Hashimoto: Kinderwunsch muss kein Traum bleiben

Eine Hashimoto-Thyreoiditis macht es schwieriger, schwanger zu werden. Doch die Schilddrüsenunterfunktion muss nicht bedeuten, dass es unmöglich ist. Wie beeinträchtigen Schilddrüsenhormone die Fruchtbarkeit und was kannst du tun?

Du hast trotz Hashimoto Kinderwunsch oder hast von deiner Schilddrüsenunterfunktion erst erfahren, als es mit dem Schwangerwerden einfach nicht klappen wollte? Die Schilddrüsenhormone haben einen starken Einfluss auf das Sexleben und die Fruchtbarkeit, aber das heißt nicht, dass du nie ein Baby bekommen wirst. Das Allerwichtigste: Lass dich gründlich untersuchen und mit den geeigneten Medikamenten optimal einstellen.

Hashimoto: Kinderwunsch kann sich trotzdem erfüllen

Kinderwunsch: Hashimoto-Thyreoiditis verstehen

Der Name Hashimoto bezeichnet eine Autoimmunerkrankung, die durch eine Schilddrüsenunterfunktion entsteht und sich als Vergrößerung der Schilddrüse und chronische Schilddrüsenentzündung zeigt. Mögliche Folgen: Der Zyklus wird beeinträchtigt, die Blutungen kommen unregelmäßig oder bleiben aus, zum Eisprung kommt es womöglich gar nicht; noch dazu kann es Probleme mit der Libido und Scheidentrockenheit geben – schlecht für alle Frauen, die sich ein Baby wünschen!

Vier von zehn Frauen, die nicht schwanger werden, sollen an einer unentdeckten Schilddrüsenunterfunktion leiden, zeigt eine belgische Studie. Bei unerfülltem Kinderwunsch lohnt es sich also nachzuforschen, ob Hashimoto der Grund dafür sein könnte.

Weitere Symptome sind unter anderem:

  • Nervosität
  • zittrige Hände
  • Herzklopfen und Herzrasen
  • Schlafstörungen
  • Schwitzen, klamme Haut
  • Hunger und Durst
  • unerklärliche Gewichtsabnahme

Unbehandelt schlägt die Schilddrüsenunterfunktion irgendwann in eine Überfunktion um, bei der sich das Organ durch die dauernde Entzündung zusehends zerstört. Neben Zyklusstörungen hat dies weitere Folgen, zum Beispiel:

  • schnelle Gewichtszunahme
  • Wassereinlagerungen
  • Antriebsschwäche
  • depressive Verstimmungen
  • Heiserkeit, belegte Stimme, Husten
  • Gefühl, einen Kloß im Hals zu haben
  • Muskelschwäche und -verhärtungen
  • schwache Libido
  • trockene Haut
  • brüchige Haare und Nägel
  • Haarausfall
  • Verdauungsstörungen

Wie wird Hashimoto diagnostiziert?

Hashimoto lässt sich anhand der Blutwerte feststellen. Das Schilddrüsenhormon TSH ist allein jedoch nicht aussagekräftig genug, es sollten auch die T3- und T4-Werte gemessen werden. Außerdem gibt eine Schilddrüsensonographie weiteren Aufschluss über Ausmaß und Fortschreiten der Erkrankung.

Wenn du dir ein Baby wünschst und es noch nicht geklappt hat, solltest du auch die Schilddrüsen-Antikörper Anti-TG (TAK) und Anti-TPO (MAK) untersuchen lassen. Niedriges Östradiol, Progesteronmangel sowie ein erhöhter Prolaktin- und Testosteronwert können ebenfalls auf Hashimoto hindeuten.

Ich habe Hashimoto – und nun?

Hashimoto gehört zu den Autoimmunerkrankungen, bei denen das Immunsystem falsch reagiert und den eigenen Körper angreift. Autoimmunerkrankungen kann man behandeln und lindern, aber nach dem aktuellen Forschungsstand leider nicht heilen. Da es sich aber um eine fortschreitende Erkrankung handelt, sollte man sie nicht ignorieren – je langsamer der Verlauf, desto besser für dich.

Hashimoto-Thyreoiditis lässt sich mit Schilddrüsen-Hemmern im Falle einer Überfunktion oder mit künstlichen Schilddrüsenhormonen behandeln, die den Mangel bei der Unterfunktion ausgleichen. Allerdings kann es eine Weile dauern, bis die richtige Dosierung gefunden ist – in Zusammenarbeit mit einem Facharzt wird probiert, bis es passt. Ob entzündungshemmende Mittel wie Kortison und Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken und bei anderen Autoimmunerkrankungen zum Einsatz kommen, auch bei Hashimoto helfen, ist jedoch noch nicht ganz geklärt. Und bei Kinderwunsch sollten sie ohnehin nicht genommen werden.

Wie ausgeprägt die Erkrankung ist, ist höchst unterschiedlich. Gerade im Anfangsstadium wird sie oft gar nicht bemerkt, da die Symptome vielfältig und diffus sind und auch auf andere Krankheiten hindeuten könnten. Schon eine leichte Unterfunktion der Schilddrüse kann die Lebensqualität und auch deine Fruchtbarkeit beeinträchtigen, darum solltest du bei einem Verdacht ärztlichen Rat einholen.

Wie Hashimoto dem Kinderwunsch im Weg steht

Eine brasilianische Studie aus dem Jahr 2014 kam zu dem Ergebnis, dass 47 Prozent der untersuchten Frauen mit Hashimoto unter einer Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit litten – das heißt, dass sie binnen 12 Monaten mit normaler Frequenz des Geschlechtsverkehrs und ohne Verhütung nicht schwanger wurden.

Diese Unfruchtbarkeit muss kein Dauerzustand sein, denn sie entsteht lediglich durch die Schieflage bei den Schilddrüsenhormonen. Eine fachärztliche Behandlung, bei der du auch deinen Kinderwunsch ansprichst, kann die Schwangerschaft hoffentlich wieder in greifbare Nähe rücken. Dafür ist es wichtig, dass sich deine Frauenärztin oder dein Frauenarzt und dein Endokrinologen, der das Schilddrüsenleiden behandelt, abstimmen.

Die Schilddrüsenwerte T3 und T4 sollten dafür im Normalbereich liegen, denn von ihnen hängen Zyklus und Eisprung und Gelbkörperhormone ab. Auch für die Einnistung des Embryos und die Plazentafunktion sind diese Werte entscheidend.

Medikamente oder Lifestyle?

Der wichtigste Tipp für Frauen, die trotz Hashimoto ein Kind bekommen möchten, ist eine gesunde Ernährung und Lebensführung. Nährstoffe sind ein nützlicher Helfer, auch beim Ausgleichen einer hormonellen Schieflage. Selen und Zink werden wegen der positiven Wirkung auf das Immunsystem gezielt eingesetzt; beide Mineralien wirken entzündungshemmend und sorgen dafür, dass die eingenommenen Schilddrüsenhormone besser absorbiert werden und ihre Wirkung besser entfalten.

Bei einer stark ausgesprägten Überfunktion kommen oft auch Thyreostatika zum Einsatz, die die Ausschüttung von Schilddrüsenhormonen bremsen. Das ist nicht nur wichtig, damit es überhaupt zur Empfängnis kommt, sondern auch damit die Schwangerschaft gut verläuft. Ist eine Frau trotz Hashimoto schwanger geworden, leidet aber an einer starken Schilddrüsenüberfunktion, dann ist das Risiko höher, dass es zu Früh- und Fehlgeburt, Plazentaablösung oder Fehlbildungen kommt.

Auf der anderen Seite ist es wichtig, dass Schilddrüsenhormon-Hemmer wie Thiamazol, Carbimazol oder Propylthiouracil nicht zu hoch dosiert werden, wenn es bereits geklappt hat und die Schwangerschaft nicht gefährdet werden soll.

Ist die Schilddrüsenüberfunktion nicht stark ausgeprägt, kann auf die Thyreostatika womöglich auch ganz verzichtet werden.

Wichtig zu wissen: Die zwei Phasen von Hashimoto-Thyreoiditis bedrohen den Kinderwunsch auf unterschiedliche Weise. Während die anfängliche Schilddrüsenüberfunktion hauptsächlich die Schwangerschaft gefährdet, kommt es mit einer Unterfunktion eher zu Unfruchtbarkeit. Eine gute fachärztliche Behandlung kann dir jedoch in beiden Phasen helfen, das störende Hormonungleichgewicht auszubalancieren, damit du dein Wunschbaby bald in den Armen hältst.

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