Erster Kindergartentag: So bereiten Sie Ihr Kind vor

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Erster Kindergartentag: So bereiten Sie Ihr Kind vor

Ohne Mama und Papa gut durch den Tag kommen - das müssen Kinder erst mal lernen. So helfen Sie Ihrem Kind, sich schnell im Kindergarten einzugewöhnen.

Die Zeit vor dem ersten Kindergartentag

Schon im Vorfeld sollten Sie und Ihr Kind den Kindergarten in Ruhe erkunden. Zwischen der Anmeldung des Kindes beim Kindergarten und dem eigentlichen Eintritt sollte daher genügend Zeit liegen, um sich mit den neuen Gegebenheiten im Kindergarten vertraut zu machen.
So bereiten Sie Ihr Kind auf den ersten Kindergartentag vor:
• Erklären Sie Ihrem Kind, was es dort erwartet - dass es z.B. viele neue Kinder kennenlernt und den ganzen Vormittag spielen darf, und dass das ein Reich nur für Kinder ist, in dem Eltern gar nicht mitmachen dürfen.
• Wecken Sie die Neugier Ihres Kindes und machen Sie ihm Lust auf den Kindergarten - schließlich ist er ein wunderbarer Schritt auf dem Weg zum Erwachsenwerden.
• Reden Sie viel mit dem Kind über die neue Situation, damit das Kind keine Angst davor hat. Geben Sie Ihrem Kind das Vertrauen, dass es sich im Kindergarten rundum wohlfühlen kann.
Um den ersten Tag im Kindergarten gebührend zu begehen, darf die eigene Kindergartentasche natürlich nicht fehlen: „Die Suche z.B. nach einem Rucksack sollte mit zur Vorbereitung gehören. Bringen Sie auch einen Haken an der Garderobe an - so bekommt Ihr Kind einen eigenen Platz zugewiesen, genau wie Papa für seine Aktentasche.“

Kindergartenrucksack und Kindergartentasche

Kindergartenrucksack und Kindergartentasche
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Schnuppertage zur Kindergarten-Eingewöhnung nutzen

Einen sanften Einstieg, sich mit der Tagesstätte vertraut zu machen, bieten die sogenannten Schnuppertage, die mittlerweile eigentlich in jedem Kindergarten angeboten werden. An diesen Tagen können Eltern und Kind gemeinsam in die Spielgruppe kommen und die Kinder, Erzieherinnen und Räume kennenlernen.
„Diese Eingewöhnungsphase ist uns sehr wichtig“, sagt Sabine Dahlmühle, Erzieherin im Kindergarten Johanneskirche in Freiburg. „Schon bei der Anmeldung erkundigen wir uns bei den Eltern sehr genau, wie ihr Kind ist und worauf wir zu achten haben. Wir wollen unsere Kinder gut kennenlernen, damit wir auf ihre Bedürfnisse richtig eingehen können. Wenn das Kind dann da ist, wird es von der Gruppe herzlich willkommen geheißen.“
Jeden Tag bleiben die Eltern dann etwas länger weg. Erst geht die Mutter vielleicht nur eine Runde ums Haus, später bleibt sie dann 30 Minuten, dann eine Stunde, am Ende zwei Stunden fort, bevor sie das Kind wieder abholt. „Kinder reagieren auf eine zeitweise Trennung sehr unterschiedlich. Manche können sich sehr schnell von ihren Eltern lösen und sagen vielleicht schon am zweiten Tag: ,Mama, du kannst jetzt gehen!“, sagt Dahlmühle. Das hänge stark davon ab, ob das Kind schon vorher Erfahrungen in einer Gruppe gemacht hat oder ob es vielleicht bereits jemanden kennt. „Ideal ist natürlich, wenn es Kinder in der Tagesstätte gibt, die das Kind schon kennt“, sagt Dahlmühle. Daher sollten sich Eltern schon vorher im Bekanntenkreis erkundigen, ob nicht ein Nachbarskind ebenfalls bald in den Kindergarten kommt oder diesen bereits besucht.

Andere Kinder helfen bei der Kindergarten-Eingewöhnung

Auch im Kindergarten Sankt Franziskus setzt Leiterin Ute Kuttruf auf das Wissen der „alten Hasen“: „Da Kinder am schnellsten von anderen Kindern lernen, machen wir es so, dass ein älteres Kind aus der Gruppe jeweils die Patenschaft für einen Neuankömmling übernimmt. Dieses Kind nimmt dann das jüngere an die Hand und führt es herum, zeigt die Räume und erklärt, wo es zum Beispiel die Toilette findet oder wo gegessen wird. Das klappt bei uns sehr gut.“

Sicherheit schenken hilft bei der Eingewöhnung

Kinder lassen sich sehr von den Unsicherheiten der Mutter beeinflussen. Deshalb gibt: Nur wenn die Mama einen zuversichtlichen Eidnruck macht, traut sich auch das Kind die Eingewöhnung in der neuen Umgebung zu.

Sicherheit schenken hilft bei der Kindergarten-Eingewöhnung

Mindestens genauso wichtig für die Kindergarten-Eingewöhnung ist, dass die Mutter zeigt, dass sie Vertrauen in die neue Umgebung und zu der Erzieherin hat und davon überzeugt ist, dass der Kindergarten ihrem Kleinen guttut. „Wenn Kinder spüren, dass die Mutter unsicher ist und anscheinend nur ungern geht, wird auch das Kind sich nicht trennen und sich nur ganz schwer eingewöhnen können“, betont zur Nieden. Unsicherheit bei der Mutter mache dem Kind Angst. „Natürlich fällt es auch der Mutter nicht leicht, loszulassen - schließlich ist es oft das erste Mal, dass sie ihr Kind in fremde Hände gibt und dass andere die Erziehung übernehmen.“
Die Psychologin rät Eltern deshalb, sich vorher über das Konzept eines Kindergartens gut informieren zu lassen und in Vorgesprächen den Erzieherinnen alle Fragen zu stellen, die sie auf dem Herzen haben. Aber auch andere Mütter zu befragen, schenke Sicherheit: „Lassen Sie sich von unterschiedlichen Personen beraten. Das schafft Klarheit. Fragen Sie sich: Was macht mich unsicher? - und gehen Sie der Sache auf den Grund.“ Weitere hilfreiche Anlaufstellen sind Mütterberatungsstellen, der Kinderarzt oder ein Psychologe.

Kindergarten fördert soziale Kompetenzen

„Die meisten Kinder haben sich aber eigentlich nach ein bis zwei Wochen gut eingewöhnt und kommen gern in den Kindergarten“, sagt Sabine Dahlmühle. „Der Kindergarten bietet den Kleinen einfach eine tolle Möglichkeit, soziale Kompetenzen zu erlernen.
Hier lernen sie, dass man z.B. niemanden hauen oder ihm etwas wegnehmen darf“, sagt Saskia zur Nieden. Besonders Einzelkinder erfahren, wie sie mit anderen umzugehen haben, dass sie in der Gruppe nur eines von vielen Kindern sind.
„Zudem lernen Kinder, sich selbst einzuschätzen - das schenkt ihnen Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl.“ Für die meisten Kinder ist der Kindergarten eine spannende, neue Erfahrung. Sicher hat auch Ihr Kind viel erlebt: Was und mit wem hat es heute gespielt? Wurde gemeinsam gebastelt, gesungen, gemalt? Was gab es zu essen? „Zeigen Sie Interesse für die Erlebnisse Ihres Kindes und lassen Sie sich davon erzählen. Das Berichten vom Tag kann z.B. ein festes Ritual beim Mittagessen werden. So spürt Ihr Kind, dass es ernst genommen wird“, erklärt zur Nieden.

Das sollten Kindergarten-Kinder dabei haben

Die wichtigsten Dinge, die mit in den Kindergarten kommen

Diese Dinge sollten Kindergarten-Kinder auf jeden Fall dabei haben:

Brotdose:Neben einem gesunden Frühstück sind etwas Obst oder ein paar Gemüsestifte für Zwischendurch empfehlenswert
Trinkflasche: In vielen Kindergärten werden Tee und Wasser angeboten. Wer lieber Saft oder Schorle trinkt, darf eventuell eine eigene Flasche mitbringen
Kuscheltier: In die meisten Kindergärten darf das Kuscheltier mit. Allerdings sollte es nicht das Lieblingstier sein - falls es mal verloren geht
Zahnbürste: Geben Sie Ihrem Kind eine eigenes Zahnpflegeset mit für das gemeinsame Zähneputzen nach dem Essen
Wechselkleidung: oder eine Regenhose zum Rausgehen kann in vielen Gärten auch deponiert werden. So muss Ihr Kind nicht so viel schleppen

So erleichtern Sie sich und Ihrem Kind den Abschied

Tipps, wie Sie Ihrem Kind die Eingewöhnung in den Kindergarten und den Abschied von Mama und Papa erleichtern können. Und: Prof. Dietrich Petersen im Experten-Interview über klammernde Kinder und Eltern.

Tipps, die den Abschied erleichtern:

Und wenn doch beim Abschied Tränchen rollen, helfen ein paar einfache Maßnahmen, die Trennung zu erleichtern:
➤ Wichtig ist, dass Sie Ihrem Kind glaubhaft versichern, dass Sie es bald wieder abholen und es bis dahin gut bei der Erzieherin aufgehoben ist. Machen Sie ihm Lust auf seinen Spieltag im Kindergarten und sagen Sie ihm, was Sie machen und wann Sie zurückkehren.
➤ Seien Sie dann unbedingt pünktlich, damit Ihr Kind das Gefühl hat, auf Ihre Aussagen ist Verlass
➤ Zeigen Sie Ihrem Kind, dass Sie Vertrauen zu seiner Erzieherin haben. Schließlich ist Sie auch Ihre wichtigste Ansprechpartnerin, falls doch mal Probleme auftreten
➤ Gut ist auch, wenn Sie mit den anderen Eltern in Kontakt kommen. So entwickelt sich schnell ein sehr vertrautes Gemeinschaftsgefühl
➤ Erinnern Sie Ihr Kind an die vielen Sachen, die es im Kindergarten machen kann, z.B. draußen herumtoben, singen, spielen
➤ Zeigen Sie Ihrem Kind, wie stolz Sie auf seine Selbstständigkeit sind - denn das dürfen Sie auch sein! Für Kinder ist es ein tolles Erfolgserlebnis, sich in einer fremden Umgebung gut integriert zu haben
➤ Seien Sie auch auf sich stolz, dass Sie ein so eigenständiges Kind haben, und freuen Sie sich, dass Sie etwas Zeit für sich oder die Arbeit gewonnen haben - und Ihr Kind in der Zwischenzeit in guten Händen ist
➤ Ob Sie schnell oder langsam Abschied nehmen sollten beim Hinbringen - darüber gibt es geteilte Ansichten. Da Sie Ihr Kind kennen, werden Sie am besten wissen, ob Sie es auch mal weinend bei der Erzieherin zurücklassen können und es sich schnell beruhigt oder ob sie noch einen Moment bei ihm bleiben sollten

Warum fällt der Abschied schwer? Interview mit Prof. Dietrich Petersen

Prof. Dietrich Petersen, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie mit einer Praxis bei Cuxhaven, über klammernde Kinder und Eltern.

Baby&Co:Warum fällt es manchen Kindern so schwer, sich von ihren Eltern zu trennen?
Prof. Dietrich Petersen: Schon Kleinkinder zeigen durch Verhaltensweisen wie Weinen, wenn sie sich unsicher oder bedroht fühlen. Das Weinen hat zum Ziel, die Mutter in der Nähe zu behalten. Sie zeigen aber auch, wenn sie sich sicher fühlen. Dann gehen sie neugierig auf Erkundungstour, knüpfen Kontakte. Bindungssichere Kinder zeigen in der Regel ein feines Wechselspiel dieser beiden Verhaltensweisen. Ängstliche Kinder, die klammern, imitieren hingegen häufig das mütterliche Verhalten. Verhält sich die Mutter ambivalent, also weist sie ihr Kind mal zurück, mal hält sie es zurück, reagiert auch das Kind so.
Warum tun sich manche Mütter so schwer?
Mütter, die ihren Kindern gegenüber dieses ambivalente Verhaltensmuster zeigen, sind selbst häufig bindungsunsichere Menschen. Sie haben in ihrer eigenen Kindheit keine hinreichend bergenden Strukturen vorgefunden, also kein „Urvertrauen“ entwickelt. Tragischerweise reichen sie diese Problematik nun weiter.
Kann man Loslassen lernen?
Das kann man nicht nur, das muss man sogar - für alle Eltern eine oft belastende Herausforderung. Eigentlich ist die Geburt der Ausgangspunkt eines über lange Jahre reichenden Prozesses des Loslassens. Oft hilft aber ein gutes Vorbild oder der Ratschlag der eigenen Eltern oder Freunde, die dies alles schon durchgemacht haben. Manchmal empfiehlt sich auch die professionelle Hilfe einer Erziehungsberatungsstelle. Kinder wiederum lernen schrittweise, in Trennungen hineinzuwachsen. Oft hilft es, wenn sie stundenweise Freunde besuchen, mal bei den Großeltern übernachten und sich so in Trennungssituationen zurechtfinden müssen.

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