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Expertinnen-Rat

Heuschnupfen in der Schwanger­schaft: Was werdenden Mamas sicher und wirksam hilft

Hallo Heuschnupfen: Tränende, juckende Augen, dazu eine laufende Nase und heftige Niesanfälle – auch Schwangere bleiben leider nicht immer verschont von Allergien. Aber keine Sorge: Ihr könnt eure Heuschnupfen-Symptome lindern, ohne das Baby zu gefährden. Allergie-Expertin Prof. Bettina Wedi erklärt, welche Medikamente in der Schwangerschaft wirksam und sicher sind.

Mit den Schwangerschaftshormonen ist das ja so eine Sache: Die eine Heuschnupfen-Geplagte Schwangere bleibt dank Hormonumstellung und runtergefahrenem Immunsystem von ihrem Heuschnupfen verschont. Bei der anderen passiert genau das Gegenteil – und die allergischen Beschwerden verstärken sich mit Baby im Bauch so richtig unangenehm. Studien zeigen: Jede fünfte Schwangere leidet unter Heuschnupfen-Symptomen.

Inzwischen gibt es zum Glück viele wirksame Medikamente gegen Heuschnupfen, die kaum Nebenwirkungen haben. Wer ein Baby erwartet, fragt sich aber natürlich: Welche davon dürfen auch Schwangere bedenkenlos nutzen bzw. einnehmen? Wir haben uns dazu mit Prof. Dr. med. habil. Bettina Wedi, Oberärztin und Leiterin der Allergologie an der Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie der Medizinischen Hochschule Hannover, unterhalten.

Heuschnupfen in der Schwangerschaft – welche Medikamente sind erlaubt?

Die gute Nachricht: Heuschnupfen ist auch während der Schwangerschaft behandelbar! Leidest du unter einer starken Allergie, solltest du sogar etwas dagegen tun und Medikamente nutzen, die die Symptome mildern. „Sonst kann sich ein Bronchialasthma entwickeln, das sowohl für die Schwangere Allergikerin als auch ihr Kind sehr belastend ist“, klärt die Allergie-Spezialistin auf. Asthmaanfälle können zu einem Sauerstoffmangel im Blut führen – für das Baby im Bauch ist das ein viel höheres Risiko als die Einnahme von bestimmten Medikamenten gegen Heuschnupfen-Symptome.

Verstopfte Nase – was hilft?

Viele Schwangere haben – bedingt durch die Hormone – mit einer verstopften Nase zu kämpfen. Das hat erstmal nichts mit einer Allergie, sondern vielmehr mit dem erhöhten Östrogenspiegel zu tun. Kommen hier allerdings noch Heuschnupfen-Symptome dazu, ist an freies Atmen und guten Schlaf in der Nacht kaum mehr zu denken.

Prof. Dr. med. habil. Bettina Wedi, Oberärztin und Leiterin der Allergologie an der Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie der Medizinischen Hochschule Hannover, rät im ersten Schritt zu Nasensprays mit einer Kochsalzlösung. Abschwellende Nasensprays dagegen sollten Schwangere vorsichtig dosieren und nicht über längere Zeit benutzen, denn sie können zu einer Verengung der Blutgefäße führen.

„Die Wirkstoffe Xylometazolin oder Oxymetazolin dürfen Schwangere maximal zehn Tage lang anwenden“. Hier macht es – auch für Nicht-Schwangere – Sinn, sich kurz mit seiner Ärztin oder seinem Arzt abzusprechen, weil bei längerer Nutzung Suchtgefahr besteht. Bei Babys ist in puncto abschwellenden Nasensprays ebenfalls Vorsicht angesagt.

Gibt es Mittel, die Schwangere ohne ärztliche Beratung nehmen dürfen?

„Unbedenklich ist die Anwendung von Kochsalzlösung als Nasenspray oder Nasenspülung. Und auch bei Medikamenten mit Cromoglicinsäure gibt es viele Untersuchungen, die zeigen, dass prinzipiell nichts gegen eine Einnahme in der Schwangerschaft spricht“, klärt Professorin Bettina Wedi auf. „Cromoglicinsäure hilft allerdings nicht sofort bei der ersten Anwendung in der akuten Situation. Betroffene müssen den Wirkstoff regelmäßig als Prophylaxe einnehmen.“

Was ist mit Antihistaminika während der Schwangerschaft?

Leidet eine Schwangere sehr unter ihrem Heuschnupfen, sind Antihistaminika oft unumgänglich. Die Allergologin rät: „Bei topischen Antihistaminika wie Nasensprays und Augentropfen empfehle ich Schwangeren die Wirkstoffe Azelastin und Levocabastin. Ansonsten sind Loratadin-Tabletten am unbedenklichsten. Hier wurden über 5.000 Untersuchungen bei der Anwendung in der Schwangerschaft durchgeführt.“

Die zweitmeisten Erfahrungen bestehen bei den Antihistaminika-Tabletten mit Cetirizin. Wer von Heuschnupfen geplagt ist, sollte die Medikamente entsprechend den Empfehlungen in der Gebrauchsinformation einnehmen.

Katja Gajek

Was mir gegen Heuschnupfen half

Während der Schwangerschaft habe ich nach reichlicher Recherche und einem Gespräch mit meiner Ärztin an schlimmen Heuschnupfen-Tagen Loratadin-Tabletten genommen und ein Nasenspray für Kinder benutzt. Auch regelmäßige Nasenspülungen haben mir gut geholfen.

Ist bei Heuschnupfen in der Schwangerschaft Kortison erlaubt?

Topische Glukokortikosteroide – also Nasentropfen und Sprays mit Kortison – dürfen auch Schwangere benutzen. „Sie sind hilfreich, wenn die Nase stark verstopft ist“, erklärt Allergie-Spezialistin Bettina Wedi. „Der in der Schwangerschaft empfohlene Wirkstoff ist das Budenosid.“ Manchmal reicht das aber nicht, um den Heuschnupfen in den Griff zu kriegen.

In extremen Fällen kommen Glukokortikosteroide auch in Form von Tabletten infrage. Dann raten Expert*innen zu Prednisolon. „Nicht geeignet sind in der Schwangerschaft – und generell – Depot-Glukokortikosteroide. Das sind Präparate mit Langzeitwirkung, die in den Muskel gespritzt werden. Sie haben viele unerwünschte Nebenwirkungen, sind aufgrund ihrer Depotwirkung schlecht steuerbar und bergen ein erhebliches Sicherheitsrisiko, so dass ihre Anwendung bei Allergikern als Kunstfehler gilt."

Heuschnupfen in der Schwangerschaft: Ist eine Hyposensibilisierung möglich?

„Aufgrund der sehr seltenen Nebenwirkung eines anaphylaktischen Schocks sollten Schwangere keine Hyposensibilisierungsbehandlung – auch allergen-spezifische Immuntherapie genannt – beginnen.“, klärt Prof. Dr. med. Bettina Wedi auf.

Wer die Hyposensibilisierung bereits vor der Schwangerschaft begonnen und bislang gut vertragen hat, kann sie aber weiterführen. „Dies ist ratsam bei einer lebensbedrohlichen Allergie durch Insektengift – zum Beispiel von Bienen oder Wespen – und auch bei einer allergischen Rhinitis, also Heuschnupfen, möglich.“ Wie ihr individuell vorgeht, besprichst du im Detail mit deinem behandelnden Allergologen.

Wer eine (weitere) Schwangerschaft plant, sollte bereits vorher mögliche Allergien wie einen Heuschnupfen bei einer Allergologin oder einem Allergologen abklären. Denn in der Schwangerschaft sind auch die diagnostischen Möglichkeiten eingeschränkt. Hauttestungen werden zum Beispiel nicht durchgeführt, um das Kind bei einer eventuellen allergischen Reaktion der Mutter nicht unnötig zu gefährden.

Ein Tipp von Allergie-Spezialistin Bettina Wedi

Generell gilt für schwangere Heuschnupfen-Geplagte: Fragt immer euren Arzt oder eure Ärztin, welche Medikamente ihr nutzen könnt und welche nicht. Das gilt auch für pflanzliche und nicht-verschreibungspflichtige Mittel.

Maika Karasz

Mich hat es nicht so stark erwischt

Trotzdem hatte ich auch in der Schwangerschaft Heuschnupfen mit all seinen Symptomen. Mir halfen Meerwasser-Nasenspray, Kühlpads und Augentropfen für Babys, um die Augen zu spülen. Auch einen Luftfilter kann ich empfehlen.

Was kann ich im Alltag tun, um mich vor Pollen zu schützen?

Die Allergologin Bettina Wedi hat zwei gute Tipps:

  1. Bei Heuschnupfen im Frühjahr bringt es nichts, die Birke im Garten zu fällen, denn die Pollen fliegen viele Kilometer weit. Einen gewissen Schutz bieten Pollenschutzgitter an den Fenstern und Türen und Luftreiniger sowie Pollenfilter im Auto.
  2. Hilfreich sind auch einfache, allgemeine Verhaltensmaßnahmen, denn Pollen werden in den Haaren oder mit der Kleidung ins Haus gebracht. Daher ist es ratsam sich umzuziehen, die mit Pollen bedeckte Kleidung nicht offen im Schlafzimmer liegen zu lassen und sich die Haare vor dem Schlafengehen zu waschen.

Wann fliegen eigentlich welche Pollen?

Die meisten Heuschnupfen-Geplagten sind nur auf bestimmte Pollen allergisch. Wer weiß, welche das sind, findet beim Deutschen Wetterdienst aktuelle Pollenflug-Vorhersagen.

Unser Pollenflugkalender zeigt, wann welche Allergie-Auslöser typischer Weise fliegen:

Wann fliegen welche Pollen?

Oft macht es auch Sinn, ein Allergie-Tagebuch zu führen, um herauszufinden, wann Pollen & Co die größten Probleme machen – und was individuell am besten dagegen hilft.

Heuschnupfen & schwanger: Wie kann ich bei meinem Baby einer Allergie vorbeugen?

Wer selbst unter einer Allergie wie Heuschnupfen leidet, macht sich früh Gedanken, ob und wie es gelingen kann, seinem Baby die lästigen Symptome zu ersparen. Ein Teil des Risikos ist genetisch bedingt, wird also eventuell vererbt. Einiges können Eltern jedoch positiv beeinflussen – während der Schwangerschaft und wenn das Baby auf der Welt ist:

  • Rauche nicht und sorge für eine rauchfreie Umgebung – auch der Partner oder die Partnerin sollten auf Zigaretten verzichten, wenn sie ihr Baby vor Allergien schützen möchten.
  • Ernähre dich in der Schwangerschaft und Stillzeit möglichst ausgewogen und nährstoffreich.
  • Stille dein Kind nach Möglichkeit für vier bis sechs Monate ausschließlich. Tatsächlich zeigen Studien, dass Stillkinder besser vor Allergien geschützt sind. Auf bestimmte Nahrungsmittel verzichten müssen stillende Frauen dafür übrigens nicht.

„Kochsalzlösung, topisches Azelastin, Levocabastin und Budenosid, orales Loratadin und Cetirizin sowie Prednisolon sind in der Stillzeit unbedenklich“, klärt Allergie-Spezialistin Bettina Wedi auf. Auch für eine Hyposensibilisierungs-Behandlung in der Stillzeit gibt die Ärztin grünes Licht.

Ausgewählte Quellen, Stand Januar 2022:

  • Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie e.V.:
    Leitlinie Allergische Rhinitis
  • Expertinnenrat von Prof. Dr. med. habil. Bettina Wedi, Oberärztin und Leiterin der Allergologie an der Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie der Medizinischen Hochschule Hannover, unterhalten.
  • Aktuelle Informationen zum Thema „Heuschnupfen in der Schwangerschaft und Stillzeit“ findest du auch auf der Online-Seite Embryotox, dem unabhängigen Institut für Arzneimittelsicherheit in Schwangerschaft und Stillzeit an der Berliner Charité.
  • Allergieinformationsdienst des HelmholtzZentrum München
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Bildquelle: GettyImages / Wavebreakmedia

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