Begabungen von Kindern richtig fördern

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Begabungen von Kindern richtig fördern

Wie Eltern früh erkennen, welche Begabungen und Talente in ihren Kindern schlummern und wie man sie richtig und gezielt fördern kann

Begabungen und Talente: Wie entstehen sie?

Wenn es um Talente und Begabungen geht, heißt es oft: Früh übt sich, wer ein Meister werden will. Oder: Der eine hat´s, der andere eben nicht. Doch ganz so einfach ist es nicht. Zunächst geht es vielen Eltern um die Frage, wie sie die besonderen Talente ihres Kindes überhaupt erkennen. Und wie sie das Talent dann richtig fördern können. Andererseits: Wie verhalten sich Eltern am besten, wenn das Kind für bestimmte Dinge gar keine Begabung zeigt? Talent - da herrscht in der Wissenschaft Konsens - besteht aus einer Mischung von genetischen Anlagen und Umwelteinflüssen. Doch was welche Rolle spielt, wissen selbst die Experten nicht. „Talente sind außerordentlich komplex“, sagt Prof. Gerald Hüther, Neurobiologe an der Universität Göttingen und Mitbegründer des Bildungsnetzwerks WIN-Future. „Die Gene, die Prägung im Mutterleib, die Lebensbedingungen - alles beeinflusst sich gegenseitig.“ Ganz natürlich entdecken Kinder jene Bereiche zuerst, die ihre Umgebung ihnen unmittelbar bietet. Den einen fasziniert das Klavier, den anderen der neue Lederfußball, manchmal sogar beides gleichzeitig - erlaubt ist, was Spaß macht. Überhaupt: Ausprobieren! lautet die Devise für alle Kinder. Nur wer verschiedene Dinge getestet hat, kann erkennen, wo seine Begabungen und Talente liegen. „Das A und O ist eine anregungsreiche Umwelt, in der sich das Kind die Dinge auch selbst suchen kann“, sagt Prof. Detlef Rost, Psychologe an der Universität Marburg. Wer dann die Talente seiner Kinder erkennen will, muss sie nur genau beobachten. Was machen die Kleinen besonders gern? Wo zeigen sie Neugier, bleiben aus eigenem Antrieb an einer Sache dran? „Der Maßstab sind dabei die Interessen und Bedürfnisse des Kindes“, betont Prof. Rost. „Das Kind muss sich wohlfühlen bei dem, was es tut.“ Denn nur wer etwas wirklich gern tut, hat auch Chancen, richtig gut darin zu werden.

Begabungen müssen sich entwickeln

Begabungen und Talente müssen gefördert werden

Erfolg ist ein wesentlicher Gradmesser für das Talent. Was kann das Kind besser als andere? Wo macht es schnell Fortschritte? Gerade im sportlichen, musischen und künstlerischen Bereich fallen gute Leistungen und Begabungen auf - auch Trainer oder Lehrer haben einen Blick auf das Kind und können gefragt werden.
Dabei ist klar: „Talent ist nicht nur eine einzelne Spezialfähigkeit“, sagt Gerald Hüther. „Auch Mozart konnte mehr als nur gut komponieren - er hatte eine unendlich vielfältige Beziehung zur Musik.“ Damit ein Talent sich entfalten kann, braucht es Förderung - nur in Ausnahmefällen entwickeln sich Talente von ganz allein. Bis zur Einschulung allerdings kommt es vor allem darauf an, dass Kinder durch die Erfahrungen, die sie machen, ganzheitliche Kompetenzen erwerben, sagt Hüther. „Frustrationstoleranz, Motivierbarkeit, Flexibilität - wer dauerhaft Erfolg haben und Durststrecken überwinden will, kommt ohne diese Tugenden nicht aus.“ Wann welche Spezialförderung sinnvoll ist, unterscheidet sich von Bereich zu Bereich und hängt davon ab, wie weit es das Kind bringen soll und will. Virtuose Geigenspieler zum Beispiel haben in der Regel vor dem 6. Lebensjahr mit dem Üben begonnen; für Spitzensportler liegt die beste Zeit der motorischen Entwicklung für spezifisches Training zwischen acht und zwölf Jahren. Die wiederum für analytisches Denken wichtigsten Verbindungen im Gehirn bilden sich besonders während der Grundschuljahre.

Stärken: Richtig fördern

Stärken fördern, Schwächen nicht vernachlässigen

Ganz wichtig dabei ist, das Kind weder zu unter- noch zu überfordern, es in seiner ganzen Persönlichkeit voranzubringen und für eine harmonische Entwicklung zu sorgen: „Unterstützen Sie die Stärken Ihres Kindes, aber fördern Sie auch seine Schwächen“, empfiehlt der Psychologe Rost. „Es ist unsinnig, ein Mathe-Genie zu züchten, das im Sport nur ausgelacht wird.“ Die Neigungen seiner Kinder zu erkennen, aber auch die nicht vorhandenen Neigungen zu akzeptieren - das fällt manchmal schwer: Für den Hobby-Fußballer etwa, dessen Sohn lieber Bücher liest als auf dem Rasen einem Ball hinterherzurennen. Für die Kunstlehrerin, deren Tochter mit acht immer noch Strichmännchen malt, dafür aber wie ein Weltmeister rechnet. Persönliche Erfahrungen, Hoffnungen, Wünsche, unbewusste Vorurteile und Projektionen können den Blick für das Potenzial unserer Kinder trüben. Schnell werden mäßige Leistungen überbewertet oder das Kind in eine Richtung gedrängt, die es eigentlich ablehnt. Kinder reagieren sensibel auf die - auch unausgesprochenen - Wünsche ihrer Eltern. Gerade weil sie ahnen, dass sie für deren Erfüllung vielleicht noch mehr geliebt würden. So kann sich ein kleines Mädchen schon dann ein Stück in Richtung Eisprinzessin-Karriere gedrängt fühlen, „wenn es sieht, wie seine Mutter oft mit verklärten Augen Eiskunstlauf im Fernsehen anschaut“, sagt Gerald Hüther. Der Experte warnt daher auch davor, Kinder für gute Leistungen zu verwöhnen und ihnen bei schlechten die Zuneigung zu entziehen. „Dieses Belohnen und Bestrafen gehört eher in die Abteilung Zirkusdressur“, sagt er. Viel besser sei es, sich dem Kind
einfach zuzuwenden, wenn es sich mit einer Sache intensiv beschäftigt, sich mit ihm zu freuen und seine Begeisterung zu unterstützen. „Am besten ist, sein Kind liebevoll und vorurteilsfrei zu betrachten und seine eigenen Erwartungen herunterzuschrauben“, sagt Hüther. „Was immer förderungswürdig ist, sind Neugier, Offenheit und Gestaltungskraft.“

Begabungen fördern: Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Begabungen und Stärken: Wann man beginnen soll sie zu fördern:

Wer in Bereichen wie Sport oder Musik weit kommen will, sollte frühzeitig beginnen zu üben. Dies hat oft weniger mit der Hirnentwicklung zu tun als mit der Notwendigkeit, bis zu einem bestimmten Alter genügend „Übungseinheiten“ zu schaffen. Und auch die körperlichen Voraussetzungen müssen stimmen. Sport: Für Sportarten wie Turnen oder Schwimmen lohnt sich gezieltes Training schon im Alter von sechs bis acht Jahren; mit Fußball oder Tennis können Kinder auch gut in der dritten Klasse anfangen. Volleyball, Basketball oder Handball lassen sich am einfachsten zwischen neun und zwölf erlernen - in diesem Alter erfassen Kinder Bewegungsabläufe sehr schnell. Je früher bei Wettkämpfen hohe Leistungen gefordert werden, desto früher sollte man mit dem Training beginnen. Während ein Turner vielleicht mit 16-18 Jahren das Maximum seines Könnens und seiner Beweglichkeit erreicht, kann ein Profi-Fußballer auch noch mit über 30 Jahren spielen. Wichtig ist dabei immer, dass sich Kinder vielseitig bewegen: So entsteht eine breite Grundlage für Koordination und Motorik - und das ist für alle Sportarten gut. Musik: Viele Profi-Instrumentalisten haben mit dem Üben im Alter von etwa 6 Jahren (plus/minus 2 Jahre) begonnen. Instrumente wie Klavier oder Geige eignen sich auch für kleine Kinderhände; wer später Saxofon oder Klarinette lernen will, ist anfangs gut mit einer Blockflöte bedient - das schult die Musikalität und die Fingerfertigkeit. Rhythmusgefühl wiederum kann man schon mit vier Jahren durch Trommelkurse fördern. Das Üben ist bis zum Alter von etwa neun fast nur Spaß; begabte Kinder sind ohnehin oft besonders motiviert. Faustregel: Ob Geige oder Fußball - Spitzenspieler sollten zehn Jahre intensives Training einplanen.

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