähe, könnte ein Internat eine Lösung sein. Nur muss man sich das auch leisten können - oder ein Stipendium ergattern.

Bei allem solltest du aber schauen, ob dies auch etwas für dein Kind ist. Du kennst es am besten und weißt, ob ein Internat fernab der Familie die Lösung ist. Triff dich mit anderen betroffenen Eltern und hole dir Rat. Der Verein Deutsche Gesellschaft für das hochbegabte Kind bietet telefonische Beratung an.

Es ist sowieso eine gute Idee, andere hochbegabte Kinder und ihre Eltern kennenzulernen. Alles ist leichter zu bewältigen, wenn man nicht mehr das Gefühl hat, allein zu sein. Wenn alle zusammenarbeiten, Staat, Schule, Psychologen, Eltern, Kinder - dann wäre die Utopie, dass das Marburger Hochbegabtenprojekt nur von zufriedenen Kindern berichten kann, gar nicht mehr so weit hergeholt.