Montessori Schule: Pädagogisches Konzept und Kosten

Ohne Leistungsdruck zum Erfolg

Montessori Schule: Pädagogisches Konzept und Kosten

Laut des Dachverbandes gibt es über 400 Montessori-Schulen, darunter mehr Grundschulen als weiterführende Schulen. Diese Alternative zur Regelschule wird immer attraktiver, da Eltern von dem Konzept sehr angetan sind. Gerade bei dem stetig wachsenden Leistungsdruck bevorzugen einige diese Art der Schule, in der mehr Wert auf Selbstständigkeit und eigener Entfaltung gelegt wird.

Montessori-Schule: Wie sieht das Konzept aus?

Dr. Maria Montessori begründete vor über 100 Jahren ihr pädagogisches Konzept. Für sie war klar: Jedes Kind will lernen. Die Italienerin respektierte, dass Kinder ihren eigenen Rhythmus haben. Sie sollen den Umfang, das Tempo und vor allem den Zugang zum Lernthema selbst bestimmen dürfen. Dafür bekommen sie entsprechendes Lehrmaterial. Dieses Material muss so gestaltet sein, dass die Kinder sich selbst kontrollieren können und ihre Fehler merken. So können sie durch Wiederholung den richtigen Weg finden. Für Maria Montessori war wichtig, dass die Kinder ohne Leistungsdruck in ihrer Individualität gefördert werden. Ein starrer Stundenplan stört da nur.

Montessori-Schule: Pädagogisches Konzept und Kosten
In einer Montessori-Schule stehen Lehrer den Kinderm helfend zur Seite.

"Hilf mir, es selbst zu tun"

Das ist im Prinzip die Direktive der Montessori-Pädagogik. Die individuelle Förderung kann nicht im Frontalunterricht geschehen, wie es an der Regelschule geschieht. Im Unterricht an einer Montessori-Schule stehen die Lehrer hilfestellend zur Seite. Sie geben Ratschläge und stupsen Kinder in die richtige Richtung. Damit dies auch funktioniert, gibt es eine vorbereitete Umgebung. Es gibt genügend Raum und Lernmaterial, mit dem sich die Kinder beschäftigen sollen. Jeder Tag beginnt mit Freiarbeit, in der die Schüler selbst bestimmen, welcher Aufgabe sie sich gerade widmen wollen.

Maria Montessori befand, dass Kinder am besten durch ihre Sinne lernen. Also greifen und somit begreifen. Dieses Konzept wird im typischen Montessori-Lehrmaterial deutlich: Um Mathematik zu verstehen, lernen die Kinder von Anfang an die Dimensionen. 1000 Perlen kann man berühren und verschieben. Sandpapierbuchstaben weisen den Weg zur Schrift, Wortartensymbole erklären Grammatik, Puzzle von Weltkarten helfen bei der Geografie. Alles soll so interessant und so sinnlich wie möglich gestaltet sein, damit die Kinder nicht den Spaß am Lernen verlieren.

Montessori-Schule: Pädagogisches Konzept und Kosten
Mit Perlen lernen Kinder in der Montessori-Schule das Rechnen.

Vorbereitete Umgebung

Damit die Kinder eigenständig lernen können, müssen sie auch wissen, wo sie etwas finden. Diese vorbereitete Umgebung bedeutet, dass die Kinder alles selbstständig tragen können - Möbel und Lehrmaterial sind dementsprechend ausgerichtet. Wenn sie ihre Hilfsmittel suchen, finden sie alles an einem bestimmten Ort. Das Material gibt es nur einmal. Kinder werden so angehalten, es sorgsam zu behandeln. Sie teilen viel und arbeiten zusammen.

Montessori-Schule: Kinder lernen von Kindern

Maria Montessori nahm sich die Familie als Beispiel, wie Kinder lernen. Die Kleinen schauen sich die Dinge ab. Entweder von Erwachsenen oder von ihren älteren Geschwistern. Deshalb sind die Klassen altersgemischt, manchmal liegen drei Jahre zwischen den Kindern. Die Jüngeren sollen von den Älteren lernen. Und die Älteren lernen, wie man Dinge so erklärt, dass alle sie verstehen.

 

Gibt es Noten?

An einer Montessori-Schule ohne staatliche Zulassung werden keine Noten vergeben. Stattdessen verfassen die Lehrerinnen Berichte, wie sich das Kind entwickelt und was es alles gelernt hat. Die individuelle Entfaltung und Erziehung zu einem selbstständigen und disziplinierten Wesen ist wichtiger. Deshalb wird auch das Sozial-und Arbeitsverhalten in den Berichten ausführlich behandelt. Schulen mit staatlicher Zulassung fangen dagegen ab der achten Klasse sachte mit einem Notensystem an, um den möglichen Übergang zu einer Regelschule zu erleichtern.

Wie in der Waldorfschule, legt auch diese Alternativschule Wert darauf, dass die Kinder praktischer arbeiten und ein großes Naturverständnis bekommen. Es gibt Landwirtschaftsprojekte, die die Kinder eigenständig durchführen. Aber auch Theater- und Kunst-AGs finden sich in den weiterführenden Klassen.

Wie viel kostet die Montessori-Schule?

Da Montessori-Schulen Privatschulen sind, ist ein monatliches Schulgeld fällig. Dieses richtet sich nach dem Einkommen der Eltern. Es gibt eine Solidargemeinschaft, die Kindern von finanziell schwächeren Familien erlauben soll, die Schule zu besuchen. Deutschlandweit gibt es keine Einheitlichkeit - zwischen 80 und 500€ pro Monat werden von den unterschiedlichen Schulen verlangt. Dazu kommt noch eine Gebühr für die Einschulung. Trotz des Schulgelds herrscht eine große Nachfrage, die das Angebot übersteigt.

Abitur in der Montessori-Schule?

Es gibt wesentlich mehr Grundschulen, die der Montessori-Pädagogik folgen, als weiterführende Schulen. Wer eine weiterführende Montessori-Schule besucht, kann am Ende der neunten Klasse mit einer großen Arbeit, die einen praktischen und theoretischen Teil hat, seinen Montessori-Abschluss machen. Um einen allgemeingültigen Abschluss zu bekommen, müssen die Kinder eine entsprechende Prüfung ablegen. Die meisten Schüler wechseln zu einer Regelschule, wenn sie einen höheren Abschluss anstreben.

Der Übergang zu einer Regelschule stellt viele Kinder am Anfang vor Problemen, da das pädagogische Konzept so anders ist. Fachlich dürfte es kaum Schwierigkeiten geben, denn die Montessori-Schule hält sich an den staatlichen Lehrplänen. Gerade im mathematischen Bereich wird Montessori-Schülern ein Vorteil attestiert.

Montessori-Schule: Pädagogisches Konzept und Kosten
Ein Kind entdeckt in der Montessori-Schule die unterschiedlichen geometrischen Formen.

Für welche Kinder ist die Montessori-Schule geeignet?

Es gibt Kinder, die brauchen Grenzen und Vorgaben, um sich wohlzufühlen. Für sie ist die Montessori-Schule weniger geeignet. Für alle anderen kann diese Schulart eine Alternative sein, denn sie fördert Selbstständigkeit und soziales Verhalten. Das Lehrmaterial hilft Kinder gerade im mathematischen Bereich, die Dinge zu erfassen. Gerade in der Grundschule können hier Kinder aufblühen, die sonst in der Regelschule einen schweren Stand hätten. Was die höheren Schulabschlüsse betrifft, besteht noch Ausbaubedarf.

Fest steht, dass Montessori-Schulen bei Eltern immer beliebter werden. Sie nehmen dafür den längeren Schulweg in Kauf und auch die erhöhten Anforderungen: Mütter und Väter müssen sich hier wesentlich mehr engagieren und sich am Schulalltag beteiligen. Auch wenn sich immer mehr Schulen gründen - diese Schulform bleibt eine Nische. Dabei könnten sich die Regelschulen einiges von ihnen abschauen.

 

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