Heuschnupfen bei Kindern

Kleinkind

Heuschnupfen bei Kindern

Gerade Kindern macht Heuschnupfen zu schaffen. Die klassischen Symptome: Die Augen jucken, ständiges Niesen und die Nase läuft. Was du gegen Heuschnupfen tun kannst.

Etwa jedes sechste Kind leidet unter Heuschnupfen - doch niemand muss sich deshalb den ganzen Tag zu Hause vergraben. Wir beantworten die wichtigsten Fragen dazu und geben Tipps, wie auch allergiegeplagte Kinder die warme Jahreszeit genießen können.

Was ist eigentlich Heuschnupfen?

Heuschnupfen ist eine Überreaktion des Körpers auf bestimmte Blüten-, Baum-, Kräuter- oder Gräserpollen. Der Organismus des Allergikers wittert Feinde und schaltet sein Abwehrsystem ein. Schon kleine Pollenmengen genügen, um die Bildung von Antikörpern anzukurbeln. Die wiederum setzen den Botenstoff Histamin frei, der den allergischen Schnupfen auslöst.
Weil die Pollen - je nach Blütezeit der verschiedenen Pflanzen - zu unterschiedlichen Zeiten im Jahr fliegen, können die Symptome während der gesamten Wachstumsperiode auftreten. Im Frühjahr wird Heuschnupfen durch Baumpollen (Haselnuss, Eiche, Weide, Pappel, Erle, Ulme) ausgelöst, im Früh- und Hochsommer durch Gräser- und Getreidepollen (Roggen, Hafer, Weizen), im Spätsommer und Herbst durch Kräuterpollen (Beifuß, Gänsefuß). Die gefährlichsten Monate sind oft Mai und Juni. Unser Pollenflugkalender zeigt Ihnen, wann welche Pollen fliegen:

Pollenflugkalender

Hier gibt es den Pollenflugkalender auch zum Downloaden: Pollenflugkalender als PDF
Mit Heu hat der Heuschnupfen übrigens nur indirekt zu tun: Viele Allergiker reagieren auf blühende Gräser während der Zeit der Heuernte, Heu selbst enthält dagegen kaum noch Pollen.

Wo liegen die Ursachen von Heuschnupfen?

Die Veranlagung für Allergien wie Heuschnupfen ist angeboren. Eine Studie aus der Schweiz hat diese bei 30 Prozent der Erwachsenen und bei 35 Prozent der Schulkinder nachweisen können. Ob die Krankheit aber wirklich ausbricht, hängt unter anderem von Faktoren wie Luftverschmutzung, Wohnverhältnissen oder Hygiene ab: Weil zum Beispiel die Haushalte immer keimfreier werden, kommen Kinder seltener mit Krankheitserregern in Kontakt. Das klingt zunächst positiv - andererseits wird das kindliche Immunsystem nicht genügend trainiert, bleibt damit regelrecht unterbeschäftigt und ist anfällig für Fehlreaktionen.

Heuschnupfen - Wie können Eltern vorbeugen

Eltern mindern die Allergieanfälligkeit ihrer Kinder am besten, indem sie nicht rauchen und Mama das Baby so lange wie möglich stillt, am besten sechs Monate lang. Untersuchungen haben außerdem gezeigt, dass das Immunsystem von Landkindern, die schon früh mit Nutztieren in Kontakt kommen, besonders robust ist. Nach einer Studie der Uni-Kinderklinik München erkranken Kinder, die auf Bauernhöfen aufwachsen, 15-mal seltener an Heuschnupfen und Asthma als Kinder in der Stadt.

Ist Heuschnupfen gefährlich?

Die klassischen Heuschnupfensymptome wie Niesen und Augenjucken sind zwar lästig, aber nicht gefährlich. Bei 20 bis 30 Prozent der Betroffenen kann es mit der Zeit aber zu einer gefährlichen Komplikation kommen: Die Allergie verlagert sich möglicherweise von den oberen auf die unteren Atemwege, aus dem Heuschnupfen entwickelt sich ein allergisches Asthma. Man nennt das den „Etagenwechsel“ der Allergie. Um ihn zu verhindern, sollten Eltern den Heuschnupfen ihres Kindes deshalb nicht auf die leichte Schulter nehmen und auf jeden Fall behandeln lassen.

So lässt sich Heuschnupfen feststellen

Pricktest bei Allergien

Bestätigt eine Blutuntersuchung durch Kinder- und Jugendarzt oder Allergologe den Verdacht, muss ermittelt werden, welche Pollenart oder -arten den Heuschnupfen auslösen. Das offenbart der so genannte Prick-Test (von engl. to prick = piken). Dabei werden die Reizstoffe der Pollen in Wasser gelöst auf kleine Kratzer am Unterarm des kleinen Patienten aufgetragen. Jene Stellen, die nach etwa 20 Minuten gerötet oder angeschwollen sind oder jucken, entlarven die allergieauslösenden Pollen.

Interview: Tipps bei Heuschnupfen

Interview mit Dr. Susanne Berger, Ärztin und Beauftragte für Prävention und Frühtherapie des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte.

"Fliegengitter helfen“...

… sagt Dr. Susanne Berger. Die Ärztin ist Beauftragte für Prävention und Frühtherapie des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte und selbst Mutter von zwei Kindern.
Familie&Co: Wie lässt sich Heuschnupfen bei Kindern am besten behandeln?
Dr. Susanne Berger: Wenn die Pollenflugvorhersage eine große Pollenbelastung ankündigt, sollten nicht desensibilisierte Kinder und Jugendliche mit starken Symptomen am besten morgens schon dämpfende Histaminika einnehmen. Sind die Beschwerden nicht so stark, genügen Augen- und Nasentropfen.

Familie&Co: Gibt es auch gut wirksame homöopathische Mittel?

Dr. Susanne Berger: Es gibt einige gute homöopathische Mittel im Bereich der Heuschnupfen-Symptomatik. Im Akutfall können Medikamente sinnvoll sein, die das Mittel Luffa enthalten. Eine klassische homöopathische Therapie sollte sich dann unbedingt anschließen. Wenn man die Mittel konsequent nimmt, können sie über Jahre hinweg sehr gut wirken. Dabei ist aber die Mitwirkung der Eltern gefordert - und man braucht einen guten, erfahrenen Homöopathen.
Familie&Co: Ihre Tipps für die Heuschnupfenzeit?
Dr. Susanne Berger: Eltern sollten sich auf jeden Fall einen Pollenflugkalender besorgen. Es lohnt sich auch, die Vorhersagen im Radio zu beachten, denn sie sind tagesaktuell und reagieren auf lokale Verhältnisse. Beim Lüften sind Pollenschutzgitter sehr hilfreich oder auch Fliegengitter, die etwa 80 Prozent der Pollen zurückhalten. Den ersten Regen nach einer langen Trockenzeit sollte man noch abwarten, weil er die Pollen erst mal aufwirbelt. Danach ist leichter Nieselregen aber die beste Gelegenheit, um kräftig durchzulüften und nach draußen zu gehen.
Familie&Co: Wenn ein Kind auf Birkenpollen allergisch reagiert: Muss dann die Birke raus aus dem Garten?
Dr. Susanne Berger: Nein, das nützt nicht viel. Wo eine Birke steht, stehen meist mehrere - und mit denen müssen Sie dann ja auch leben. Sinnvoller wäre da sicher eine Hyposensibilisierung gegen Birkenpollen.

Das können Sie gegen den Heuschnupfen tun

Sind die Symptome der Pollenallergie unerträglich, können Medikamente helfen. Das Problem: Rezeptfreie Medikamente müssen meist aus eigener Tasche bezahlt werden.

Das können Sie gegen den Heuschnupfen tun

Bei leichten Symptomen können schon antiallergische Nasensprays und Augentropfen hilfreich sein, schwere sind mit Medikamenten in der Regel in den Griff zu bekommen. So genannte Antihistaminika unterdrücken beispielsweise die allergische Reaktion zuverlässig. Allerdings rufen die Präparate unter Umständen Nebenwirkungen wie etwa Müdigkeit hervor.
Über die richtige Therapien sollte man sich in jedem Fall mit dem Kinder- und Jugendarzt oder einem Allergologen beraten. Nachteil aller Behandlungsmöglichkeiten von Heuschnupfen: Seit der Gesundheitsreform müssen Eltern für Kinder ab dem zwölften Lebensjahr rezeptfreie Medikamente aus eigener Tasche bezahlen - für Susanne Berger vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte eine unzumutbare Belastung von Familien, „gerade wenn mehrere Kinder betroffen sind, darf das eigentlich nicht sein“. Wenn Eltern wissen, auf welche Pollen ihr Kind allergisch reagiert, empfiehlt sich die Alltagsplanung nach dem Pollenflugkalender. Der Plan informiert darüber, in welchen Wochen des Jahres welche Pollen fliegen - grundsätzlich zumindest. Tagesaktuelle Pollenflugvorhersagen gibt's dagegen unter www.wetteronline.de (auf „Pollen“ klicken), auch viele Radiosender geben lokale Pollenflugwarnungen aus.
Am frühen Morgen sind die meisten Pollen unterwegs. Deshalb: Türen und Fenster während dieser Zeit geschlossen halten oder Pollen- bzw. Fliegenschutzgitter verwenden. Um so wenig Pollen wie möglich ins Kinderzimmer mitzunehmen, sollten kleine Allergiker ihre Sachen abends schon davor ausziehen und vorm Schlafengehen duschen und die Haare waschen.
Übrigens: Am besten haben es Heuschnupfen-Geplagte in Deutschland auf der Nordseeinsel Helgoland. Hier gibt's keine Wälder und Felder, keine Birken und Erlen - deshalb gilt das felsige Eiland als allergenärmster Ort Deutschlands!

Ist Heuschnupfen heilbar?

Beste Aussichten den Heuschnupfen loszuwerden bietet die Hyposensibilisierung. Bei dieser Art Schutzimpfung werden die Wirkstoffe der Pollen in regelmäßigen Abständen und in stetig gesteigerter Dosis unter die Haut gespritzt, bis das Immunsystem gelernt hat, die Pollen nicht mehr als Feinde zu betrachten. Diese Behandlung ist zwar langwierig (sie dauert mindestens drei Jahre), ist aber bei 90 % der Patienten erfolgreich - und in Anbetracht dessen, dass man sich jahrzehntelanges Heuschnupfen-Leiden erspart, die Mühe wert. Kinder können ab etwa acht Jahren damit beginnen.

Kreuzallergien von Heuschnupfen mit Lebensmitteln

Achtung: Menschen mit Pollenallergien leiden häufig an Kreuzallergien. Was darunter zu verstehen ist und welche Lebensmittel speziell Ihrem Kind Probleme machen könnten.

Kreuzallergien von Heuschnupfen mit Lebensmitteln

Wer gegen bestimmte Pollen allergisch ist, hat häufig auch Probleme mit verwandten Pflanzenarten. Manche Lebensmittel verschlimmern deshalb die Symptome noch (Kreuzallergie). Manche Mineralstoffe wiederum lindern allergische Reaktionen.
Baumpollen-Allergiker haben häufig eine Kreuzallergie mit
• Äpfel
• Birnen
• Aprikosen
• Kirschen
• Pfirsiche
• Pflaumen
• Tomaten
• Erdnüsse
• Haselnüsse
• Mandeln
• Paranüsse oder Walnüsse.
Gräser- und Getreidepollen-Allergiker können Kreuzallergien haben mit
• Bohnen
• Linsen
• Erbsen
• Soja
• Erdnüssen
• Getreidekörnern oder Mehl.

Bildquelle: iStock,vision net ag

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