Wie beeinflusst Marihuana die Fruchtbarkeit?

Cannabiskonsum

Wie beeinflusst Marihuana die Fruchtbarkeit?

Reduziert Marihuana Fruchtbarkeit und Zeugungsfähigkeit oder tut ein gelegentlicher Joint der Zeugungsfähigkeit von Männern und Frauen keinen Abbruch? Viele Studien haben sich mit diesen Fragen befasst.

Medizinisches Cannabis und Hanfprodukte aller Art erfreuen sich derzeit größter Beliebtheit erfreuen und scheinen – zu Recht oder Unrecht – gegen fast jedes Leiden einsetzbar zu sein. Aber wie ist es mit dem Kiffen? Da immer mehr Menschen Cannabis konsumieren und gleichzeitig die Fertilität in der westlichen Welt sinkt, fragen sich Wissenschaftler, ob es einen Zusammenhang gibt. Wie schädlich oder womöglich nützlich es ist und wie es sich auf die Fruchtbarkeit auswirkt, haben verschiedene Studien untersucht.

Stört Marihuana die Fruchtbarkeit? Die Dosis macht das Gift

Um es deutlich zu sagen: Eine ganz klare Aussage lässt sich aus den bisherigen Studien bislang leider nicht ableiten. Je nachdem, auf welchen Aspekt sich die wissenschaftliche Untersuchung konzentriert, kommen mal positive, mal negative Schlussfolgerungen heraus. So ergibt sich ein teilweise widersprüchliches Bild, das wir näher betrachten wollen.

Aus dem, was bisher bekannt ist, lässt sich so viel ableiten: Die Dosis macht das Gift, das heißt, das hoher und regelmäßiger Marihuanakonsum der Fruchtbarkeit defintiv abträglich ist. Ob gelegentlicher Konsum ebenfalls schädlich ist oder sogar gut sein könnte, ist noch nicht abschließend geklärt.

THC: Wie Marihuanakonsum sich bei Frauen auswirkt

CBD (Cannabidiol ohne die psychoaktive, also berauschende Komponente THC) kann zwar Regelschmerzen lindern, aber ein Joint kann weiterreichende Auswirkungen haben. THC, der rauschauslösende Wirkstoff in Marihuana, unterdrückt vorübergehend die Ausschüttung von bestimmten Hormonen und bremst so die Fortpflanzungsfunktionen aus. Je nachdem, wie oft und zu welchem Zeitpunkt Cannabis konsumiert wird, kann sich bei Frauen der Eisprung verschieben. Das liegt an der dämpfenden Wirkung, die THC auf die Östrogenproduktion hat – im Extremfall erfolgt gar kein Eisprung. Außerdem kann es zu Fehlgeburten in der Frühschwangerschaft kommen. Besonders vor Cannabiskonsum während einer Kinderwunschbehandlung wird von Forschern gewarnt, weil die Wahrscheinlichkeit einer Empfängnis sinkt und das Risiko einer Fehlgeburt steigt.

Quellen:
Marijuana smoking and outcomes of infertility treatment with assisted reproductive technologies

Dänische Studie ermittelt reduzierte Spermienzahl

Eine Studie aus Dänemark aus dem Jahr 2015 kommt hingegen zu dem Ergebnis, dass Marihuanakonsum generell die Spermienmenge reduziert. Über 1200 Männer zwischen 18 und 28 Jahren wurden im Rahmen der Armeemusterung untersucht und befragt. Wer öfter als einmal pro Woche kifft, hat demnach eine um durchschnittlich 28 % reduzierte Spermienzahl. Wurden zusätzlich andere Drogen konsumiert, sank die Quantität sogar um 55 %. Außerdem kann Marihuana die Mobilität und die Morphologie der Spermien beeinträchtigen, also die Spermienqualität.

Quelle:
Association Between Use of Marijuana and Male Reproductive Hormones and Semen Quality: A Study Among 1,215 Healthy Young Men

Metastudie aus den USA warnt vor Marihuana

Weil der Konsum von Cannabis immer mehr populärer wird und der THC-Gehalt in speziell gezüchteten Hanfpflanzen höher ist als noch vor zehn oder zwanzig Jahren, wertete ein Forscherteam aus Texas, Colorado und Utah bereits vorhandene Forschungsarbeiten aus. Mei Männern stellten als Folge von Marihuanakonsum eine niederigere Spermienzahl und -konzentration sowie qualitätive Veränderungen wie geringere Beweglichkeit fest, wodurch die Zeugungsfähigkeit eingeschränkt wurde. Zu Veränderungen an den Hoden sowie Einfluss auf Sexualfunktion und Libido lägen bisher lediglich Ergebnisse aus Tierversuchen vor, die noch nicht mit Menschen verifiziert wurden. Der Einfluss auf den Hormonhaushalt - Testosteronwerte und bei Frauen LH-Wert - sei noch nicht eindeutig genug ermittelt. In ihrem Fazit warnten die Wissenschaftler vor allem vor einem negativen Einfluss auf die männliche Zeugungsfähigkeit.

Quelle:
Cannabis and Male Fertility: A Systematic Review

Erhöhen gelegentliche Joints die Spermienquantität?

Allzu oft geraten nur die Extreme in den Fokus der Forschung - in diesem Fall Menschen, die wöchentlich oder öfter kiffen. Gelegentliches Rauchen von Marihuana könnte jedoch von Vorteil sein, fanden Forscher zu ihrem eigenen Erstaunen heraus. Eine Langzeitstudie am Massachusetts General Hospital Fertility Center mit 662 Männern, deren Zeugungsfähigkeit eingeschränkt war, ergab jedoch, dass Männer, die überhaupt einmal oder gelegentlich Marihuana geraucht hatten, eine höhere Spermienkonzentration aufwiesen als solche, die es nie probiert hatten. Gelegentlich sollte allerdings wirklich heißen wenig, denn häufiger Marihuanakonsum hat wohl mit großer Sicherheit einen negativen Einfluss auf die männliche Fruchtbarkeit.

Quelle: Marijuana smoking and markers of testicular function among men from a fertility centre

 

Renate Oetjens
Das sagtRenate Oetjens:

Bei Kinderwunsch Finger weg vom Joint

Auch wenn eine Studie positive Auswirkungen auf die Spermienzahl fand – unter dem Strich scheint der Einfluss von Marihuana auf die Fruchtbarkeit eher ein negativer zu sein. Ein Problem bei allen Studien ist jedoch, dass sie auf Selbsteinschätzung und -auskünften der Cannabiskonsumenten beruhen, sodass es schwer ist, eine eventuell noch veträgliche Dosis zu ermitteln.

Trotzdem ist es gut möglich, dass Paare, die es in überschaubarem Rahmen konsumieren, deswegen nicht mehr Probleme haben werden, Kinder zu zeugen. Anders sieht es jedoch bei all jenen aus, bei denen die Fruchtbarkeit und Zeugungsfähigkeit ohnehin schon eingeschränkt ist – dann kann Marihuanakonsum das Zünglein an der Waage sein, das den Kinderwunsch unerfüllt bleiben lässt.

„Es ist bedenklich, dass es so wenig klinische Forschung gibt, obwohl Marihuana die Reproduktionssysteme stark beeinflussen kann. Darum sollten alle, die sich Kinder wünschen, Marihuana meiden“, rät Dr. Sara Ilnitsky von der Western University in London, Ontario gegenüber healthline.com. Wer also auf Nummer Sicher gehen will, sollte sich bei Kinderwunsch den regelmäßigen Joint wohl lieber verkneifen.

Bildquelle: Getty Images/Tunatara

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