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Zahlen lernen: Eins, zwei drei - Ich zähle!

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Zahlen lernen: Eins, zwei drei - Ich zähle!

Wie lernen Kita-Kinder, mit Zahlen umzugehen? Indem sie spielerisch erkennen, dass zu jeder Zahl eine Menge gehört. Mal eine große, mal eine kleine. Zählen lernen, ist für Kinder eine große Sache. Sie haben einen natürlicher Drang, sich mit Zahlen zu beschäftigen. Das dürfen Eltern laut Experten gerne unterstützen.

Zahlen braucht man immer und überall

Das Fach Mathemetik hatte ich in der Schule abgewählt, sobald sich die erste Möglichkeit bot. Hurra, nie wieder Zahlenkram, dachte ich naiv. Um kurz darauf zu merken, dass man den Zahlen nicht entkommen kann. In der Berufsausbildung oder beim Studium, bei Steuer-, Versicherungs-, Bankdingen oder auch nur beim täglichen Einkauf: Überall geht es ums Zählen und Rechnen.

Und Weggucken nützt nichts: Die Zahlen wollen sich verstanden fühlen – ob wir Lust auf sie haben oder nicht. Damit daraus eine lebenslange Freundschaft entstehen kann, ist es wichtig, sich schon früh mit ihnen zu beschäftigen. Denn niemandem ist eine Abneigung gegen Zahlen angeboren. Ganz im Gegenteil: Alle Kinder zeigen ein Interesse für Zahlen, schon Kleinkinder lieben das Zählen.

Zahlen lernen: Brauchen Kinder Unterstützung?

Doch anders als beim Sprechen- oder Laufenlernen, baut sich diese Begabung nicht von selbst aus: Wenn es keine spielerischen Anreize gibt, die den Kindern Lust auf mehr machen, verkümmert das Interesse an den Zahlen irgendwann.

Die Herausforderung liegt also bei Eltern und Erziehern: Damit die mathematischen Anlagen der Kleinen später in der Schule aufblühen können, ist es von Vorteil, die Neugier auf die Welt der Zahlen schon im Kindergarten spielerisch zu fördern. Und mit dem Zählen geht es los!

Ab wann lernen Kinder Zahlen?

Eins, zwei, drei – was kommt danach? Ab etwa dem 2. Lebensjahr fangen Kinder an zu zählen. Eine Studie der britischen Royal Society bewies sogar: Schon Einjährige begreifen, dass es einen grundsätzlichen Zusammenhang zwischen gesprochenen Zahlen und einer bestimmten Anzahl von Gegenständen gibt. Natürlich können sie diese Erkenntnis noch nicht in Worte fassen. Aber die Kleinen ahnen: Zahlen haben etwas mit „viel“ oder „wenig“ zu tun. Wie es genau funktioniert, das finden sie in den nächsten Monaten und Jahren heraus.

Den Erzieherinnen und Erziehern in der Kindertagesstätte kommt dabei eine wichtige Aufgabe zu: Die Kinder sollen erstes Zählen lernen – aber die Zahlenreihe nicht bloß auswendig lernen wie etwa einen Liedtext. Und um das Wesen der Zahlen zu verstehen, sollte es tatsächlich etwas zu „begreifen“ geben: etwas, das die Zahlen sinnlich erfahrbar macht.

„Zahlen lassen sich nur begreifen, wenn man ihre Größe begreift“, erklärt Noemi Dolber, Leiterin des internationalen Kindergartens Mafalda im Hamburger Stadtteil Sankt Pauli. Sie und ihr Team binden diese Erkenntnis in ihre tägliche Arbeit ein. Ein Beispiel: Im Morgenkreis zählen die Kinder jeden Tag, wie viele von ihnen heute anwesend sind. Dafür stehen dann zuerst die Jungs auf und alle Kinder zählen: Wie viele stehen dort? Aha, acht. Danach stehen die Mädchen auf. Es sind vier.

Die Kinder erkennen auf einen Blick, dass 4 weniger ist als 8. Und sie stellen fest, dass die Jungs und die Mädchen zusammen eine noch höhere Zahl ergeben. Dies ist nur eine von vielen Gelegenheiten, bei denen deutlich wird: Zahlen sind mehr als nur ein Wort. Sie bilden eine aufregende, eigene Welt – und es macht Spaß, sich an diese Welt heranzutasten und sie zu erforschen!

Ab wann zählen Kinder bis 10?

Wenn unsere Kinder etwas neues lernen, sind wir stolz wie Bolle. Klar, dass es ein großer Meilenstein ist, wenn die Kinder die Zahlen von 1 bis 10 können. Ein vierjähriges Kind sollte bis fünf zählen können.

Allerdings nicht die Zahlenreihe einfach auswendig können, sondern es sollte auch ein Verständnis dafür entwickeln, was dahinter steckt. Ein Kind zur Einschulung kann wahrscheinlich bis 20 lernen. Aber: Jedes Kind lernt in seinem Tempo, das gilt auch für die Zahlen.

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Zahlen üben: Warum ist spielerisches lernen so wichtig?

Das Gehirn von Kleinkindern ist unglaublich aufnahmebereit und lernfähig. Gehirnbahnen, die in jungen Jahren angelegt werden, erleichtern das Lernen im gesamten späteren Leben. Heißt das also, man sollte schon Kleinkinder mit möglichst viel Wissen füttern?

Nein, denn es geht hier nicht um abrufbare Fakten. Es geht darum, dass kleine Kinder vielseitige Erfahrungen machen können und Anreize bekommen, die unterschiedlichsten Dinge auszuprobieren. Das Gehirn ist an jedem Handgriff, an jedem Gefühl und an jeder Bewegung beteiligt. Es bildet Vernetzungen, auf die sich später aufbauen lässt.

Auf diese Weise wirkt etwa die musikalische Früherziehung: Wenn ein- oder zweimal pro Woche eine Musikpädagogin mit den Kindern singt, tanzt, trommelt und Rhythmusspiele spielt, stärkt das die grundlegenden musikalischen Fähigkeiten der Jungs und Mädchen, sie werden sich später selbstverständlicher an Instrumente und ans Singen herantrauen.

So ähnlich ist es mit der mathematischen Früherziehung: Sie soll kein Schulwissen vermitteln, indem schon in der Kita Rechnen geübt wird. Sie stellt vielmehr spielerisch die Weichen dafür, dass Kinder später keine Scheu vor dem Rechnen haben – sondern es als interessantes Spiel sehen, weil Zahlen ihre Freunde geworden sind.

Zahlen lernen mit allen Sinnen

Beim Zählenlernen sollen Kinder mit ihren Sinnen erkennen, dass hohe Zahlen „mehr“ sind als niedrige Zahlen. Sie sollen es mit ihren eigenen Augen sehen, mit den Ohren hören oder mit Händen und Füßen ertasten. Im Kindergarten Mafalda wird dafür auch die kleine Treppe genutzt, die zu den Garderoben führt: Auf jeder Stufe steht eine Zahl. Eine 1 auf der untersten, eine 10 auf der obersten.

Die Jungs und Mädchen lieben es, die Zahlen beim Hinaufsteigen zu lesen, und sie erleben dabei: Stufe 9 ist ja mächtig weit oben – während Stufe 1 fast gar nichts ist! Auch ein mit Kastanien, Körnern oder Perlen gefülltes Säckchen hilft, Mengen zu begreifen. Wenn ein Kind die Aufgabe bekommt: „Hole viele heraus!“, dann merkt es: Für hohe Zahlen muss es seine Hand weit öffnen und möglichst groß machen. Wenn es hingegen nur eine herausholen soll, macht es die Hand klein und greift mit spitzen Fingern in den Sack hinein.

Kinder, die auf solche Weise zählen lernen, begreifen die Zahlen im wortwörtlichen Sinne. Das ist die beste Voraussetzung, um sich auch später mit Freude in der Welt der Zahlen zu bewegen. Denn sich schon in der Kita für Zahlen zu begeistern, das rechnet sich fürs ganze Leben!

(von Almut Wenge / erschienen in der familie&co 01/2017)

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Bildquelle: Gettyimages/Rawpixel

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