Reine Jobsache? Burnout wird von WHO neu definiert

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Reine Jobsache? Burnout wird von WHO neu definiert

Die Weltgesundheitsorganisation hat das Burnout jetzt als “berufliches Symptom” eingestuft – eine Maßnahme, die indirekt verdeutlicht, dass auch bei Eltern die Erschöpfung meist aus beruflichem Druck und weniger aus Stress im Familienalltag resultiert.

Stress und Überlastung sind in allen Familien ein Thema. Aber wo liegen die Ursachen?

Stress und Erschöpfung sind in allen Familien auf die ein oder andere Art ein Thema; nicht selten gehört das sogenannte Eltern-Burnout sogar für ein oder mehrere Mitglieder zum täglichen Leben dazu. Jetzt hat die Weltgesundheitsorganisation den Begriff Burnout neu klassifiziert: Bisher stand der Begriff als Synonym für starke psychische und/ oder physische Erschöpfung und war als eigenständige Krankheit mit spezifischen Symptomen definiert, die sie klar von geistigen Krankheiten wie z. B. Depressionen abgrenzt. Die Ursachen, familiär, beruflich, durch Hausbau, Sportverein, Krankheit oder andere Belastungen hervorgerufen, waren irrelevant.

Ab sofort aber steht Burnout nicht mehr für eine eigene Krankheit, sondern ein Symptom von Stress mit einer ganz klaren Ursache: dem Arbeitsplatz. Auch wenn viele Menschen Gefühle der Erschöpfung in anderen Lebensbereichen – speziell dem Familienleben – haben, soll der Begriff ab jetzt nur noch ausschließlich für das professionelle Umfeld verwendet werden.

Eltern-Burnout: Wo liegen die Ursachen?

Was ist aber mit allen Müttern und Vätern, die am Eltern-Burnout leiden? Denn auch, wenn der Begriff jetzt technisch nicht mehr korrekt ist, machen aktuelle Zahlen des Müttergenesungswerks mehr als deutlich, dass Stress und Burnout viele Familien belasten:

So nahmen letztes Jahr 48.000 Mütter an Kurmaßnahmen des Müttergenesungswerks teil, ganze 97 Prozent von ihnen hatten Burnout-ähnliche Symptome. Die Zahl der Väter, die Kurbehandlungen in Anspruch nehmen steigt kontinuierlich an und lag 2018 bei 1.600. Auch Kinder leiden unter Stress: 43 Prozent der Schüler einer Studie der DAK Gesundheit gaben an, unter großem Druck zu stehen und ganze 40 Prozent fühlten sich von der Schule gestresst, 18 Prozent von der Familie. Dabei stieg die schulische Belastung mit dem Alter der Kinder.

Was bedeutet die neue Klassifizierung also?

Zunächst hilft sie, auch die Ursachen für Eltern-Burnout genauer unter die Lupe zu nehmen, denn häufig wird dieser als hormonelle Störung ähnlich des Baby Blues oder als Überlastung im Familienalltag ähnlich der Wochenbettdepression gesehen.

Das dieses bei der Mehrzahl der Eltern aber nicht der Fall ist, zeigen die Zahlen des Müttergenesungswerks mehr als deutlich: 

Auch bei Eltern, die unter Burnout leiden, sind die Ursachen meist beruflich bedingt oder auf Probleme in der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zurückzuführen – eine Tatsache, die noch einmal mehr zeigt, welchen Einsatz berufstätige Eltern täglich leisten und dass in der Arbeitswelt ein Umdenken stattfinden muss.

So gaben 75 Prozent der Mütter Zeitdruck, 50 Prozent berufliche Belastung und 48 Prozent Probleme, Kinder und Beruf zu vereinbaren als größte Belastung in ihrem Leben an. Viel seltener ließen sich Symptome auf Stress im Familienleben zurückführen: 28 Prozent nannten Erziehungsschwierigkeiten, 24 Prozent Probleme mit dem Partner und 21 Prozent mangelnde Unterstützung als Faktoren. Bei den Vätern waren die beruflichen Ursachen sogar noch ausgeprägter.

Burnout erkennen und handeln

Symptom oder Krankheit: Als Orientierungspunkte, wie man das Burnout erkennen kann, gibt die WHO eine Liste von Anzeichen: 

  • Energielosigkeit und Erschöpfung

  • mentale Distanz bzw. negative oder zynische Gefühle in Bezug auf die Arbeit

  • geminderte berufliche Leistungsfähigkeit 

Aber egal, ob die Symptome nun aus dem Berufs- oder dem Familienleben, deren Vereinbarkeit oder ganz anderen Punkten in eurem Leben resultieren, wenn ihr ein oder mehrere Anzeichen bei euch feststellt: der Arzt eures Vertrauen ist der beste Ansprechpartner für Unterstützung und Beratung. 

Ein Burnout – ob nun Syndrom oder Symptom – ist kein Grund, sich zu schämen oder zu verstecken, sondern ein Anstoß, im Interesse der Familie etwas zu verändern.

Bildquelle:

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